Weiterlesen Menschen mit Demenz verlieren nach und nach Erinnerungen und damit oft auch den Zugang zu wichtigen Teilen ihrer Biografie. Gleichzeitig können weit zurückliegende Erlebnisse wieder stärker in den Vordergrund treten. Für queere Menschen kann dies besondere Herausforderungen mit sich bringen. Diskriminierungserfahrungen, Ausgrenzung oder frühere Lebenssituationen können erneut präsent werden. Gerade ältere queere Menschen haben teilweise strafrechtliche Verfolgung erlebt oder waren gezwungen, ihre Identität zu verbergen und in gesellschaftlich erwarteten Rollen zu leben. Mit fortschreitender Demenz kann es zudem vorkommen, dass Hemmschwellen sinken und Menschen sich erstmals oder erneut gegenüber ihrem Umfeld outen. Die Broschüre möchte diese Perspektiven sichtbar machen und Angehörigen, Fachkräften, Beratungsstellen sowie Einrichtungen Orientierung bieten. Sie verbindet fachliche Informationen mit praxisnahen Empfehlungen und soll dazu beitragen, Diskriminierung vorzubeugen sowie Unsicherheiten im Umgang mit queeren Menschen mit Demenz abzubauen. In einer Pressemitteilung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft vom 8. Juni 2026 betont Anneke Wilken-Bober vom Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein die Bedeutung von Verbündeten, sogenannten Allies, die sich für die LSBTIQ* Community einsetzen: „Menschen mit Demenz sind nicht nur hetero und weiß. Vielfalt lebt vom Mitmachen und es braucht viele Menschen, die sich positionieren. Jahrzehntelang haben beispielsweise Lesben, Schwule und auch Trans* Personen um Sichtbarkeit gekämpft. Sie brauchen sogenannte ‚Allies‘, Verbündete: Menschen, die sich in unserer immer noch stark heteronorm geprägten Gesellschaft für sie einsetzen, im Kleinen und im Großen.“ Menschen mit Demenz sind in besonderem Maße auf ein respektvolles und unterstützendes Umfeld angewiesen. Umso wichtiger ist es, dass Angehörige, Pflegekräfte und andere Bezugspersonen sensibel auf unterschiedliche Lebensrealitäten eingehen und Diskriminierung entgegenwirken. Mit „Demenz und queer – Vielfalt denken, sehen, ermöglichen“ liegt nun eine überarbeitete bundesweite Ausgabe vor. Ergänzend wurde eine Hörversion veröffentlicht, um die Barrierefreiheit des Angebots zu verbessern. Neu hinzugekommen ist unter anderem ein zusätzliches Kapitel zu Begrifflichkeiten unter dem Titel „Miteinander sprechen“. Die Broschüre kann im Shop der Deutschen Alzheimer Gesellschaft kostenlos als PDF heruntergeladen oder als Druckversion bestellt werden. Ergänzend steht ein Informationsplakat zur Verfügung.
Weiterlesen Die Organisator*innen verstehen den CSD ausdrücklich als antifaschistisch. Sie begründen dies damit, dass queere Menschen zu den zentralen Feindbildern rechtsextremer Akteur*innen gehören. Zudem verweisen sie auf die historischen Wurzeln der CSD-Bewegung. Die Stonewall-Proteste von 1969 seien von Widerstand gegen Diskriminierung und staatliche Repression geprägt gewesen. Antifaschismus sei daher von Beginn an Teil queerer Emanzipationsbewegungen gewesen. In diesem Jahr ist zudem das Werben für politische Parteien auf der Veranstaltung untersagt. Die Organisator*innen begründen dies damit, dass der Einsatz für Sichtbarkeit, Gleichberechtigung und gesellschaftliche Teilhabe nicht für parteipolitische Zwecke instrumentalisiert werden solle. Kritik an dieser Positionierung kommt unter anderem vom schwulen SPD-Politiker Christian Bergmann. In einem Artikel des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (shz) wirft er den Organisator*innen vor, „Pinkwashing von extremen politischen Positionen“ zu betreiben. Bergmann nimmt nach eigenen Angaben bereits seit den 1990er Jahren an CSDs teil, möchte der Veranstaltung in Quickborn in diesem Jahr jedoch fernbleiben, da er sich nicht als „linksautonomen Steinewerfer“ sehe. Die Gleichsetzung von Antifaschismus und Extremismus begleitet die Debatte um den Quickborner CSD bereits seit seiner Premiere im vergangenen Jahr. Damals äußerten CDU und FDP Kritik und erhoben unter anderem Vorwürfe über verbale Angriffe auf Polizist*innen und Politiker*innen. Die Organisator*innen wiesen diese Darstellung zurück und verweisen angesichts der aktuellen Kritik auf ihre Stellungnahme aus dem Vorjahr. Der Konflikt verdeutlicht die unterschiedlichen Auffassungen über die politische Ausrichtung von CSD-Veranstaltungen. Während die zu starke politische Positionierung der Veranstaltung mancherseits kritisiert wird, verstehen die Organisator*innen Antifaschismus als notwendigen Bestandteil queerer Interessenvertretung. Nach Angaben verschiedener Organisationen und Medienberichte waren im Jahr 2025 zahlreiche CSD-Veranstaltungen von rechtsextremen Gegenprotesten, Störaktionen oder Einschüchterungsversuchen betroffen. Vor diesem Hintergrund begründen die Veranstalter*innen ihre antifaschistische Ausrichtung mit dem Schutz queerer Menschen und dem Einsatz gegen queerfeindliche und rechtsextreme Bestrebungen.
Veranstaltungshinweis: Queerfilmnacht
2. Juni 2026Weiterlesen Die Queerfilmnacht möchte queere Geschichten auf die Kinoleinwand bringen und dabei auch Orte erreichen, in denen es nur wenige Angebote für die LSBTIQ* Community gibt. Gleichzeitig bietet sie queeren Filmschaffenden und ihren Werken eine Plattform in einer Filmbranche, die nach wie vor überwiegend von nicht-queeren Erzählungen geprägt ist. Im Juni steht der Film „Donkey Days“ auf dem Programm. Die Komödie erzählt die Geschichte zweier Schwestern, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Angetrieben von den Erwartungen ihrer Mutter befinden sich beide seit Jahren in einem ständigen Konkurrenzverhältnis. Als sie in ihr Elternhaus in Norddeutschland zurückkehren, werden sie mit alten Konflikten, Familiengeheimnissen und unverarbeiteten Verletzungen konfrontiert. Dabei nähern sie sich einander langsam wieder an. Für Norddeutschland stehen bereits folgende Termine fest: Im Juli wird außerdem „Drunken Noodles“ gezeigt, im August folgt „Strange River“. Auf der Webseite der Queerfilmnacht lassen sich das aktuelle Programm, Kurzbeschreibungen der Filme sowie Trailer einsehen. Außerdem besteht die Möglichkeit, nach teilnehmenden Kinos in der jeweiligen Region zu suchen.
Weiterlesen Milk wuchs in New York auf, besuchte dort die Highschool und später das New York State College for Teachers. Schon früh setzte er sich mit gesellschaftlicher Vielfalt auseinander. Nach seinem Abschluss im Jahre 1951 trat er in die US Navy ein, verließ diese jedoch nach vier Jahren, nachdem er wegen seiner Sexualität befragt worden war. 1972 zog Milk nach San Francisco, das damals als Anlaufstelle für homosexuelle Menschen, Künstler*innen und Hippies galt. Gemeinsam mit seinem Partner Scott Smith lebte er in der Castro Street, dem Zentrum der queeren Szene. Dort eröffneten die beiden ein Fotogeschäft, das sich schnell zu einem wichtigen Treffpunkt im Viertel entwickelte. Milk wurde als „Bürgermeister der Castro Street“ bekannt. Sein wachsendes politisches Interesse führte schließlich zu einer Kandidatur für den Stadtrat von San Francisco. Obwohl er zunächst erfolglos blieb, engagierte er sich weiterhin politisch. Nachdem Geschäftsleute versucht hatten, zwei schwulen Männern die Eröffnung eines Ladens zu verbieten, gründete Milk gemeinsam mit anderen Unternehmer*innen die Castro Village Association – einen der ersten Zusammenschlüsse überwiegend queerer Unternehmen. Später berief ihn sein enger Freund und Bürgermeister George Moscone in ein städtisches Gremium. Damit gehörte Milk zu den ersten offen schwulen Amtsträgern in den USA. 1977 gelang ihm schließlich der Einzug in den Stadtrat von San Francisco. Sein Wahlsieg gilt bis heute als Meilenstein für die LSBTIQ* Community in den USA. Milk setzte sich sowohl für die Rechte homosexueller Menschen als auch für soziale Themen wie Kinderbetreuung und bezahlbaren Wohnraum ein. Besonders bekannt wurde sein Einsatz gegen die sogenannte „Proposition 6“ in Kalifornien, die die Entlassung homosexueller Lehrkräfte ermöglicht hätte. Harvey Milk und George Moscone wurden am 27. November 1978 vom ehemaligen Politiker Dan White im Rathaus erschossen. In der darauffolgenden Nacht gingen tausende Menschen auf die Straße, um der beiden Politiker zu gedenken. White wurde später zu einer vergleichsweise milden Haftstrafe verurteilt. Harvey Milks Leben und politisches Wirken wurden vielfach künstlerisch aufgearbeitet. Sein Engagement gilt bis heute als wegweisend für nachfolgende Generationen queerer Aktivist*innen.
Rückblick: Teddy Award 2026 – Queeres Kino zwischen Widerstand, Sichtbarkeit und Vielfalt
14. April 2026Weiterlesen Der Teddy Award gilt als Hinweis für gesellschaftliche Entwicklungen und politische Kämpfe innerhalb der queeren Community weltweit. Auch in diesem Jahr zeigte sich, dass queeres Kino vielfältig, widerständig und international vernetzt ist. Viele der ausgezeichneten Filme greifen Themen auf, die über individuelle Geschichten hinausgehen: Sie zeigen Repressionen gegen queere Menschen in autoritären Staaten, Fragen von Identität und Zugehörigkeit, aber auch queere Lebensfreude, Solidarität und Selbstermächtigung. Gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung setzt der Teddy Award damit ein deutliches Zeichen für Sichtbarkeit und Menschenrechte. Die Bandbreite der prämierten Filme spiegelt die Diversität queerer Lebensrealitäten wider. Dokumentar-, Spiel- und Kurzfilme eröffnen unterschiedliche Zugänge: von sehr persönlichen, intimen Geschichten bis hin zu politisch aufgeladenen Narrativen. Auffällig war in diesem Jahr erneut die starke Präsenz von trans* und nicht-binären Perspektiven sowie intersektionalen Erzählungen, in denen queere Identität mit Fragen von Herkunft, Rassismus oder sozialer Ungleichheit verwoben ist. Auch wurde deutlich, wie unterschiedlich queeres Leben weltweit geprägt ist: Während in einigen Ländern Fortschritte bei Gleichstellung und Akzeptanz erzielt wurden, sehen sich queere Menschen andernorts massiver Diskriminierung oder sogar Verfolgung ausgesetzt. Die ausgezeichneten Filme geben diesen Realitäten ein Gesicht. Sie erzählen von Mut und Widerstand, aber auch von Verletzlichkeit. Sie schaffen Empathie und Verständnis über kulturelle und geografische Grenzen hinweg. Auch fast vierzig Jahre nach seiner Einführung hat der Teddy Award nichts an Relevanz verloren. Im Gegenteil - in einer Zeit, in der queere Rechte in vielen Teilen der Welt erneut unter Druck geraten, ist kulturelle Sichtbarkeit ein zentraler Bestandteil politischer Teilhabe. Damit bleibt der Preis ein wichtiger Bestandteil der internationalen Filmkultur – und ein starkes Zeichen für eine offene, vielfältige Gesellschaft.
Queer und Fußball – ein schwieriges Verhältnis
9. April 2026Weiterlesen Ein aktuelles Beispiel: Christian Dobrick Ein wichtiges Signal setzte zuletzt der Trainer von FC St. Pauli, Christian Dobrick, der sich öffentlich als homosexuell geoutet hat. Sein Schritt wurde von vielen Seiten als mutig und richtungsweisend bewertet. Dobrick selbst betonte, dass er mit seinem Coming-out auch anderen im Fußball Mut machen wolle. Die Reaktionen aus Verein, Fanszene und Öffentlichkeit fielen überwiegend positiv aus. Dennoch zeigt gerade dieser Fall, wie außergewöhnlich ein solches Outing im Profifußball nach wie vor ist. Deutschland: Fortschritt auf dem Papier, Stillstand auf dem Platz? In Deutschland gibt es zahlreiche Initiativen für Vielfalt im Fußball. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) positioniert sich öffentlich gegen Diskriminierung, Vereine beteiligen sich an Kampagnen, Stadien zeigen Regenbogenflaggen. Dennoch gibt es keinen offen schwulen aktiven Spieler in der Bundesliga. Dahinter stehen die Angst vor den Reaktionen der Fans, die Sorge um Karrierechancen sowie Unsicherheiten im Umgang innerhalb von Teams. Die Initiative „Fußball für Vielfalt“ und auch Kampagnen wie #ihrkönntaufunszählen zeig(t)en zwar Wirkung im Diskurs, haben aber bislang nicht dazu geführt, dass sich Spieler sicher genug fühlen, offen zu leben. Der ehemalige DDR-Nachwuchsspieler Marcus Urban beendete seine Karriere, weil er seine Homosexualität nicht offen leben konnte. Erst Jahre später machte er sie öffentlich und wurde zu einer der wichtigsten Stimmen für Vielfalt im Fußball. Seine Geschichte ist kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Beispiel: Talent allein reicht nicht, wenn das Umfeld nicht sicher ist. Urban selbst betont immer wieder, dass sich zwar die gesellschaftliche Debatte verändert habe, die Strukturen im Profifußball jedoch deutlich weniger. Frauenfußball: Sichtbarer, aber nicht gleichgestellt Während im Männerfußball Unsichtbarkeit vorherrscht, zeigt sich im deutschen Frauenfußball ein anderes Bild. Spielerinnen wie Almuth Schult oder internationale Stars, die auch in der Bundesliga spielen, gehen offen(er) mit queeren Identitäten um. Das wirkt zwar auf den ersten Blick progressiv, doch auch hier gilt: Sichtbarkeit bedeutet nicht automatisch Gleichberechtigung und die Medienaufmerksamkeit bleibt oft hinter der des Männerfußballs zurück. Die Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfußball machen deutlich, dass es nicht nur um Akzeptanz geht, sondern um gesellschaftliche Zuschreibungen. Was sich ändern muss Wenn der deutsche Fußball wirklich vielfältig sein will, braucht es mehr als Kampagnen. Notwendig sind beispielsweise verlässliche Schutzstrukturen für Spieler*innen, klare Sanktionen bei Diskriminierung im Stadion und online, verbindliche Diversity-Konzepte in Vereinen und Verbänden sowie sichtbare Unterstützung durch Führungspersonen im Sport. Vor allem aber braucht es ein Klima, in dem ein Coming-out nicht als Risiko, sondern als Selbstverständlichkeit gilt.
Spuren queeren Lebens im Norden: Geschichte, Orte und Erinnerungskultur in Norddeutschland
7. April 2026Weiterlesen Heute bemühen sich Initiativen, Archive und Community-Projekte darum, diese Geschichten sichtbar zu machen. Ein zentraler Bezugspunkt queerer Erinnerungskultur ist die Verfolgung während des Nationalsozialismus. Homosexuelle Männer wurden nach § 175 des Strafgesetzbuches verfolgt; rund 50.000 Männer wurden verurteilt, viele weitere inhaftiert oder in Konzentrationslager deportiert. Verschiedene Projekte versuchen heute, diese oft vergessenen Geschichten sichtbar zu machen. Ausstellungen wie „Gefährdet leben“, die beispielsweise in Bremen gezeigt wurde und ab April in Goslar zu sehen sein wird, erzählen von Biografien queerer Menschen zwischen Anpassung, Widerstand und Überleben. Hamburg spielt in der queeren Geschichte Norddeutschlands eine besondere Rolle. Schon früh entwickelte sich rund um den Stadtteil St. Georg eine sichtbare Community: Bars, Treffpunkte und politische Initiativen machten das Viertel zu einem zentralen Ort queeren Lebens. Neben politischem Aktivismus wächst auch die Erinnerungskultur. Projekte wie der Queer History Month Hamburg laden jedes Jahr im Mai dazu ein, die Geschichte queerer Communities durch Stadtführungen, Lesungen und Ausstellungen neu zu entdecken. Bei der Aufarbeitung queerer Geschichte spielt Kultur eine wichtige Rolle. Ein Beispiel ist der Hamburger Dokumentarfilm „Verzaubert – Lesben und Schwule erzählen Geschichte“ (1993, seit 2010 auf DVD). Der Film porträtiert ältere Hamburger Lesben und Schwule und ihre Erfahrungen während der NS-Zeit und der frühen Bundesrepublik – ein damals außergewöhnliches Projekt, weil viele Betroffene jahrzehntelang über ihre Lebensgeschichten geschwiegen hatten (hier geht’s zum Trailer). Die Entwicklung einer queeren Erinnerungskultur ist eng mit politischem Engagement verbunden. Organisationen und Initiativen wie der LSVD+ Verband Queere Vielfalt haben jahrzehntelang dafür gekämpft, dass queere Opfer des Nationalsozialismus offiziell anerkannt werden und Teil der öffentlichen Gedenkkultur sind. Queere Geschichte ist kein Randthema der Geschichtsschreibung. Sie erzählt von gesellschaftlichen Normen, Demokratiebewegungen und individuellen Lebenswegen, die lange übersehen wurden.
Großbritannien: Studie zu Pubertätsblockern ausgesetzt – was bedeutet das für trans* Jugendliche?
19. März 2026Weiterlesen Die sogenannte PATHWAYS-Studie sollte untersuchen, welche Auswirkungen Pubertätsblocker auf Kinder und Jugendliche mit Geschlechtsinkongruenz haben. Geplant war, über mehrere Jahre rund 220 junge Menschen in die Studie aufzunehmen und medizinisch zu begleiten. Ziel war es, mehr wissenschaftliche Daten über Nutzen und Risiken der Behandlung zu gewinnen. Pubertätsblocker sind Medikamente, die vorübergehend die körperlichen Veränderungen der Pubertät unterdrücken sollen. In der Behandlung von trans* Jugendlichen werden sie eingesetzt, um Zeit für diagnostische Abklärung und persönliche Entscheidungen zu gewinnen. Bevor die Studie mit der Rekrutierung von Teilnehmenden beginnen konnte, griff jedoch die britische Arzneimittelbehörde MHRA ein. Sie äußerte neue Sicherheitsbedenken und empfahl, das Studienkonzept noch einmal zu prüfen. Konkret geht es unter anderem um mögliche langfristige biologische Risiken sowie um Fragen der Altersgrenze und des Einwilligungsprozesses. Das britische Gesundheitsministerium erklärte, die Studie werde erst fortgesetzt, wenn geklärt sei, dass Sicherheit und Wohlbefinden der beteiligten Kinder und Jugendlichen ausreichend gewährleistet sind. Bis dahin sollen Forschende und Behörden gemeinsam Anpassungen am Studiendesign prüfen. Die Entscheidung, die Studie zu pausieren, wird jedoch auch kritisch gesehen. Einige Fachleute und LSBTIQ*-Organisationen befürchten, dass politische Kontroversen die medizinische Forschung ausbremsen könnten. Für junge Menschen, die bereits entsprechende Medikamente erhalten, gilt in Großbritannien weiterhin, dass ihre Behandlung individuell geprüft und fortgeführt werden kann. Gleichzeitig arbeiten Forschende daran, Studien so zu gestalten, dass sie sowohl ethisch vertretbar als auch wissenschaftlich aussagekräftig sind. Die aktuelle Entwicklung zeigt vor allem, wie komplex die medizinische Versorgung von trans* Jugendlichen ist. Zwischen dem Schutz junger Menschen, der wissenschaftlichen Evidenz und dem Recht auf angemessene Gesundheitsversorgung müssen sorgfältige Entscheidungen getroffen werden, die nur auf Grundlage solider Forschung möglich sind.
Weiterlesen Doch trotz wachsender Akzeptanz stehen Regenbogenfamilien noch immer vor besonderen Herausforderungen – rechtlich, gesellschaftlich und im Alltag. Gleichzeitig gibt es auch Fortschritte, etwa durch neue politische Initiativen oder regionale Unterstützungsangebote. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten 2024 in Deutschland 31.000 gleichgeschlechtliche Paare mit insgesamt rund 50.000 Kindern. Die meisten dieser Kinder wachsen bei lesbischen Paaren auf, doch auch schwule Väter, trans* Eltern oder Patchworkkonstellationen gehören zur Realität. Trotz gesellschaftlicher Fortschritte gibt es im deutschen Familienrecht noch Lücken. Besonders deutlich wird das bei lesbischen Paaren mit Kindern: Während der biologische Vater eines Kindes automatisch rechtlicher Elternteil sein kann, gilt das für die zweite Mutter bislang nicht automatisch. In vielen Fällen muss sie ihr eigenes Kind erst durch eine Stiefkindadoption rechtlich anerkennen lassen. Queere Familienverbände fordern deshalb seit Jahren eine Reform des Abstammungsrechts, damit beide Elternteile von Beginn an rechtlich anerkannt werden (siehe auch unsere Artikel hier und hier). Für viele Regenbogenfamilien ist der Alltag heute weitgehend selbstverständlich: Kita, Schule, Spielplatz – alles läuft ähnlich wie bei anderen Familien auch. Dennoch berichten Eltern immer wieder von Situationen, in denen sie erklären müssen, warum ein Kind zwei Mütter oder zwei Väter hat. Besonders in ländlicheren Regionen kann Sichtbarkeit noch mit Unsicherheiten verbunden sein. Gleichzeitig hat sich viel verändert. Viele Kitas und Schulen arbeiten heute bewusst mit Konzepten zu Vielfalt und Familienformen, um unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar zu machen. Eine wichtige Rolle spielen Beratungsstellen und Community-Netzwerke, die Regenbogenfamilien begleiten und unterstützen. Beispielsweise bieten sie Austauschgruppen für Eltern, Beratung zur Familiengründung, Informationen zu rechtlichen Fragen und Treffen für Kinder aus Regenbogenfamilien. Diese Angebote helfen Familien, sich zu vernetzen und Erfahrungen zu teilen, besonders dort, wo queere Strukturen noch nicht stark sichtbar sind. In Schleswig-Holstein wird das Thema Vielfalt in Familien zunehmend politisch und gesellschaftlich aufgegriffen. Das Land unterstützt Projekte zur Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, darunter auch Angebote für Regenbogenfamilien. Gerade in einem Flächenland mit vielen kleineren Städten und ländlichen Regionen ist diese Vernetzung wichtig. Sie schafft Räume, in denen Familien Unterstützung finden und Erfahrungen austauschen können. In Kiel und Umgebung finden Regenbogenfamilien-Treffen organsiert von HAKI e.V. statt.
Zunahme von Gewalttaten im Zusammenhang mit queerem Dating – Was ist die Realität? Wie geht es Betroffenen? Und wie kann ich mich schützen?
24. Februar 2026Weiterlesen Wie das Magazin Schwulissimo bereits vor über einem Jahr berichtete, nutzen Täter*innen Dating-Apps systematisch, um queere Menschen in Hinterhalte zu locken und sie dann zu überfallen, zu verletzen und auszurauben. Der vermeintlich oder ehemals sichere community-nahe Raum verliert seinen geschützten Charakter. Die Taten folgen häufig einem ähnlichen Muster: Über Dating-Apps wird Kontakt aufgebaut, Sympathie erzeugt und ein Treffen vereinbart. Vor Ort kommt es dann zu Überfällen. Gerade schwule oder bisexuelle Männer* bewegen sich häufiger in anonymen öffentlichen Räumen, etwa in Parks oder Seitenstraßen, auch weil sie nicht geoutet sind oder Diskretion suchen. Diese Umstände werden von Tätergruppen gezielt ausgenutzt. Angriffe finden jedoch auch in den eigenen Wohnräumen der Opfer statt. Was zurückbleibt, sind Erfahrungen, die das Leben der Betroffenen tiefgreifend prägen. Viele entwickeln Ängste und Panik, ziehen sich zurück und beenden ihr offenes Dating- und Sexleben. Die gerade erlangte Freiheit, sich offen sexuell ausleben zu können, wird durch Gewalt und Angst erneut eingeschränkt. Hinzu kommt mangelndes Verständnis für die Opfer – innerhalb wie außerhalb der Community. Nicht selten kommt es zu Täter-Opfer-Umkehr, indem Betroffenen „Leichtsinn“ unterstellt wird. Plattformen wie Grindr, die auf geosozialer Interaktion basieren, können diese Dynamiken begünstigen. Profile werden auf Grundlage des geografischen Standorts angezeigt, spontane Begegnungen werden gefördert. Frühere Sicherheitslücken, bei denen sogar Personen ohne eigenes Profil auf Standortdaten zugreifen konnten, zeigen, wie solche Funktionen gezielte Angriffe erleichtern können. Konkrete Zahlen zu queerfeindlichen Taten sind schwer zu benennen, da viele Übergriffe nicht angezeigt werden. Gründe sind fehlendes Outing, Angst vor respektlosem Verhalten durch Behörden oder Scham, weil das Treffen als sexuelles Date geplant war. Zudem erschwert die häufige Anonymität der Profile die Ermittlungen. Gleichzeitig spiegeln sich steigende queerfeindliche Gewaltformen in den Zahlen politisch motivierter Kriminalität wider. Für 2024 wurden im Unterthemenfeld „sexuelle Orientierung“ 1.765 Straftaten (+18 %) registriert, im Bereich „geschlechtsbezogene Diversität“ 1.152 Fälle (+35 %). Eine Vielzahl dokumentierter Fälle aus verschiedenen Städten zeigt, dass sich Gewalttaten im Zusammenhang mit Dating-Apps häufen (der LSVD+ dokumentiert die Taten hier). Nur bei wenigen dieser Taten konnte innerhalb eines Strafprozesses Homophobie oder Queerfeindlichkeit als Tatmotiv festgestellt werden, was auch mit der schwierigen Identifizierung der Täter zusammenhängt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass viele dieser Übergriffe von queerfeindlichen Einstellungen begleitet werden. Gewalt im Kontext queeren Datings ist kein Randphänomen, sondern Ausdruck wachsender gesellschaftlicher und struktureller Queerfeindlichkeit. Sichere Räume – auch digitale – zu verteidigen, bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Zugleich braucht es einen Ausbau der Prävention, konsequente Strafverfolgung und solidarische Unterstützung für Betroffene. Wo und wie können Betroffene Hilfe suchen? Bei akuter Gefahr gilt: 112 oder 110. Präventionsmöglichkeiten Vor dem Date können Video-Calls oder Social-Media-Abgleiche zur Verifizierung beitragen. Freund:innen sollten über Ort und Zeit informiert werden.
Nach einem Vorfall sollten medizinische Versorgung gesichert, Beweise dokumentiert und – auch anonym möglich! – Anzeige erstattet werden. Auch Beratungsstellen bieten Unterstützung, zum Beispiel:
Beim Treffen empfiehlt sich ein öffentlicher Ort für das erste Date, eine eigenständige An- und Abreise sowie Aufmerksamkeit im Umgang mit Getränken.
Digital sollten Standortfreigaben eingeschränkt und sensible Daten nicht im Profil hinterlegt werden.






