Echte Vielfalt

17. Februar 2026

Zwischen Vorbild und Warnsignal: Europas Blick auf ein queeres Deutschland

Im Jahr 2026 stehen die Rechte queerer Menschen in Deutschland und Europa an einem kritischen Punkt. Zwar zeigt das aktuelle Rainbow-Map-Ranking von ILGA Europe, dass Deutschland im Vergleich zu 49 europäischen Ländern auf Platz 8 liegt, doch hinter dieser Zahl verbergen sich Ambivalenz und wachsende Unsicherheiten.

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Europa: Fortschritt und Gegenwind

Deutschland wurde zuletzt leicht nach oben gereiht, doch die Lage in Europa ist uneinheitlich: Nur 22 Länder ermöglichen die gleichgeschlechtliche Ehe und Transpersonen können in lediglich zwölf Staaten ihren Personenstand rechtlich ändern. Pride-Paraden und queere Veranstaltungen sind in mindestens 14 Ländern eingeschränkt oder werden offen angegriffen.

Zugleich warnt die internationale queere Bewegung vor einer Koordination globaler Rückschläge, die unter dem Deckmantel von „Tradition“ und „öffentlicher Stabilität“ Rechte zurücknehmen und Diskriminierung festigen wollen. Dieses Phänomen ist nicht auf einzelne Staaten beschränkt, sondern zeichnet sich in verschiedenen Regionen Europas ab.

Die EU-Strategie: Ambitioniert – aber umstritten

Die neue Gleichstellungsstrategie der EU (2026–2030) verspricht mehr Schutz für LGBTIQ+-Personen, Maßnahmen gegen Gewalt und Hass im Netz sowie inklusive Arbeitsbedingungen. Doch viele queere Organisationen kritisieren die EU dafür, in den vergangenen Jahren zu wenig bewirkt zu haben – symbolische Erklärungen statt wirksamer Politik.

Laut dem Ipsos LGBT+ Pride Report 2025 sinkt zudem die weltweite Akzeptanz queerer Menschen: Nur 47 % der globalen Bevölkerung unterstützen LGBTIQ+-Personen, und Anti-Diskriminierungsgesetze werden nur von rund 51 % befürwortet.

Deutschland im Spiegel Europas

Die Meinungen queerer Akteur*innen aus anderen EU-Ländern über Deutschland zeigen ein differenziertes Bild:

  • Schweiz: Deutschland gilt als rechtlich fortschrittlich – etwa durch die Ehe für alle und umfassende Gleichbehandlungsgesetze. Es gebe jedoch weiterhin Herausforderungen, etwa bei der Anerkennung queerer Elternschaft.
  • Belgien: Deutschland sei ein wichtiges Menschenrechtsland in Europa, habe aber politisch an Dynamik verloren. Der Rückzug aus früheren EU-Kooperationen sende ein negatives Signal für die Verteidigung queerer Rechte.
  • Großbritannien: Deutschland erscheine liberal und tolerant, doch einige sehen neue ideologische Spannungen, die nicht unbedingt progressiv seien. Zudem warnen sie vor gesellschaftlichen Veränderungen durch Einwanderungs- und Integrationsdebatten.

Gesellschaft und Politik in Deutschland

Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Deutschen weiterhin gleiche Rechte befürwortet: 78 % stehen einem allgemeinen Schutz vor Diskriminierung positiv gegenüber, 71 % unterstützen die Ehe für Schwule und Lesben. Doch bei konkreten Anti-Diskriminierungsgesetzen sinkt die Zustimmung auf 49 % und 18 % lehnen solche Gesetze ab.

Innerhalb Deutschlands ist die Stimmung ambivalent: Queere Kultur und Gemeinschaften sind sichtbar und vielfältig, doch politische Polarisierung und hetzerische Stimmen verunsichern viele LGBTIQ+-Personen.

Solidarität und Vernetzung als Schlüssel

Ein zentrales Thema im Austausch zwischen Community-Vertreter*innen ist die Notwendigkeit internationaler Solidarität. Queere Organisationen aus der Schweiz, Belgien, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich betonen, wie wichtig grenzüberschreitende Zusammenarbeit und gemeinsame Strategien gegen queere-feindliche Bewegungen sind. Insbesondere die Finanzierung zivilgesellschaftlicher Initiativen müsse gestärkt werden, um langfristig Rechte zu sichern.

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