Echte Vielfalt

Fibel Echte Vielfalt

Selbstbestimmung, Gleichberechtigung, Sichtbarkeit sind grundlegende Themen für jeden Menschen und sollen auch für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Inter* und Queere (LSBTIQ*) gelten. Damit sich alle angesprochen fühlen können und sichtbar sind, formuliert die Fibel geschlechtersensibel.

Die Fibel „Echte Vielfalt“ will interessierten Menschen den Zugang zu Begriffen der geschlechtlichen und sexuellen Vielfalt erleichtern. Die Fibel will Irrtümer und Vorurteile ausräumen, Interesse und Verständnis wecken. Einblicke in die Begriffs-und Lebenswelten von LSBTIQ* können einen Einstieg dazu bieten. Ein Anspruch auf Vollständigkeit wird ausdrücklich nicht erhoben. Die Fibel lädt vielmehr ein, neugierig zu bleiben und sich über die angebotenen Inhalte hinaus zu informieren.

Die Fibel kann in gedruckter Form auf der Seite des Sozialministeriums bestellt werden.

Grundlagen

Die Buchstaben stehen für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Inter*, Queere, das Sternchen steht für alle weiteren geschlechtlichen Identitäten und sexuellen Orientierungen.

(englisch: schräg, seltsam)

Das Wort steht für lsbtiq* Menschen. Mittlerweile ist dieser Begriff positiv besetzt und meint Personen, die nicht cisgeschlechtlich (siehe unten) und/oder heterosexuell sind.

Queer kann jede Person sein, die Geschlecht und Sexualität nicht „traditionell“ lebt.

Ausführlichere Informationen zum Begriff queer gibt es auch in diesem Artikel.

(englisch: Gemeinschaft)

Menschen in einer Gemeinschaft befinden sich in ähnlichen Lebenssituationen. Die Menschen der queeren Community etwa haben gemeinsam, dass sie wegen ihrer geschlechtlichen Identität und/oder sexuellen Orientierung ähnliche Erfahrungen, Probleme oder Sorgen haben. Gemeinsam möchten sie die Lebenslagen verbessern.

(lateinisch tolerare: dulden, ertragen / lateinisch accipere: annehmen, anerkennen)

Ein toleranter Mensch erduldet oder erträgt einen anderen Menschen mit seinen Eigenschaften. Ein akzeptierender Mensch nimmt einen anderen Menschen mit seinen Eigenschaften an. Dies ist ein aktiver Vorgang und geschieht freiwillig. Einander akzeptierende Menschen begegnen sich auf Augenhöhe.

Queere Menschen verdienen Akzeptanz, weil sie nicht mehr oder weniger wert sind als andere Menschen.

Seit 2019 berücksichtigt das deutsche Personenstandsrecht, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt. Menschen, die nicht weiblich oder männlich sind, können keinen Geschlechtseintrag oder den Geschlechtseintrag „divers“ wählen. Bislang fehlen der deutschen Sprache entsprechende Worte/Begriffe für diese Menschen, z. B. in der Anrede. Eine geschlechtersensible Anrede könnte lauten: „Guten Tag Vorname, Nachname“. Neutrale Formulierungen können auch verwendet werden. Um alle Geschlechter sichtbar zu machen, bietet sich etwa das Gender-Sternchen (*) oder der Gender-Gap (_) an.

Diese Fibel nutzt das Gender-Sternchen. Beispiele sind Arbeitnehmer*innen, Schüler*innen, liebe*r Leser*in. Gesprochen wird das Gender-Sternchen durch ein kurzes Innehalten im Redefluss.

Ausführliche Informationen zum Thema geschlechtersensible Sprache finden Sie auch hier.

Stellt eine Person für sich fest, dass sie „queer“ ist, erlebt sie ihr inneres Coming-out. Wenn sie sich dazu entschließt, weiteren Menschen ihre geschlechtliche Identität oder sexuelle Orientierung zu nennen, beginnt sie das äußere Coming-out. Zwischen beiden Phasen können lange Zeiträume liegen.

Das äußere Coming-out ist jeweils ein aktiver, selbstbestimmter Prozess. Mit jeder neuen Begegnung entscheiden queere Menschen neu, ob sie ihre geschlechtliche Identität und/oder ihre sexuelle Orientierung mitteilen. Viele Menschen fühlen sich nach dem äußeren Coming-out erleichtert und befreit.

Outen bedeutet, dass jemand die geschlechtliche Identität und/oder sexuelle Orientierung einer dritten Person bekannt macht. Wenn die geoutete Person nicht einverstanden ist, verstößt das gegen die Selbstbestimmung.

(englisch pride: Stolz)

CSD ist die Abkürzung für „Christopher Street Day“. 1969 haben sich trans*, homo-und bisexuelle Menschen in der Christopher Street in New York in der Kneipe „Stonewall Inn“ gegen Diskriminierung gewehrt. Der Aufstand nahm schnell die umliegenden Straßen ein und dauerte drei Tage an.

Damit begann international eine neue Bewegung für die Gleichberechtigung queerer Menschen.

Ein CSD ist eine politische Demonstration queerer Menschen für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung. In immer mehr deutschen Städten gibt es CSDs, die queere Menschen sichtbar machen. An vielen Gebäuden wird dann die Regenbogenflagge als Zeichen der Akzeptanz gehisst. In anderen Ländern werden CSDs „Pride“ genannt. Es demonstrieren nicht nur queere Menschen, sondern auch „Allies“.

(englisch ally: Verbündete*r)

Nicht-queere Menschen, die für die Rechte von LSBTIQ* eintreten, werden als „Allies“ bezeichnet.

IDAHOBIT ist die Abkürzung für den „Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, und Transfeindlichkeit“. Er findet jährlich am 17. Mai statt. An diesem Tag hat die Weltgesundheitsorganisation im Jahr 1990 festgelegt, dass Homosexualität keine Krankheit ist.

Wenn queere Menschen im Alltag ganz offen und selbstverständlich sichtbar sind, können Vorurteile abgebaut werden. Seit mehreren Jahren berichten zum Beispiel mehr Medien über queere Menschen. Sie sind häufig in Serien und Nachrichten zu sehen. Für queere Menschen ist das sehr wichtig. Sie sehen, dass sie okay sind, wie sie sind. Queere Menschen in Sport, Kunst, Kultur oder Politik können so zu Vorbildern werden. Vorbilder erleichtern das Coming-out. Auch im täglichen Leben, auf der Straße,auf CSDs, in der Schule, im Beruf, im Club oder im Freundeskreis ist es wichtig, queere Menschen zu sehen.

Cisgeschlechtliche, heterosexuelle Menschen erhalten durch die Sichtbarkeit queererMenschen Einblick in deren Leben. So entsteht Akzeptanz.

Die Fibel nennt Bezeichnungen, welche die meisten LSBTIQ* auch für sich nutzen. Diese Bezeichnungen sind nicht alle, die es gibt. Menschen können sich auch anders bezeichnen als hier dargestellt. Nicht alle Menschen finden sich in dieser Auflistung wieder.

Die von Menschen gewählten Selbstbezeichnungen für ihre geschlechtliche Identität und/oder ihre sexuelle Orientierung haben Vorrang!

Geschlecht

Der Begriff Geschlecht hat biologische, identitätsstiftende, soziale und rechtliche Aspekte.

Weitere Informationen zu Geschlecht und einigen der nachfolgenden Begriffe gibt es auch in diesem Beitrag.

Aus dem biologischen Blickwinkel betrachtet, spielen äußere und innere Geschlechtsorgane, Hormone und Chromosomen beim Geschlecht eine wichtige Rolle. Vulva, Vagina, Eierstöcke, Östrogen, Brüste, Progesteron und XX-Chromosomen gelten als weiblich. Hoden, Penis, Testosteron und XY-Chromosomen gelten als männlich.

Menschen werden bei ihrer Geburt je nach Beschaffenheit der äußeren Geschlechtsorgane einem Geschlecht zugewiesen.

(englisch gender: soziales Geschlecht)

Für das soziale Geschlecht gibt es in der deutschen Sprache kein entsprechendes Wort. Die englische Sprache kennt hierfür das Wort „gender“. Es wurde daher in die deutsche Sprache übernommen. Gender ist unabhängig von biologischen Merkmalen.

Je nach Gesellschaft, Ort und Zeit gibt es verschiedene Erwartungen an die sozialen Geschlechter. Eine ist der Geschlechtsausdruck: Menschen drücken ihr soziales Geschlecht zum Beispiel durch Kleidung, Stimme, Frisur und Verhalten aus. Andere Menschen nehmen diesen Geschlechtsausdruck wahr und deuten ein Geschlecht.

Geschlechtliche Identität ist das innere und persönliche Wissen, zu einem oder zu keinem Geschlecht zu gehören.

In Deutschland werden Menschen bei der Geburt zumeist den Geschlechtern „männlich“ oder „weiblich“ zugewiesen. Diese Zuweisung kann mit der geschlechtlichen Identität übereinstimmen. Sie kann sich aber von ihr auch unterscheiden. Die geschlechtliche Identität ist die Antwort auf die Frage „Welches Geschlecht habe ich?“

In Deutschland steht das Geschlecht jedes Neugeborenen im Personenstandsregister. Die Geschlechtszugehörigkeit bringt einige Folgen im deutschen Recht mit sich, zum Beispiel die Anrede, das Recht auf Mutterschutz und Frauenförderung.

Geschlechtliche Vielfalt

(lateinisch cis: diesseits)

Cisgeschlechtlich sind diejenigen, deren Geschlechtsidentität dem Geschlecht entspricht, welches ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Beispiel: Eine Person wird geboren und die äußeren Geschlechtsmerkmale werden als weiblich eingeordnet. Das Leben lang hat diese Person die innere Gewissheit, Mädchen oder Frau zu sein.

(lateinisch trans: jenseits)

Bei trans* Menschen unterscheidet sich das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht von der geschlechtlichen Identität.

Trans*Männer sind Männer, deren äußere Geschlechtsmerkmale bei der Geburt als weiblich eingeordnet wurden. Bei trans* Frauen wurden bei der Geburt die äußeren Geschlechtsmerkmale als männlich eingeordnet.

Es gibt trans* Menschen, die ihren Körper der Geschlechtsidentität angleichen wollen. Dafür benötigen sie medizinische Maßnahmen, z. B. Hormontherapie, Logopädie, geschlechtsangleichende Operationen. Es gibt trans* Menschen, die sich für einige oder auch keine Maßnahmen entscheiden.

Auch genutzte Formulierungen: transsexuell, transgender, transident, transgeschlechtlich.

(englisch non-binary: nicht binär / lateinisch a: ohne, nicht vorhanden)

Wenn Menschen sich nicht mit einem der zwei Geschlechter „weiblich“ oder „männlich“ identifizieren oder eine weitere Geschlechtsidentität haben, bezeichnen sie sich häufig als nicht-binär.

Auch genutzte Formulierungen für nicht-binär bzw. nonbinary: enby, nb, genderqueer.

Menschen, die sich ohne Geschlechtsidentität definieren, bezeichnen sich als agender.

(lateinisch inter: zwischen)

Inter* Menschen haben von Geburt an sowohl weibliche als auch männliche körperliche Geschlechtsmerkmale. Diese können bei den äußeren, den inneren Geschlechtsorganen, der Hormonproduktion bzw. den Chromosomen vorhanden sein. Manchmal fällt schon bei der Geburt auf, dass das Neugeborene inter* ist, z. B. durch medizinisch nicht eindeutige äußere Geschlechtsmerkmale. In anderen Fällen entspricht das Kind äußerlich dem klassischen Bild eines Jungen oder Mädchens. Entsprechend erfolgt dann die Zuweisung zu einem Geschlecht. Bleibt später z. B. die Geschlechtsreife aus oder verläuft die Pubertät nicht dem zugewiesenen Geschlecht entsprechend, wird oft festgestellt, dass eine Person inter* ist.

Inter* ist grundsätzlich eine natürliche Entwicklung.

Auch genutzte Formulierungen: intersexuell, intersex, zwischengeschlechtlich, intergeschlechtlich oder Varianten der Geschlechtsentwicklung.

Sexuelle Orientierungen

Die sexuelle Orientierung ist ein wichtiger Teil der Persönlichkeit. Im Laufe eines Lebens kann sie sich ändern, sie ist aber nicht zielgerichtet manipulierbar. Die sexuelle Orientierung sagt aus, auf welches Geschlecht oder welche Geschlechter sich das Begehren und die Zuneigung richten.

Als die Bezeichnungen heterosexuell, homosexuell und bisexuell entstanden, waren die anerkannten Geschlechter ausschließlich weiblich oder männlich.

Die sexuelle Orientierung ist die Antwort auf die Fragen „Wen liebe ich?“ und „Von wem fühle ich mich angezogen?“

(griechisch hetero: verschieden, ungleich / lateinisch sexus: Geschlecht)

Heterosexuelle Menschen empfinden Liebe und Begehren zu Menschen des anderen Geschlechts. Heterosexuelle Frauen lieben Männer und heterosexuelle Männer lieben Frauen. Die meisten Menschen definieren sich als heterosexuell. Deshalb setzen große Teile der Gesellschaft diese Orientierung als selbstverständlich voraus. So wird auch von einer heteronormativen Mehrheitsgesellschaft gesprochen. Heterosexuelle Menschen brauchen nicht über ein Coming-out wegen ihrer sexuellen Orientierung nachzudenken.

(griechisch homo: gleich / lateinisch sexus: Geschlecht)

Homosexuelle Menschen empfinden Liebe und Begehren zu Menschen des eigenen Geschlechts. Homosexualität ist ein Oberbegriff.

Er wird unterteilt in:

  • Homosexuelle Frauen. Weit verbreitet sind die (Selbst-) Bezeichnungen „Lesben/lesbisch“ oder „frauenliebende Frauen“ für gleichgeschlechtlich liebende und begehrende Frauen.
  • Homosexuelle Männer. Weit verbreitet ist die (Selbst-)Bezeichnung „Schwuler/schwul“ für gleichgeschlechtlich liebende und begehrende Männer.

(lateinisch bi: zwei)

Bisexuelle Menschen empfinden Liebe und/oder Begehren zu mehr als einem Geschlecht. Die Vorstellung, dass Bisexualität sich nur auf Frauen und Männer ausrichtet, ist überholt.

(griechisch pan: umfassend, alles / griechisch poly: viele)

Pansexuelle Menschen empfinden Liebe und Begehren für Menschen, unabhängig von deren Geschlecht. Sie können sich in alle Menschen verlieben.

Polysexuelle Menschen empfinden Liebe und Begehren zu Menschen vieler Geschlechter, jedoch nicht zu allen.

Asexuelle Menschen haben kein oder wenig Verlangen nach Sexualität mit anderen Menschen. Sie empfinden keine oder wenig sexuelle Anziehung und haben kein oder nur seltenes Interesse an sexueller Interaktion mit anderen Menschen.

Weitere Informationen über Aromantik finden Sie in diesem Beitrag.

Formen des Zusammenlebens

Seit 2017 ist die Ehe für alle Paare geöffnet. Diese Paare dürfen auch gemeinsam Kinder adoptieren. Die Ehe für alle ist ein großer Schritt zur Gleichberechtigung von lsbtiq*-Menschen.

Seit 2001 konnten gleichgeschlechtliche Paare nur eingetragene Lebenspartnerschaften eingehen. Diese hatten nicht die gleichen Rechte wie Ehen, z. B. konnten diese Lebenspartner*innen gemeinsam kein Kind adoptieren.

Seit der Ehe für alle können Paare keine eingetragenen Lebenspartnerschaften mehr eingehen. Bereits geschlossene Lebenspartnerschaften können die Standesämter rückwirkend zu Ehen umwandeln.

Bei einer „Regenbogenfamilie“ ist mindestens ein Elternteil queer. Am bekanntesten sind Regenbogenfamilien mit zwei Müttern oder zwei Vätern. Es sind viele weitere Konstellationen möglich, z. B.: cis-Frau und trans* Frau, heterosexuelle Frau und bisexueller Mann, non-binary-Eltern, ein schwuler alleinerziehender Vater. Die Kinder stammen etwa aus vorherigen Beziehungen oder werden in die Regenbogenfamilie geboren. Auch Adoptionen und Pflegeelternschaften sind möglich.

Weitere Informationen über Familien mit zwei Müttern finden sich in diesem Beitrag.

(griechisch poly: viele / lateinisch amor: Liebe)

Polyamorie ist der Begriff für eine Mehrfachbeziehung. Eine Person liebt mehrere Menschen und unterhält mit ihnen Liebesbeziehungen. Alle beteiligten Menschen wissen voneinander und haben diesem Beziehungsmodell zugestimmt. Polyamorie kann unabhängig von der geschlechtlichen Identität und der sexuellen Orientierung gelebt werden.

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit

Werten Menschen andere aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe ab, grenzen sie aus oder begehen Straftaten gegen diese, wird von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit gesprochen. Diese menschenfeindliche Haltung kann sich in Feindseligkeit, sozialer Abneigung bis hin zu körperlicher Gewalt zeigen.

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit beinhaltet auch diskriminierende Regeln, Prozesse oder Strukturen in Institutionen, z. B. Gesetzgebung.

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit äußert sich u. a. in Vorurteilen, Abneigungen, Aggressionen sowie Feindseligkeiten gegen LSBTIQ*.

auch genutztes Wort: homophob/Homophobie

Gegner*innen von Homosexualität betonen die veraltete Norm, dass allein die Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau rechtlichen Schutz verdiene. Weitere Liebesformen werten sie ab. Gerade auch im Sport halten sich Vorbehalte gegen Schwule und Lesben.

Ausführlichere Informationen über Homofeindlichkeit finden Sie auch in diesem Beitrag.

Die Bundesrepublik Deutschland übernahm den §175 von den Nationalsozialisten unverändert ins Strafgesetzbuch (StGB). Erst 1969 wurde der Paragraph entschärft und homosexuelle Männer mussten kein Gefängnis mehr fürchten. Es bestand aber bis 1973 das höhere Schutzalter von 21 statt 18 Jahren für männliche Homosexuelle. Erst ab dem Alter von 21 Jahren blieben homosexuelle Handlungen unter Männern straffrei.

In der DDR regelte der neue §151 seit 1968 das Schutzalter bei sexuellen Handlungen mit Menschen des gleichen Geschlechts bei Männern und Frauen: es lag bei 18 Jahren. Dieses Gesetz strich die DDR zum Dezember 1988.

Das vereinte Deutschland schaffte den §175 Strafgesetzbuch im Jahr 1994 endgültig ab. Seit 2017 erst gibt es die Möglichkeit, dass nach §175 StGB verurteilte Menschen rehabilitiert werden können.

Bisexuelle Menschen können von den gleichen Diskriminierungen betroffen sein wie homosexuelle Menschen. Darüber hinaus werden sie häufig auch innerhalb der LSBTIQ* Community diskriminiert.

Trans* Personen machen oft die Erfahrungen, dass andere sie nicht ernst nehmen, z. B. wenn sie ihren Namen ändern, die entsprechende Toilette nutzen und ihrer Identität entsprechend leben wollen. Viele trans* Menschen kennen die Erfahrung, dass sie nicht so angesprochen werden, wie es für sie richtig ist.

Kinder, die inter* sind, werden häufig nach der Diagnose schon als Babys operiert oder mit Medikamenten behandelt. Es werden geschlechtszuweisende Operationen oder hormonelle Eingriffe durchgeführt, damit die äußeren Geschlechtsorgane eindeutig sind. Um dieses Ziel zu erreichen, sind häufig mehrere Operationen nötig. Außerdem müssen nach dem Entfernen der Keimdrüsen lebenslang Hormone eingenommen werden. Diese sind schwierig zu dosieren. Auch die möglicherweise vorhandene Fortpflanzungsfähigkeit wird so zerstört. Viele Menschen empfinden diese Behandlungen als entwürdigend, wenn nicht gar verstümmelnd. Sie fordern ein Verbot dieser Operationen, wenn die Betroffenen diesen nicht freiwillig zustimmen.

Die Geschlechtsidentität kann dem durch Operation(en) zwangsweise zugewiesenen Geschlecht entsprechen. Es gibt allerdings auch viele Menschen, bei denen sich die Geschlechtsidentität vom zugewiesenen Geschlecht unterscheidet.

Das „Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz“ wird AGG abgekürzt. Seit 2006 gibt es dieses Gesetz. Es soll verhindern, dass Menschen wegen der Rasse, ihrer ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität benachteiligt werden. Das AGG gilt für das Arbeitsrecht und das Zivilrecht. Die sexuelle Identität ist der Oberbegriff für die geschlechtliche Identität und die sexuelle Orientierung.

Beispiele: Vorstellungsgespräche, Mietverträge oder der Eintritt in Clubs, Sportstudios usw. dürfen nicht wegen eines im AGG genannten Merkmals verweigert oder erschwert werden.

Wenn in Schleswig-Holstein gegen das AGG verstoßen wird, kann die Antidiskriminierungsstelle Schleswig-Holstein den betroffenen Menschen helfen. Sie bietet kostenlos unabhängige Beratungen und Unterstützung an. Die Antidiskriminierungsstelle schreibt regelmäßig einen Bericht, in dem sie u. a. Fälle darstellt, in denen gegen das AGG verstoßen wurde und beschreibt, wie sie helfen konnte.