Echte Vielfalt

LSBTIQ

Nach fast fünfzig Jahren wird die Zeitschrift „Emma“ eingestellt. Laut Herausgeberin und Geschäftsführerin Alice Schwarzer soll am 8. Dezember 2026 die letzte Ausgabe erscheinen. Der Grund dafür sei trotz sinkender Verkaufszahlen keineswegs wirtschaftlicher Natur. Stattdessen sei die Redaktion nach all den Jahren erschöpft.

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Alice Schwarzer gründete das Magazin Anfang 1977 um einer Medienlandschaft, in der Frauen kaum zu Wort gekommen seien, entgegenzuwirken: „Es war die Frauenfeindlichkeit der von uns Feministinnen sogenannten ‚Männermedien‘, die mich zu dem Schluss kommen ließ, dass wir Journalistinnen ein eigenes Magazin, eine eigene Stimme haben müssten“, erinnert sie sich heute. In knapp 400 Ausgaben behandelte die „Emma“ ein breites Themenspektrum, von Gewalt gegen Frauen über sexuelle Selbstbestimmung bis hin zur Gleichberechtigung in Politik und Gesellschaft. Manche Themen habe das Blatt lange vor anderen Medien behandelt, etwa den sexuellen Missbrauch von Kindern oder die Genitalverstümmelung von Mädchen. Auch zur Einführung des flächendeckenden Brustkrebs-Screenings habe die Berichterstattung der „Emma“ beigetragen. Das Magazin hat feministische Debatten in Deutschland über Jahrzehnte mitgeprägt.

Mit der Gründerin sind auch das Ende des Magazins und dessen Bedeutung für den deutschen Feminismus Gegenstand kontroverser Diskussionen. Alice Schwarzer, die zu den bekanntesten Feministinnen Deutschlands zählt, stand in den vergangenen Jahren zunehmend in der Kritik. Diese richtet sich unter anderem gegen ihre Haltung gegenüber trans* Menschen, ihre stereotypisierenden Aussagen über migrantische und muslimische Männer sowie ihre Position zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Bereits 2023 hatten 33 Autor*innen und Künstler*innen die Absage einer Veranstaltung mit ihr in Leipzig gefordert, weil sie wiederholt durch „transfeindliche, rassistische und misogyne Aussagen und Publikationen“ aufgefallen sei.

Auch eine Übergabe der „Emma“ an die nächste Generation ist nicht gelungen. Als 2008 die Journalistin Lisa Ortgies die Chefredaktion übernahm, kam es rasch zum Zerwürfnis, woraufhin Schwarzer die Leitung des Magazins wieder selbst übernahm. Beobachter*innen sehen darin ein Muster: Die „Emma“ blieb über Jahrzehnte hinweg eng mit einer einzigen Person verbunden.

Die „Emma“ soll künftig als Online-Angebot für feministische Information und Kommunikation fortbestehen, während die insgesamt 389 Ausgaben in den Bestand des Deutschen Literaturarchivs Marbach übergehen sollen. Mit der Einstellung der Printausgabe verändert sich die feministische Medienlandschaft in Deutschland. Die taz-Kolumnistin Carolina Schwarz betont die Bedeutung eines Feminismus, der unterschiedliche Diskriminierungserfahrungen berücksichtigt: „Eine Befreiung für Frauen und Queers kann es nur dann sein, wenn es sich nicht in einem Personenkult verfängt und seinen Blick öffnet für die Diskriminierung aller im Patriarchat.“

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„Besonders habe ich mich immer gefühlt“ lautet das Motto einer neuen Ausstellung in Hamburg über lesbisches, schwules und trans* Leben im Alter. Sie rückt die Biografien älterer queerer Menschen in den Mittelpunkt und erzählt von Ausgrenzung, gesellschaftlichem Wandel, Verlusten und Erfolgen, vor allem aber von dem Wunsch, auch im Alter selbstbestimmt und sichtbar leben zu können.

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Die Wanderausstellung wird im Hamburger Amalie-Sieveking-Saal gezeigt und wurde von der Hessischen Landesfachstelle LSBT* im Alter entwickelt. In Hamburg wird sie gemeinsam mit den Queeren Zeitzeug*innen Hamburg, dem Seniorenbüro Hamburg sowie der Amalie-Sieveking-Stiftung präsentiert.

Sie basiert auf den persönlichen Lebensgeschichten von acht Menschen zwischen 64 und 85 Jahren. Ihre Erinnerungen eröffnen einen Blick auf Generationen, die einen Großteil ihres Lebens in einer Zeit verbrachten, in der homosexuelle Beziehungen gesellschaftlich tabuisiert, trans* Identitäten kaum sichtbar und viele Menschen gezwungen waren, ihre Identität zu verbergen. Die Ausstellung möchte diesen Erfahrungen eine Stimme geben und zeigt gleichzeitig, wie eng persönliche Biografien und gesellschaftliche Entwicklungen miteinander verbunden sind.

Im Mittelpunkt stehen Menschen, die heute offen als Paar leben, ihre Geschlechtsidentität erst spät offen ausleben konnten oder lange für ihre Rechte gekämpft haben. Die Ausstellung erzählt von Coming-outs und den damit verbundenen Schwierigkeiten, aber auch von Befreiungsgefühlen, Verlusten und Gemeinschaft.

Die Ausstellung verdeutlicht, dass die Erfahrungen älterer LSBTIQ* Menschen bis heute nachwirken. Die Hessische Landesfachstelle LSBT* im Alter weist darauf hin, dass viele ältere queere Menschen Ausgrenzung, Diskriminierung und Unsichtbarkeit erlebt haben. Gerade deshalb bestehen häufig Vorbehalte gegenüber staatlichen Institutionen oder Sorgen vor Benachteiligung in Pflegeeinrichtungen. Die Ausstellung soll dazu beitragen, eine vielfältige und diskriminierungssensible Altenhilfe zu fördern. Sie wirft Fragen auf wie: Wie können Pflegeeinrichtungen und soziale Dienste so gestaltet werden, dass Vielfalt selbstverständlich berücksichtigt wird? Wie lassen sich die besonderen Erfahrungen älterer queerer Menschen stärker in die Altenhilfeplanung integrieren?

Die Hessische Landesfachstelle LSBT* im Alter setzt sich dafür ein, dass die Bedarfe älterer LSBTIQ* Menschen stärker politisch verankert werden und Eingang in Pflegekonzepte sowie kommunale Planungsprozesse finden. Dass queeres Leben im Alter weit mehr als ein Nischenthema ist, zeigt auch die Ausstellung. Sie dokumentiert ein Stück Zeitgeschichte und macht sichtbar, welche gesellschaftlichen Veränderungen ältere Generationen erlebt und mit erkämpft haben. Gleichzeitig vermittelt sie die Botschaft, dass Selbstbestimmung, Akzeptanz und Teilhabe auch in Senior*innenwohnungen, Pflegeeinrichtungen und Beratungsstellen gewährleistet sein müssen.

Die Eröffnung von „Besonders habe ich mich immer gefühlt“ findet am 9. November 2026 um 14 Uhr im Amalie-Sieveking-Saal, Alexanderstraße 28, Hamburg, statt. Der Saal befindet sich in der dritten Etage und ist mit dem Aufzug erreichbar. Die Queeren Zeitzeug*innen werden bei der Eröffnung einige Beiträge präsentieren. Weitere Termine und Informationen finden sich hier.

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Am Abend des 18. Oktober 2026 kam es im queeren Zentrum „Casa Kuà“ in Berlin-Kreuzberg zu einer Durchsuchung durch die Polizei. Auslöser sollen anonyme Anzeigen gegen das Zentrum gewesen sein. Am Montagmorgen teilte die Polizei mit, dass der Verdacht des illegalen Handels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten bestehe. Es seien Medikamente, Betäubungsmittel, Datenträger und Bargeld im vierstelligen Bereich sichergestellt worden.

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Das 2020 gegründete Casa Kuà ist ein queeres Zentrum mit dem Schwerpunkt auf der Gesundheitsversorgung von trans*, inter* und nicht-binären Personen. Das von trans* und nicht-binären BIPoC (Schwarzen, Indigenen und People of Color) geleitete Zentrum versteht sich als Raum für Gemeinschaft und Gesundheit und legt dabei besonderen Wert auf Intersektionalität und die damit verbundenen unterschiedlichen Diskriminierungserfahrungen im deutschen Gesundheitssystem. Es verfolgt einen ganzheitlichen Gesundheitsansatz, der beispielsweise auch die gesellschaftlichen Lebensbedingungen der Menschen berücksichtigt.

Es bietet unter anderem Community-Gruppentreffen an, darunter das jeden Sonntag stattfindende Treffen „THE DOLLS“ für transfeminine Personen. Hinzu kommen eine kleine queerfeministische Bibliothek, Workshops und Veranstaltungen. Außerdem bietet das Zentrum Beratungen durch qualifizierte Ärzt*innen zu medizinischen Fragen an, darunter auch zur sogenannten „DIY-Therapie“ mit Hormonen. Dabei nehmen Personen selbst beschaffte Hormone ein, ohne wie sonst üblich ärztlich betreut zu werden. Gerade in Großstädten wie Berlin kann es schwierig sein, einen Behandlungsplatz für eine reguläre Hormonersatztherapie zu bekommen.

Während der Durchsuchung sollen 38 Polizeibeamt*innen das Zentrum betreten haben, in dem gerade ein Workshop von „THE DOLLS“ zum Thema „DIY & Cryptocurrency“ stattfand. Dort sollten Teilnehmende lernen, wie sie mithilfe von Kryptowährungen Hormone im Internet erwerben können. Die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti e. V.) kritisiert das Vorgehen der Polizei in einer Stellungnahme scharf und fordert Verhältnismäßigkeit. Auch in der taz wurde die Durchsuchung als „transfeindliche Aktion“ bezeichnet.

Die Durchsuchung hat eine Debatte über die Gesundheitsversorgung von trans*, inter* und nicht-binären Personen ausgelöst. Während DIY-Therapien erhebliche gesundheitliche Risiken bergen, da unter anderem die Dosierung und die Blutwerte nicht ärztlich überwacht werden, stellen sie für manche Menschen den einzigen Zugang zu einer für sie notwendigen Hormontherapie dar. Trans*, inter* und nicht-binäre Personen, die aufgrund bestimmter Körpermerkmale unter Geschlechtsdysphorie leiden, müssen häufig lange Wartezeiten in Kauf nehmen und haben unter Umständen keinen Zugang zu einer bezahlbaren, regulär begleiteten Therapie.

Alfonso Pantisano (SPD), der Queerbeauftragte Berlins, sagte dem rbb24: „Für viele Menschen ist der Zugang zu einer angemessenen Gesundheitsversorgung immer noch mit Demütigungen, Ungewissheit, Ablehnung und bürokratischen Hürden verbunden. Ohne eine diskriminierungsfreie Gesundheitsversorgung für trans* und intergeschlechtliche Menschen drängen wir diese, wie im Falle von ‚Casa Kuà‘, in eine informelle und vielleicht sogar in eine gesetzlich nicht erlaubte Versorgung mit Medikamenten, vor allem auch mit lebensnotwendigen Hormonen.“

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Wer nach Deutschland flüchtet, muss im Asylverfahren darlegen, weshalb Schutz gesucht wird. Für Menschen, denen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität in ihrem Herkunftsland Verfolgung droht, kann dies eine besondere Herausforderung darstellen. Viele haben diesen Teil ihrer Identität über Jahre verborgen gehalten, um sich vor Diskriminierung oder Gewalt zu schützen. Im Asylverfahren müssen sie nun gegenüber einer ihnen fremden Person über ihre sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität sprechen, sofern diese für die Begründung ihres Schutzgesuchs relevant ist.

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Der Kontakt mit Behörden kann für Betroffene mit besonderen Unsicherheiten verbunden sein, insbesondere wenn sie in ihrem Herkunftsland negative Erfahrungen mit staatlichen Institutionen gemacht haben. Hinzu kommt, dass Dolmetschende mitunter aus derselben sprachlichen oder kulturellen Community stammen, was Befürchtungen hinsichtlich der Vertraulichkeit auslösen kann. Diese Umstände können es erschweren, bereits zu Beginn des Asylverfahrens offen über die eigene sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität zu sprechen.

Zwar dürfen im Asylverfahren weder intime Fotos noch detaillierte Schilderungen sexueller Handlungen verlangt werden, um die sexuelle Orientierung einer Person nachzuweisen. Auch entsprechende Tests sowie die Beurteilung anhand stereotyper Vorstellungen darüber, wie queere Menschen leben, aussehen oder sich ausdrücken, sind unzulässig. Ebenso dürfen Behörden nicht von einer bestimmten „typischen“ queeren Lebensgeschichte ausgehen. Dennoch müssen Betroffene ihre Verfolgungsgründe nachvollziehbar darlegen, wozu auch Angaben zur sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität gehören können.

Die Problematik betrifft Menschen aus zahlreichen Herkunftsländern. Nach der Datenlage von ILGA World kriminalisieren weiterhin 65 UN-Mitgliedstaaten einvernehmliche gleichgeschlechtliche Handlungen. In sieben Staaten ist dafür sogar die Todesstrafe gesetzlich vorgesehen.

Behörden und Gerichte müssen die Angaben von Asylsuchenden auf ihre Glaubhaftigkeit prüfen. Dazu gehört es, Widersprüche zu hinterfragen, Nachfragen zu stellen und Aussagen sorgfältig zu bewerten. Gleichzeitig können individuelle Erfahrungen mit Diskriminierung, Verfolgung und dem Verbergen der eigenen Identität beeinflussen, wann und in welchem Umfang Betroffene über ihre sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität sprechen.

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Am 6. Oktober überreichte der Hamburger Kultursenator Carsten Brosda dem Historiker Gottfried Lorenz das Bundesverdienstkreuz. Lorenz beschäftigt sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich mit der Aufarbeitung der Verfolgung homosexueller Menschen im Nationalsozialismus. Mit der Auszeichnung wird nun sein Engagement für die Sichtbarmachung queerer Geschichte in Hamburg gewürdigt.

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Gottfried Lorenz wurde 1940 in Schlesien geboren. Nach einem Studium der Geschichte, Germanistik, Soziologie und Skandinavistik promovierte er im Fach Neuere Geschichte. Sein Berufsleben verbrachte er hauptsächlich als Lehrer an verschiedenen Schulen. Daneben veröffentlichte Lorenz mehrere Bücher. Dazu gehört eine gemeinsam mit Bernhard Rosenkranz und Ulf Bollmann verfasste Publikation über die Verfolgung homosexueller Menschen in Hamburg von 1919 bis 1969. Das Buch enthält Kurzbiografien homosexueller Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt und ermordet wurden. An einige dieser Menschen wird heute aufgrund von Lorenz’ Recherchen mit Stolpersteinen erinnert.

Anfang der 1970er-Jahre trat Lorenz der Internationalen Homophilen Weltorganisation (IHWO) bei und arbeitete in der neu gegründeten Hamburger Gruppe mit. Sein berufliches Umfeld beschreibt der ehemalige Lehrer rückblickend als wenig homosexuellenfreundlich. Auffällige Schüler seien, so Lorenz, von Kollegen durchaus als schwul bezeichnet worden.

Seine Ausstellung „Liberales Hamburg? Homosexuellenverfolgung durch Polizei und Justiz nach 1945“ wurde 2013 in der Grundbuchhalle und 2024 im Oberlandesgericht Hamburg gezeigt.

Eine von Lorenz mitgetragene Initiative setzt sich seit 2018 dafür ein, dass ein „Denk-Ort sexuelle und geschlechtliche Vielfalt“ in Hamburg errichtet wird. 2023 beschloss der Senat im Einvernehmen mit LSBTIQ*-Initiativen und den zuständigen Behörden, den Denkort am Neuen Jungfernstieg an der Lombardsbrücke zu errichten. 2024 folgte ein Kunstwettbewerb, aus dem der Entwurf „Pavillon der Stimmen“ als Sieger hervorging. Mit dem Baubeginn wird derzeit erst im Frühjahr 2027 gerechnet. Wann der Denkort eröffnet werden soll, ist noch nicht bekannt.

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Seit 1991 findet am 1. Oktober der Internationale Tag der älteren Menschen statt – ein Aktionstag, der das Älterwerden stärker ins gesellschaftliche Bewusstsein rücken soll. Der Dachverband Lesben und Alter nutzte diesen Tag als Anlass, um auf die Lebenssituation älterer Lesben aufmerksam zu machen.

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Der bundesweit aktive Verband, der die Lebensrealitäten dieser Personengruppe sichtbar machen und sich für ihre Interessen einsetzen will, hat dazu eine Reihe von Forderungen an Politik und Gesellschaft formuliert. Im Zentrum stehen dabei die Bereiche Wohnen, Rente, Pflege und Gesundheit. Mit Blick auf die aktuellen Haushaltsdebatten warnt der Verband zudem davor, dass Einsparungen die ohnehin schon prekäre Situation älterer Lesben weiter verschärfen könnten.

Der Verband verweist auf die Mehrfachbelastungen, denen viele ältere Lesben im Laufe ihres Lebens ausgesetzt waren. Dazu gehören Diskriminierungserfahrungen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und ihres Geschlechts sowie Erwerbsverläufe, die häufig von schlecht bezahlten Teilzeitstellen geprägt waren. Lebensleistungen wie etwa der ehrenamtliche Aufbau von Vereinen und Netzwerken, von denen auch die heutige Zivilgesellschaft profitiert, bleiben bei der Rentenberechnung unberücksichtigt.

„Das deutsche Rentensystem ist patriarchal und kam schon immer verheirateten Männern zugute“, kritisiert Reingard Wagner, Vorständin des Dachverbands. Das System sei auf verheiratete, zusammenlebende Paare ausgerichtet – eine Lebensrealität, die nicht auf alle Menschen zutreffe. Gleichgeschlechtliche Paare konnten erst seit 2001 eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen, die der Ehe zunächst rechtlich nicht vollständig gleichgestellt war. Erst im Oktober 2017 wurde die „Ehe für alle“ eingeführt. Wagner fordert deshalb, neben der Generationengerechtigkeit auch vergangene Lebensleistungen stärker zu berücksichtigen: „Unbezahlte Arbeit für die Gesellschaft muss berücksichtigt werden – egal, ob Kinder erzogen, Pflegebedürftige gepflegt oder eine feministische NGO aufgebaut wurde.“

Auch in den Bereichen Wohnen und Pflege fehlt es nach Einschätzung des Verbands häufig an Sensibilität. Es sei nicht hinnehmbar, dass Paare, die seit Jahrzehnten zusammenleben, in betreuten Wohneinrichtungen wie gute Freundinnen statt wie Partnerinnen behandelt werden.

Die Forderungen des Dachverbands stützen sich auf eine bundesweite Erhebung zur sozialen Lebenssituation von Lesben ab 55 Jahren sowie auf einen Bericht der europäischen Dachorganisation EL*C, der inzwischen in deutscher Sprache vorliegt.

Anknüpfend an frühere Appelle zielen die konkreten Forderungen vor allem auf Verbesserungen in drei Bereichen ab: Im Bereich Wohnen sollen lesbische und queere Wohnprojekte sowie gemeinschaftliche und generationenübergreifende Wohnformen gefördert und der soziale Wohnungsbau ausgebaut werden. Im Bereich der finanziellen Absicherung fordert der Verband ein nicht patriarchal geprägtes Rentensystem, fair bezahlte Vollzeitstellen, Schutz vor Altersdiskriminierung und die Anerkennung der Lebensleistungen älterer Lesben. In der Pflege und Altenhilfe werden verpflichtende Schulungen für Fachkräfte sowie zertifizierte Einrichtungen mit Diversitätskompetenz gefordert.

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Diskriminierung kann in unterschiedlichen Lebensbereichen stattfinden, z. B. in der Schule, im Verein oder an öffentlichen Orten. Für Betroffene können solche Erfahrungen das psychische Wohlbefinden beeinträchtigen. Eine Studie der Universität Bamberg untersucht deshalb, wie Diskriminierung im Alltag von Jugendlichen und jungen Erwachsenen erlebt wird und welche Zusammenhänge mit der aktuellen Stimmung und dem Wohlbefinden bestehen.

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Viele junge Menschen berichten von Benachteiligung, Ausgrenzung oder Diskriminierung. Besonders häufig betrifft dies Personen, die auch in anderen Bereichen strukturellen Benachteiligungen ausgesetzt sind. Forschungsergebnisse des Deutschen Jugendinstituts zeigen, dass Diskriminierungserfahrungen mit einer Beeinträchtigung des Wohlbefindens verbunden sein können. Zu den betroffenen Gruppen gehören unter anderem junge Menschen mit Behinderung, mit Migrationsgeschichte oder mit nicht-heterosexueller Orientierung.

Das Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Cedric Sachser verfolgt deshalb einen intersektionalen Ansatz. Um zu untersuchen, wann Diskriminierung erlebt wird und wie sich solche Situationen auf die aktuelle Stimmung und das psychische Wohlbefinden der Teilnehmenden auswirken, setzt das Projekt auf eine Tagebuchstudie. Mithilfe sogenannter Ecological-Momentary-Assessment-Befragungen werden die Teilnehmenden direkt in ihrem Alltag befragt.

Zu Beginn findet ein Einführungstermin statt. Dabei erhalten die Teilnehmenden Informationen zur Studie, füllen Fragebögen aus und beantworten Fragen in einem Interview. Anschließend folgt eine zehntägige Tagebuchphase. Während dieser Zeit sollen die Teilnehmenden mehrmals täglich kurze Fragen auf einem Smartphone beantworten. Dabei geht es unter anderem um ihre aktuelle Stimmung und mögliche Diskriminierungserfahrungen. Zum Abschluss findet ein weiterer Termin mit Fragebögen und einem Interview statt.

Die Kombination aus wiederholten Befragungen soll einen möglichst alltagsnahen Einblick ermöglichen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die Frage, ob eine Person grundsätzlich Diskriminierung erlebt, sondern auch, wie sich konkrete Situationen kurzfristig auf das Wohlbefinden auswirken können.

Gesucht werden Personen zwischen 15 und 25 Jahren, die Diskriminierung erleben oder erlebt haben und gut Deutsch oder Englisch sprechen. Die Einführungs- und Abschlusstermine können online über Zoom oder in den Räumen des Lehrstuhls für Kinder- und Jugendpsychologie in Bamberg stattfinden.

Für die Teilnahme kann eine Aufwandsentschädigung von bis zu 30 Euro gezahlt werden. Interessierte Personen können zunächst an einem kurzen Vor-Screening teilnehmen, in dem geprüft wird, ob sie für die Studie infrage kommen.

Die Studie soll dazu beitragen, den Zusammenhang zwischen Diskriminierungserfahrungen und psychischem Wohlbefinden besser zu verstehen. Die Ergebnisse können damit eine Grundlage für weitere Forschung sowie für passende Unterstützungs- und Präventionsangebote bilden.

Hier können alle Informationen noch einmal nachgelesen werden.

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Kino als Ort der Sichtbarkeit: Jedes Jahr im Herbst versammeln sich queere Filmfans, Filmschaffende und Kulturinteressierte in Hamburg, wenn die Vielfalt queerer Lebensrealitäten in den Mittelpunkt rückt. Das Hamburg International Queer Film Festival (HiQFF) gilt heute als Deutschlands ältestes und größtes queeres Filmfestival und ist längst ein fester Bestandteil der Hamburger Kulturlandschaft.

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Die Wurzeln des Festivals reichen bis in die späten 1980er-Jahre zurück. Entstanden ist die Idee aus einem Seminar an der Universität Hamburg zum damals noch wenig erforschten Thema „Homosexualität im Film“. Aus der Zusammenarbeit mit dem kommunalen Kino Metropolis gingen schließlich die ersten „Lesbisch Schwulen Filmtage Hamburg“ hervor, die im Sommer 1990 erstmals stattfanden. 1995 wurde der Verein Querbild e. V. gegründet, der bis heute als Veranstalter und Träger des Festivals fungiert.

Seit seinen Anfängen hat sich das Festival kontinuierlich weiterentwickelt. Aus einer vergleichsweise kleinen Veranstaltungsreihe wurde eines der wichtigsten queeren Kulturevents Deutschlands. Im Jahr 2021 erfolgte die Umbenennung von „Lesbisch Schwule Filmtage Hamburg“ in Hamburg International Queer Film Festival, um die Vielfalt queerer Identitäten und Erfahrungen auch im Namen sichtbar zu machen.

Heute lockt das Festival jedes Jahr rund 15.500 Besucher*innen in Hamburger Kinos und zu den begleitenden Veranstaltungen. Organisiert wird es weiterhin überwiegend ehrenamtlich und aus der Community heraus. Gerade diese enge Verbindung zur queeren Community macht einen wesentlichen Teil des Festivals aus.

Das Selbstverständnis des Festivals geht dabei weit über das reine Zeigen von Filmen hinaus. Es beschreibt sich als Ort für vielfältige internationale Filmkultur und für den gesellschaftlichen Austausch über queere Themen. Dort können auch das aktuelle Programm eingesehen und Tickets gekauft werden. Neben Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen gehören Gespräche mit Filmschaffenden, Workshops, Vorträge und Partys zum Programm. Das Festival schafft damit Räume für Begegnungen, Diskussionen und Vernetzung innerhalb der Community sowie mit einem breiten Publikum.

Besonderes Augenmerk liegt auf der internationalen Perspektive. Gezeigt werden Produktionen aus unterschiedlichen Ländern, die queere Lebensrealitäten sichtbar machen und gesellschaftliche Fragen aufgreifen. Die Filme erzählen von Liebe, Identität, Familie, Diskriminierung, politischem Widerstand und Selbstbestimmung. Damit trägt das Festival dazu bei, queere Geschichten auf die große Leinwand zu bringen und Stimmen zu stärken, die im Mainstream-Kino häufig unterrepräsentiert sind.

Link zum Programm

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Der Hamburger Fotograf Markus Heft widmet sein aktuelles Fotoprojekt „Für uns geträumt“ einer Gruppe, die in der öffentlichen Wahrnehmung häufig wenig sichtbar ist: queeren Menschen über 60 Jahren. Mit Porträts und persönlichen Geschichten rückt er eine Generation in den Mittelpunkt, die über Jahrzehnte für gesellschaftliche und rechtliche Anerkennung kämpfen musste und deren Erfahrungen heute oftmals wenig Beachtung finden.

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Heft betont, dass queere Menschen über 60 viel erlebt haben, aber selten gezeigt werden. Ihre Lebensrealitäten waren unter anderem von Kriminalisierung, Pathologisierung und geringer gesellschaftlicher Akzeptanz geprägt. Coming-outs konnten mit erheblichen Risiken verbunden sein und Beziehungen mussten teilweise versteckt werden. Queere Netzwerke boten vielen eine der wenigen Möglichkeiten, Gemeinschaft zu erleben. Heute hat sich die rechtliche und gesellschaftliche Situation zwar deutlich verändert, die Sichtbarkeit älterer queerer Menschen ist jedoch weiterhin gering. In Medien, Kultur und queeren Räumen stehen häufig jüngere Generationen im Mittelpunkt. Heft möchte dem etwas entgegensetzen. Sein Ziel ist es, Lebensgeschichten zu würdigen, Erfahrungen zu dokumentieren und queere Senior*innen als wichtigen Teil der Community sichtbar zu machen.

„Es ist die eine Sache, sich zu outen und sein authentisches Leben zu leben, aber sich damit vor eine Kamera zu stellen und in die Öffentlichkeit zu gehen, sich angreifbar zu machen und sich potenziell queer-feindlicher Gewalt auszusetzen – das braucht Überwindung“, so Heft in einem Beitrag des NDR.

Für sein Projekt besucht Heft die Porträtierten zu Hause oder an Orten, die für ihr Leben von Bedeutung sind. Begleitet werden die Bilder von kurzen Texten, in denen die Senior*innen über ihr Leben sprechen. Es geht darin unter anderem um erste Liebeserfahrungen, Diskriminierung, politische Kämpfe und das Älterwerden als queere Person.

Einige berichten, dass sie sich erst im Alter wirklich frei fühlen oder sich erst später im Leben getraut haben, sich zu outen. Andere erzählen von Einsamkeit, fehlenden Treffpunkten oder dem Verlust von Freund*innen durch HIV und Aids. Heft gibt diesen unterschiedlichen Erfahrungen Raum und macht damit die Vielfalt queeren Alterns sichtbar.

Das Projekt greift zugleich ein Thema auf, das zunehmend auch in Forschung, Pflege und Seniorenarbeit diskutiert wird: die Lebenssituation älterer queerer Menschen. Viele der heute über 60-Jährigen haben gesellschaftliche Veränderungen und die Kämpfe um die Rechte queerer Menschen über Jahrzehnte miterlebt oder selbst mitgestaltet. Mit seinem Projekt möchte Heft deshalb nicht nur ihre Geschichten dokumentieren, sondern auch für die Bedürfnisse queerer Senior*innen sensibilisieren.

Im Herbst/Winter 2026 soll das Projekt nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne als Buch erscheinen. Auf der Webseite des Fotografen können Interessierte bereits einen ersten Einblick in das Projekt erhalten.

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Inter* und trans* bezeichnen unterschiedliche Aspekte, sie können jedoch dieselbe Person betreffen. Manche inter* Personen identifizieren sich als trans* und wünschen sich medizinisch begleitete Transitionsschritte, andere streben körperliche Veränderungen an, ohne sich mit dem Begriff trans* zu identifizieren.

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Für inter* Personen, die eine medizinisch unterstützte Transition planen, kann die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung zu einer erheblichen Hürde werden. Über Anträge für transitionsbezogene Maßnahmen wie Operationen, Hilfsmittel oder Epilation entscheidet in Deutschland der Medizinische Dienst (MD). Die entsprechende Begutachtungsrichtlinie aus dem Jahr 2020 schließt inter* Personen von den dort geregelten Voraussetzungen für eine Kostenübernahme aus.

Dieser Ausschluss steht im Zusammenhang mit medizinischen Diagnose- und Klassifikationssystemen. Im DSM-IV und im ICD-10 wurde Intergeschlechtlichkeit als Ausschlusskriterium für die Diagnosen „Geschlechtsidentitätsstörung“ beziehungsweise „Transsexualismus“ verwendet. Diese Einordnung beruht auf der inzwischen überholten Annahme, dass inter* Personen mit dem Wunsch nach geschlechtsangleichenden Maßnahmen im Rahmen einer Transition grundsätzlich anders zu behandeln seien als endogeschlechtliche trans* Personen.

Neuere Entwicklungen gehen teilweise in eine andere Richtung. ICD-11 und DSM-5 verabschieden sich vom grundsätzlichen Ausschluss von inter* Personen im Zusammenhang mit geschlechtsangleichenden Maßnahmen. Auch die im Jahr 2018 veröffentlichte S3-Leitlinie zu Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit nennt Intergeschlechtlichkeit nicht mehr als Ausschlusskriterium für eine medizinische Transitionsbegleitung.

In der Praxis gelten diese selbstbestimmungsorientierten Ansätze jedoch nicht automatisch für die Bewilligung durch die gesetzliche Krankenversicherung. Da die Begutachtungsrichtlinie des MD weiterhin auf älteren Kriterien beruht, werden inter* Personen häufig als Einzelfälle behandelt. Ob eine Kostenübernahme erfolgt, kann dadurch von individuellen Einschätzungen der behandelnden Fachpersonen und der Gutachter*innen des MD abhängen.

Der Ausschluss betrifft damit nicht nur eine formale Regelung zur Kostenübernahme. Er kann den Zugang zu medizinischen Maßnahmen erschweren und dazu führen, dass inter Personen gewünschte Behandlungen selbst finanzieren oder auf eine Versorgung verzichten müssen. Die Fachstelle TIN des gemeinnützigen Vereins TransInterQueer e. V. sieht darin eine Einschränkung der Selbstbestimmung von inter* Personen sowie eine Fortführung bestehender Pathologisierung und Marginalisierung im Gesundheitssystem.

Aus Sicht der Fachstelle müsste eine inklusive Gesundheitsversorgung die individuellen Wünsche und Bedürfnisse der jeweiligen Person berücksichtigen. Dafür sei unter anderem eine Überarbeitung der Begutachtungsrichtlinie des MD erforderlich, die sich an neueren medizinischen Leitlinien und einer selbstbestimmungsorientierten Versorgung ausrichtet. Die Autor*innen von TransInterQueer e. V. sehen daraus Handlungsbedarf für Politik, Gesundheitswesen und Zivilgesellschaft.

Die Publikation zu dem Thema kann hier nachgelesen werden. Bei Beratungs- oder Fachberatungsbedarf zu dem Thema ist die Fachstelle unter inter@transinterqueer.org erreichbar.

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