Echte Vielfalt

Aufklärung und Bildung

„Besonders habe ich mich immer gefühlt“ lautet das Motto einer neuen Ausstellung in Hamburg über lesbisches, schwules und trans* Leben im Alter. Sie rückt die Biografien älterer queerer Menschen in den Mittelpunkt und erzählt von Ausgrenzung, gesellschaftlichem Wandel, Verlusten und Erfolgen, vor allem aber von dem Wunsch, auch im Alter selbstbestimmt und sichtbar leben zu können.

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Die Wanderausstellung wird im Hamburger Amalie-Sieveking-Saal gezeigt und wurde von der Hessischen Landesfachstelle LSBT* im Alter entwickelt. In Hamburg wird sie gemeinsam mit den Queeren Zeitzeug*innen Hamburg, dem Seniorenbüro Hamburg sowie der Amalie-Sieveking-Stiftung präsentiert.

Sie basiert auf den persönlichen Lebensgeschichten von acht Menschen zwischen 64 und 85 Jahren. Ihre Erinnerungen eröffnen einen Blick auf Generationen, die einen Großteil ihres Lebens in einer Zeit verbrachten, in der homosexuelle Beziehungen gesellschaftlich tabuisiert, trans* Identitäten kaum sichtbar und viele Menschen gezwungen waren, ihre Identität zu verbergen. Die Ausstellung möchte diesen Erfahrungen eine Stimme geben und zeigt gleichzeitig, wie eng persönliche Biografien und gesellschaftliche Entwicklungen miteinander verbunden sind.

Im Mittelpunkt stehen Menschen, die heute offen als Paar leben, ihre Geschlechtsidentität erst spät offen ausleben konnten oder lange für ihre Rechte gekämpft haben. Die Ausstellung erzählt von Coming-outs und den damit verbundenen Schwierigkeiten, aber auch von Befreiungsgefühlen, Verlusten und Gemeinschaft.

Die Ausstellung verdeutlicht, dass die Erfahrungen älterer LSBTIQ* Menschen bis heute nachwirken. Die Hessische Landesfachstelle LSBT* im Alter weist darauf hin, dass viele ältere queere Menschen Ausgrenzung, Diskriminierung und Unsichtbarkeit erlebt haben. Gerade deshalb bestehen häufig Vorbehalte gegenüber staatlichen Institutionen oder Sorgen vor Benachteiligung in Pflegeeinrichtungen. Die Ausstellung soll dazu beitragen, eine vielfältige und diskriminierungssensible Altenhilfe zu fördern. Sie wirft Fragen auf wie: Wie können Pflegeeinrichtungen und soziale Dienste so gestaltet werden, dass Vielfalt selbstverständlich berücksichtigt wird? Wie lassen sich die besonderen Erfahrungen älterer queerer Menschen stärker in die Altenhilfeplanung integrieren?

Die Hessische Landesfachstelle LSBT* im Alter setzt sich dafür ein, dass die Bedarfe älterer LSBTIQ* Menschen stärker politisch verankert werden und Eingang in Pflegekonzepte sowie kommunale Planungsprozesse finden. Dass queeres Leben im Alter weit mehr als ein Nischenthema ist, zeigt auch die Ausstellung. Sie dokumentiert ein Stück Zeitgeschichte und macht sichtbar, welche gesellschaftlichen Veränderungen ältere Generationen erlebt und mit erkämpft haben. Gleichzeitig vermittelt sie die Botschaft, dass Selbstbestimmung, Akzeptanz und Teilhabe auch in Senior*innenwohnungen, Pflegeeinrichtungen und Beratungsstellen gewährleistet sein müssen.

Die Eröffnung von „Besonders habe ich mich immer gefühlt“ findet am 9. November 2026 um 14 Uhr im Amalie-Sieveking-Saal, Alexanderstraße 28, Hamburg, statt. Der Saal befindet sich in der dritten Etage und ist mit dem Aufzug erreichbar. Die Queeren Zeitzeug*innen werden bei der Eröffnung einige Beiträge präsentieren. Weitere Termine und Informationen finden sich hier.

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Wer nach Deutschland flüchtet, muss im Asylverfahren darlegen, weshalb Schutz gesucht wird. Für Menschen, denen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität in ihrem Herkunftsland Verfolgung droht, kann dies eine besondere Herausforderung darstellen. Viele haben diesen Teil ihrer Identität über Jahre verborgen gehalten, um sich vor Diskriminierung oder Gewalt zu schützen. Im Asylverfahren müssen sie nun gegenüber einer ihnen fremden Person über ihre sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität sprechen, sofern diese für die Begründung ihres Schutzgesuchs relevant ist.

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Der Kontakt mit Behörden kann für Betroffene mit besonderen Unsicherheiten verbunden sein, insbesondere wenn sie in ihrem Herkunftsland negative Erfahrungen mit staatlichen Institutionen gemacht haben. Hinzu kommt, dass Dolmetschende mitunter aus derselben sprachlichen oder kulturellen Community stammen, was Befürchtungen hinsichtlich der Vertraulichkeit auslösen kann. Diese Umstände können es erschweren, bereits zu Beginn des Asylverfahrens offen über die eigene sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität zu sprechen.

Zwar dürfen im Asylverfahren weder intime Fotos noch detaillierte Schilderungen sexueller Handlungen verlangt werden, um die sexuelle Orientierung einer Person nachzuweisen. Auch entsprechende Tests sowie die Beurteilung anhand stereotyper Vorstellungen darüber, wie queere Menschen leben, aussehen oder sich ausdrücken, sind unzulässig. Ebenso dürfen Behörden nicht von einer bestimmten „typischen“ queeren Lebensgeschichte ausgehen. Dennoch müssen Betroffene ihre Verfolgungsgründe nachvollziehbar darlegen, wozu auch Angaben zur sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität gehören können.

Die Problematik betrifft Menschen aus zahlreichen Herkunftsländern. Nach der Datenlage von ILGA World kriminalisieren weiterhin 65 UN-Mitgliedstaaten einvernehmliche gleichgeschlechtliche Handlungen. In sieben Staaten ist dafür sogar die Todesstrafe gesetzlich vorgesehen.

Behörden und Gerichte müssen die Angaben von Asylsuchenden auf ihre Glaubhaftigkeit prüfen. Dazu gehört es, Widersprüche zu hinterfragen, Nachfragen zu stellen und Aussagen sorgfältig zu bewerten. Gleichzeitig können individuelle Erfahrungen mit Diskriminierung, Verfolgung und dem Verbergen der eigenen Identität beeinflussen, wann und in welchem Umfang Betroffene über ihre sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität sprechen.

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Am 6. Oktober überreichte der Hamburger Kultursenator Carsten Brosda dem Historiker Gottfried Lorenz das Bundesverdienstkreuz. Lorenz beschäftigt sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich mit der Aufarbeitung der Verfolgung homosexueller Menschen im Nationalsozialismus. Mit der Auszeichnung wird nun sein Engagement für die Sichtbarmachung queerer Geschichte in Hamburg gewürdigt.

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Gottfried Lorenz wurde 1940 in Schlesien geboren. Nach einem Studium der Geschichte, Germanistik, Soziologie und Skandinavistik promovierte er im Fach Neuere Geschichte. Sein Berufsleben verbrachte er hauptsächlich als Lehrer an verschiedenen Schulen. Daneben veröffentlichte Lorenz mehrere Bücher. Dazu gehört eine gemeinsam mit Bernhard Rosenkranz und Ulf Bollmann verfasste Publikation über die Verfolgung homosexueller Menschen in Hamburg von 1919 bis 1969. Das Buch enthält Kurzbiografien homosexueller Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt und ermordet wurden. An einige dieser Menschen wird heute aufgrund von Lorenz’ Recherchen mit Stolpersteinen erinnert.

Anfang der 1970er-Jahre trat Lorenz der Internationalen Homophilen Weltorganisation (IHWO) bei und arbeitete in der neu gegründeten Hamburger Gruppe mit. Sein berufliches Umfeld beschreibt der ehemalige Lehrer rückblickend als wenig homosexuellenfreundlich. Auffällige Schüler seien, so Lorenz, von Kollegen durchaus als schwul bezeichnet worden.

Seine Ausstellung „Liberales Hamburg? Homosexuellenverfolgung durch Polizei und Justiz nach 1945“ wurde 2013 in der Grundbuchhalle und 2024 im Oberlandesgericht Hamburg gezeigt.

Eine von Lorenz mitgetragene Initiative setzt sich seit 2018 dafür ein, dass ein „Denk-Ort sexuelle und geschlechtliche Vielfalt“ in Hamburg errichtet wird. 2023 beschloss der Senat im Einvernehmen mit LSBTIQ*-Initiativen und den zuständigen Behörden, den Denkort am Neuen Jungfernstieg an der Lombardsbrücke zu errichten. 2024 folgte ein Kunstwettbewerb, aus dem der Entwurf „Pavillon der Stimmen“ als Sieger hervorging. Mit dem Baubeginn wird derzeit erst im Frühjahr 2027 gerechnet. Wann der Denkort eröffnet werden soll, ist noch nicht bekannt.

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Seit 1991 findet am 1. Oktober der Internationale Tag der älteren Menschen statt – ein Aktionstag, der das Älterwerden stärker ins gesellschaftliche Bewusstsein rücken soll. Der Dachverband Lesben und Alter nutzte diesen Tag als Anlass, um auf die Lebenssituation älterer Lesben aufmerksam zu machen.

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Der bundesweit aktive Verband, der die Lebensrealitäten dieser Personengruppe sichtbar machen und sich für ihre Interessen einsetzen will, hat dazu eine Reihe von Forderungen an Politik und Gesellschaft formuliert. Im Zentrum stehen dabei die Bereiche Wohnen, Rente, Pflege und Gesundheit. Mit Blick auf die aktuellen Haushaltsdebatten warnt der Verband zudem davor, dass Einsparungen die ohnehin schon prekäre Situation älterer Lesben weiter verschärfen könnten.

Der Verband verweist auf die Mehrfachbelastungen, denen viele ältere Lesben im Laufe ihres Lebens ausgesetzt waren. Dazu gehören Diskriminierungserfahrungen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und ihres Geschlechts sowie Erwerbsverläufe, die häufig von schlecht bezahlten Teilzeitstellen geprägt waren. Lebensleistungen wie etwa der ehrenamtliche Aufbau von Vereinen und Netzwerken, von denen auch die heutige Zivilgesellschaft profitiert, bleiben bei der Rentenberechnung unberücksichtigt.

„Das deutsche Rentensystem ist patriarchal und kam schon immer verheirateten Männern zugute“, kritisiert Reingard Wagner, Vorständin des Dachverbands. Das System sei auf verheiratete, zusammenlebende Paare ausgerichtet – eine Lebensrealität, die nicht auf alle Menschen zutreffe. Gleichgeschlechtliche Paare konnten erst seit 2001 eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen, die der Ehe zunächst rechtlich nicht vollständig gleichgestellt war. Erst im Oktober 2017 wurde die „Ehe für alle“ eingeführt. Wagner fordert deshalb, neben der Generationengerechtigkeit auch vergangene Lebensleistungen stärker zu berücksichtigen: „Unbezahlte Arbeit für die Gesellschaft muss berücksichtigt werden – egal, ob Kinder erzogen, Pflegebedürftige gepflegt oder eine feministische NGO aufgebaut wurde.“

Auch in den Bereichen Wohnen und Pflege fehlt es nach Einschätzung des Verbands häufig an Sensibilität. Es sei nicht hinnehmbar, dass Paare, die seit Jahrzehnten zusammenleben, in betreuten Wohneinrichtungen wie gute Freundinnen statt wie Partnerinnen behandelt werden.

Die Forderungen des Dachverbands stützen sich auf eine bundesweite Erhebung zur sozialen Lebenssituation von Lesben ab 55 Jahren sowie auf einen Bericht der europäischen Dachorganisation EL*C, der inzwischen in deutscher Sprache vorliegt.

Anknüpfend an frühere Appelle zielen die konkreten Forderungen vor allem auf Verbesserungen in drei Bereichen ab: Im Bereich Wohnen sollen lesbische und queere Wohnprojekte sowie gemeinschaftliche und generationenübergreifende Wohnformen gefördert und der soziale Wohnungsbau ausgebaut werden. Im Bereich der finanziellen Absicherung fordert der Verband ein nicht patriarchal geprägtes Rentensystem, fair bezahlte Vollzeitstellen, Schutz vor Altersdiskriminierung und die Anerkennung der Lebensleistungen älterer Lesben. In der Pflege und Altenhilfe werden verpflichtende Schulungen für Fachkräfte sowie zertifizierte Einrichtungen mit Diversitätskompetenz gefordert.

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Diskriminierung kann in unterschiedlichen Lebensbereichen stattfinden, z. B. in der Schule, im Verein oder an öffentlichen Orten. Für Betroffene können solche Erfahrungen das psychische Wohlbefinden beeinträchtigen. Eine Studie der Universität Bamberg untersucht deshalb, wie Diskriminierung im Alltag von Jugendlichen und jungen Erwachsenen erlebt wird und welche Zusammenhänge mit der aktuellen Stimmung und dem Wohlbefinden bestehen.

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Viele junge Menschen berichten von Benachteiligung, Ausgrenzung oder Diskriminierung. Besonders häufig betrifft dies Personen, die auch in anderen Bereichen strukturellen Benachteiligungen ausgesetzt sind. Forschungsergebnisse des Deutschen Jugendinstituts zeigen, dass Diskriminierungserfahrungen mit einer Beeinträchtigung des Wohlbefindens verbunden sein können. Zu den betroffenen Gruppen gehören unter anderem junge Menschen mit Behinderung, mit Migrationsgeschichte oder mit nicht-heterosexueller Orientierung.

Das Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Cedric Sachser verfolgt deshalb einen intersektionalen Ansatz. Um zu untersuchen, wann Diskriminierung erlebt wird und wie sich solche Situationen auf die aktuelle Stimmung und das psychische Wohlbefinden der Teilnehmenden auswirken, setzt das Projekt auf eine Tagebuchstudie. Mithilfe sogenannter Ecological-Momentary-Assessment-Befragungen werden die Teilnehmenden direkt in ihrem Alltag befragt.

Zu Beginn findet ein Einführungstermin statt. Dabei erhalten die Teilnehmenden Informationen zur Studie, füllen Fragebögen aus und beantworten Fragen in einem Interview. Anschließend folgt eine zehntägige Tagebuchphase. Während dieser Zeit sollen die Teilnehmenden mehrmals täglich kurze Fragen auf einem Smartphone beantworten. Dabei geht es unter anderem um ihre aktuelle Stimmung und mögliche Diskriminierungserfahrungen. Zum Abschluss findet ein weiterer Termin mit Fragebögen und einem Interview statt.

Die Kombination aus wiederholten Befragungen soll einen möglichst alltagsnahen Einblick ermöglichen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die Frage, ob eine Person grundsätzlich Diskriminierung erlebt, sondern auch, wie sich konkrete Situationen kurzfristig auf das Wohlbefinden auswirken können.

Gesucht werden Personen zwischen 15 und 25 Jahren, die Diskriminierung erleben oder erlebt haben und gut Deutsch oder Englisch sprechen. Die Einführungs- und Abschlusstermine können online über Zoom oder in den Räumen des Lehrstuhls für Kinder- und Jugendpsychologie in Bamberg stattfinden.

Für die Teilnahme kann eine Aufwandsentschädigung von bis zu 30 Euro gezahlt werden. Interessierte Personen können zunächst an einem kurzen Vor-Screening teilnehmen, in dem geprüft wird, ob sie für die Studie infrage kommen.

Die Studie soll dazu beitragen, den Zusammenhang zwischen Diskriminierungserfahrungen und psychischem Wohlbefinden besser zu verstehen. Die Ergebnisse können damit eine Grundlage für weitere Forschung sowie für passende Unterstützungs- und Präventionsangebote bilden.

Hier können alle Informationen noch einmal nachgelesen werden.

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Antidemokratische Akteur*innen treten längst nicht mehr nur am Rand der Gesellschaft auf. Sie suchen gezielt zivilgesellschaftliche Räume auf, bauen Vertrauen auf und versuchen, Einfluss zu gewinnen. Ihre Angriffe richten sich häufig auch gegen gesellschaftliche Vielfalt, insbesondere gegen queere Menschen und ihre Rechte. Wenn rechte Akteur*innen Einfluss in Vereinen, Initiativen oder sozialen Einrichtungen gewinnen, kann das auch Auswirkungen darauf haben, wie offen und sicher diese Räume für LSBTIQ*-Personen sind.

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Der Fachtag „Sie kommen nicht mit Fackeln“ beschäftigt sich mit den Strategien, mit denen rechte Akteur*innen versuchen, zivilgesellschaftliche Räume zu unterwandern, und mit den Folgen für die demokratische Arbeit vor Ort. Im Mittelpunkt stehen Fragen wie: Wie funktioniert rechte Unterwanderung? Woran lässt sie sich erkennen? Und wie können Haupt- und Ehrenamtliche angemessen darauf reagieren? Eingeladen sind Interessierte sowie Haupt- und Ehrenamtliche aus sozialen Einrichtungen, Wohlfahrtsverbänden, Vereinen und Initiativen in Schleswig-Holstein.

Zum Auftakt spricht David Begrich von der Arbeitsstelle Rechtsextremismus bei Miteinander e. V. über Strategien der Unterwanderung am Beispiel Sachsen-Anhalts. Anschließend gibt es Raum für Austausch und gemeinsame Diskussion.

Wyonne Ulrich, Kreisvertreterin des Paritätischen Schleswig-Holstein und Geschäftsführerin eines sozialen Trägers, berichtet anschließend über ihre Erfahrungen aus der Praxis im Umgang mit antidemokratischen Haltungen im kommunalen Raum. Dabei geht es unter anderem um politische Gremien und Ausschüsse sowie um die Herausforderungen, die sich daraus für die Soziale Arbeit ergeben.

Eine weitere Perspektive bringt Daniel Trepsdorf gemeinsam mit ehrenamtlichen Vertreter*innen des dörflichen Bündnisses für Demokratie und Vielfalt „Wage Mut!“ ein. Unter dem Titel „Unterwanderung im eigenen Dorf: Was tun, wenn der Nachbar Nazi ist?“ sprechen sie über Engagement und Demokratiearbeit vor Ort. Das Regionale Beratungsteam gegen Rechts stellt außerdem seine Arbeit vor und beschäftigt sich mit der Frage, wie viel politische Haltung möglich und wie viel politische Neutralität notwendig ist.

Ab 15:00 Uhr sind die Teilnehmenden eingeladen, die Themen der Referent*innen an Gruppentischen zu vertiefen und Erfahrungen auszutauschen. Der Fachtag findet am Dienstag, dem 17. November 2026, von 10:00 bis 16:00 Uhr beim PARITÄTISCHEN Schleswig-Holstein, Zum Brook 4, 24143 Kiel, statt. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Die Veranstaltung wird vom Team des Demokratieprojekts „zusammenWACHSEN“ im Paritätischen Schleswig-Holstein moderiert und im Rahmen des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“ angeboten. Eine Anmeldung ist bis zum 11. November 2026 möglich und kann hier erfolgen.

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Der Hamburger Fotograf Markus Heft widmet sein aktuelles Fotoprojekt „Für uns geträumt“ einer Gruppe, die in der öffentlichen Wahrnehmung häufig wenig sichtbar ist: queeren Menschen über 60 Jahren. Mit Porträts und persönlichen Geschichten rückt er eine Generation in den Mittelpunkt, die über Jahrzehnte für gesellschaftliche und rechtliche Anerkennung kämpfen musste und deren Erfahrungen heute oftmals wenig Beachtung finden.

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Heft betont, dass queere Menschen über 60 viel erlebt haben, aber selten gezeigt werden. Ihre Lebensrealitäten waren unter anderem von Kriminalisierung, Pathologisierung und geringer gesellschaftlicher Akzeptanz geprägt. Coming-outs konnten mit erheblichen Risiken verbunden sein und Beziehungen mussten teilweise versteckt werden. Queere Netzwerke boten vielen eine der wenigen Möglichkeiten, Gemeinschaft zu erleben. Heute hat sich die rechtliche und gesellschaftliche Situation zwar deutlich verändert, die Sichtbarkeit älterer queerer Menschen ist jedoch weiterhin gering. In Medien, Kultur und queeren Räumen stehen häufig jüngere Generationen im Mittelpunkt. Heft möchte dem etwas entgegensetzen. Sein Ziel ist es, Lebensgeschichten zu würdigen, Erfahrungen zu dokumentieren und queere Senior*innen als wichtigen Teil der Community sichtbar zu machen.

„Es ist die eine Sache, sich zu outen und sein authentisches Leben zu leben, aber sich damit vor eine Kamera zu stellen und in die Öffentlichkeit zu gehen, sich angreifbar zu machen und sich potenziell queer-feindlicher Gewalt auszusetzen – das braucht Überwindung“, so Heft in einem Beitrag des NDR.

Für sein Projekt besucht Heft die Porträtierten zu Hause oder an Orten, die für ihr Leben von Bedeutung sind. Begleitet werden die Bilder von kurzen Texten, in denen die Senior*innen über ihr Leben sprechen. Es geht darin unter anderem um erste Liebeserfahrungen, Diskriminierung, politische Kämpfe und das Älterwerden als queere Person.

Einige berichten, dass sie sich erst im Alter wirklich frei fühlen oder sich erst später im Leben getraut haben, sich zu outen. Andere erzählen von Einsamkeit, fehlenden Treffpunkten oder dem Verlust von Freund*innen durch HIV und Aids. Heft gibt diesen unterschiedlichen Erfahrungen Raum und macht damit die Vielfalt queeren Alterns sichtbar.

Das Projekt greift zugleich ein Thema auf, das zunehmend auch in Forschung, Pflege und Seniorenarbeit diskutiert wird: die Lebenssituation älterer queerer Menschen. Viele der heute über 60-Jährigen haben gesellschaftliche Veränderungen und die Kämpfe um die Rechte queerer Menschen über Jahrzehnte miterlebt oder selbst mitgestaltet. Mit seinem Projekt möchte Heft deshalb nicht nur ihre Geschichten dokumentieren, sondern auch für die Bedürfnisse queerer Senior*innen sensibilisieren.

Im Herbst/Winter 2026 soll das Projekt nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne als Buch erscheinen. Auf der Webseite des Fotografen können Interessierte bereits einen ersten Einblick in das Projekt erhalten.

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Queeres Leben ist in Schleswig-Holstein zunehmend sichtbar. In diesem Jahr finden 18 CSDs statt – so viele wie noch nie. Dennoch fehlt es insbesondere in ländlichen Räumen an festen und kontinuierlichen Anlaufstellen. Gerade für queere Jugendliche kann dies zum Problem werden, da ihre Mobilität häufig eingeschränkt ist.

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Während größere Städte wie Kiel, Lübeck oder Flensburg über Beratungsstellen, Jugendgruppen und Community-Orte verfügen, sieht die Situation im ländlichen Raum häufig anders aus. Jugendliche haben dort weniger Möglichkeiten, sich mit anderen queeren Menschen auszutauschen oder Unterstützung bei Fragen zur eigenen Identität zu erhalten. Zugleich sind sie teilweise auf ihre Eltern oder eine eingeschränkte Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Der Besuch queerer Jugendtreffs kann dadurch zur logistischen Herausforderung werden oder ganz unmöglich sein. „Wenn Treffpunkte und Beratung fehlen, bleiben queere Menschen mit Fragen oder Diskriminierungserfahrungen schneller allein“, so Danny Clausen-Holm vom Verband Queerer Vielfalt in Schleswig-Holstein.

Danny Glaß von lambda::nord kennt die Situation queerer Jugendlicher auf dem Land aus eigener Erfahrung. Seit seinem Outing mit 14 Jahren engagiert sich der Husumer für die Community. Sein Ziel ist es, queere Treffpunkte auch außerhalb der Städte zu etablieren, die über einzelne Veranstaltungen wie den CSD hinaus ganzjährig zur Verfügung stehen.

Neben neuen Angeboten wie dem „Hafen der Akzeptanz“ setzt Glaß auf die Zusammenarbeit mit lokalen Akteur*innen. Gemeinsam mit dem Kreisjugendring Nordfriesland werden bereits aktive Ehrenamtliche und Fachkräfte in Workshops für die Lebensrealitäten queerer Jugendlicher sensibilisiert. Dabei geht es unter anderem um queere Lebensrealitäten und Sprache sowie um die Frage, wie bestehende Angebote so gestaltet werden können, dass sich queere Jugendliche mitgedacht und angesprochen fühlen.

Vor dem Hintergrund einer steigenden Zahl registrierter Straftaten gegen queere Menschen in Schleswig-Holstein kommt sicheren Anlaufstellen zusätzliche Bedeutung zu. Zwar existieren bereits ehrenamtlich organisierte Gruppen, doch diese stoßen teilweise an Kapazitätsgrenzen oder sind wenig bekannt. Auf der Seite des NDR gibt es eine Karte, die einen Überblick über bereits bestehende queere Anlaufstellen in Schleswig-Holstein bietet.

Auch die langfristige Finanzierung entsprechender Angebote bleibt eine Herausforderung. Auf Landesebene werden queere Projekte gefördert, zugleich können Veränderungen bei Bundesprogrammen Auswirkungen auf die verfügbaren Mittel haben. Auch lambda::nord ist auf eine verlässliche Finanzierung seiner Angebote angewiesen. Neben einer stabilen Förderung wünscht sich Danny Glaß vor allem mehr gesellschaftliche Akzeptanz. Seine zentrale Botschaft formuliert er dabei bewusst einfach: „Queere Menschen sind Menschen. Queere Jugendliche sind Jugendliche.“

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Seit ihrer Gründung im Jahr 1986 hat sich die Aidshilfe Kiel kontinuierlich weiterentwickelt. Heute arbeitet der gemeinnützige Verein als Fachstelle für Gesundheit und Sexualität und bietet zahlreiche Leistungen wie Beratung und Fortbildungen an. Seit vier Jahrzehnten stehen dabei Solidarität, Akzeptanz und die Unterstützung von Menschen mit HIV und der queeren Community im Mittelpunkt.

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Anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens lädt die Aidshilfe Kiel e. V. zur Ausstellung „40 Jahre Aidshilfe Kiel: Geschichte(n) in Plakaten“ ein. Historische Plakate erzählen dabei von den Anfängen der Aidshilfe und zeigen, wie sich der gesellschaftliche Umgang mit HIV und Aids verändert hat.

In den 1980er-Jahren waren HIV und Aids mit großer Angst, Unsicherheit und Ausgrenzung verbunden. Die Ausstellung erinnert an diese Zeit und macht zugleich sichtbar, wie sich die Arbeit der Aidshilfe im Laufe der Jahrzehnte verändert und erweitert hat. Heute gehören neben der HIV-Prävention auch Beratung zu anderen sexuell übertragbaren Infektionen, Testangebote, sexuelle Bildung und die Unterstützung queerer Menschen zu ihren Aufgaben.

Die Geschichte der Aidshilfe ist auch eine Geschichte medizinischer und gesellschaftlicher Veränderungen. HIV kann heute mit Medikamenten behandelt werden. Eine Therapie kann den Ausbruch von Aids verhindern und ermöglicht Menschen mit HIV ein langes und gutes Leben. Bei erfolgreicher Behandlung ist HIV zudem nicht mehr sexuell übertragbar. Trotz medizinischer Fortschritte bestehen weiterhin Vorurteile und Diskriminierung. Aufklärung, Beratung und persönliche Unterstützung tragen dazu bei, Wissen zu vermitteln, Ängste abzubauen und Menschen mit HIV ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Die Ausstellung möchte nicht nur auf die Vergangenheit zurückblicken, sondern lädt auch dazu ein, Erinnerungen zu teilen, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam über die Zukunft sexueller Gesundheit, queeren Lebens und gesellschaftlicher Solidarität in Kiel nachzudenken.

Besucht werden kann die Ausstellung vom 23. bis zum 26. September, jeweils von 10:00 bis 18:00 Uhr, im Projektraum 13, Holstenstraße 13–15, 24103 Kiel.

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Mit einer Aussage der US-Basketballerin Sophie Cunningham ist die Debatte über die Teilnahme von trans* Frauen im Frauensport in den USA erneut in den Fokus gerückt. Dabei beruft sie sich auf den vermeintlichen „Schutz“ junger Mädchen und stellt trans* Frauen als Gefahr dar.

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In einem Interview mit ESPN begründet Cunningham ihre Forderung nach einem Ausschluss von trans* Frauen damit, dass diese biologische Männer seien und junge Mädchen entsprechend vor ihnen geschützt werden müssten.

Verschiedene Sportverbände gehen unterschiedlich mit der Teilnahme von trans* Personen um. In der Leichtathletik können trans* Frauen nur unter bestimmten Voraussetzungen teilnehmen, etwa wenn sie einen festgelegten Testosteronwert unterschreiten. Auch das International Olympic Committee (IOC) diskutierte nach mehreren Debatten über die Einführung von Geschlechtertests. Kritisiert wird dabei insbesondere der Eingriff in die Privatsphäre, den solche Tests bedeuten. Zudem würden rein biologische Tests der Komplexität von Geschlechtsidentität nicht gerecht.

Die Women’s National Basketball Association, in der Cunningham spielt, hat bisher keine spezifische Regelung zur Teilnahme von trans* Frauen.

Cunninghams Positionierung hat die Debatte um die Teilnahme von trans* Frauen im Sport wieder auf die politische Tagesordnung gesetzt. Konservative Politiker*innen und Aktivist*innen greifen das Thema auf und integrieren es in Kampagnen gegen „Wokeness“. Bei ihren Spielen bedankten sich einige Fans mit Schildern bei Cunningham für ihre Äußerungen.

Gleichzeitig werden auch Gegenstimmen aus dem Sport und der Zivilgesellschaft laut. Minnesota-Trainerin Cheryl Reeve äußerte sich gegenüber der Presse inklusiv, ebenso wie die Spielerinnengewerkschaft WNBPA. Die WNBPA positionierte sich gegen Hass und Diskriminierung, auch gegenüber trans* Personen.

Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass trans* Frauen nach einer Hormontherapie keine eindeutigen körperlichen Vorteile gegenüber cis Frauen im Sport aufweisen. Zwar hätten trans* Frauen laut der Studie eine größere fettfreie Masse, bei anderen sportlich relevanten Merkmalen habe es jedoch keine Unterschiede gegeben. Damit sei, so Forscher Bruno Gualano, die Exklusion von trans* Frauen aus dem Frauensport wissenschaftlich nicht gerechtfertigt.

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