Echte Vielfalt

Aufklärung und Bildung

Der Hamburger Fotograf Markus Heft widmet sein aktuelles Fotoprojekt „Für uns geträumt“ einer Gruppe, die in der öffentlichen Wahrnehmung häufig wenig sichtbar ist: queeren Menschen über 60 Jahren. Mit Porträts und persönlichen Geschichten rückt er eine Generation in den Mittelpunkt, die über Jahrzehnte für gesellschaftliche und rechtliche Anerkennung kämpfen musste und deren Erfahrungen heute oftmals wenig Beachtung finden.

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Heft betont, dass queere Menschen über 60 viel erlebt haben, aber selten gezeigt werden. Ihre Lebensrealitäten waren unter anderem von Kriminalisierung, Pathologisierung und geringer gesellschaftlicher Akzeptanz geprägt. Coming-outs konnten mit erheblichen Risiken verbunden sein und Beziehungen mussten teilweise versteckt werden. Queere Netzwerke boten vielen eine der wenigen Möglichkeiten, Gemeinschaft zu erleben. Heute hat sich die rechtliche und gesellschaftliche Situation zwar deutlich verändert, die Sichtbarkeit älterer queerer Menschen ist jedoch weiterhin gering. In Medien, Kultur und queeren Räumen stehen häufig jüngere Generationen im Mittelpunkt. Heft möchte dem etwas entgegensetzen. Sein Ziel ist es, Lebensgeschichten zu würdigen, Erfahrungen zu dokumentieren und queere Senior*innen als wichtigen Teil der Community sichtbar zu machen.

„Es ist die eine Sache, sich zu outen und sein authentisches Leben zu leben, aber sich damit vor eine Kamera zu stellen und in die Öffentlichkeit zu gehen, sich angreifbar zu machen und sich potenziell queer-feindlicher Gewalt auszusetzen – das braucht Überwindung“, so Heft in einem Beitrag des NDR.

Für sein Projekt besucht Heft die Porträtierten zu Hause oder an Orten, die für ihr Leben von Bedeutung sind. Begleitet werden die Bilder von kurzen Texten, in denen die Senior*innen über ihr Leben sprechen. Es geht darin unter anderem um erste Liebeserfahrungen, Diskriminierung, politische Kämpfe und das Älterwerden als queere Person.

Einige berichten, dass sie sich erst im Alter wirklich frei fühlen oder sich erst später im Leben getraut haben, sich zu outen. Andere erzählen von Einsamkeit, fehlenden Treffpunkten oder dem Verlust von Freund*innen durch HIV und Aids. Heft gibt diesen unterschiedlichen Erfahrungen Raum und macht damit die Vielfalt queeren Alterns sichtbar.

Das Projekt greift zugleich ein Thema auf, das zunehmend auch in Forschung, Pflege und Seniorenarbeit diskutiert wird: die Lebenssituation älterer queerer Menschen. Viele der heute über 60-Jährigen haben gesellschaftliche Veränderungen und die Kämpfe um die Rechte queerer Menschen über Jahrzehnte miterlebt oder selbst mitgestaltet. Mit seinem Projekt möchte Heft deshalb nicht nur ihre Geschichten dokumentieren, sondern auch für die Bedürfnisse queerer Senior*innen sensibilisieren.

Im Herbst/Winter 2026 soll das Projekt nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne als Buch erscheinen. Auf der Webseite des Fotografen können Interessierte bereits einen ersten Einblick in das Projekt erhalten.

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Queeres Leben ist in Schleswig-Holstein zunehmend sichtbar. In diesem Jahr finden 18 CSDs statt – so viele wie noch nie. Dennoch fehlt es insbesondere in ländlichen Räumen an festen und kontinuierlichen Anlaufstellen. Gerade für queere Jugendliche kann dies zum Problem werden, da ihre Mobilität häufig eingeschränkt ist.

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Während größere Städte wie Kiel, Lübeck oder Flensburg über Beratungsstellen, Jugendgruppen und Community-Orte verfügen, sieht die Situation im ländlichen Raum häufig anders aus. Jugendliche haben dort weniger Möglichkeiten, sich mit anderen queeren Menschen auszutauschen oder Unterstützung bei Fragen zur eigenen Identität zu erhalten. Zugleich sind sie teilweise auf ihre Eltern oder eine eingeschränkte Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Der Besuch queerer Jugendtreffs kann dadurch zur logistischen Herausforderung werden oder ganz unmöglich sein. „Wenn Treffpunkte und Beratung fehlen, bleiben queere Menschen mit Fragen oder Diskriminierungserfahrungen schneller allein“, so Danny Clausen-Holm vom Verband Queerer Vielfalt in Schleswig-Holstein.

Danny Glaß von lambda::nord kennt die Situation queerer Jugendlicher auf dem Land aus eigener Erfahrung. Seit seinem Outing mit 14 Jahren engagiert sich der Husumer für die Community. Sein Ziel ist es, queere Treffpunkte auch außerhalb der Städte zu etablieren, die über einzelne Veranstaltungen wie den CSD hinaus ganzjährig zur Verfügung stehen.

Neben neuen Angeboten wie dem „Hafen der Akzeptanz“ setzt Glaß auf die Zusammenarbeit mit lokalen Akteur*innen. Gemeinsam mit dem Kreisjugendring Nordfriesland werden bereits aktive Ehrenamtliche und Fachkräfte in Workshops für die Lebensrealitäten queerer Jugendlicher sensibilisiert. Dabei geht es unter anderem um queere Lebensrealitäten und Sprache sowie um die Frage, wie bestehende Angebote so gestaltet werden können, dass sich queere Jugendliche mitgedacht und angesprochen fühlen.

Vor dem Hintergrund einer steigenden Zahl registrierter Straftaten gegen queere Menschen in Schleswig-Holstein kommt sicheren Anlaufstellen zusätzliche Bedeutung zu. Zwar existieren bereits ehrenamtlich organisierte Gruppen, doch diese stoßen teilweise an Kapazitätsgrenzen oder sind wenig bekannt. Auf der Seite des NDR gibt es eine Karte, die einen Überblick über bereits bestehende queere Anlaufstellen in Schleswig-Holstein bietet.

Auch die langfristige Finanzierung entsprechender Angebote bleibt eine Herausforderung. Auf Landesebene werden queere Projekte gefördert, zugleich können Veränderungen bei Bundesprogrammen Auswirkungen auf die verfügbaren Mittel haben. Auch lambda::nord ist auf eine verlässliche Finanzierung seiner Angebote angewiesen. Neben einer stabilen Förderung wünscht sich Danny Glaß vor allem mehr gesellschaftliche Akzeptanz. Seine zentrale Botschaft formuliert er dabei bewusst einfach: „Queere Menschen sind Menschen. Queere Jugendliche sind Jugendliche.“

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Seit ihrer Gründung im Jahr 1986 hat sich die Aidshilfe Kiel kontinuierlich weiterentwickelt. Heute arbeitet der gemeinnützige Verein als Fachstelle für Gesundheit und Sexualität und bietet zahlreiche Leistungen wie Beratung und Fortbildungen an. Seit vier Jahrzehnten stehen dabei Solidarität, Akzeptanz und die Unterstützung von Menschen mit HIV und der queeren Community im Mittelpunkt.

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Anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens lädt die Aidshilfe Kiel e. V. zur Ausstellung „40 Jahre Aidshilfe Kiel: Geschichte(n) in Plakaten“ ein. Historische Plakate erzählen dabei von den Anfängen der Aidshilfe und zeigen, wie sich der gesellschaftliche Umgang mit HIV und Aids verändert hat.

In den 1980er-Jahren waren HIV und Aids mit großer Angst, Unsicherheit und Ausgrenzung verbunden. Die Ausstellung erinnert an diese Zeit und macht zugleich sichtbar, wie sich die Arbeit der Aidshilfe im Laufe der Jahrzehnte verändert und erweitert hat. Heute gehören neben der HIV-Prävention auch Beratung zu anderen sexuell übertragbaren Infektionen, Testangebote, sexuelle Bildung und die Unterstützung queerer Menschen zu ihren Aufgaben.

Die Geschichte der Aidshilfe ist auch eine Geschichte medizinischer und gesellschaftlicher Veränderungen. HIV kann heute mit Medikamenten behandelt werden. Eine Therapie kann den Ausbruch von Aids verhindern und ermöglicht Menschen mit HIV ein langes und gutes Leben. Bei erfolgreicher Behandlung ist HIV zudem nicht mehr sexuell übertragbar. Trotz medizinischer Fortschritte bestehen weiterhin Vorurteile und Diskriminierung. Aufklärung, Beratung und persönliche Unterstützung tragen dazu bei, Wissen zu vermitteln, Ängste abzubauen und Menschen mit HIV ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Die Ausstellung möchte nicht nur auf die Vergangenheit zurückblicken, sondern lädt auch dazu ein, Erinnerungen zu teilen, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam über die Zukunft sexueller Gesundheit, queeren Lebens und gesellschaftlicher Solidarität in Kiel nachzudenken.

Besucht werden kann die Ausstellung vom 23. bis zum 26. September, jeweils von 10:00 bis 18:00 Uhr, im Projektraum 13, Holstenstraße 13–15, 24103 Kiel.

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Mit einer Aussage der US-Basketballerin Sophie Cunningham ist die Debatte über die Teilnahme von trans* Frauen im Frauensport in den USA erneut in den Fokus gerückt. Dabei beruft sie sich auf den vermeintlichen „Schutz“ junger Mädchen und stellt trans* Frauen als Gefahr dar.

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In einem Interview mit ESPN begründet Cunningham ihre Forderung nach einem Ausschluss von trans* Frauen damit, dass diese biologische Männer seien und junge Mädchen entsprechend vor ihnen geschützt werden müssten.

Verschiedene Sportverbände gehen unterschiedlich mit der Teilnahme von trans* Personen um. In der Leichtathletik können trans* Frauen nur unter bestimmten Voraussetzungen teilnehmen, etwa wenn sie einen festgelegten Testosteronwert unterschreiten. Auch das International Olympic Committee (IOC) diskutierte nach mehreren Debatten über die Einführung von Geschlechtertests. Kritisiert wird dabei insbesondere der Eingriff in die Privatsphäre, den solche Tests bedeuten. Zudem würden rein biologische Tests der Komplexität von Geschlechtsidentität nicht gerecht.

Die Women’s National Basketball Association, in der Cunningham spielt, hat bisher keine spezifische Regelung zur Teilnahme von trans* Frauen.

Cunninghams Positionierung hat die Debatte um die Teilnahme von trans* Frauen im Sport wieder auf die politische Tagesordnung gesetzt. Konservative Politiker*innen und Aktivist*innen greifen das Thema auf und integrieren es in Kampagnen gegen „Wokeness“. Bei ihren Spielen bedankten sich einige Fans mit Schildern bei Cunningham für ihre Äußerungen.

Gleichzeitig werden auch Gegenstimmen aus dem Sport und der Zivilgesellschaft laut. Minnesota-Trainerin Cheryl Reeve äußerte sich gegenüber der Presse inklusiv, ebenso wie die Spielerinnengewerkschaft WNBPA. Die WNBPA positionierte sich gegen Hass und Diskriminierung, auch gegenüber trans* Personen.

Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass trans* Frauen nach einer Hormontherapie keine eindeutigen körperlichen Vorteile gegenüber cis Frauen im Sport aufweisen. Zwar hätten trans* Frauen laut der Studie eine größere fettfreie Masse, bei anderen sportlich relevanten Merkmalen habe es jedoch keine Unterschiede gegeben. Damit sei, so Forscher Bruno Gualano, die Exklusion von trans* Frauen aus dem Frauensport wissenschaftlich nicht gerechtfertigt.

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Noch sind es rund fünfeinhalb Monate bis zur Premiere, doch im Hambötler Huus in Negernbötel, Schleswig-Holstein, wird bereits intensiv gearbeitet, denn die ersten Proben für „Aperol & Rollenbilder – Part Two“ haben begonnen. Das neue Theaterstück von Queerbogen wird am Samstag, den 30. Januar 2027, Premiere feiern und knüpft damit an die erste erfolgreiche Ausgabe aus dem Juni an.

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Im Zentrum steht erneut die Frage, wie stark gesellschaftliche Vorstellungen von „männlich“ und „weiblich“ unseren Alltag prägen. Autor, Regisseur und Darsteller Sascha Grimm führt das Thema weiter aus und verbindet persönliche Erfahrungen mit feministischen Perspektiven, Kritik am Patriarchat und der Frage, welche Rollen wir oft ganz selbstverständlich übernehmen, ohne sie zu hinterfragen. Dabei soll das Stück nicht spalten, sondern sichtbar machen, welche Freiheiten entstehen, wenn Menschen Eigenschaften, Kleidung oder Verhaltensweisen nicht mehr einem Geschlecht zuordnen müssen, und was verloren geht, wenn diese Zuordnungen bestehen bleiben.

„Aperol & Rollenbilder – Part Two“ zeigt, dass es nicht darum geht, Männern etwas wegzunehmen oder einzelne Personen zu kritisieren. Vielmehr lädt das Stück dazu ein, die eigenen Vorstellungen zu reflektieren und zu entdecken, wie vielfältig und offen Geschlechterrollen sein können, wenn sie nicht als gegeben verstanden werden.

Auch die Inszenierung selbst spielt mit Erwartungen, denn Kleidung, Rollen und Szenen verändern sich im Verlauf des Abends. „Das Stück beginnt und endet nicht dort, wo man es vielleicht vermuten würde.“ Sascha Grimm beschreibt den neuen Teil in einer Pressemitteilung der Firmenpresse als „deutlich mehr Theater als der erste Teil“ mit „richtige[r] Handlung, mehr Bewegung und mehr Inszenierung“, ohne dabei die persönliche und manchmal unbequeme Note zu verlieren. Die Aufführung ist Teil eines größeren Theaterprojekts von Queerbogen.

Parallel zu den Proben entstehen Bühnenbilder und Requisiten, während die Finanzierung weiter aufgebaut wird. Queerbogen sucht dafür noch nach regionalen Unternehmen und Privatpersonen, die das Projekt als Sponsor*innen oder Unterstützer*innen begleiten wollen. Auf der Webseite können sich Interessierte dazu informieren. Auch für die Premiere ist dort bereits eine Anmeldung möglich.

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Am 16. Juli 2026 erschien „Die Odyssee“, eine Filmadaption des antiken griechischen Epos von Homer, in den deutschen Kinos. Bereits vor dem Kinostart führte die Besetzung zu heftigen Reaktionen in den sozialen Netzwerken. Der kanadische Schauspieler und Autor Elliot Page stand besonders im Fokus der Anfeindungen.

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Page outete sich 2020 als trans. Seitdem ist er regelmäßig intensivem Hass, Bedrohungen und Transfeindlichkeit ausgesetzt. In seiner Autobiografie „Pageboy“ schreibt er: „Nach meinem ersten Coming-Out 2014 [als homosexuell] glaubte mir die große Mehrheit noch, ich wurde nicht nach Beweisen gefragt. Doch der Hass und der Backlash, den ich auch da schon erfuhr, waren nichts im Vergleich zu jetzt. Nicht mal annähernd.“

Der Trailer zu Christopher Nolans „Die Odyssee“ löste eine erneute Hasswelle aus. Grundlage dafür war das Gerücht, Page würde die Rolle des griechischen Helden Achilles übernehmen, das inzwischen widerlegt ist. Tatsächlich ist er als griechischer Soldat Sinon nur wenige Minuten auf der Leinwand zu sehen. Trotzdem entwickelte sich die vermeintliche Besetzung schnell zum Gegenstand einer Online-Hetzkampagne in rechten und konservativen Netzwerken. Drittanbieter, die Hochrechnungen von Dislike-Zahlen veröffentlichen, verzeichneten Rekordwerte für den Trailer auf YouTube.

Rechte Kommentare nutzten die vermeintliche Besetzung zum Anlass für Angriffe auf Pages Identität. Besonders Elon Musk befeuerte die Anfeindungen und warf Nolan vor, nur für Oscars zu casten und daher Diversität zu erzwingen. Diese Behauptung ist bereits deshalb haltlos, weil die Besetzung von Hauptrollen mit Angehörigen bestimmter gesellschaftlicher Gruppen historisch gesehen keine Voraussetzung dafür ist, einen Oscar zu gewinnen.

Musk und weitere rechte Stimmen werfen Nolan außerdem vor, die „historische Authentizität“ des griechischen Epos durch politische Korrektheit zu verfälschen. Nolans Film ist jedoch keine wissenschaftliche Rekonstruktion der antiken Welt, sondern eine künstlerische Neuinterpretation eines mythologischen Stoffes. Auch die Figuren entstammen der griechischen Mythologie und sind keine historischen Personen.

Der Fall macht deutlich, dass trans* Menschen in der Film- und Kulturbranche weiterhin mit Vorurteilen, Abwertung und gezielten Anfeindungen konfrontiert sind und queere Sichtbarkeit noch immer häufig als politische Botschaft statt als Teil gesellschaftlicher Realität wahrgenommen wird.

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Am 18. August begeht die LSBTIQ* Community den International Butch Appreciation Day. Der Tag würdigt Butches und ihren Beitrag zur queeren Geschichte, Kultur und Emanzipation. Doch wer ist mit dem Begriff „Butch“ überhaupt gemeint und woher stammt er?

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„Butch“ ist eine Selbstbezeichnung, die vor allem in queeren Communities verwendet wird. Meist beschreibt sie Menschen, die sich maskulin präsentieren oder eine maskuline Geschlechterrolle einnehmen. Viele Butches sind lesbische Frauen, die maskulin auftreten. Auch nicht-binäre oder trans* maskuline Personen nutzen den Begriff für sich. Dabei geht es nicht allein um Kleidung und Auftreten, sondern auch um die eigene Identität und die Position innerhalb einer queeren Community.

Die Bezeichnung entstand in queeren Subkulturen im frühen 20. Jahrhundert. Sie wurde zunächst für weibliche Personen verwendet, deren Körpersprache und Kleidungsstil von den damals herrschenden Weiblichkeitsidealen abwichen und als maskulin wahrgenommen wurden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Begriff zu einer Identitätsbezeichnung und einem Bestandteil lesbischer und queerer Kultur.

Häufig wird „Butch“ gemeinsam mit dem Begriff „Femme“ genannt. Femmes entsprechen in ihrem Auftreten eher normativen Vorstellungen von Weiblichkeit und bilden so das traditionelle Gegenstück zu Butches. Historisch beschrieben die Begriffe häufig auch Beziehungsdynamiken innerhalb lesbischer Communities. Der Umgang mit starren Geschlechterverständnissen und -ordnungen wird in diesen Beziehungen sichtbar, denn Butches und Femmes können gesellschaftliche Kategorisierungen hinterfragen und durch ein weiteres Verständnis von geschlechtlicher Vielfalt ergänzen oder aufbrechen.

Innerhalb der Butch-Community gibt es unterschiedliche Selbstbezeichnungen, wobei Stone Butches besonders bekannt sind. Damit sind in der Regel Butches gemeint, für die die explizit dargestellte Ablehnung der konventionellen Geschlechterrolle, die ihnen gesellschaftlich zugewiesen wird, ein wichtiger Teil ihrer Identität ist. Zudem wird der Begriff häufig von Lesben verwendet, die sexuell dominant sind und nicht wollen, dass ihre Geschlechtsteile während dem Sex berührt oder penetriert werden.

Größere Bekanntheit erlangte der Begriff 1993 mit der Veröffentlichung des Romans „Stone Butch Blues“ von Leslie Feinberg. Heute gilt der Roman als Klassiker der queeren Literatur und hat wesentlich dazu beigetragen, Erfahrungen von Butches und trans* Personen sichtbar zu machen.

Die Festlegung des 18. August als Butch Appreciation Day geht vermutlich auf die 2010er-Jahre zurück, in denen viele ähnliche Aktionstage entstanden. Bereits 2011 finden sich online Beiträge, die auf den Tag Bezug nehmen. Auch wenn seine Ursprünge nicht eindeutig dokumentiert sind, steht der 18. August heute symbolisch für die Anerkennung von Butches und ihres Beitrags zu queerer Geschichte und Sichtbarkeit.

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In einem neuen Bericht analysiert die LSBTIQ* Medienorganisation GLAAD, welche Auswirkungen Künstliche Intelligenz (KI) auf die queere Community haben kann. Dabei warnt die Organisation vor verschiedenen Risiken, weist aber auch auf mögliche Chancen für queere Menschen und ihre Angehörigen hin.

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Die US-amerikanische Organisation GLAAD setzt sich seit vielen Jahren für eine faire und vielfältige Darstellung queerer Menschen in den Medien ein. In ihrem aktuellen Bericht untersucht sie, wie KI-Systeme die Wahrnehmung von LSBTIQ* Personen beeinflussen können. Als Beispiel nennt GLAAD das KI-Modell Llama 4 von Meta. Dieses empfahl auf die Anfrage einer Person, die sich als Elternteil eines frisch geouteten Kindes ausgab, sogenannte „Konversionstherapien“ für homosexuelle Menschen. Wissenschaftliche Fachgesellschaften lehnen solche Praktiken seit Jahren ab, da sie nicht wirksam sind und mit erheblichen psychischen Belastungen verbunden sein können.

Auch eine Umfrage von LGBT Tech zeigt die Skepsis vieler queerer Menschen gegenüber KI. Demnach sorgen sich 73 Prozent der befragten queeren Erwachsenen in den USA vor KI-generierter Desinformation. 68 Prozent befürchten, dass Vorurteile durch KI-Systeme verstärkt oder weiterverbreitet werden. Unter den befragten trans* Personen teilen sogar 94 Prozent diese Sorge.

Als Herausforderungen nennt GLAAD unter anderem die Verbreitung oder Verstärkung von Hass gegenüber queeren Menschen sowie mögliche Diskriminierungen durch automatisierte Entscheidungssysteme. Dies könne beispielsweise die Kreditvergabe, den Wohnungsmarkt oder Bewerbungsverfahren betreffen. Auch Systeme zur Gesichtserkennung oder automatischen Geschlechtszuordnung könnten bestehende Stereotype reproduzieren. Darüber hinaus bestehe die Gefahr, dass queere Inhalte auf digitalen Plattformen eingeschränkt sichtbar gemacht werden. In Ländern, in denen queere Menschen nur unzureichend rechtlich geschützt sind, gewinnen zudem Datenschutzfragen besondere Bedeutung.

Neben den Risiken sehen viele queere Menschen jedoch auch Chancen. Genannt wird vor allem der Abbau von Zugangsbarrieren. Informationen, Beratungsangebote und Unterstützungsstrukturen könnten durch KI leichter auffindbar werden. Auch Eltern könnten dabei unterstützt werden, die queere Identität ihrer Kinder besser zu verstehen und sich über entsprechende Themen zu informieren.

Kate Ellis, Präsidentin und CEO von GLAAD, fordert deshalb den Einsatz menschlicher Kontrollmechanismen und eine kontinuierliche Weiterentwicklung von KI-Systemen, damit diese allen Menschen gerecht werden und Diskriminierungen nicht verstärken.

Mit diesen Fragen beschäftigt sich auch das Forschungsfeld „Queering AI“. Es untersucht, wie Künstliche Intelligenz so gestaltet werden kann, dass sie queere Menschen angemessen repräsentiert, bestehende Vorurteile nicht reproduziert und gesellschaftliche Ungleichheiten im besten Fall sogar abbauen hilft.

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Ältere Menschen aus der LSBTIQ* Community blicken häufig auf einen langen Kampf um Selbstbestimmung, Sichtbarkeit und gesellschaftliche Anerkennung zurück. Viele von ihnen haben Diskriminierung und Ausgrenzung erlebt und sind bis heute nicht geoutet. Umso wichtiger ist es, ihre individuellen Lebensrealitäten auch dann mitzudenken, wenn sie pflegerische Unterstützung benötigen oder in eine Pflegeeinrichtung ziehen. Der 9. Altersbericht der Bundesregierung empfiehlt deshalb unter anderem eine diversitätssensible Gestaltung von Angeboten und Leistungen der Altenhilfe.

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Die Bundesinteressensvertretung schwuler Senioren (BISS) e.V. bietet aktuell einen kostenfreien digitalen Fortbildungskurs zum Thema LSBTIQ* in der Pflege an. Ziel ist es, für die Lebenswelten von LSBTIQ* Personen und Menschen mit HIV zu sensibilisieren. Das Angebot richtet sich an Pflegekräfte, Ausbilder*innen, Auszubildende in der Pflege sowie weitere Multiplikator*innen im Pflegebereich.

Der E-Learning-Kurs behandelt Themen wie die Geschichte der LSBTIQ* Community, wichtige Begrifflichkeiten sowie Diskriminierungserfahrungen. Die Inhalte werden unter anderem durch Videos, Biografiearbeit, Erfahrungsberichte und praxisnahe Beispiele vermittelt.

Ziel des Kurses ist es, Pflegekräfte und andere Fachpersonen dabei zu unterstützen, eine biografieorientierte und diversitätssensible Pflegepraxis umzusetzen. Gleichzeitig soll er Auszubildende bei der Vermittlung von Lehrinhalten zu LSBTIQ* und Menschen mit HIV unterstützen. Die curriculare Einheit CE 09 („Menschen bei der Lebensgestaltung lebensweltorientiert unterstützen“) des Pflegeberufegesetzes bietet hierfür den fachlichen Rahmen. Gefördert wird das Angebot durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ).

Der Kurs gliedert sich in zwei große Themenbereiche. Im ersten Teil steht die Vermittlung von Grundlagenwissen und Begrifflichkeiten im Vordergrund. Im zweiten Teil werden darauf aufbauend Methoden vorgestellt und erprobt, die später im Pflegealltag, im Unterricht oder in Schulungen eingesetzt werden können.

Für die Bearbeitung des gesamten Lernmaterials sollten etwa acht Stunden eingeplant werden. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat sowie acht Fortbildungspunkte für die „Registrierung beruflich Pflegender“. Der Kurs kann jederzeit begonnen werden. Weitere Informationen sowie den Link zur Teilnahme finden Sie hier.

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Bereits 2024 erschien die Broschüre „Demenz und queer“ für Schleswig-Holstein. Das Modellprojekt stieß auf große Resonanz und machte deutlich, dass bundesweit Bedarf an Orientierung und Sensibilisierung für die Lebensrealitäten queerer Menschen mit Demenz besteht. Daraufhin schlossen sich das Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein und die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz zusammen, um eine bundesweit nutzbare Ausgabe zu veröffentlichen.

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Menschen mit Demenz verlieren nach und nach Erinnerungen und damit oft auch den Zugang zu wichtigen Teilen ihrer Biografie. Gleichzeitig können weit zurückliegende Erlebnisse wieder stärker in den Vordergrund treten. Für queere Menschen kann dies besondere Herausforderungen mit sich bringen. Diskriminierungserfahrungen, Ausgrenzung oder frühere Lebenssituationen können erneut präsent werden. Gerade ältere queere Menschen haben teilweise strafrechtliche Verfolgung erlebt oder waren gezwungen, ihre Identität zu verbergen und in gesellschaftlich erwarteten Rollen zu leben. Mit fortschreitender Demenz kann es zudem vorkommen, dass Hemmschwellen sinken und Menschen sich erstmals oder erneut gegenüber ihrem Umfeld outen.

Die Broschüre möchte diese Perspektiven sichtbar machen und Angehörigen, Fachkräften, Beratungsstellen sowie Einrichtungen Orientierung bieten. Sie verbindet fachliche Informationen mit praxisnahen Empfehlungen und soll dazu beitragen, Diskriminierung vorzubeugen sowie Unsicherheiten im Umgang mit queeren Menschen mit Demenz abzubauen.

In einer Pressemitteilung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft vom 8. Juni 2026 betont Anneke Wilken-Bober vom Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein die Bedeutung von Verbündeten, sogenannten Allies, die sich für die LSBTIQ* Community einsetzen:

„Menschen mit Demenz sind nicht nur hetero und weiß. Vielfalt lebt vom Mitmachen und es braucht viele Menschen, die sich positionieren. Jahrzehntelang haben beispielsweise Lesben, Schwule und auch Trans* Personen um Sichtbarkeit gekämpft. Sie brauchen sogenannte ‚Allies‘, Verbündete: Menschen, die sich in unserer immer noch stark heteronorm geprägten Gesellschaft für sie einsetzen, im Kleinen und im Großen.“

Menschen mit Demenz sind in besonderem Maße auf ein respektvolles und unterstützendes Umfeld angewiesen. Umso wichtiger ist es, dass Angehörige, Pflegekräfte und andere Bezugspersonen sensibel auf unterschiedliche Lebensrealitäten eingehen und Diskriminierung entgegenwirken.

Mit „Demenz und queer – Vielfalt denken, sehen, ermöglichen“ liegt nun eine überarbeitete bundesweite Ausgabe vor. Ergänzend wurde eine Hörversion veröffentlicht, um die Barrierefreiheit des Angebots zu verbessern. Neu hinzugekommen ist unter anderem ein zusätzliches Kapitel zu Begrifflichkeiten unter dem Titel „Miteinander sprechen“.

Die Broschüre kann im Shop der Deutschen Alzheimer Gesellschaft kostenlos als PDF heruntergeladen oder als Druckversion bestellt werden. Ergänzend steht ein Informationsplakat zur Verfügung.

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