Weiterlesen Der Gay Travel Index untersucht jährlich mehr als 200 Länder und Regionen und bewertet sie nach insgesamt 18 Kriterien. Dazu gehören unter anderem rechtliche Gleichstellung, Antidiskriminierungsgesetze, gesellschaftliche Akzeptanz, die Situation von trans* Personen sowie mögliche strafrechtliche Risiken bis hin zur Todesstrafe. An der Spitze des Rankings steht 2026 Island, gefolgt von Malta und Spanien. Direkt dahinter platzieren sich Belgien, Kanada, Deutschland und Portugal. Diese Länder zeichnen sich durch eine vergleichsweise stabile rechtliche Gleichstellung sowie eine insgesamt offene gesellschaftliche Atmosphäre aus. Für Aufmerksamkeit sorgt vor allem ein Land, das noch vor wenigen Jahren häufig wegen queerfeindlicher Politik in den Schlagzeilen stand: Polen. Es verbessert sich von Platz 118 auf Rang 59. Als Gründe nennen die Autor*innen des Index unter anderem Fortschritte bei den Rechten von trans* Menschen (MANNSCHAFT). Neben Polen gehört auch Nepal zu den Gewinnern des Jahres. Das Land klettert um mehr als 20 Plätze auf Rang 32. Ausschlaggebend dafür sind unter anderem neue Self-ID-Regelungen für trans* Personen sowie eine zunehmende gesellschaftliche Toleranz gegenüber queeren Menschen (WirtschaftsWoche). Der Index zeigt jedoch nicht nur Fortschritte. In mehreren Regionen der Welt verschlechtert sich die Situation für queere Menschen deutlich. Staaten wie Irak, Südsudan oder Turkmenistan sind im Ranking stark gefallen, weil staatliche Repression und Gewalt gegen LSBTIQ*-Personen zunehmen. Am Ende der Liste stehen weiterhin Länder, in denen Homosexualität strafbar ist oder sogar mit der Todesstrafe geahndet werden kann – darunter Afghanistan, Saudi-Arabien, Iran oder Jemen. Gleichzeitig zeigt der Index auch eine andere Entwicklung: Selbst in liberalen Staaten mit fortschrittlicher Gesetzgebung kann die gesellschaftliche Akzeptanz zurückgehen. Besonders deutlich zeigt sich diese Ambivalenz in den USA. Im globalen Ranking landet das Land zwar im Mittelfeld, doch zwischen den einzelnen Bundesstaaten bestehen enorme Unterschiede. Während Staaten wie New York, Kalifornien oder Nevada LSBTIQ*-Rechte weiter stärken, verschärfen konservative Bundesstaaten ihre Gesetzgebung und schränken beispielsweise die medizinische Versorgung von trans* Personen ein (WirtschaftsWoche). Der Gay Travel Index versteht sich nicht nur als Reisehilfe, sondern auch als politischer Indikator. Er zeigt, wie stark Rechte, gesellschaftliche Akzeptanz und Sicherheit für LSBTIQ*-Menschen weltweit schwanken und wie schnell sich Entwicklungen verändern können.
Aufklärung und Bildung
Weiterlesen Grundlage des neuen Aktionsplans ist die „Europäische Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene“, der sich die Stadt Lübeck angeschlossen hat. Diese Charta ist ein europaweit anerkanntes Rahmenwerk für kommunale Gleichstellungsarbeit und fordert, Gleichstellung umfassend zu denken und in allen Lebensbereichen wirkungsvoll zu verankern. In ihrem aktualisierten Text bekräftigt die Charta unter anderem Schwerpunkte des 2. Aktionsplans Der Aktionsplan 2025 – 2028 fasst 63 Maßnahmen zusammen, die in sieben Handlungsfelder gegliedert sind. Eines davon ist das neue Handlungsfeld VII: „Queeres Lübeck“, das mit zwölf spezifischen Maßnahmen die Sichtbarkeit, Teilhabe und Unterstützung von queeren Menschen in der Stadtgesellschaft stärken soll. Die weiteren Handlungsfelder umfassen Themen wie: Stadtverwaltung, zivilgesellschaftliche Initiativen, Vereine und Einzelpersonen haben sich in breit angelegten Beteiligungsformaten eingebracht – ein Zeichen dafür, dass Gleichstellungsarbeit in Lübeck als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden wird. Auftaktveranstaltung im März 2026 Ein weiterer wichtiger Schritt für die Umsetzung des neuen Plans ist die öffentliche Auftaktveranstaltung, zu der alle Interessierten eingeladen sind: Mittwoch, 11. März 2026, 16:00 – 20:00 Uhr Bei dieser Veranstaltung stehen Information, Austausch und Vernetzung im Mittelpunkt. Sie bietet Raum für Gespräche zu den geplanten Maßnahmen des Aktionsplans und für die Frage, wie die gemeinsame Umsetzung aktiv gestaltet werden kann.
Aula der Volkshochschule Lübeck, Falkenplatz 2
Queere Vielfalt in Schulen: Vom Anspruch zur gelebten Praxis
26. Februar 2026Weiterlesen Queere Schüler*innen erleben nach wie vor überdurchschnittlich häufig Diskriminierung, Ausgrenzung oder Mobbing. Studien (z.B. der European Union Agency for Fundamental Rights, 2024) zeigen, dass fehlende Sichtbarkeit und mangelnde Sensibilität im schulischen Umfeld negative Auswirkungen auf psychische Gesundheit, Lernmotivation und Bildungsbiografien haben können. Eine inklusive Schulkultur ist deshalb keine Zusatzaufgabe, sondern Teil professioneller Schulentwicklung. Vor diesem Hintergrund hat die SPD-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag einen Antrag in den Landtag eingebracht, der sich mit der Stärkung queerer Vielfalt und dem Schutz vor Diskriminierung im schulischen Kontext befasst. Im Kern geht es darum, bestehende Maßnahmen weiterzuentwickeln, Sensibilität strukturell zu verankern und Schulen in ihrer Verantwortung für ein diskriminierungsfreies Lernumfeld zu unterstützen. Der Antrag ist damit Ausdruck einer breiteren gesellschaftlichen Debatte – im Mittelpunkt steht jedoch das Thema selbst: Wie gelingt es, Vielfalt verbindlich in schulische Praxis zu übersetzen? Es gibt bereits bewährte Ansätze, auf die sich zurückgreifen lässt: 1. Verlässliche Ansprechpersonen und Schutzkonzepte: Schulen können feste Vertrauenslehrkräfte oder Diversity-Beauftragte benennen, die für Fragen rund um sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität qualifiziert sind. Ergänzend wirken klar formulierte Antidiskriminierungsleitlinien, die explizit LSBTIQ*-Feindlichkeit benennen. Solche Schutzkonzepte orientieren sich häufig an Empfehlungen der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, die betont, dass Diskriminierungsschutz institutionell verankert sein muss – nicht nur situativ reagierend. 2. Selbstgewählter Name und Pronomen im Schulalltag: Ein niedrigschwelliger, aber wirkungsvoller Schritt ist die konsequente Nutzung des selbstgewählten Namens und der gewünschten Pronomen. Auch wenn Personenstandsänderungen noch nicht abgeschlossen sind, signalisiert diese Praxis Anerkennung. Schulinterne Handreichungen können Lehrkräften Sicherheit im Umgang mit datenschutzrechtlichen Fragen geben und Missverständnisse vermeiden. 3. Unterrichtliche Verankerung: Queere Lebensrealitäten lassen sich in verschiedenen Fächern thematisieren: Im Deutschunterricht über Literatur, im Geschichtsunterricht über Emanzipationsbewegungen, im Biologieunterricht differenziert und wissenschaftlich fundiert. Wichtig ist dabei eine sachliche, altersangemessene und stereotypfreie Darstellung. Das Deutsches Jugendinstitut weist darauf hin, dass Sichtbarkeit im Lehrplan signifikant zur Reduktion von Vorurteilen beitragen kann. 4. Kooperation mit externen Trägern: Workshops mit queeren Bildungsinitiativen oder Projekttage zu Vielfalt und Demokratiebildung schaffen Raum für Fragen, die im regulären Unterricht oft zu kurz kommen. Hier profitieren Schulen von Kooperationen mit regionalen Netzwerken und Landesprogrammen. In Schleswig-Holstein unterstützt das Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein Programme zur Stärkung von Akzeptanz und Diversität im Bildungsbereich, z.B. SCHLAU Schleswig-Holstein, ein landesweite Netzwerk lokaler SCHLAU Gruppen mit einem breiten Angebot an Bildungs-, Aufklärungs- und Antidiskriminierungsworkshops zu geschlechtlicher, sexueller und romantischer Vielfalt für Schulen, Sportvereine, Jugendzentren und andere Jugendeinrichtungen. Queere Vielfalt in Schulen ist kein Randthema und keine ideologische Zusatzdebatte. Es geht um Bildungsqualität, Chancengerechtigkeit und den Schutz junger Menschen. Politische Initiativen wie der Antrag der SPD-Fraktion machen deutlich, dass dieses Thema auch auf Landesebene als strukturrelevant verstanden wird – entscheidend bleibt jedoch die konkrete Umsetzung im schulischen Alltag.
Zunahme von Gewalttaten im Zusammenhang mit queerem Dating – Was ist die Realität? Wie geht es Betroffenen? Und wie kann ich mich schützen?
24. Februar 2026Weiterlesen Wie das Magazin Schwulissimo bereits vor über einem Jahr berichtete, nutzen Täter*innen Dating-Apps systematisch, um queere Menschen in Hinterhalte zu locken und sie dann zu überfallen, zu verletzen und auszurauben. Der vermeintlich oder ehemals sichere community-nahe Raum verliert seinen geschützten Charakter. Die Taten folgen häufig einem ähnlichen Muster: Über Dating-Apps wird Kontakt aufgebaut, Sympathie erzeugt und ein Treffen vereinbart. Vor Ort kommt es dann zu Überfällen. Gerade schwule oder bisexuelle Männer* bewegen sich häufiger in anonymen öffentlichen Räumen, etwa in Parks oder Seitenstraßen, auch weil sie nicht geoutet sind oder Diskretion suchen. Diese Umstände werden von Tätergruppen gezielt ausgenutzt. Angriffe finden jedoch auch in den eigenen Wohnräumen der Opfer statt. Was zurückbleibt, sind Erfahrungen, die das Leben der Betroffenen tiefgreifend prägen. Viele entwickeln Ängste und Panik, ziehen sich zurück und beenden ihr offenes Dating- und Sexleben. Die gerade erlangte Freiheit, sich offen sexuell ausleben zu können, wird durch Gewalt und Angst erneut eingeschränkt. Hinzu kommt mangelndes Verständnis für die Opfer – innerhalb wie außerhalb der Community. Nicht selten kommt es zu Täter-Opfer-Umkehr, indem Betroffenen „Leichtsinn“ unterstellt wird. Plattformen wie Grindr, die auf geosozialer Interaktion basieren, können diese Dynamiken begünstigen. Profile werden auf Grundlage des geografischen Standorts angezeigt, spontane Begegnungen werden gefördert. Frühere Sicherheitslücken, bei denen sogar Personen ohne eigenes Profil auf Standortdaten zugreifen konnten, zeigen, wie solche Funktionen gezielte Angriffe erleichtern können. Konkrete Zahlen zu queerfeindlichen Taten sind schwer zu benennen, da viele Übergriffe nicht angezeigt werden. Gründe sind fehlendes Outing, Angst vor respektlosem Verhalten durch Behörden oder Scham, weil das Treffen als sexuelles Date geplant war. Zudem erschwert die häufige Anonymität der Profile die Ermittlungen. Gleichzeitig spiegeln sich steigende queerfeindliche Gewaltformen in den Zahlen politisch motivierter Kriminalität wider. Für 2024 wurden im Unterthemenfeld „sexuelle Orientierung“ 1.765 Straftaten (+18 %) registriert, im Bereich „geschlechtsbezogene Diversität“ 1.152 Fälle (+35 %). Eine Vielzahl dokumentierter Fälle aus verschiedenen Städten zeigt, dass sich Gewalttaten im Zusammenhang mit Dating-Apps häufen (der LSVD+ dokumentiert die Taten hier). Nur bei wenigen dieser Taten konnte innerhalb eines Strafprozesses Homophobie oder Queerfeindlichkeit als Tatmotiv festgestellt werden, was auch mit der schwierigen Identifizierung der Täter zusammenhängt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass viele dieser Übergriffe von queerfeindlichen Einstellungen begleitet werden. Gewalt im Kontext queeren Datings ist kein Randphänomen, sondern Ausdruck wachsender gesellschaftlicher und struktureller Queerfeindlichkeit. Sichere Räume – auch digitale – zu verteidigen, bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Zugleich braucht es einen Ausbau der Prävention, konsequente Strafverfolgung und solidarische Unterstützung für Betroffene. Wo und wie können Betroffene Hilfe suchen? Bei akuter Gefahr gilt: 112 oder 110. Präventionsmöglichkeiten Vor dem Date können Video-Calls oder Social-Media-Abgleiche zur Verifizierung beitragen. Freund:innen sollten über Ort und Zeit informiert werden.
Nach einem Vorfall sollten medizinische Versorgung gesichert, Beweise dokumentiert und – auch anonym möglich! – Anzeige erstattet werden. Auch Beratungsstellen bieten Unterstützung, zum Beispiel:
Beim Treffen empfiehlt sich ein öffentlicher Ort für das erste Date, eine eigenständige An- und Abreise sowie Aufmerksamkeit im Umgang mit Getränken.
Digital sollten Standortfreigaben eingeschränkt und sensible Daten nicht im Profil hinterlegt werden.
Weiterlesen Europa: Fortschritt und Gegenwind Deutschland wurde zuletzt leicht nach oben gereiht, doch die Lage in Europa ist uneinheitlich: Nur 22 Länder ermöglichen die gleichgeschlechtliche Ehe und Transpersonen können in lediglich zwölf Staaten ihren Personenstand rechtlich ändern. Pride-Paraden und queere Veranstaltungen sind in mindestens 14 Ländern eingeschränkt oder werden offen angegriffen. Zugleich warnt die internationale queere Bewegung vor einer Koordination globaler Rückschläge, die unter dem Deckmantel von „Tradition“ und „öffentlicher Stabilität“ Rechte zurücknehmen und Diskriminierung festigen wollen. Dieses Phänomen ist nicht auf einzelne Staaten beschränkt, sondern zeichnet sich in verschiedenen Regionen Europas ab. Die EU-Strategie: Ambitioniert – aber umstritten Die neue Gleichstellungsstrategie der EU (2026–2030) verspricht mehr Schutz für LGBTIQ+-Personen, Maßnahmen gegen Gewalt und Hass im Netz sowie inklusive Arbeitsbedingungen. Doch viele queere Organisationen kritisieren die EU dafür, in den vergangenen Jahren zu wenig bewirkt zu haben – symbolische Erklärungen statt wirksamer Politik. Laut dem Ipsos LGBT+ Pride Report 2025 sinkt zudem die weltweite Akzeptanz queerer Menschen: Nur 47 % der globalen Bevölkerung unterstützen LGBTIQ+-Personen, und Anti-Diskriminierungsgesetze werden nur von rund 51 % befürwortet. Deutschland im Spiegel Europas Die Meinungen queerer Akteur*innen aus anderen EU-Ländern über Deutschland zeigen ein differenziertes Bild: Gesellschaft und Politik in Deutschland Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Deutschen weiterhin gleiche Rechte befürwortet: 78 % stehen einem allgemeinen Schutz vor Diskriminierung positiv gegenüber, 71 % unterstützen die Ehe für Schwule und Lesben. Doch bei konkreten Anti-Diskriminierungsgesetzen sinkt die Zustimmung auf 49 % und 18 % lehnen solche Gesetze ab. Innerhalb Deutschlands ist die Stimmung ambivalent: Queere Kultur und Gemeinschaften sind sichtbar und vielfältig, doch politische Polarisierung und hetzerische Stimmen verunsichern viele LGBTIQ+-Personen. Solidarität und Vernetzung als Schlüssel Ein zentrales Thema im Austausch zwischen Community-Vertreter*innen ist die Notwendigkeit internationaler Solidarität. Queere Organisationen aus der Schweiz, Belgien, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich betonen, wie wichtig grenzüberschreitende Zusammenarbeit und gemeinsame Strategien gegen queere-feindliche Bewegungen sind. Insbesondere die Finanzierung zivilgesellschaftlicher Initiativen müsse gestärkt werden, um langfristig Rechte zu sichern.
Weiterlesen In der Broschüre werden zunächst Merkmale von rechtsextremen Ideologien genannt, worunter neben rassistischen und migrationsfeindlichen Einstellungen auch die Ablehnung geschlechtlicher Vielfalt gezählt wird. Rechte Ideologien basieren meist auf der Idee, dass es nur zwei Geschlechter gebe. Diese haben klare Rollen in der Familie, der wiederum eine nationalistische bzw. völkische Bedeutung zugewiesen wird. So ist die „Ungleichwertigkeit von Männlichkeit und Weiblichkeit […] eine Grundlage der gesellschaftlichen und politischen Ordnung in extrem rechten Ideologien.“ (S. 10) Rechte Akteur*innen benutzen biologistische Argumente, wobei sie wissenschaftliche Erkenntnisse, die eine Natürlichkeit geschlechtlicher Hierarchien widerlegen, außer Acht lassen. Im Geschlechterverständnis sind auch Verschränkungen mit rassistischen Motiven zu finden: „Es wird ein direkter Bezug von der Familie als ‚Keimzelle der Nation‘ zu einer als homogen imaginierten ‚Volksgemeinschaft‘ hergestellt.“ (S. 13) Feministische Forderungen, zu denen auch geschlechtliche Vielfalt zählt, werden klar abgelehnt. So wird der Zusammenhang zu Trans*feindlichkeit geschaffen: „Rechtsextreme Erzählungen zu den Themen körperliche Selbstbestimmung, Reproduktion, Geschlechter- und Familienbilder werden explizit mit trans*feindlichen Erzählungen verbunden. Dabei werden aktuelle gesellschaftliche, meist menschenfeindlich aufgeladene, Debatten aufgenommen oder es wird auf Argumentationsmuster und Konzepte zurückgegriffen, die bereits seit Jahrzehnten dazu dienen bzw. dienten, queeren Menschen ihr Recht auf körperliche und geschlechtliche Selbstbestimmung abzusprechen“ (S. 17) In rechten Diskursen werden mit Begriffen wie „Gender-Ideologie“ oder „Gender-Wahn“ antifeministische und trans*feindliche Motive verschleiert. Zudem wird oft argumentiert, dass Kinder vor einer vermeintlichen „Frühsexualisierung“ geschützt werden müssen. In der Broschüre wird klargestellt, dass dies keine wissenschaftliche Basis hat und ähnliche Argumentationslinien bereits in der NS-Zeit zu finden sind. Trans* und nichtbinäre Personen werden von Rechten diffamiert und zum Teil öffentlich angegriffen. Zur Frage, inwiefern Trans*feindlichkeit rechtsextremen Akteur*innen in die Hand spielt, liefert die Broschüre die Antwort, dass es als strategisches Mittel fungiert: Einerseits hätten „trans*feindliche Aussagen ein hohes Anknüpfungspotential an verschiedene Teile der Gesellschaft“, was für eine rechtsextreme Agenda ausgenutzt werden könne, um „im nächsten Schritt für weitere Elemente extrem rechter Ideologien zu mobilisieren“ (S. 37). Zudem werden damit traditionelle antifeministische Diskurse, die heutzutage weniger Mobilisierungspotential haben, verschoben und die (weiße) cis-Frau als Schutzobjekt umgedeutet, das von Trans*geschlechtlichkeit gefährdet sei. Außerdem werden, beispielsweise mit den Argumenten zum Kinderschutz, Allianzen zwischen Rechtsextremen und anderen Gruppen, zum Beispiel religiösen und konservativen, innerhalb der Gesellschaft geschaffen. In der Broschüre wird zuletzt auf Gegenstrategien eingegangen, die unter anderem eine kritische Auseinandersetzung mit Trans*feindlichkeit sowie der Zusammenarbeit mit Organisationen und Interessensverbänden von trans* Personen beinhalten. Außerdem müsse das Thema im größeren politischen Kontext betrachtet werden: „Immer wieder wird davon gesprochen, es gehe beim Thema Trans*geschlechtlichkeit ‚nur‘ um eine kleine Personengruppe. Ganz im Gegenteil können wir aber beobachten, dass es bei Trans*feindlichkeit von der extremen Rechten um strategische politische Angriffe auf Menschenrechte und Selbstbestimmung geht. Es geht darum, rechtsextreme Ideologien und damit auch Antisemitismus, Rassismus, Ableismus und Klassismus zu normalisieren und eine vielfalts- und demokratiefeindliche Gesellschaft zu errichten.“ (S. 43) Die Verschränkungen von Queerfeindlichkeit und Rechtsextremismus haben sich in den vergangenen Jahren anhand der zahlreichen Angriffe auf Christopher Street Day (CSD) Veranstaltungen gezeigt. Die Arbeit des Bundesverband Trans* und der Amadeu Antonio Stiftung hilft, diese Ereignisse im Kontext rechter Ideologien zu verstehen, um gezielt dagegen vorzugehen. Der Bundesverband Trans* setzt sich für die Rechte von trans* Personen ein. Mit regelmäßigen Publikationen und Fortbildungen klärt der Verband über wichtige Themen im Kontext von geschlechtlicher Vielfalt auf. Die Amadeu Antonio Stiftung setzt sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus ein. Die Stiftung betrachtet auch Antifeminismus und Queerfeindlichkeit im Kontext rechter Ideologien. Bei der Fachstelle Gender und Rechtsextremismus wird dieser Zusammenhang erforscht und dazu beraten. Zur Publikation: „Was bringt Trans*- feindlichkeit rechtsextremen Akteur*innen? Und: Was ist daran so gefährlich?“ Bild (Deckblatt der Broschüre): Bundesverband Trans*
vielfalt.SH e.V.
8. Februar 2026Weiterlesen So ist vielfalt.SH e.V. „Mit diesen vielfältigen Projekten und Aktivitäten sind wir im Norden Schleswig-Holsteins vertreten. Wir unterstützen und leisten Peer-to-Peer Beratung bei allen Themen der sexuellen Gesundheit, geschlechtlichen, sexuellen und romantischen Vielfalt und Selbstbestimmung“, so Vorstandsvorsitzender Andreas Witolla. Der ehrenamtliche Vorstand besteht aus Franziska Paulsen, Jörg Kobarg und Andreas Witolla. Im Projektteam arbeiten Doro Bueschler, Hannah Reimann, Leonie Schröpfer und Nic Thöne. Kontakt: info@vielfalt.sh Weitere Informationen zu vielfalt.SH e.V. finden sich auf der Website: www.vielfalt.sh
Petition zur Wiedereinführung des Aktionsplans „Queer Leben“
3. Februar 2026Weiterlesen Mit dem Aktionsplan „Queer Leben“ sollten die rechtliche Gleichstellung, die Sicherheit und Teilhabe queerer Menschen verbessert werden. Im Rahmen dessen wurden einige Maßnahmen umgesetzt, die als Erfolge für die LSBTIQ*-Gemeinschaft gedeutet wurden, darunter das Selbstbestimmungsgesetz sowie die Abschaffung des Blutspendeverbots für schwule und bisexuelle Männer. In Hinblick auf die Situation von Regenbogenfamilien, die mit dem Aktionsplan ebenfalls verbessert werden sollte, hat sich jedoch wenig getan. Obwohl der Aktionsplan und seine Umsetzung auch vonseiten queerer Initiativen in der Kritik standen, war er das bundesweit einzige Förderprojekt für queere Projekte, wie im Petitionstext hervorgehoben wird. In den meisten Bundesländern werden solche Maßnahmenpakete stetig weiterentwickelt, dies müsse auch auf Bundesebene geschehen. Die Initiator*innen richten sich mit ihrer Forderung, den Aktionsplan weiterzuführen, an die Bundesregierung, insbesondere Lars Klingbeil (Bundesfinanzminister), Alexander Dobrindt (Bundesinnenminister) und Karin Prien (Ministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend). Dabei wird betont, dass ein Auslaufen des Aktionsplans, mit dem Queerfeindlichkeit abgebaut werden sollte, in Zeiten „wachsender queerfeindlicher Hasskriminalität und dem Erstarken rechtsextremer Kräfte […] schlicht verantwortungslos“ sei. In einer Pressemitteilung zitiert Alexander Vogt vom Bundesvorstand des LSVD+ - Verband Queere Vielfalt den Bundeskanzler Friedrich Merz mit seinem Versprechen, queere Menschen zu schützen, und fordert, dass diesen Worten auch Taten folgen müssen: „Die Bundesregierung darf sich nicht ihrer Verantwortung entziehen, denn queeres Leben in Deutschland ist derzeit so bedroht wie schon lange nicht mehr“, so Vogt. Hier geht es zur Petition. Zu den Erstunterzeichner*innen gehören unter anderem der LSVD+, die Bundesprecher*innen der Linke queer, die Bundestagsabgeordneten Maik Brückner, Sven Lehmann und Nyke Slawik sowie Aktivist*innen. Initiiert wurde sie von Nadine Primo und Luna Möbius. Weitere Informationen finden sich auf der Webseite des LSVD+.
Weiterlesen Im Jahr 1999 gründete sich der Verein zunächst unter dem Namen „forum homosexualität münchen – Lesben und Schwule in Geschichte und Kultur e.V.“ und sammelt und forscht seitdem zur queeren Geschichte in München und Bayern. Zum 20. Jubiläum wurde der Name modernisiert und in „Forum Queeres Archiv München e.V. – LesBiSchwulTransInter* in Geschichte und Kultur“ umbenannt. Das Archiv versucht „die Lebenskultur von LGBTIQ* der vergangenen Jahrzehnte in München und der Region zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“. Darin enthalten sind zahlreiche Bücher, Poster und Filme, darunter auch Aufzeichnungen von Pride-Veranstaltungen und Demonstrationen. Ebenso beinhaltet das Archiv private Tagebücher und Fotoalben von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans* und inter* Personen, die der Verein als besonders relevant hervorhebt: Private Dokumente hätten „zu jeder Zeit außergewöhnliche Bedeutung und sind es wert, als Zeugnisse bewahrt zu werden“. Es werden regelmäßig Führungen durch das Archiv angeboten. Im digitalen queeren Archiv sind zudem einige ausgewählte Dokumente online verfügbar – zum Beispiel eine Zeitschrift für lesbische und trans Frauen in der Weimarer Republik Die Freundin. Zu den aktuellen Projekten des Archivs gehören unter anderem die Erforschung der lesbischen Kneipengeschichte in München, eine Forschungsgruppe zum Maler Paul Hoecker sowie die Vorstellung von bayerischen LGBTIQ* Persönlichkeiten in Steckbriefen. Besonders zu empfehlen ist auch die Münchner LGBTIQ*-Chronik, die „Landmarken der LGBTIQ*-Geschichte und -Emanzipation“ in München und darüber hinaus enthält. Diese reichen vom ersten Beleg für die Verfolgung Homosexueller im 14. Jahrhundert zur Gründung schwuler Clubs in den 1920ern, der Verfolgung von LGBTIQ*-Personen im Nationalsozialismus. Sie beinhaltet auch Daten emanzipatorischer Momente der Lesben- und Schwulenbewegung in der Nachkriegszeit sowie zeitgenössische Meilensteine der queeren Szene in der bayerischen Hauptstadt. Die Ergebnisse der Arbeit des Queeren Archiv München werden auch in diversen Publikationen bereitgestellt. Zudem veranstaltet der Verein regelmäßig Events zum Thema. Logo: Forum Queeres Archiv München
Weiterlesen Hintergrund ist das seit 2026 geltende neue Wehrpflicht-Modell: Alle jungen Männer müssen sich registrieren und Angaben zu ihrer Wehrdiensttauglichkeit machen, Frauen können freiwillig teilnehmen. Ziel ist es, die personelle Einsatzbereitschaft der Bundeswehr zu stärken, ohne sofort zu einer verpflichtenden Einberufung zurückzukehren. Eine tatsächliche Dienstpflicht soll erst greifen, wenn sich nicht ausreichend Freiwillige finden. Für queere Menschen ist diese Entwicklung eng mit der Frage verbunden, wie offen und diskriminierungsfrei die Bundeswehr heute tatsächlich ist. Im Interview mit queer.de betont QueerBw, dass Homosexualität und andere queere Identitäten in der Bundeswehr lange Zeit mit Benachteiligung verbunden waren. Noch bis ins Jahr 2000 galten homosexuelle Soldaten offiziell als Sicherheitsrisiko. Diese Vergangenheit wirke bis heute nach und müsse aktiv aufgearbeitet werden. Gleichzeitig sieht QueerBw deutliche Fortschritte. Queere Soldat*innen seien heute sichtbarer, Netzwerke und Ansprechstellen existierten, und die rechtliche Gleichstellung sei weitgehend erreicht. Dennoch bestehe weiterhin Handlungsbedarf: Gerade im Zuge einer möglichen Ausweitung der Wehrpflicht müsse sichergestellt werden, dass queere Menschen ohne Angst vor Ausgrenzung oder queerfeindlichen Übergriffen dienen können. Schutzkonzepte, Sensibilisierung und klare Ansprechpersonen seien dafür unverzichtbar. Die Diskussion um die neue Wehrpflicht betrifft queere Menschen damit nicht nur abstrakt, sondern ganz konkret in ihrer Lebensrealität. QueerBw macht deutlich, dass die Bereitschaft, für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzustehen, auch davon abhängt, ob diese Werte innerhalb der Bundeswehr selbst gelebt werden. Gleichberechtigung, Respekt und Sicherheit für homosexuelle und andere queere Soldat*innen seien keine Nebenthemen, sondern eine zentrale Voraussetzung für Akzeptanz und Engagement. Logo: QueerBw







