Weiterlesen Senior*innen, die sich LSBTIQ* zugehörig fühlen, sind im Alltag oft unsichtbar. Um ihren Erfahrungen und Bedürfnissen mehr Gehör zu verschaffen und über politische Handlungsansätze zu diskutieren, findet am 4. Juni eine Fachtagung zu sexueller Vielfalt unter älteren Menschen in Dresden statt. Veranstalter ist das Sächsische Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der Fachtag richtet sich an ein breites und diverses Teilnehmer*innenfeld. Angesprochen sind unter anderem Vertreter*innen aus Politik, Pflege und der Arbeit mit LSBTIQ*-Personen. Auch Betroffene selbst sind mit ihrer Alltagsexpertise ausdrücklich willkommen. Ziel ist der Austausch, auf dessen Grundlage gemeinsam Strategien und Konzepte entwickelt werden sollen, die die politische und gesellschaftliche Teilhabe älterer LSBTIQ*-Personen stärken. Die Veranstaltung beginnt um 09:00 Uhr. In der ersten Hälfte gibt Prof. Dr. Ralf Lottmann einen Überblick über die aktuelle Situation der Betroffenen auf Grundlage des Neunten Altersberichts. Anschließend folgt eine Podiumsdiskussion mit Lottmann sowie Vertreter*innen mehrerer Interessenverbände (darunter Trans-Inter-Aktiv in Mitteldeutschland sowie die AWO). In der zweiten Hälfte sind Gruppenarbeiten geplant. Diese beschäftigen sich mit Themen wie Pflege, Wohnen im Alter und Diskriminierung – jeweils mit Blick auf LSBTIQ*-Personen im Alter. Die Fachtagung endet um 16:30 Uhr. Auch die Vernetzung der beteiligten Akteur*innen und Institutionen spielt eine wichtige Rolle. Sie kann dazu beitragen, gemeinsame lokale, regionale und nationale Konzepte zu entwickeln und umzusetzen, die die Situation älterer LSBTIQ*-Personen verbessern. Neben Diskriminierung sind auch Einsamkeit, Scham und Angst vor einem Outing in dieser Gruppe weit verbreitet. Die Anmeldung ist noch bis zum 4. Juni um 00:00 Uhr möglich. Alternativ kann auch nur jeweils eine Hälfte der Veranstaltung besucht werden. Im Anmeldeformular können Sie sich einer Arbeitsgruppe Ihrer Wahl zuordnen. Für ein Mittagessen, Barrierefreiheit sowie Dolmetscher*innen für Gebärdensprache ist gesorgt. Die Fachtagung findet an folgendem Ort statt: Penck Hotel Dresden, Ostra-Allee 33, 01067 Dresden. Lesen Sie hier mehr zum Thema Intersektionalität.
Alter
Spuren queeren Lebens im Norden: Geschichte, Orte und Erinnerungskultur in Norddeutschland
7. April 2026Weiterlesen Heute bemühen sich Initiativen, Archive und Community-Projekte darum, diese Geschichten sichtbar zu machen. Ein zentraler Bezugspunkt queerer Erinnerungskultur ist die Verfolgung während des Nationalsozialismus. Homosexuelle Männer wurden nach § 175 des Strafgesetzbuches verfolgt; rund 50.000 Männer wurden verurteilt, viele weitere inhaftiert oder in Konzentrationslager deportiert. Verschiedene Projekte versuchen heute, diese oft vergessenen Geschichten sichtbar zu machen. Ausstellungen wie „Gefährdet leben“, die beispielsweise in Bremen gezeigt wurde und ab April in Goslar zu sehen sein wird, erzählen von Biografien queerer Menschen zwischen Anpassung, Widerstand und Überleben. Hamburg spielt in der queeren Geschichte Norddeutschlands eine besondere Rolle. Schon früh entwickelte sich rund um den Stadtteil St. Georg eine sichtbare Community: Bars, Treffpunkte und politische Initiativen machten das Viertel zu einem zentralen Ort queeren Lebens. Neben politischem Aktivismus wächst auch die Erinnerungskultur. Projekte wie der Queer History Month Hamburg laden jedes Jahr im Mai dazu ein, die Geschichte queerer Communities durch Stadtführungen, Lesungen und Ausstellungen neu zu entdecken. Bei der Aufarbeitung queerer Geschichte spielt Kultur eine wichtige Rolle. Ein Beispiel ist der Hamburger Dokumentarfilm „Verzaubert – Lesben und Schwule erzählen Geschichte“ (1993, seit 2010 auf DVD). Der Film porträtiert ältere Hamburger Lesben und Schwule und ihre Erfahrungen während der NS-Zeit und der frühen Bundesrepublik – ein damals außergewöhnliches Projekt, weil viele Betroffene jahrzehntelang über ihre Lebensgeschichten geschwiegen hatten (hier geht’s zum Trailer). Die Entwicklung einer queeren Erinnerungskultur ist eng mit politischem Engagement verbunden. Organisationen und Initiativen wie der LSVD+ Verband Queere Vielfalt haben jahrzehntelang dafür gekämpft, dass queere Opfer des Nationalsozialismus offiziell anerkannt werden und Teil der öffentlichen Gedenkkultur sind. Queere Geschichte ist kein Randthema der Geschichtsschreibung. Sie erzählt von gesellschaftlichen Normen, Demokratiebewegungen und individuellen Lebenswegen, die lange übersehen wurden.
Queeres Erinnern am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2026
22. Januar 2026Weiterlesen Warum das Gedenken wichtig ist? Queere Personen waren eine Gruppe verfolgter Menschen durch den Nationalsozialismus. Leben in sexueller und geschlechtlicher Vielfalt hatte Unterdrückung, Gefahr für das Leben und Gewalt zur Folge. Viele der Veranstaltungen wollen gedenken und erinnern, aber auch Zusammenhänge herstellen zu der Lebensrealität queerer Personen im heutigen Deutschland. Überörtlich Gedenkstunde im Deutschen Bundestag Datum & Uhrzeit: 28. Januar 2026 um 12.30 Uhr Ort: Deutscher Bundestag (Platz der Republik 1, 11011 Berlin) Veranstaltende: Deutscher Bundestag Weitere Infos: Pressemitteilungen Deutscher Bundestag, Möglichkeiten zum Fernseh- oder Hörfunk ZDFinfo Dokutag am 27. Januar 2026 Am Holocaust-Gedenktags 2026 zeigt ZDFinfo am Dienstag, 27. Januar 2026, ab 7.00 Uhr Filme über die Geschichte des Nationalsozialismus und das Gedenken an die Opfer Weitere Infos: ZDF-Presseportal Umfangreiches Programmangebot des ZDF anlässlich des Holocaustgedenktages 2026 abrufbar in der ZDF-Mediathek z.B. Doku „Verbotene Liebe – Queere Opfer in der NS-Diktatur“ von Sebastian Scherrer Lübeck Gedenken und Kranzniederlegung für homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus in Lübeck Datum & Uhrzeit: 23. Januar 2026 um 18.00 Uhr Ort: Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle (Parade 12, 23552 Lübeck) Veranstaltende: Lübecker CSD e.V. Weitere Infos: Lübeck Pride e.V., Erinnern Lübeck Bremen Ausstellung: gefährdet leben. Queere Menschen 1933–1945 Datum & Uhrzeit: Eröffnung: 25. Januar 2026 um 11.00 Uhr, Ausstellung: 26.01.-15.03.2026 Ort: Zentrum für Kunst (Hermann-Ritter-Straße 108, 28197 Bremen) Veranstaltende: Rat & Tat-Zentrum für queeres Leben e.V., Erinnern für die Zukunft e.V. & Landeszentrale für politische Bildung Bremen Weitere Infos: Ausstellung gefährdet leben, Gesamtprogramm Gedenken in Bremen Januar-April 2026 Gedenken des Senats an die Opfer des Nationalsozialismus 2026 (mit der Schwerpunktperspektive auf queere Opfer) Datum & Uhrzeit: 27. Januar 2026 um 19.00 Uhr Ort: Obere Halle, Bremer Rathaus (Am Markt 21, 28195 Bremen) Veranstaltende: breites Bündnis aus Vereinen, Initiativen und Kooperationspartnern, Koordination: Erinnern für die Zukunft e.V. & Landeszentrale für politische Bildung Weitere Infos: Landeszentrale für politische Bildung Bremen, Gesamtprogramm Gedenken in Bremen Januar-April 2026 Bremen before Stonewall – Queerhistorische Geschichte(n) Datum & Uhrzeit: 1. Februar 2026 um 15.00 Uhr Ort: Krankenhaus-Museum (Züricher Straße 40, 28325 Bremen) Veranstaltende: mit Elisabeth Schindler auf Spurensuche Weitere Infos: Kultur Ambulanz Bremen, Gesamtprogramm Gedenken in Bremen Januar-April 2026 Hamburg Rundgang anlässlich des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus Datum & Uhrzeit: 27. Januar 2026 um 13.00 Uhr Ort: denk.mal Hannoverscher Bahnhof (Lohseplatz, 20457 Hamburg) Veranstaltende: Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen Weitere Infos: Gedenkstätten Hamburg Berlin Gedenken des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas Datum & Uhrzeit: 28. Januar 2026 um 14.00 Uhr Ort: Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas (Simsonweg, 10557 Berlin) Veranstaltende: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma Weitere Infos: Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas Gedenken mit Kranzniederlegung an die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten LSBTIQ* Datum & Uhrzeit: 28. Januar 2026 um 15.00 Uhr Ort: am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen (Ebertstraße auf Höhe Hannah-Arendt-Straße, 10785 Berlin-Tiergarten) Veranstaltende: LSVD Verband Queere Vielfalt Berlin-Brandenburg e. V., LSVD⁺ – Verband Queere Vielfalt e.V. & Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas Weitere Infos: LSVD+ Köln Gedenken an die queeren Opfer der NS-Zeit 2026 Datum & Uhrzeit: 27. Januar 2026 um 17.00 Uhr Ort: am Mahnmal „totgeschlagen – totgeschwiegen“ (Trankgasse 20, 50667 Köln) Veranstaltenden: Queeres Netzwerk NRW, LSVD+ Landesverband NRW, Netzwerk geschlechtliche Vielfalt Trans NRW, Arcus Stiftung Weitere Infos: Queeres Netzwerk NRW Düsseldorf Stolperstein-Spaziergang Datum & Uhrzeit: 26. Januar 2026 um 17.30 Uhr Ort: Denkmal auf der Apollowiese (Mannesmannufer 1, 40213 Düsseldorf) Veranstaltende: Queere Geschichte(n) Düsseldorf e.V. Weitere Infos: Queere Geschichte(n) Düsseldorf e.V. Dokumentarfilm „Klänge des Verschweigens. Ein detektivischer Musikfilm“ von Klaus Stanjek über seinen schwulen Onkel in der NS-Zeit Datum & Uhrzeit: 27. Januar 2026 um 19.00 Uhr Ort: Bambi Filmstudio (Klosterstr. 78, 40211 Düsseldorf) Veranstaltende: Queere Geschichte(n) Düsseldorf e.V. Weitere Infos: Queere Geschichte(n) Düsseldorf e.V.
Aufruf für die Portraitserie: „Queere Lebensgeschichten über 60“
9. Dezember 2025Weiterlesen Schon seit 2022 erzählt das Fotoprojekt die Geschichten queerer Menschen in Deutschland, insbesondere von Menschen mit einem Mindestalter von 60 Jahren, die sich als lesbisch, schwul, bi, trans, inter, nicht-binär oder queer identifizieren. Das Projekt und Markus Heft wurden bereits mehrmals mit Preisen ausgezeichnet. Nun soll das Projekt erweitert und in einem Fotoband unter dem Titel „Für uns geträumt“ im nächsten Jahr veröffentlicht werden. Dafür werden weiterhin Menschen gesucht, die sich portraitieren lassen möchten und ihre queere Lebensgeschichte erzählen möchten. Markus Heft, 1998 geboren, setzt dieses Projekt um, weil er auf der Suche nach queeren Vorbildern ist, die ihm im Jugendalter gefehlt haben. Auch wenn vor allem eine aktuell ältere Generation porträtiert wird, soll das Projekt einen Austausch zwischen den Generationen anstoßen. Im Fokus stehen spannende Erlebnisse, Herausforderungen und Kämpfe, die vor Hefts eigener Generation stattfanden und eine queere Lebensgeschichte geprägt haben. Außerdem dreht es sich um die Bedeutung von Sexualität und Identität im Alter. Markus Heft: „Die Fotos entstehen in einem kollaborativen Prozess. Einzel- oder Paarportraits werden durch Detailaufnahmen von Gegenständen oder Orten, die von Bedeutung sind, ergänzt. Zusätzlich werde ich mit allen Teilnehmenden Interviews führen, um einen individuellen Fokus auf das Leben meiner Protagonist*innen zu legen.“ Momentan ist Markus Heft explizit auf der Suche nach trans, inter und nicht-binären Personen, sowie nach Menschen, die in der DDR lebten. In Alltagsgeschichten möchte er über Themen wie Beziehung, Familie, Einsamkeit, Stolz, erkämpfte Rechte, Berufe sowie Wohnen und Pflege im Alter sprechen. Dabei bleibt er offen für Themen, die die Portraitierten mitbringen. Markus Heft: „Das Fotoprojekt ist eine Einladung zur Zusammenarbeit: Es geht mir nicht darum, ein Projekt über Menschen zu machen, sondern gemeinsam mit ihnen ihre Geschichten zu erzählen.“ Eine Veröffentlichung für den Fotoband und Ausstellungen erfolgt nur nach vorheriger Absprache und Einverständnis. Wenn Du Interesse hast, Teil des Fotoprojekts zu werden oder Fragen dazu hast, melde dich per E-Mail unter info@markusheft.de. Weitere Infos und Quelle: Markus Heft
Fachtagung vom 14.-16.11. (Frankfurt): Lesbisch & solidarisch: Vielfalt schützen gegen Antifeminismus und Rechtsruck
23. Oktober 2025Weiterlesen Das dreitägige Programm beinhaltet diverse inhaltliche Vorträge und Panels zur Aktualität von Antifeminismus und Rechtsextremismus. Dafür wurden zahlreiche Expert*innen und weitere Gäst*innen eingeladen, darunter Sophie Koch, die Beauftragte der Bundesregierung für Akzeptant sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, die am Samstag an einem politischen Panel spricht. Abseits der Vorträge und Diskussionen steht am Sonntag ein Besuch ins LUQS - Lesbenarchiv und queere Sammlung Frankfurt auf dem Programm, einem selbstorganisierten Archiv, das Erinnerungsarbeit im Kontext lesbischer und queerer Geschichte leistet. Weitere Informationen zum Programm und Anmeldung auf der Webseite des Dachverbandes Lesben und Alter e.V. Der Verband versteht sich als Interessenvertretung für die spezifische Lebenssituation älterer und alter lesbisch lebender Frauen. Seine Arbeit wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Logo: © Dachverband Lesben und Alter e. V.
Ziel des Projektes „Älterwerden unterm Regenbogen“ ist, dass Einrichtungen und Mitarbeitende weitergebildet und ältere queere Menschen und ihre Communities zusammengebracht und gestärkt werden. So werden Angebote für ältere Lesben, Schwule, Bi und TIN Personen in Treffpunkten für Senior*innen aufgebaut und eine queerfreundliche Willkommenskultur gefördert. Wie das geht, lernen Haupt- und Ehrenamtliche in passgenauen Fortbildungen, die beim Projekt angefragt werden können. Das Projekt folgt dem Slogan „Aufklären, beteiligen, Kräfte bündeln! Für ein selbstbestimmtes Älterwerden unterm Regenbogen!“.
Im Kontakt mit den Communities möchte das Projekt herausfinden, was diese sich wünschen und benötigen, um selbstbestimmt „unterm Regenbogen“ alt zu werden. So wurden bisher drei Workshops – einmal mit lesbischen Frauen, einmal mit schwulen Männern und einmal mit TIN Personen über 55 Jahren – abgehalten, in denen über die positiven Aspekte des Älterwerdens ebenso wie über Herausforderungen, Bedarfe und Wünsche der Teilnehmenden gesprochen wurde. Aus den Dokumentationen der jeweiligen Workshops lassen sich Forderungen formulieren und Angebote schaffen, die auf die Wünsche dieser Gruppen eingehen können.
Erste Erfolge: In fünf Hamburger Senior*innen-Treffs gibt es neue, regelmäßige Angebote: Frühstück, Kaffeeklatsch und Abendbrot unterm Regenbogen sowie Frühstück und Tea-Time für Lesben. Dazu kommen Einzelveranstaltungen wie Filmvorführungen, Ausflüge und eine digitale Sprechstunde. All dies findet sich auf der Webseite von „Älterwerden unterm Regenbogen“. Hier wird regelmäßig über Termine, also regelmäßige Treffen und andere Veranstaltungen für ältere LSBTIQ* Personen in Hamburg, informiert. Diverse Freizeit- und Beratungsangebote für queere Senior*innen werden auf der Webseite gelistet.
Zu solchen „Regenbogenorten“ gehören die Trans*Selbsthilfe in Hamburg SWITCH, das Frauenbildungszentrum DENKtRÄUME oder der queere Sportverein Startschuss Queer Sport Hamburg e.V. Je nach Anliegen gibt es auch diverse Beratungsangebote für ältere queere Personen – zum Beispiel von der Aidshilfe Hamburg, dem Lesbenverein Interventionen oder der Trans*beratung im Magnus Hirschfeld Zentrum. Wer auf dem Laufenden bleiben möchte, abonniert den monatlichen Newsletter info@regenbogenalter.de
Träger des Projekts „Älterwerden unterm Regenbogen“ ist die Aidshilfe Hamburg e.V. in Kooperation mit dem Lesbenverein Interventionen e.V., dem Magnus-Hirschfeld-Centrum e. V. und dem Seniorenbüro Hamburg e.V. Finanziert wird es von der Sozialbehörde Hamburg.
Sichtbarkeit und Solidarität – Eine Reflexion im Nachklang des „International Lesbian Visibility Day“
29. April 2025Weiterlesen In unserem Artikel vom 30. April 2024 zu diesem Thema schlossen wir mit der Forderung des Dachverbands Lesben und Alter nach mehr Angeboten für Lesben im Alter: Es braucht Zufluchtsorte. Dabei müssen solche „Orte“ oder „Räume“ nicht immer exklusive Angebote sein. Geht es allerdings um Diskriminierung, kann die Exklusivität helfen, Ungleichgewichte zumindest abzumildern. Eine Szene, die dabei durchaus attraktiv ist, da sie seit jeher einen Raum bietet, der immer wieder „auch“ – aber nicht überall – als Zuflucht genutzt wurde, ist die Clubszene. Während allerdings junge Frauen – häufig in sexualisierten Bildern – in der Außenpräsentation der Clubs zu finden sind, findet sich für Frauen in späteren Lebensphasen wenig Repräsentanz. Die Journalistin des SWR, Lydia Huckebrink, bemerkt in ihrem Artikel „DJ mit 70: Wie ältere Frauen die Clubszene aufmischen“ kritisch: Während männliche DJs wie Armin van Buuren oder David Guetta auch mit 50 oder 60 Jahren erfolgreich im Rampenlicht stehen, bleiben weibliche DJs ab ihren 40er Jahren nahezu unsichtbar. Dabei finden sich gerade in der Clubszene der Großstädte wie Berlin und Hamburg Möglichkeiten, Generationen zusammenzubringen. Und auch die Lesbenszene kennt ihre Clubs. Dennoch ist zu beobachten, dass Frauen gerade in körperlich-visuellen Bereichen wie den Clubs aus den allgemeinen Räumen gedrängt werden können. Nun ist nicht jede*r ein*e passionierte*r Clubgänger*in – und es braucht definitiv mehr und verschiedene Räume – dennoch liefert der Artikel eine Anekdote, die über die Szene hinausgeht. Vorgestellt wird der Workshop „Forever Fresh“, der Frauen über 70 einen Raum bietet, um alles rund um das DJing zu erlernen – vom Mixing über Social Media bis zur technischen Ausstattung (s. Foto oben). Dieses Empowerment-Projekt zeigt eindrucksvoll, wie ältere Frauen trotz gesellschaftlicher Vorurteile aktiv werden und neue Wege beschreiten können. Beim diesjährigen C/O-Pop-Festival in Köln werden die Teilnehmerinnen ihr Können zum ersten Mal vor Publikum zeigen. Allerdings hat der Workshop mit elf Plätzen nur begrenzte Kapazitäten und braucht zudem Zeit. Das Beispiel zeigt jedoch wunderbar, dass jede kleine Gruppe zählt. Wer also kann und es sich zutraut – das sind Voraussetzungen – steht vor der Frage des „Wie?“: An dieser Stelle wollen wir als Beispiel auf Haki e.V. verweisen, der zumindest bei der Suche nach Räumen helfen kann. Geht es allerdings um „Visibility“, dann findet sich in Huckebrinks Artikel noch eine weitere Anekdote: Porträtiert wird Cornelia Meißner, eine 62-jährige DJane. Meißner berichtet, dass die Jugend ihr zwar mit Unsicherheit begegne, sie Altersdiskriminierung allerdings eher aus der eigenen Generation erlebe. Sichtbarkeit bedeutet deshalb immer auch, auf sich und die eigene Gruppe zu blicken. Diese Selbstreflexion ist essenziell, um eine diskriminierungsfreie Gesellschaft voranzubringen. Zusätzlich bedarf es der Solidarität mit jenen, die möglicherweise nicht den Konventionen ihrer Gemeinschaft entsprechen. Und ebenso Solidarität mit denen, die aus der Gemeinschaft heraus diskriminieren. Denn vor allem innerhalb der eigenen Community kann es gelingen, nicht zu verurteilen, sondern zu unterstützen, die blinden Flecken zu erkennen und im Idealfall zu überwinden. Solidarität meint nicht, Diskriminierung zu akzeptieren, sondern sie wahrzunehmen, ohne selbst auszugrenzen. Gleichzeitig bleibt es essenziell, sich auf politischer Ebene klar gegen jede Form von Diskriminierung zu positionieren – das sollte nicht verwechselt werden. Sichtbarkeit und eine annehmende solidarische Haltung werden damit innerhalb der eigenen Gruppe zu zwei Seiten derselben Medaille. Wer weitere Artikel zum „International Lesbian Visibility Day“ lesen mag, findet unter folgendem Link unseren Artikel von Anfang April: Zum Thema „Warum Sichtbarkeit für die lesbische Gemeinschaft nach wie vor so wichtig ist“. Foto: Nikolai Meier Johann, c/o pop Festival
LSBTIQ* im Neunten Altersbericht der Bundesregierung
24. April 2025Weiterlesen Für die Altersberichte der Bundesregierung wählt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) üblicherweise ein Schwerpunktthema. Seit 1993 sollen die Berichte dazu dienen, die Lebensrealitäten älterer Menschen in Deutschland sichtbar zu machen. Eine unabhängige Sachverständigenkommission trägt Erkenntnisse zu dem jeweiligen Thema zusammen und formuliert darauf aufbauend Forderungen an die Politik. Der Neunte Altersbericht der Bundesregierung wurde Anfang 2025 unter dem Titel „Alt werden in Deutschland – Vielfalt der Potenziale und Ungleichheit der Teilhabechancen“ veröffentlicht. Darin wurde die Vielfalt der Lebensrealitäten älterer Menschen in Deutschland aufgezeigt und insbesondere ältere Menschen mit Migrationserfahrung sowie ältere LSBTIQ*-Personen wurden in den Fokus gerückt. Dass LSBTIQ* in diesem Altersbericht besonders berücksichtigt werden sollte, wurde bereits im Aktionsplan „Queer Leben“ der scheidenden Regierung festgehalten. Ob der Aktionsplan von der neuen Regierung von Union und SPD weitergeführt wird, ist bisher nicht bekannt. Zur Lebensrealität älterer queere Menschen wird in dem Bericht betont, dass viele die Zeit der Strafverfolgung homosexueller Personen, der Pathologisierung queerer Lebensformen, der „menschenrechtsverletzenden Auswirkungen“ des Transsexuellengesetzes sowie der „gesellschaftlichen Ächtung und Stigmatisierung als prägend erlebt haben“. Menschen, die aufgrund ihrer Sexualität strafrechtlich verfolgt wurden, können Entschädigungsleistungen beantragen (weitere Informationen dazu auf der Webseite des LSVD+). Die Sachverständigenkommission fordert in dem Bericht, dass nicht verausgabte Mittel für ebensolche Entschädigungsleistungen „zur Förderung von LSBTIQ*-Selbstvertretungen, der Erinnerungskultur und einer diversitätssensiblen Altenhilfe“ genutzt werden sollen. Das Nachwirken der rechtlichen Diskriminierung sowie weitere Diskriminierungserfahrungen in der Altenhilfe und -pflege hätten zu einem Misstrauen gegenüber solchen Strukturen geführt. Die Sachverständigenkommission fordert deshalb weitere Maßnahmen zur Sicherstellung einer diversitätssensiblen Pflege und Altenhilfe. Besonders positiv hervorgehoben wurde die Arbeit der Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren e. V. (BISS) und des Dachverbandes Lesben und Alter e.V., die vom BMFSFJ projektbezogene Förderungen erhielten. Der Queerbeauftragte der Bundesregierung Sven Lehmann erklärte zudem, dass beide Verbände im Bundesaltenplan finanziell abgesichert werden konnten, somit sei „die wichtige und wertvolle Arbeit der beiden Träger gesichert“. Zum ersten Mal wurde in einem Altersbericht der Bundesregierung auch explizit auf trans* und inter* Personen eingegangen. Das Selbstbestimmungsgesetz sei auch in Hinblick auf ältere LSBTIQ* Personen lobenswert, so die Kommission: „Es ist davon auszugehen, dass von der vereinfachten Möglichkeit den Geschlechtseintrag per Selbstauskunft zu ändern, auch ältere Menschen Gebrauch machen werden, die aufgrund der bisher hohen Hürden davon abgesehen hatten.“ Zum Thema „Sexuelle und Geschlechtliche Vielfalt im Alter“ als Teil des Neunten Altersberichts der Bundesregierung gibt es am 12. Juni 2025 in Köln eine Veranstaltung. Weitere Informationen und der vollständige Bericht sowie eine Kurzfassung sind online aufrufbar. Foto: pixabay
Weiterlesen Die Broschüre richtet sich an Pflegekräfte, Angehörige sowie an alle, die mit dem Thema befasst sind, und soll dazu beitragen, Verständnis und Sensibilität für die besonderen Bedürfnisse der von Demenz betroffenen queeren Menschen zu schaffen. Über die Vielfältigkeit von Demenz, die eben nicht bloß heterosexuelle, weiße und alte Menschen betrifft, wurde hier bereits ausführlich im April 2024 berichtet. Ziel ist es, die Diversität der an Demenz Erkrankten sichtbar zu machen und eine respektvolle Betreuung zu ermöglichen. Ein besonderes Merkmal der Broschüre sind QR-Codes, die zu vertiefenden Webinhalten führen. Hier teilen Expert*innen ihre Erfahrungen und geben wertvolle Einblicke in die Bedarfe queerer Menschen mit Demenz. Durch die finanzielle Unterstützung des Sozialministeriums Schleswig-Holstein im Rahmen des Landesaktionsplanes Echte Vielfalt können die Broschüre sowie das dazugehörige Poster gegen Versandkosten beim Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein per Mail bestellt werden: info@demenz-sh.de Die PDF-Version gibt es hier zum Download: Demenz und queer – Vielfalt denken, sehen, ermöglichen! 2. Auflage Das Kompetenzzentrum Demenz bietet auch in der aktuellen Version Links zum Weiterlesen, Informieren und Stöbern sowie einen kleinen Exkurs zum Thema „Liebe und Intimität im Alter und bei Demenz“. Ebenso finden sich auf der Webseite des Kompetenzzentrums die Originaltöne der Zitate aus der Broschüre und darüber hinaus weitere Veröffentlichungen und Broschüren zum Thema Demenz. Veranstaltungshinweis: Passend zur Neuauflage der Broschüre findet am 20. März 2025 eine Veranstaltung mit dem Titel "Demenz ist mehr als nur Vergessen" statt. In den Räumlichkeiten des HAKI e.V. in Kiel wird sich der Abend intensiv mit folgenden Themen befassen: Teilnehmer*innen haben zudem die Möglichkeit, eine Urkunde der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zu erhalten, die als Softskill-Nachweis dient und zur internationalen "dementia friends"-Bewegung gehört. Veranstaltungsdetails auf einen Blick Datum: 20.03.2025, 18:00 - 20:00 Uhr
Ort: HAKI, Walkerdamm 17, 24103 Kiel
Kosten: Keine
Anmeldung: veranstaltungen@haki-sh.de
Spontane Teilnahme ist möglich, solange Plätze frei sind.
Weiterlesen Diese demografische Entwicklung hat nicht nur Auswirkungen auf die allgemeine Bevölkerung, sondern auch auf die LGBTIQ*-Gemeinschaft und ihre Vereine. Die Veränderung der Altersstruktur mit einem markanten Anstieg der älteren Bevölkerung wird auch die queeren Communities betreffen. Bereits heute ist die Zahl der über 65-Jährigen in Schleswig-Holstein höher als die der unter 20-Jährigen. Bis 2040 wird die Zahl der über 80-Jährigen landesweit um 70.000 Menschen steigen – ein Anstieg von 31,7 Prozent. Besonders betroffen sind die Kreise Schleswig-Flensburg und Nordfriesland, nachzulesen auf Schleswig-Holsteins offizieller Webseite. Für die LGBTIQ*-Gemeinschaft ergeben sich daraus zwei zentrale Themen: Zum einen wird es darum gehen, bereits heute die Weichen zu stellen für Strukturen, die auch eine älter werdende LGBTIQ*-Gemeinschaft berücksichtigen. 15 Jahre sind nicht lang, wenn es um die Transformation eines Landes geht. Schon in früheren Artikeln haben wir über das Thema „Queeres Wohnen im Alter“ berichtet und beispielsweise die Eröffnung des ersten LGBTIQ*-freundlichen Pflegeheims in Kiel-Ellerbek im September 2023 thematisiert. Davon wird es mehr brauchen. Doch hier soll ein anderer Blickwinkel eingenommen werden: Weniger junge Menschen bedeutet, dass die Qualität der Lebensräume steigen muss, um Regionen attraktiv zu halten und das langsame Verblassen kleinerer Städte und ländlicher Gebiete zumindest zu minimieren. Wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie betonte, umfasst Lebensqualität dabei neben gesundheitlichen Aspekten auch die Dimension des „Miteinanders im alltäglichen Lebensumfeld“. Dies schließt sowohl das häusliche als auch das nachbarschaftliche und kommunale Umfeld ein. Darüber hinaus wächst der Wunsch in der Bevölkerung, „nicht auf Kosten anderer oder von Natur und Umwelt zu leben“, was die Menschen bei der Beurteilung ihrer Lebensqualität beeinflusst. Die Schaffung eines offenen und inklusiven Schleswig-Holsteins – nicht nur in den großen Städten und Speckgürteln, sondern auch in ländlichen Regionen –, das alle Gruppen, einschließlich der LGBTIQ*-Gemeinschaft, auch im demografischen Wandel berücksichtigt, kann also nicht nur die Lebensqualität der LGBTIQ*-Gemeinschaft verbessern. Es bildet auch einen nicht zu unterschätzenden Baustein für die Verbesserung der Lebensqualität aller Menschen in Schleswig-Holstein.






