Echte Vielfalt

Alter

„Besonders habe ich mich immer gefühlt“ lautet das Motto einer neuen Ausstellung in Hamburg über lesbisches, schwules und trans* Leben im Alter. Sie rückt die Biografien älterer queerer Menschen in den Mittelpunkt und erzählt von Ausgrenzung, gesellschaftlichem Wandel, Verlusten und Erfolgen, vor allem aber von dem Wunsch, auch im Alter selbstbestimmt und sichtbar leben zu können.

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Die Wanderausstellung wird im Hamburger Amalie-Sieveking-Saal gezeigt und wurde von der Hessischen Landesfachstelle LSBT* im Alter entwickelt. In Hamburg wird sie gemeinsam mit den Queeren Zeitzeug*innen Hamburg, dem Seniorenbüro Hamburg sowie der Amalie-Sieveking-Stiftung präsentiert.

Sie basiert auf den persönlichen Lebensgeschichten von acht Menschen zwischen 64 und 85 Jahren. Ihre Erinnerungen eröffnen einen Blick auf Generationen, die einen Großteil ihres Lebens in einer Zeit verbrachten, in der homosexuelle Beziehungen gesellschaftlich tabuisiert, trans* Identitäten kaum sichtbar und viele Menschen gezwungen waren, ihre Identität zu verbergen. Die Ausstellung möchte diesen Erfahrungen eine Stimme geben und zeigt gleichzeitig, wie eng persönliche Biografien und gesellschaftliche Entwicklungen miteinander verbunden sind.

Im Mittelpunkt stehen Menschen, die heute offen als Paar leben, ihre Geschlechtsidentität erst spät offen ausleben konnten oder lange für ihre Rechte gekämpft haben. Die Ausstellung erzählt von Coming-outs und den damit verbundenen Schwierigkeiten, aber auch von Befreiungsgefühlen, Verlusten und Gemeinschaft.

Die Ausstellung verdeutlicht, dass die Erfahrungen älterer LSBTIQ* Menschen bis heute nachwirken. Die Hessische Landesfachstelle LSBT* im Alter weist darauf hin, dass viele ältere queere Menschen Ausgrenzung, Diskriminierung und Unsichtbarkeit erlebt haben. Gerade deshalb bestehen häufig Vorbehalte gegenüber staatlichen Institutionen oder Sorgen vor Benachteiligung in Pflegeeinrichtungen. Die Ausstellung soll dazu beitragen, eine vielfältige und diskriminierungssensible Altenhilfe zu fördern. Sie wirft Fragen auf wie: Wie können Pflegeeinrichtungen und soziale Dienste so gestaltet werden, dass Vielfalt selbstverständlich berücksichtigt wird? Wie lassen sich die besonderen Erfahrungen älterer queerer Menschen stärker in die Altenhilfeplanung integrieren?

Die Hessische Landesfachstelle LSBT* im Alter setzt sich dafür ein, dass die Bedarfe älterer LSBTIQ* Menschen stärker politisch verankert werden und Eingang in Pflegekonzepte sowie kommunale Planungsprozesse finden. Dass queeres Leben im Alter weit mehr als ein Nischenthema ist, zeigt auch die Ausstellung. Sie dokumentiert ein Stück Zeitgeschichte und macht sichtbar, welche gesellschaftlichen Veränderungen ältere Generationen erlebt und mit erkämpft haben. Gleichzeitig vermittelt sie die Botschaft, dass Selbstbestimmung, Akzeptanz und Teilhabe auch in Senior*innenwohnungen, Pflegeeinrichtungen und Beratungsstellen gewährleistet sein müssen.

Die Eröffnung von „Besonders habe ich mich immer gefühlt“ findet am 9. November 2026 um 14 Uhr im Amalie-Sieveking-Saal, Alexanderstraße 28, Hamburg, statt. Der Saal befindet sich in der dritten Etage und ist mit dem Aufzug erreichbar. Die Queeren Zeitzeug*innen werden bei der Eröffnung einige Beiträge präsentieren. Weitere Termine und Informationen finden sich hier.

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Seit 1991 findet am 1. Oktober der Internationale Tag der älteren Menschen statt – ein Aktionstag, der das Älterwerden stärker ins gesellschaftliche Bewusstsein rücken soll. Der Dachverband Lesben und Alter nutzte diesen Tag als Anlass, um auf die Lebenssituation älterer Lesben aufmerksam zu machen.

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Der bundesweit aktive Verband, der die Lebensrealitäten dieser Personengruppe sichtbar machen und sich für ihre Interessen einsetzen will, hat dazu eine Reihe von Forderungen an Politik und Gesellschaft formuliert. Im Zentrum stehen dabei die Bereiche Wohnen, Rente, Pflege und Gesundheit. Mit Blick auf die aktuellen Haushaltsdebatten warnt der Verband zudem davor, dass Einsparungen die ohnehin schon prekäre Situation älterer Lesben weiter verschärfen könnten.

Der Verband verweist auf die Mehrfachbelastungen, denen viele ältere Lesben im Laufe ihres Lebens ausgesetzt waren. Dazu gehören Diskriminierungserfahrungen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und ihres Geschlechts sowie Erwerbsverläufe, die häufig von schlecht bezahlten Teilzeitstellen geprägt waren. Lebensleistungen wie etwa der ehrenamtliche Aufbau von Vereinen und Netzwerken, von denen auch die heutige Zivilgesellschaft profitiert, bleiben bei der Rentenberechnung unberücksichtigt.

„Das deutsche Rentensystem ist patriarchal und kam schon immer verheirateten Männern zugute“, kritisiert Reingard Wagner, Vorständin des Dachverbands. Das System sei auf verheiratete, zusammenlebende Paare ausgerichtet – eine Lebensrealität, die nicht auf alle Menschen zutreffe. Gleichgeschlechtliche Paare konnten erst seit 2001 eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen, die der Ehe zunächst rechtlich nicht vollständig gleichgestellt war. Erst im Oktober 2017 wurde die „Ehe für alle“ eingeführt. Wagner fordert deshalb, neben der Generationengerechtigkeit auch vergangene Lebensleistungen stärker zu berücksichtigen: „Unbezahlte Arbeit für die Gesellschaft muss berücksichtigt werden – egal, ob Kinder erzogen, Pflegebedürftige gepflegt oder eine feministische NGO aufgebaut wurde.“

Auch in den Bereichen Wohnen und Pflege fehlt es nach Einschätzung des Verbands häufig an Sensibilität. Es sei nicht hinnehmbar, dass Paare, die seit Jahrzehnten zusammenleben, in betreuten Wohneinrichtungen wie gute Freundinnen statt wie Partnerinnen behandelt werden.

Die Forderungen des Dachverbands stützen sich auf eine bundesweite Erhebung zur sozialen Lebenssituation von Lesben ab 55 Jahren sowie auf einen Bericht der europäischen Dachorganisation EL*C, der inzwischen in deutscher Sprache vorliegt.

Anknüpfend an frühere Appelle zielen die konkreten Forderungen vor allem auf Verbesserungen in drei Bereichen ab: Im Bereich Wohnen sollen lesbische und queere Wohnprojekte sowie gemeinschaftliche und generationenübergreifende Wohnformen gefördert und der soziale Wohnungsbau ausgebaut werden. Im Bereich der finanziellen Absicherung fordert der Verband ein nicht patriarchal geprägtes Rentensystem, fair bezahlte Vollzeitstellen, Schutz vor Altersdiskriminierung und die Anerkennung der Lebensleistungen älterer Lesben. In der Pflege und Altenhilfe werden verpflichtende Schulungen für Fachkräfte sowie zertifizierte Einrichtungen mit Diversitätskompetenz gefordert.

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Der Hamburger Fotograf Markus Heft widmet sein aktuelles Fotoprojekt „Für uns geträumt“ einer Gruppe, die in der öffentlichen Wahrnehmung häufig wenig sichtbar ist: queeren Menschen über 60 Jahren. Mit Porträts und persönlichen Geschichten rückt er eine Generation in den Mittelpunkt, die über Jahrzehnte für gesellschaftliche und rechtliche Anerkennung kämpfen musste und deren Erfahrungen heute oftmals wenig Beachtung finden.

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Heft betont, dass queere Menschen über 60 viel erlebt haben, aber selten gezeigt werden. Ihre Lebensrealitäten waren unter anderem von Kriminalisierung, Pathologisierung und geringer gesellschaftlicher Akzeptanz geprägt. Coming-outs konnten mit erheblichen Risiken verbunden sein und Beziehungen mussten teilweise versteckt werden. Queere Netzwerke boten vielen eine der wenigen Möglichkeiten, Gemeinschaft zu erleben. Heute hat sich die rechtliche und gesellschaftliche Situation zwar deutlich verändert, die Sichtbarkeit älterer queerer Menschen ist jedoch weiterhin gering. In Medien, Kultur und queeren Räumen stehen häufig jüngere Generationen im Mittelpunkt. Heft möchte dem etwas entgegensetzen. Sein Ziel ist es, Lebensgeschichten zu würdigen, Erfahrungen zu dokumentieren und queere Senior*innen als wichtigen Teil der Community sichtbar zu machen.

„Es ist die eine Sache, sich zu outen und sein authentisches Leben zu leben, aber sich damit vor eine Kamera zu stellen und in die Öffentlichkeit zu gehen, sich angreifbar zu machen und sich potenziell queer-feindlicher Gewalt auszusetzen – das braucht Überwindung“, so Heft in einem Beitrag des NDR.

Für sein Projekt besucht Heft die Porträtierten zu Hause oder an Orten, die für ihr Leben von Bedeutung sind. Begleitet werden die Bilder von kurzen Texten, in denen die Senior*innen über ihr Leben sprechen. Es geht darin unter anderem um erste Liebeserfahrungen, Diskriminierung, politische Kämpfe und das Älterwerden als queere Person.

Einige berichten, dass sie sich erst im Alter wirklich frei fühlen oder sich erst später im Leben getraut haben, sich zu outen. Andere erzählen von Einsamkeit, fehlenden Treffpunkten oder dem Verlust von Freund*innen durch HIV und Aids. Heft gibt diesen unterschiedlichen Erfahrungen Raum und macht damit die Vielfalt queeren Alterns sichtbar.

Das Projekt greift zugleich ein Thema auf, das zunehmend auch in Forschung, Pflege und Seniorenarbeit diskutiert wird: die Lebenssituation älterer queerer Menschen. Viele der heute über 60-Jährigen haben gesellschaftliche Veränderungen und die Kämpfe um die Rechte queerer Menschen über Jahrzehnte miterlebt oder selbst mitgestaltet. Mit seinem Projekt möchte Heft deshalb nicht nur ihre Geschichten dokumentieren, sondern auch für die Bedürfnisse queerer Senior*innen sensibilisieren.

Im Herbst/Winter 2026 soll das Projekt nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne als Buch erscheinen. Auf der Webseite des Fotografen können Interessierte bereits einen ersten Einblick in das Projekt erhalten.

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Ältere Menschen aus der LSBTIQ* Community blicken häufig auf einen langen Kampf um Selbstbestimmung, Sichtbarkeit und gesellschaftliche Anerkennung zurück. Viele von ihnen haben Diskriminierung und Ausgrenzung erlebt und sind bis heute nicht geoutet. Umso wichtiger ist es, ihre individuellen Lebensrealitäten auch dann mitzudenken, wenn sie pflegerische Unterstützung benötigen oder in eine Pflegeeinrichtung ziehen. Der 9. Altersbericht der Bundesregierung empfiehlt deshalb unter anderem eine diversitätssensible Gestaltung von Angeboten und Leistungen der Altenhilfe.

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Die Bundesinteressensvertretung schwuler Senioren (BISS) e.V. bietet aktuell einen kostenfreien digitalen Fortbildungskurs zum Thema LSBTIQ* in der Pflege an. Ziel ist es, für die Lebenswelten von LSBTIQ* Personen und Menschen mit HIV zu sensibilisieren. Das Angebot richtet sich an Pflegekräfte, Ausbilder*innen, Auszubildende in der Pflege sowie weitere Multiplikator*innen im Pflegebereich.

Der E-Learning-Kurs behandelt Themen wie die Geschichte der LSBTIQ* Community, wichtige Begrifflichkeiten sowie Diskriminierungserfahrungen. Die Inhalte werden unter anderem durch Videos, Biografiearbeit, Erfahrungsberichte und praxisnahe Beispiele vermittelt.

Ziel des Kurses ist es, Pflegekräfte und andere Fachpersonen dabei zu unterstützen, eine biografieorientierte und diversitätssensible Pflegepraxis umzusetzen. Gleichzeitig soll er Auszubildende bei der Vermittlung von Lehrinhalten zu LSBTIQ* und Menschen mit HIV unterstützen. Die curriculare Einheit CE 09 („Menschen bei der Lebensgestaltung lebensweltorientiert unterstützen“) des Pflegeberufegesetzes bietet hierfür den fachlichen Rahmen. Gefördert wird das Angebot durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ).

Der Kurs gliedert sich in zwei große Themenbereiche. Im ersten Teil steht die Vermittlung von Grundlagenwissen und Begrifflichkeiten im Vordergrund. Im zweiten Teil werden darauf aufbauend Methoden vorgestellt und erprobt, die später im Pflegealltag, im Unterricht oder in Schulungen eingesetzt werden können.

Für die Bearbeitung des gesamten Lernmaterials sollten etwa acht Stunden eingeplant werden. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat sowie acht Fortbildungspunkte für die „Registrierung beruflich Pflegender“. Der Kurs kann jederzeit begonnen werden. Weitere Informationen sowie den Link zur Teilnahme finden Sie hier.

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Sowohl ältere als auch nicht-heterosexuelle Menschen gehören zu marginalisierten Gruppen. Menschen im höheren Alter, die sich als LSBTIQ* identifizieren, erleben daher häufig mehrfache Diskriminierung und Benachteiligung durch politische Institutionen und in der Gesellschaft insgesamt. Dieses Zusammenwirken verschiedener Formen von Diskriminierung wird als Intersektionalität bezeichnet (in diesem Fall Ageismus sowie LSBTIQ*-Feindlichkeit).

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Senior*innen, die sich LSBTIQ* zugehörig fühlen, sind im Alltag oft unsichtbar. Um ihren Erfahrungen und Bedürfnissen mehr Gehör zu verschaffen und über politische Handlungsansätze zu diskutieren, findet am 4. Juni eine Fachtagung zu sexueller Vielfalt unter älteren Menschen in Dresden statt. Veranstalter ist das Sächsische Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Der Fachtag richtet sich an ein breites und diverses Teilnehmer*innenfeld. Angesprochen sind unter anderem Vertreter*innen aus Politik, Pflege und der Arbeit mit LSBTIQ*-Personen. Auch Betroffene selbst sind mit ihrer Alltagsexpertise ausdrücklich willkommen. Ziel ist der Austausch, auf dessen Grundlage gemeinsam Strategien und Konzepte entwickelt werden sollen, die die politische und gesellschaftliche Teilhabe älterer LSBTIQ*-Personen stärken.

Die Veranstaltung beginnt um 09:00 Uhr. In der ersten Hälfte gibt Prof. Dr. Ralf Lottmann einen Überblick über die aktuelle Situation der Betroffenen auf Grundlage des Neunten Altersberichts. Anschließend folgt eine Podiumsdiskussion mit Lottmann sowie Vertreter*innen mehrerer Interessenverbände (darunter Trans-Inter-Aktiv in Mitteldeutschland sowie die AWO). In der zweiten Hälfte sind Gruppenarbeiten geplant. Diese beschäftigen sich mit Themen wie Pflege, Wohnen im Alter und Diskriminierung – jeweils mit Blick auf LSBTIQ*-Personen im Alter. Die Fachtagung endet um 16:30 Uhr.

Auch die Vernetzung der beteiligten Akteur*innen und Institutionen spielt eine wichtige Rolle. Sie kann dazu beitragen, gemeinsame lokale, regionale und nationale Konzepte zu entwickeln und umzusetzen, die die Situation älterer LSBTIQ*-Personen verbessern. Neben Diskriminierung sind auch Einsamkeit, Scham und Angst vor einem Outing in dieser Gruppe weit verbreitet.

Die Anmeldung ist noch bis zum 4. Juni um 00:00 Uhr möglich. Alternativ kann auch nur jeweils eine Hälfte der Veranstaltung besucht werden. Im Anmeldeformular können Sie sich einer Arbeitsgruppe Ihrer Wahl zuordnen. Für ein Mittagessen, Barrierefreiheit sowie Dolmetscher*innen für Gebärdensprache ist gesorgt.

Die Fachtagung findet an folgendem Ort statt: Penck Hotel Dresden, Ostra-Allee 33, 01067 Dresden.

Lesen Sie hier mehr zum Thema Intersektionalität.

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Queere Geschichte ist oft unsichtbar, sie handelt vom Leben im Verborgenen, von Netzwerken, die sich hinter verschlossenen Türen bildeten und von Kämpfen um Anerkennung. Doch gerade in Norddeutschland haben sich zwischen Hafenstädten, Arbeiterbewegungen und Universitätsstädten vielfältige queere Kulturen entwickelt.

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Heute bemühen sich Initiativen, Archive und Community-Projekte darum, diese Geschichten sichtbar zu machen. Ein zentraler Bezugspunkt queerer Erinnerungskultur ist die Verfolgung während des Nationalsozialismus. Homosexuelle Männer wurden nach § 175 des Strafgesetzbuches verfolgt; rund 50.000 Männer wurden verurteilt, viele weitere inhaftiert oder in Konzentrationslager deportiert.

Verschiedene Projekte versuchen heute, diese oft vergessenen Geschichten sichtbar zu machen. Ausstellungen wie „Gefährdet leben“, die beispielsweise in Bremen gezeigt wurde und ab April in Goslar zu sehen sein wird, erzählen von Biografien queerer Menschen zwischen Anpassung, Widerstand und Überleben.

Hamburg spielt in der queeren Geschichte Norddeutschlands eine besondere Rolle. Schon früh entwickelte sich rund um den Stadtteil St. Georg eine sichtbare Community:  Bars, Treffpunkte und politische Initiativen machten das Viertel zu einem zentralen Ort queeren Lebens. Neben politischem Aktivismus wächst auch die Erinnerungskultur. Projekte wie der Queer History Month Hamburg laden jedes Jahr im Mai dazu ein, die Geschichte queerer Communities durch Stadtführungen, Lesungen und Ausstellungen neu zu entdecken.

Bei der Aufarbeitung queerer Geschichte spielt Kultur eine wichtige Rolle. Ein Beispiel ist der Hamburger Dokumentarfilm „Verzaubert – Lesben und Schwule erzählen Geschichte“ (1993, seit 2010 auf DVD). Der Film porträtiert ältere Hamburger Lesben und Schwule und ihre Erfahrungen während der NS-Zeit und der frühen Bundesrepublik – ein damals außergewöhnliches Projekt, weil viele Betroffene jahrzehntelang über ihre Lebensgeschichten geschwiegen hatten (hier geht’s zum Trailer).

Die Entwicklung einer queeren Erinnerungskultur ist eng mit politischem Engagement verbunden. Organisationen und Initiativen wie der LSVD+ Verband Queere Vielfalt haben jahrzehntelang dafür gekämpft, dass queere Opfer des Nationalsozialismus offiziell anerkannt werden und Teil der öffentlichen Gedenkkultur sind.

Queere Geschichte ist kein Randthema der Geschichtsschreibung. Sie erzählt von gesellschaftlichen Normen, Demokratiebewegungen und individuellen Lebenswegen, die lange übersehen wurden.

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Bereits im Artikel „Gedenken und Kranzniederlegung für homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus in Lübeck“ wurde der nahende internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erwähnt. In folgendem Artikel findet ihr verschiedene Gedenkveranstaltungen rund um diese Zeit mit dem Fokus auf Verfolgung aufgrund sexueller und geschlechtlicher Vielfalt.

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Warum das Gedenken wichtig ist?

Queere Personen waren eine Gruppe verfolgter Menschen durch den Nationalsozialismus. Leben in sexueller und geschlechtlicher Vielfalt hatte Unterdrückung, Gefahr für das Leben und Gewalt zur Folge. Viele der Veranstaltungen wollen gedenken und erinnern, aber auch Zusammenhänge herstellen zu der Lebensrealität queerer Personen im heutigen Deutschland.

Überörtlich

Gedenkstunde im Deutschen Bundestag

Datum & Uhrzeit: 28. Januar 2026 um 12.30 Uhr

Ort: Deutscher Bundestag (Platz der Republik 1, 11011 Berlin)

Veranstaltende: Deutscher Bundestag

Weitere Infos: Pressemitteilungen Deutscher Bundestag, Möglichkeiten zum Fernseh- oder Hörfunk

ZDFinfo Dokutag am 27. Januar 2026

Am Holocaust-Gedenktags 2026 zeigt ZDFinfo am Dienstag, 27. Januar 2026, ab 7.00 Uhr Filme über die Geschichte des Nationalsozialismus und das Gedenken an die Opfer

Weitere Infos: ZDF-Presseportal

 Umfangreiches Programmangebot des ZDF anlässlich des Holocaustgedenktages 2026

abrufbar in der ZDF-Mediathek

z.B. Doku „Verbotene Liebe – Queere Opfer in der NS-Diktatur“ von Sebastian Scherrer

 

Lübeck

Gedenken und Kranzniederlegung für homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus in Lübeck

Datum & Uhrzeit: 23. Januar 2026 um 18.00 Uhr

Ort: Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle (Parade 12, 23552 Lübeck)

Veranstaltende: Lübecker CSD e.V.

Weitere Infos: Lübeck Pride e.V., Erinnern Lübeck

 

Bremen

Ausstellung: gefährdet leben. Queere Menschen 1933–1945

Datum & Uhrzeit: Eröffnung: 25. Januar 2026 um 11.00 Uhr, Ausstellung: 26.01.-15.03.2026

Ort: Zentrum für Kunst (Hermann-Ritter-Straße 108, 28197 Bremen)

Veranstaltende: Rat & Tat-Zentrum für queeres Leben e.V., Erinnern für die Zukunft e.V. & Landeszentrale für politische Bildung Bremen

Weitere Infos: Ausstellung gefährdet leben, Gesamtprogramm Gedenken in Bremen Januar-April 2026

Gedenken des Senats an die Opfer des Nationalsozialismus 2026 (mit der Schwerpunktperspektive auf queere Opfer)

Datum & Uhrzeit: 27. Januar 2026 um 19.00 Uhr

Ort: Obere Halle, Bremer Rathaus (Am Markt 21, 28195 Bremen)

Veranstaltende:  breites Bündnis aus Vereinen, Initiativen und Kooperationspartnern, Koordination: Erinnern für die Zukunft e.V. & Landeszentrale für politische Bildung

Weitere Infos: Landeszentrale für politische Bildung Bremen, Gesamtprogramm Gedenken in Bremen Januar-April 2026

Bremen before Stonewall – Queerhistorische Geschichte(n)

Datum & Uhrzeit: 1. Februar 2026 um 15.00 Uhr

Ort: Krankenhaus-Museum (Züricher Straße 40, 28325 Bremen)

Veranstaltende: mit Elisabeth Schindler auf Spurensuche

Weitere Infos: Kultur Ambulanz Bremen, Gesamtprogramm Gedenken in Bremen Januar-April 2026

 

Hamburg

Rundgang anlässlich des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus

Datum & Uhrzeit: 27. Januar 2026 um 13.00 Uhr

Ort: denk.mal Hannoverscher Bahnhof (Lohseplatz, 20457 Hamburg)

Veranstaltende: Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen

Weitere Infos: Gedenkstätten Hamburg

 

Berlin

Gedenken des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas

Datum & Uhrzeit: 28. Januar 2026 um 14.00 Uhr

Ort: Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas (Simsonweg, 10557 Berlin)

Veranstaltende: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma

Weitere Infos: Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Gedenken mit Kranzniederlegung an die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten LSBTIQ*

Datum & Uhrzeit: 28. Januar 2026 um 15.00 Uhr

Ort: am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen (Ebertstraße auf Höhe Hannah-Arendt-Straße, 10785 Berlin-Tiergarten)

Veranstaltende: LSVD Verband Queere Vielfalt Berlin-Brandenburg e. V., LSVD⁺ – Verband Queere Vielfalt e.V. & Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Weitere Infos: LSVD+

 

Köln

Gedenken an die queeren Opfer der NS-Zeit 2026

Datum & Uhrzeit: 27. Januar 2026 um 17.00 Uhr

Ort: am Mahnmal „totgeschlagen – totgeschwiegen“ (Trankgasse 20, 50667 Köln)

Veranstaltenden: Queeres Netzwerk NRW, LSVD+ Landesverband NRW, Netzwerk geschlechtliche Vielfalt Trans NRW, Arcus Stiftung

Weitere Infos: Queeres Netzwerk NRW

 

Düsseldorf

Stolperstein-Spaziergang

Datum & Uhrzeit: 26. Januar 2026 um 17.30 Uhr

Ort: Denkmal auf der Apollowiese (Mannesmannufer 1, 40213 Düsseldorf)

Veranstaltende: Queere Geschichte(n) Düsseldorf e.V.

Weitere Infos: Queere Geschichte(n) Düsseldorf e.V.

Dokumentarfilm „Klänge des Verschweigens. Ein detektivischer Musikfilm“ von Klaus Stanjek über seinen schwulen Onkel in der NS-Zeit

Datum & Uhrzeit: 27. Januar 2026 um 19.00 Uhr

Ort: Bambi Filmstudio (Klosterstr. 78, 40211 Düsseldorf)

Veranstaltende: Queere Geschichte(n) Düsseldorf e.V.

Weitere Infos: Queere Geschichte(n) Düsseldorf e.V.

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Über den Newsletter des Lesbenverein Intervention e.V. wurden wir auf das Projekt „Queere Lebensgeschichten über 60“ aufmerksam. Initiiert wird das Projekt vom ostdeutsch sozialisierten queeren Dokumentarfotograf Markus Heft , der seit 2021 in Hannover „Visual Journalism and Documentary Photography“ studiert.

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Schon seit 2022 erzählt das Fotoprojekt die Geschichten queerer Menschen in Deutschland, insbesondere von Menschen mit einem Mindestalter von 60 Jahren, die sich als lesbisch, schwul, bi, trans, inter, nicht-binär oder queer identifizieren. Das Projekt und Markus Heft wurden bereits mehrmals mit Preisen ausgezeichnet. Nun soll das Projekt erweitert und in einem Fotoband unter dem Titel „Für uns geträumt“ im nächsten Jahr veröffentlicht werden. Dafür werden weiterhin Menschen gesucht, die sich portraitieren lassen möchten und ihre queere Lebensgeschichte erzählen möchten.

Markus Heft, 1998 geboren, setzt dieses Projekt um, weil er auf der Suche nach queeren Vorbildern ist, die ihm im Jugendalter gefehlt haben.

Auch wenn vor allem eine aktuell ältere Generation porträtiert wird, soll das Projekt einen Austausch zwischen den Generationen anstoßen. Im Fokus stehen spannende Erlebnisse, Herausforderungen und Kämpfe, die vor Hefts eigener Generation stattfanden und eine queere Lebensgeschichte geprägt haben. Außerdem dreht es sich um die Bedeutung von Sexualität und Identität im Alter.

Markus Heft: „Die Fotos entstehen in einem kollaborativen Prozess. Einzel- oder Paarportraits werden durch Detailaufnahmen von Gegenständen oder Orten, die von Bedeutung sind, ergänzt. Zusätzlich werde ich mit allen Teilnehmenden Interviews führen, um einen individuellen Fokus auf das Leben meiner Protagonist*innen zu legen.“

Momentan ist Markus Heft explizit auf der Suche nach trans, inter und nicht-binären Personen, sowie nach Menschen, die in der DDR lebten. In Alltagsgeschichten möchte er über Themen wie Beziehung, Familie, Einsamkeit, Stolz, erkämpfte Rechte, Berufe sowie Wohnen und Pflege im Alter sprechen. Dabei bleibt er offen für Themen, die die Portraitierten mitbringen. Markus Heft: „Das Fotoprojekt ist eine Einladung zur Zusammenarbeit: Es geht mir nicht darum, ein Projekt über Menschen zu machen, sondern gemeinsam mit ihnen ihre Geschichten zu erzählen.“

Eine Veröffentlichung für den Fotoband und Ausstellungen erfolgt nur nach vorheriger Absprache und Einverständnis.

Wenn Du Interesse hast, Teil des Fotoprojekts zu werden oder Fragen dazu hast, melde dich per E-Mail unter info@markusheft.de.

Weitere Infos und Quelle: Markus Heft

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Der Dachverband Lesben und Alter e.V. organisiert vom 14. bis 16. November 2025 in Frankfurt am Main eine Fachtagung zum Thema „Lesbisch & solidarisch: Vielfalt schützen gegen Antifeminismus und Rechtsruck“. Ziel der Tagung ist es, in Zeiten steigender Frauen- und Queerfeindlichkeit gemeinsam Strategien für Widerstand und Solidarität zu entwickeln. Sie richtet sich an Multiplikator*innen der Alters- und Gleichstellungsarbeit sowie an alle Interessierten.

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Das dreitägige Programm beinhaltet diverse inhaltliche Vorträge und Panels zur Aktualität von Antifeminismus und Rechtsextremismus. Dafür wurden zahlreiche Expert*innen und weitere Gäst*innen eingeladen, darunter Sophie Koch, die Beauftragte der Bundesregierung für Akzeptant sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, die am Samstag an einem politischen Panel spricht. Abseits der Vorträge und Diskussionen steht am Sonntag ein Besuch ins LUQS - Lesbenarchiv und queere Sammlung Frankfurt auf dem Programm, einem selbstorganisierten Archiv, das Erinnerungsarbeit im Kontext lesbischer und queerer Geschichte leistet.

Weitere Informationen zum Programm und Anmeldung auf der Webseite des Dachverbandes Lesben und Alter e.V.

Der Verband versteht sich als Interessenvertretung für die spezifische Lebenssituation älterer und alter lesbisch lebender Frauen. Seine Arbeit wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Logo: © Dachverband Lesben und Alter e. V.

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Auch im höheren Alter stoßen LSBTIQ* Personen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität auf Diskriminierung, Ausgrenzung oder Stigmatisierung. So sollten Einrichtungen und Angebote für Senior*innen sensibler für diese Gruppen und ihre Bedarfe gestaltet werden. Ein Hamburger Modellprojekt unter dem Namen „Älterwerden unterm Regenbogen“ setzt Impulse, um die Öffnung der Offenen Senior*innenarbeit für queere Ältere zu fördern.

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Ziel des Projektes „Älterwerden unterm Regenbogen“ ist, dass Einrichtungen und Mitarbeitende weitergebildet und ältere queere Menschen und ihre Communities zusammengebracht und gestärkt werden. So werden Angebote für ältere Lesben, Schwule, Bi und TIN Personen in Treffpunkten für Senior*innen aufgebaut und eine queerfreundliche Willkommenskultur gefördert. Wie das geht, lernen Haupt- und Ehrenamtliche in passgenauen Fortbildungen, die beim Projekt angefragt werden können. Das Projekt folgt dem Slogan „Aufklären, beteiligen, Kräfte bündeln! Für ein selbstbestimmtes Älterwerden unterm Regenbogen!“.

Im Kontakt mit den Communities möchte das Projekt herausfinden, was diese sich wünschen und benötigen, um selbstbestimmt „unterm Regenbogen“ alt zu werden. So wurden bisher drei Workshops – einmal mit lesbischen Frauen, einmal mit schwulen Männern und einmal mit TIN Personen über 55 Jahren – abgehalten, in denen über die positiven Aspekte des Älterwerdens ebenso wie über Herausforderungen, Bedarfe und Wünsche der Teilnehmenden gesprochen wurde. Aus den Dokumentationen der jeweiligen Workshops lassen sich Forderungen formulieren und Angebote schaffen, die auf die Wünsche dieser Gruppen eingehen können.

Erste Erfolge: In fünf Hamburger Senior*innen-Treffs gibt es neue, regelmäßige Angebote: Frühstück, Kaffeeklatsch und Abendbrot unterm Regenbogen sowie Frühstück und Tea-Time für Lesben. Dazu kommen Einzelveranstaltungen wie Filmvorführungen, Ausflüge und eine digitale Sprechstunde. All dies findet sich auf der Webseite von „Älterwerden unterm Regenbogen“. Hier wird regelmäßig über Termine, also regelmäßige Treffen und andere Veranstaltungen für ältere LSBTIQ* Personen in Hamburg, informiert. Diverse Freizeit- und Beratungsangebote für queere Senior*innen werden auf der Webseite gelistet.

Zu solchen „Regenbogenorten“ gehören die Trans*Selbsthilfe in Hamburg SWITCH, das Frauenbildungszentrum DENKtRÄUME oder der queere Sportverein Startschuss Queer Sport Hamburg e.V. Je nach Anliegen gibt es auch diverse Beratungsangebote für ältere queere Personen – zum Beispiel von der Aidshilfe Hamburg, dem Lesbenverein Interventionen oder der Trans*beratung im Magnus Hirschfeld Zentrum. Wer auf dem Laufenden bleiben möchte, abonniert den monatlichen Newsletter info@regenbogenalter.de

Träger des Projekts „Älterwerden unterm Regenbogen“ ist die Aidshilfe Hamburg e.V. in Kooperation mit dem Lesbenverein Interventionen e.V., dem Magnus-Hirschfeld-Centrum e. V. und dem Seniorenbüro Hamburg e.V. Finanziert wird es von der Sozialbehörde Hamburg. 

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