Echte Vielfalt

Erfahrungen

Tinder, Grindr, Lovoo, Bumble, OkCupid… es gibt heute eine solche Vielzahl von Dating-Apps, dass man sich – gerade auf der Suche nach queerem Dating – unsicher sein kann, welche man überhaupt herunterladen soll. Echte Vielfalt hat sich informiert und OkCupid für die inklusivste App unter dem Mainstream befunden.

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Zunächst einmal, weil bei der Erstellung des eigenen Profils zwischen 22 Geschlechtsidentitäten (von cis über trans bis genderfluid) und 13 sexuellen Orientierungen (wie hetero, schwul, lesbisch, aber auch recipromantic oder gray-asexuell) ausgewählt werden kann. Dabei kann man auch auswählen, an welchen Geschlechtsidentitäten man selbst interessiert ist und kriegt auch nur Menschen angezeigt, die sich auf Basis ihrer sexuellen Orientierung für einen interessieren könnten – und muss sich nicht wie oft in der Realität fragen, ob das Gegenüber überhaupt am eigenen Gender interessiert ist.

Dazu kommt, dass OkCupid nicht nur die Suche nach romantischen, monogamen Beziehungen nach dem heteronormativen Ideal ermöglicht, sondern eine Unterscheidung zwischen platonischen, sexuellen, oder romantischen Beziehungen möglich ist, oder zwischen Monogamie und Nicht-Monogamie.

Damit ermöglicht OkCupid auch queeren Menschen ein auf sie abgestimmtes Online-Dating-Erlebnis, was bei anderen, wenig divers und eher binär angelegten Apps nicht der Fall ist. Eine Bloggerin des Divers-Magazin berichtet wie folgt von ihrer Erfahrung:

„Was mich persönlich sehr gefreut hat, war, dass ich zusätzlich zu lesbisch auch demisexuell auswählen konnte, eine Sexualität, die, in meiner Erfahrung, oft vergessen oder nicht berücksichtigt wird. Es hat mir Sichtbarkeit verliehen und mich wohlfühlen lassen. Ich konnte mich nicht nur auf einer oberflächlichen Ebene über Lieblingsserien oder Hobbies unterhalten, sondern deep talks führen mit queeren Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten.“

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Gianni Jovanovic (42), ist Roma-Aktivist und schwul, und befasst sich seit langem mit dem Thema Mehrfachdiskriminierung.  Er war der erste schwule Rom in Deutschland, der sich geoutet hat und ist Gründer der Initiative „Queer Roma“, mit der er mehrfach am Christopher Street Day in Köln teilnahm. Seine Erfahrungen mit Ausgrenzung und Diskriminierung verarbeitet er außerdem als Comedian und Performer in einem Bühnenprogramm.

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Wie er in einem Interview erzählt,  war das Offenlegen seiner Identität „ein doppeltes Outing“. Viele queere Roma befürchteten, auf Verachtung in der eigenen Community zu stoßen. Hinzukomme dann noch die Verachtung durch die Mehrheitsgesellschaft: „Einerseits muss man sich hinstellen und sagen, Mama, Papa, ich bin schwul, lesbisch, trans ..., und auf der anderen Seite muss man sich öffentlich dazu bekennen, dass man Roma ist. Gegenüber dieser Gruppe herrschen viel Unwissen und Vorurteile.“

In einem weiteren Interview auf Deutschlandfunk Nova berichtet Gianni außerdem ausführlich über das Aufwachsen in einer konservativen Familie, seine Zwangsverheiratung und seinen langen Weg zum Coming-Out als schwuler Mann.

Giannis Anliegen ist es, um über Antiziganismus, also die Diskriminierung von Sinti und Roma, aufzuklären. Hierzu wird er auch von den Medien als Experte angefragt. Im Zuge der kürzlichen Rassismus-Debatte um die WDR-Talksendung „die letzte Instanz“ wurde er erneut um seine Einschätzungen gebeten. Auch ein Video einer Talkshow, die im Jahr 2020 ebenfalls im WDR lief, und in der Gianni zu Gast war, wurde in den sozialen Medien häufig geteilt. Hierin erklärt er, dass es sich beim Z-Wort um eine Fremdbezeichnung handele, die rassistische Vorurteile beinhalte. Außerdem wies er darauf hin, dass seinen im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Vorfahren der Buchstabe Z in die Haut tätowiert wurde:Deshalb muss man sich tatsächlich die Frage stellen, ob man heute in dieser aufgeklärten, modernen Welt das Wort überhaupt noch benutzen will", sagte Jovanovic in der Sendung.

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„Asexualität kennen die meisten ja noch, aber bei Aromantik hörts dann meistens auf. Weil es ist ja wirklich so extrem präsent in unserer Gesellschaft: Wie wir groß werden, bei Disney-Filme fängt das schon an, und in der Schule. Du musst heiraten, Kinder kriegen, Haus bauen. Das ist wichtig, und wenn du das nicht erreichst, dann hast du sozusagen versagt“ – Caro, die aromantisch ist und in mehreren queer-platonische Beziehungen lebt, erzählt in einem Interview, wie es ist, in einer solchen Gesellschaft keine romantische Beziehung zu wollen.

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Für sie sei es nie das richtige gewesen: Caro (25) habe tatsächlich viele klassische, romantische, und wie sie sagt, „einengende“ Beziehungen geführt, bis sie in der queeren Community in einem Tumblr-Post etwas über Aromantik las – „und dann hat es einfach Klick gemacht“: Sie ist auf dem sogenannten Ace/Aro-Spektrum, welches Personen einschließt, die asexuell und/oder aromantisch sind. Während Asexualität bedeutet kein oder wenig Verlangen nach Sexualität mit anderen Menschen zu haben, bezieht sich Aromantik darauf keine klassische, romantische Beziehung führen zu wollen. Dabei schließe das eine das andere jedoch nicht automatisch ein: Ein Menschen könne sowohl Ace als auch Aro sein, jedoch auch nur aromantisch und trotzdem mit dem Verlangen nach Sex, oder asexuell und trotzdem mit dem Wunsch nach einer romantischen Beziehung.

Caro bezeichnet sich als Ace/Aro und hat nur selten und unter bestimmten Umständen Lust auf Knutschen oder Sex, wie man es von klassischen romantischen Beziehungen erwarten würde. Sie fühle sich einfach nicht romantisch zu Menschen hingezogen – sondern platonisch. Im Ace/Aro-Spektrum gibt es für diese Art von Anziehung einen Begriff, der den romantischen „Crush“ (Schwarm) ersetzt: Man spricht davon einen „Squish“ zu haben. „Ein Squish ist ein super intensives Gefühl einer anderen Person gegenüber, das aber nicht von romantischer Natur ist.“ Das könne sich sogar ähnlich äußern wie verknallt sein, dass man einer Person sehr nah sein und viel Zeit mit ihr verbringen will – aber eben freundschaftlich. Als „mehr als eine normale Freundschaft, weniger als eine romantische Beziehung“ und „irgendwas zwischen Partner*In und Freund*In“ beschreibt Caro die queer-platonischen Beziehungen, die aus solchen Squishes entstehen können. Der Unterschied zu „normalen“ Freundschaften sei dabei, dass es in queer-platonischen Beziehungen schon eine „wesentlich tiefere emotionale Bindung“ gäbe. Dabei werde vorher „klipp und klar“ kommuniziert, was jeder will. Es gibt sogar einen queer-platonischen Beziehungsvertrag, bei dem man umkreisen und durchstreichen kann was man mag, und was nicht, wie „kleine Küsse“, „große Küsse“, „Sex“ und „Händchen halten“.

Caro findet, dass solche Absprachen in jeder Art von Beziehung gelten sollten – auch klassischen, hetero-romantischen – da es ein „vorgefertigtes Bild gibt von dem, was in einer romantischen Beziehung passieren soll oder darf, oder nicht, und darüber redet niemand, aber alle wissen es, und es ist irgendwie allgemeingültiges Gesetz – obwohl das eigentlich eine Sache ist, die total individuell ist. Jeder Mensch ist ja anders und jeder Mensch kann Nähe anders zulassen, an sich ranlassen, und zurückgeben“.

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Mehr als einen Menschen lieben und sogar mehrere Beziehungen führen: Polyamore Menschen machen genau das. Echte-Vielfalt sprach mit Maria, die Polyamorie lebt. Maria ist Anfang 30, Psychologin, pansexuell und lebt in Bayern.

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Was verstehst Du unter Polyamorie?

Polyamorie bedeutet grundlegend, Beziehungen mit mehreren Menschen zu haben, so dass es hier keine Exklusivität gibt: Weder auf Sexualität bezogen noch auf emotionale Nähe. Es gibt natürlich auch Unterschiede, zum Beispiel Polyamorie-Konzepte, in der Beziehungen hierarchisiert werden, oder Konzepte, die das ablehnen. Ich nutze diese Begriffe mittlerweile auch gar nicht mehr so, sondern erkläre lieber direkt, wie es eigentlich bei mir ist.

Wie sieht denn das polyamore Beziehungsmodell derzeit bei Dir praktisch aus?

Ich sehe mich mittlerweile auch eher als „beziehungsanarchistisch“, da ich vorgefertigte Konzepte einfach nicht hilfreich finde. Bei mir ist es so, dass ich derzeit, je nachdem wie man fragt, um die fünf Beziehungen habe. Diese sind alle sehr unterschiedlich, wie auch die Menschen, mit denen ich diese Beziehungen habe. Am meisten Zeit verbringe ich mit Josef, wir wohnen auch im selben Ort, und er ist auch die Person, mit der ich Zukunftsträume habe. Josef hat vorher hauptsächlich Beziehungen mit Männern gehabt, seine bisherigen Beziehungen waren auch eher monogam. Josef möchte übrigens keine anderen Leute daten, aber das bedeutet bei uns nicht, dass ich nicht Beziehungen mit anderen Menschen ausleben darf.
Ich habe eine weitere Beziehung mit einer Person, die auch bei mir in der Nähe wohnt, welche total schön ist, auch wenn wir uns nicht so oft sehen. Dann habe ich außerdem noch Beziehungen zu drei Personen, die alle in der gleichen Stadt in Norddeutschland wohnen, und welche jeweils untereinander auch Beziehungen zueinander haben.

Wie hat es sich ergeben, dass Du dich für eine polyamore Lebensweise entschieden hast?

Ich war immer in monogamen Beziehungen, bis meine beste Freundin entschieden hat, ihre langjährige Beziehung zu öffnen. Ich dachte, das wäre nie etwas für mich, dann habe ich aber mitbekommen, wie das bei den beiden funktioniert und fand es total schön und wurde neugierig. Mir schien es dann auch irgendwann intuitiv sinnvoller und für mich passender als die Beziehungsformen, die ich bis dahin gelebt hatte. Es ist Teil meiner Identität geworden und wenn ich es Leuten erzähle, fühlt es sich auch ein bisschen wie ein Coming-out an, interessanterweise ist das bei meiner sexuellen Orientierung, die sich auf mehr als ein Geschlecht bezieht, anders.

Weiß denn Deine Familie davon?

Die weiß davon. Mein Bruder hat sehr interessiert reagiert. Meine Mutter hatte zunächst damit mehr Schwierigkeiten, da sie Angst hatte, dass ich keine ernsteren Beziehungen mehr habe, oder sie keine Enkelkinder bekommen wird.

Welche Herausforderungen ergeben sich bei diesem Beziehungskonzept?

Die größte Herausforderung ist das Zeitmanagement (lacht). Es gibt keine Begrenzung von Liebe, die man für Menschen empfinden kann, aber es gibt halt nur eine begrenzte Zeit, von der ich auch nicht mehr zu Verfügung habe als andere Leute. Das beschäftigt mich oft, also wie ich es schaffen kann, mit allen meinen Beziehungsmenschen Zeit zu verbringen, ohne dass sich jemand vernachlässigt fühlt, das beschäftigt mich aber genauso in meinen Freundschaften.

Andere denken oft, dass eine große Herausforderung die Eifersucht ist, was mich fasziniert, da Eifersucht erst mal nur ein Gefühl ist. Wenn man sich auf eine Beziehung einlässt, dann geht man das Risiko ein, dass man Dinge fühlt, und zwar nicht nur schöne Dinge, sondern auch unangenehme.
Ich merke auch, dass das, was mir über Eifersucht beigebracht wurde, oft einfach nicht stimmt. So läge ich ganz oft daneben vorherzusagen, wann zum Beispiel Josef eifersüchtig wird. Natürlich kommt das vor, das man eifersüchtig wird, aber dann spricht man darüber und dann legt sich das auch wieder ziemlich schnell.

Wie begegnen Dir Menschen aus der LSBTIQ-Community, wenn sie erfahren, dass Du poly bist?

Viele, die ich in einem solchen Umfeld kennen lerne, sind entweder selbst poly oder wissen, was damit gemeint ist. Ich treffe aber natürlich auch in meiner Blase eher Leute, die offen für sowas sind, deswegen ist das vielleicht auch nicht so verallgemeinerbar.

Was wünscht Du dir von der Gesellschaft?

Entspannung, was die Gestaltung des Liebes- und Sexlebens anderer Leute angeht. Hier kann ich nicht so verstehen, warum es so wichtig ist, wie ich lebe, da ich ja niemandem damit schade. Zum Beispiel: Nur weil man als anders und nicht der Norm entsprechend eingeordnet wird, ist es nicht in Ordnung, jemanden, obwohl man ihn nicht kennt, ganz persönliche und intime Dinge zu fragen. Ebenfalls stört mich, dass an meine Beziehungsform gerade im Fall von Konflikten zwischen Beziehungspartner*innen mitunter von außen andere Ansprüche gestellt werden als an andere Beziehungsmodelle. Wenn es also Schwierigkeiten gibt, führen einige das sofort auf die Beziehungsform zurück. Ich würde aber ja auch nicht Freund*innen, die in monogamen Beziehungen leben, im Falle von Beziehungsproblemen vorwerfen, dass sie das falsche Beziehungsmodell leben.

Ein weiterer Punkt ist das Thema Kinder, hier wünsche ich mir eine größere Offenheit dafür, dass Menschen, die in anderen Beziehungsmodellen leben, genauso Kinder großziehen können. Das ist ähnlich den Vorurteilen Regenbogenfamilien gegenüber.

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Nach dem Erfolg von “Prince Charming“, einer mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten schwulen Dating-Show, soll im kommenden Jahr nun eine lesbische Version entstehen, wie der Sender RTL bekanntgab. Die Sendung wird auf der Streaming-Plattform der RTL-Sendergruppe, TVNow, laufen.

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Nachdem ursprünglich ein Format mit einer bisexuellen Frau geplant war, hatte sich der Sender nach Zuschriften von Zuschauer*innen und Bewerber*innen dafür entschieden, eine rein lesbische Show zur konzipieren. Derzeit werden noch Kandidat*innen gesucht, Interessierte können sich hier bewerben.

In der Show soll, ähnlich wie es bereits aus „Prince Charming“ oder den heterosexuellen Formaten „Bachelor“ und „Bachelorette“ bekannt ist, eine Protagonistin  ihre Traumpartnerin finden. Dabei kann sie zwischen verschiedenen Kandidat*innen wählen und mit ihnen gemeinsam oder einzeln Dates verbringen. Nach und nach müssen Kandidat*innen die Show verlassen, bis am Ende die am besten passende Partnerin von der „Princess“ ausgewählt wird.

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Nadine ist 30 Jahre alt, lebt in Hamburg und ist bisexuell. Echte-Viefalt.de sprach mit ihr über ihre Erfahrungen als bisexuelle Frau.

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Was bedeutet der Begriff Bisexualität für Dich?

Bisexualität bedeutet für mich, dass man keine sexuelle Präferenz nur ausschließlich für Frauen oder Männer hat bzw. eben nur für ein Geschlecht. Trotzdem kann es natürlich sein, dass man auch als bisexuelle Person ein Geschlecht bevorzugt, und zum Beispiel eher Beziehungen und Dates mit Männern oder eher mit Frauen hat. Die eine Seite kann überwiegen, muss es aber nicht unbedingt.
Bei mir ist das zum Beispiel so, dass ich eher auf Frauen stehe und mich eher mit meiner ‚lesbischen Seite‘ identifizieren kann, allerdings hatte ich die meisten Beziehungen bisher eher mit Männern. Das hat sich einfach eher ergeben, da man  halt mehr Möglichkeiten im Alltag hat Männer kennen zu lernen, und wenn man Frauen kennen lernen möchte, die auf Frauen stehen, dann muss man eher in der queeren Community unterwegs sein und zum Beispiel auf Events gehen, ansonsten wird das eher schwierig.

Wie verlief Dein Coming-Out?

Bei meinen Freunden musste ich das nie wirklich ansprechen, das ist einfach im normalen Miteinander herausgekommen oder einfach ganz normal gewesen, darüber zu sprechen. Zumal viele Freunde auch selber zum Beispiel bi- oder pansexuell sind.

Bei meinen Eltern hatte ich ein richtiges Coming-Out. Ich habe sie besucht und ihnen davon erzählt. Ich hatte davor etwas Angst, da ich auch bei anderen Dingen schon immer etwas anders war. Es war aber alles ganz entspannt, und meine Eltern haben mich getröstet, als ich dann vor Erleichterung kurz geweint habe.

Mit welchen Vorurteilen oder Diskriminierungserfahrungen hast Du zu tun?

Vorurteile habe ich persönlich keine erlebt. Man hört ja öfter mal von Vorurteilen wie „die können sich ja nicht entscheiden“ oder so, aber das ist mir selber nicht passiert. Diskriminierung habe ich in meinen lesbischen Beziehungen dahingehend erfahren, dass wenn ich zum Beispiel mit meiner Freundin spazieren gegangen bin, wir fast immer angesprochen worden sind. Sowohl im ,positiven‘ wie im negativen Sinne. Uns wurde zum Beispiel gesagt, dass wir ja besonders süß seien, das würde einem Hetero-Pärchen nicht passieren. Auf Parties wurden wir oft von Männern angebaggert, die das offenbar geil fanden, dass wir halt zwei Frauen sind, die was miteinander haben.

In der queeren Community wird mitunter der Vorwurf von Bi-erasure laut. Was ist Deine Meinung dazu?

Ich persönlich habe das nicht erlebt, aber habe davon gelesen, dass speziell bei Bi-Frauen ihre Bisexualität nicht immer ernst genommen oder als ‚Ausprobierphase‘ wahrgenommen wird. Ich habe auch mitbekommen, dass einige Lesben Angst haben, etwas mit einer Bi-Frau anzufangen, da diese glauben, sie könnten dann für einen Typen verlassen werden.

An sich finde ich Definitionen und das Einteilen in Kategorien oft eher anstrengend und Bi-Menschen sollten natürlich in der queeren Szene nicht ausgeschlossen werden. Man sollte sich eher auf die Persönlichkeit eines Menschen konzentrieren.

Was wünscht Du Dir von der queeren Community?

Ich wünsche mir weniger Vorurteile, und es sollte weiterhin ok sein, bisexuell sein zu dürfen. Ich bekomme in letzter Zeit öfter mit, das man  fast schon dazu gedrängt wird, nicht mehr das Wort „bisexuell“ nutzen zu dürfen, sondern stattdessen pansexuell sagen, oder sein sollte. Es könnten sich sonst  Gruppen wie trans Personen oder Non-Binaries ausgeschlossen fühlen. Ich finde aber, man sollte Menschen nicht dazu drängen, sich als pansexuell zu definieren, wenn sie sich eben als bi verstehen, und niemand sollte einer anderen Person ihre Sexualität vorschreiben. Allgemein wünsche ich mir außerdem weniger Anfeindungen untereinander und weniger Zwang, einem bestimmten Bild mit bestimmten politischen Ansichten entsprechen zu müssen. Bevor man einen politischen Ansatz als den absolut richtigen hinstellt, sollte man außerdem darüber diskutieren dürfen.

Was wünscht Du Dir von der Mehrheitsgesellschaft?

In den Medien gibt es kaum bisexuelle Charaktere. In Filmen und Serien sind diese entweder homo- oder heterosexuell, aber eben kaum bi. Ich würde mir zudem auch wünschen, dass es gar nicht so sehr zur Sprache kommt, wie die Sexualität von Menschen ist, und das Dinge einfach passieren.

Homo- und Bisexualität und andere sexuelle Orientierungen sollten in der Gesellschaft nicht mehr als unnormal empfunden werden. Es sollte auch nicht immer wieder betont werden, dass jemand homo- oder bisexuell ist, sondern einfach normal und ok sein.

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Der Rainbow Europe Country Index der International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association (ILGA Europe) misst die Unterschiede von LSBTIQ-Rechten in europäischen Ländern.

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Auch wenn in Europa in allen Ländern Homosexualität erlaubt ist, leben LSBTIQ-Personen nicht in allen Staaten wirklich gleichberechtigt und diskriminierungsfrei im Vergleich zur restlichen Bevölkerung. Um Unterschiede zwischen insbesondere der rechtlichen Situation von LSBTIQ in verschiedenen Ländern, veröffentlicht die ILGA seit zehn Jahren den Rainbow Europe Country Index. Dabei werden Punkte für verschiedene Faktoren vergeben, zum  Beispiel der Schutz durch Antidiskriminierungsgesetze oder der Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften. Auch die rechtliche Verfolgung von Hassverbrechen gegen LSBTIQ wird mit einbezogen. Hieraus ergibt sich schließlich eine Rangfolge der LSBTIQ-freundlichsten Länder Europas. Nach veröffentlichten Index 2020 ist der Inselstaat Malta seit fünf Jahren in Folge führend, gefolgt von Belgien und Luxemburg. Schlusslichter sind Russland, Armenien, die Türkei und Aserbaidschan.

Deutschland ist laut des Index im Mittelfeld angesiedelt, und erfüllt derzeit 51% der von der ILGA aufgestellten Kriterien zur Messung von LSBTIQ-Rechten.

Der Index bildet auch die politischen Veränderungen in einigen Ländern ab, so schneidet zum Beispiel in Ungarn im Vergleich zu den Vorjahren schlechter ab. In der Hälfte der europäischen Länder habe es im Vergleich zum Vorjahr keine positiven Veränderungen gegeben, und zum zweiten mal in Folge verschlechtere sich die Situation sogar.

Und es gäbe “Gründe, äußerst besorgt zu sein, dass sich diese Situation ausbreiten wird, da die politische Aufmerksamkeit auf die wirtschaftlichen Folgen von COVID-19 gerichtet ist" so die ILGA Europe Vorsitzende Evelyne Paradis.

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„Schwestern können sich gegenseitig helfen. Schwestern können voneinander lernen. Schwestern sind sich ähnlich und sie sind zugleich ganz unterschiedlich.“ So beschreiben die refugee sisters ihr Ziel, Frauen* mit Fluchterfahrungen einen vertraulichen Raum zu bieten, in dem sie sich mit ihren Erlebnissen, Wünschen, Fragen und Sorgen öffnen können.

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Es gibt unter anderem praktische Unterstützung, beispielsweise im Umgang mit Ämtern, Treffen zu verschiedenen Themen, Einzelgespräche und Begleitung. Auf der Internetseite informiert das Projekt über Asylverfahren, LGBTI Rechte in Deutschland und Europa oder auch LGBT & Religion.

Zugleich sucht das Projekt Unterstützerinnen: neben finanzieller Unterstützung zum Beispiel auch Deutsch-Nachhilfe, Kinderbetreuung, ein Zimmer oder Gegenstände für den Alltagsgebrauch.

Refugee sisters ist ein Projekt von Intervention e.V. und wird gefördert durch den Integrationsfonds der Stadt Hamburg.

Weitere Infos finden sich hier.

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Bi-Stammtische im Norden

8. September 2020

Gleichgesinnte treffen, sich austauschen oder einfach einen netten Abend in Gemeinschaft verbringen – diese Möglichkeit bieten Stammtische für bisexuelle Menschen an.

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Auch wenn diese während der Corona-Pandemie zeitweise nur online stattfinden konnten: Gerade diejenigen, die neu in der queeren Community oder noch unsicher darüber sind, ob sie eigentlich bisexuell sind, können bei solchen regelmäßig stattfindenden Treffen ungezwungen und niedrigschwellig Kontakte knüpfen  oder Informationen erhalten.

Bi-Stammtische gibt es im Norden zum Beispiel in Kiel und Hamburg.

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Heiner Garg: Jeder Mensch in Schleswig-Holstein kann dazu beitragen, dass Vielfalt willkommen ist – Ergebnisse der Online-Befragung „Echte Vielfalt" veröffentlicht

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KIEL. Im Rahmen eines Fachgespräches werden heute (19.12.) Ergebnisse der Online-Befragung zur Lebenssituation von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans*, inter* und queeren Menschen (LSBTIQ*) in Schleswig-Holstein vorgestellt. Projektleiterin Dr. Christina Rauh informiert dazu die beteiligten Verbände und Initiativen im Ministerium.

Demnach gibt es in Schleswig-Holstein ein offenes Klima dafür, die eigene sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität mitzuteilen: jede und jeder Zweite bis zum 20. Lebensjahr hat sich gegenüber mindestens einer Person „geoutet". Das „Coming-Out" wurde von 60% der engen Verwandten als positiv aufgenommen. Allerdings gaben auch rund die Hälfte (51%) aller Befragten an, innerhalb der letzten fünf Jahre diskriminierende Erfahrungen gemacht zu haben. Dieser Wert entspricht etwa dem aus anderen Bundesländern.

Familienminister Heiner Garg betont: „Wir brauchen ein Klima der Wertschätzung und des Respektes. Jeder Mensch in Schleswig-Holstein kann dazu beitragen, dass Vielfalt hier willkommen ist. Das erwarte ich auch." Die Ergebnisse der Umfrage zeigten, dass das Land mit dem Aktionsplan Echte Vielfalt auf dem richtigen Weg sei, der gemeinsam fortgesetzt werden müsse. „Alle Menschen sollen hier so leben und lieben können, wie es ihnen entspricht", so Garg.

Im Frühjahr hatten fast 1.000 Menschen, darunter auch Familienangehörige, an der anonymen Online-Befragung teilgenommen, die im Auftrag des Ministeriums erstellt wurde. Die Ergebnisse werden in die Fortsetzung der Initiative „Echte Vielfalt" einfließen, die landesweit Aktionen und Maßnahmen für die Akzeptanz von LSBTIQ* unterstützt. Ergebnisse sind hier online.

Wer mehr erfahren will, was hinter Begriffen wie LSBTIQ* steckt, findet Antworten in der neuen Fibel „Echte Vielfalt", die verschiedene Begriffe der geschlechtlichen und sexuellen Vielfalt erläutert.

Verantwortlich für diesen Pressetext: Eileen Lara Meier | Christian Kohl | Ministerium für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren des Landes Schleswig-Holstein | Adolf-Westphal-Straße 4, 24143 Kiel | Telefon 0431  988-5317 | E-Mail: pressestelle@sozmi.landsh.de | Medien-Informationen der Landesregierung finden Sie aktuell und archiviert im Internet unter www.schleswig-holstein.de | Das Ministerium finden Sie im Internet unter www.sozialministerium.schleswig-holstein.de

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