Echte Vielfalt

Lebensbereiche

Sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend kann Betroffene ein Leben lang begleiten. Für queere Menschen können zusätzlich Erfahrungen mit Diskriminierung oder fehlenden queersensiblen Unterstützungsangeboten den Zugang zu Hilfe erschweren. Gleichzeitig gibt es bislang nur wenige wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, welche Bedarfe queere Betroffene haben und welche Unterstützungsangebote sie als hilfreich erleben.

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Für ein Promotionsprojekt an der Universität Vechta werden derzeit queere Erwachsene gesucht, die in ihrer Kindheit oder Jugend sexualisierte Gewalt erfahren haben und bereit sind, ihre Erfahrungen im Rahmen eines Interviews zu teilen.

Im Mittelpunkt der Studie steht die Frage, wie queere Betroffene mit den Folgen sexualisierter Gewalt umgehen, welche Unterstützungsangebote sie als hilfreich erleben und welche Herausforderungen im Hilfesystem bestehen. Ziel des Forschungsprojekts ist es, Erkenntnisse zu gewinnen, die langfristig zur Verbesserung von Beratungs- und Unterstützungsangeboten für queere Betroffene beitragen können.

Das Projekt wird von Adrian Etzel im Rahmen seiner Promotion im Bereich der Sozialen Arbeit durchgeführt. Ein positives Votum der Ethikkommission der Universität Vechta liegt vor. Die Interviews finden in einem vertraulichen Rahmen statt. Den Ort können die Teilnehmenden grundsätzlich selbst wählen. Für das Gespräch sind etwa zwei Stunden vorgesehen, wobei sich die Dauer an den individuellen Bedürfnissen der Teilnehmenden orientiert. Weitere Informationen finden Sie hier.

Das Weiterleiten dieser Information an interessierte Personen und Netzwerke ist ausdrücklich erwünscht. Jede Teilnahme kann dazu beitragen, die Lebensrealitäten queerer Betroffener besser zu verstehen und Hilfs- und Beratungsangebote künftig bedarfsgerechter zu gestalten.

Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist kein Randphänomen. Sie kann in Familien, im sozialen Umfeld, in Vereinen, Schulen oder anderen Institutionen stattfinden und oft noch viele Jahre später psychische, körperliche und soziale Folgen haben. Die Aufarbeitung solcher Erfahrungen verläuft individuell und kann durch unterstützende Beziehungen, Beratungsangebote und therapeutische Begleitung erleichtert werden. Wissenschaftliche Studien können dazu beitragen, konkrete Bedarfe besser sichtbar zu machen.

Wenn Sie selbst von sexualisierter Gewalt betroffen sind oder vermuten, dass eine Person in Ihrem Umfeld Unterstützung benötigt, können Sie sich an das Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch wenden. Die Beratung ist anonym und kostenfrei. Sie erreichen das Hilfe-Telefon unter der Telefonnummer 0800 22 55 530 (montags, mittwochs und freitags von 9 bis 14 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 15 bis 20 Uhr). Darüber hinaus können über die Webseite des Hilfe-Telefons Nachrichten geschrieben und Beratungs- und Anlaufstellen in der Nähe gesucht werden.

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Ältere Menschen aus der LSBTIQ* Community blicken häufig auf einen langen Kampf um Selbstbestimmung, Sichtbarkeit und gesellschaftliche Anerkennung zurück. Viele von ihnen haben Diskriminierung und Ausgrenzung erlebt und sind bis heute nicht geoutet. Umso wichtiger ist es, ihre individuellen Lebensrealitäten auch dann mitzudenken, wenn sie pflegerische Unterstützung benötigen oder in eine Pflegeeinrichtung ziehen. Der 9. Altersbericht der Bundesregierung empfiehlt deshalb unter anderem eine diversitätssensible Gestaltung von Angeboten und Leistungen der Altenhilfe.

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Die Bundesinteressensvertretung schwuler Senioren (BISS) e.V. bietet aktuell einen kostenfreien digitalen Fortbildungskurs zum Thema LSBTIQ* in der Pflege an. Ziel ist es, für die Lebenswelten von LSBTIQ* Personen und Menschen mit HIV zu sensibilisieren. Das Angebot richtet sich an Pflegekräfte, Ausbilder*innen, Auszubildende in der Pflege sowie weitere Multiplikator*innen im Pflegebereich.

Der E-Learning-Kurs behandelt Themen wie die Geschichte der LSBTIQ* Community, wichtige Begrifflichkeiten sowie Diskriminierungserfahrungen. Die Inhalte werden unter anderem durch Videos, Biografiearbeit, Erfahrungsberichte und praxisnahe Beispiele vermittelt.

Ziel des Kurses ist es, Pflegekräfte und andere Fachpersonen dabei zu unterstützen, eine biografieorientierte und diversitätssensible Pflegepraxis umzusetzen. Gleichzeitig soll er Auszubildende bei der Vermittlung von Lehrinhalten zu LSBTIQ* und Menschen mit HIV unterstützen. Die curriculare Einheit CE 09 („Menschen bei der Lebensgestaltung lebensweltorientiert unterstützen“) des Pflegeberufegesetzes bietet hierfür den fachlichen Rahmen. Gefördert wird das Angebot durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ).

Der Kurs gliedert sich in zwei große Themenbereiche. Im ersten Teil steht die Vermittlung von Grundlagenwissen und Begrifflichkeiten im Vordergrund. Im zweiten Teil werden darauf aufbauend Methoden vorgestellt und erprobt, die später im Pflegealltag, im Unterricht oder in Schulungen eingesetzt werden können.

Für die Bearbeitung des gesamten Lernmaterials sollten etwa acht Stunden eingeplant werden. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat sowie acht Fortbildungspunkte für die „Registrierung beruflich Pflegender“. Der Kurs kann jederzeit begonnen werden. Weitere Informationen sowie den Link zur Teilnahme finden Sie hier.

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2023 erschien das Buch „The Boys Are Kissing“ des britischen Autors Zak Zarafshan. Rund dreieinhalb Jahre später erobert die Geschichte nun die Theaterbühne. Unter der Regie von Anne Lenk feierte die Inszenierung am 6. Juni 2026 im Hamburger Thalia Theater ihre Deutschlandpremiere.

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Alles beginnt mit einem harmlosen Kuss zweier neunjähriger bester Freunde auf dem Schulhof. In der Kleinstadt, in der sie leben, löst dieser einen Ausnahmezustand aus, in den sich Eltern, Kinder und die Schule gleichermaßen einmischen. Die Eltern der Jungen sind verzweifelt auf der Suche nach der richtigen Reaktion. Auf der einen Seite stehen Matt und Sarah, ein heterosexuelles Paar, auf der anderen Chloe und Amira, ein lesbisches Paar. Beide sind überzeugt, auf der richtigen Seite zu stehen.

In dieses Chaos mischen sich zwei überirdische Figuren ein: die queeren Wächter*innen. Sie versuchen, den Jungen beizustehen und die Eltern in die „richtige“ Richtung zu lenken. Durch wechselnde Rollen und pointierte Interventionen bringen sie Matt, Sarah, Chloe und Amira immer wieder dazu, ihre Überzeugungen zu hinterfragen und neue Perspektiven einzunehmen.

Das Stück ist geprägt von der Angst, etwas Falsches zu sagen oder zu tun, von gesellschaftlichem Anpassungsdruck und ins Wanken geratenen Weltbildern. Hinter den schnellen, lauten und oft humorvollen Momenten verbergen sich tiefere Fragen nach Vorurteilen, Erziehung und gesellschaftlichen Erwartungen. Das Bühnenbild und die Kostüme sind farbenfroh gestaltet und verändern sich fortlaufend.

In der rund 100-minütigen Aufführung werden Themen wie Queerfeindlichkeit, Rassismus und Adultismus - die Diskriminierung und Abwertung von Kindern und Jugendlichen durch Erwachsene - mit viel Sarkasmus und Humor behandelt. Dadurch bleibt das Stück zugänglich, regt aber gleichzeitig zum Nachdenken an. Besonders bemerkenswert ist, dass die beiden Jungen erst gegen Ende des Stücks selbst zu Wort kommen. Anne Lenk nutzt dies als Stilmittel, um zu zeigen, wie sehr die Erwachsenen damit beschäftigt sind, das vermeintlich Richtige zu tun, während sie die Perspektiven der Kinder aus dem Blick verlieren.

„The Boys Are Kissing“ wurde von der Kritik überwiegend positiv aufgenommen. Nachtkritik schreibt: „Die raschen Dialoge Zarafshans sitzen so gut, weil Lenk ihnen – und ihren Darstellern – Raum lässt, ohne sie zu illustrieren.“ Peter Helling von NDR Kultur bezeichnet die Inszenierung als „ein genau komponiertes Feelgood-Stück zum Abschluss einer Spielzeit, die doch stark von überdeutlichen Botschaften zum Thema gegenseitiger Respekt geprägt war“.

Auf der Webseite des Thalia Theaters finden sich weitere Informationen zum Stück, zu den Spielterminen sowie zum Ticketverkauf.

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In einem neuen Bericht analysiert die LSBTIQ* Medienorganisation GLAAD, welche Auswirkungen Künstliche Intelligenz (KI) auf die queere Community haben kann. Dabei warnt die Organisation vor verschiedenen Risiken, weist aber auch auf mögliche Chancen für queere Menschen und ihre Angehörigen hin.

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Die US-amerikanische Organisation GLAAD setzt sich seit vielen Jahren für eine faire und vielfältige Darstellung queerer Menschen in den Medien ein. In ihrem aktuellen Bericht untersucht sie, wie KI-Systeme die Wahrnehmung von LSBTIQ* Personen beeinflussen können. Als Beispiel nennt GLAAD das KI-Modell Llama 4 von Meta. Dieses empfahl auf die Anfrage einer Person, die sich als Elternteil eines frisch geouteten Kindes ausgab, sogenannte „Konversionstherapien“ für homosexuelle Menschen. Wissenschaftliche Fachgesellschaften lehnen solche Praktiken seit Jahren ab, da sie nicht wirksam sind und mit erheblichen psychischen Belastungen verbunden sein können.

Auch eine Umfrage von LGBT Tech zeigt die Skepsis vieler queerer Menschen gegenüber KI. Demnach sorgen sich 73 Prozent der befragten queeren Erwachsenen in den USA vor KI-generierter Desinformation. 68 Prozent befürchten, dass Vorurteile durch KI-Systeme verstärkt oder weiterverbreitet werden. Unter den befragten trans* Personen teilen sogar 94 Prozent diese Sorge.

Als Herausforderungen nennt GLAAD unter anderem die Verbreitung oder Verstärkung von Hass gegenüber queeren Menschen sowie mögliche Diskriminierungen durch automatisierte Entscheidungssysteme. Dies könne beispielsweise die Kreditvergabe, den Wohnungsmarkt oder Bewerbungsverfahren betreffen. Auch Systeme zur Gesichtserkennung oder automatischen Geschlechtszuordnung könnten bestehende Stereotype reproduzieren. Darüber hinaus bestehe die Gefahr, dass queere Inhalte auf digitalen Plattformen eingeschränkt sichtbar gemacht werden. In Ländern, in denen queere Menschen nur unzureichend rechtlich geschützt sind, gewinnen zudem Datenschutzfragen besondere Bedeutung.

Neben den Risiken sehen viele queere Menschen jedoch auch Chancen. Genannt wird vor allem der Abbau von Zugangsbarrieren. Informationen, Beratungsangebote und Unterstützungsstrukturen könnten durch KI leichter auffindbar werden. Auch Eltern könnten dabei unterstützt werden, die queere Identität ihrer Kinder besser zu verstehen und sich über entsprechende Themen zu informieren.

Kate Ellis, Präsidentin und CEO von GLAAD, fordert deshalb den Einsatz menschlicher Kontrollmechanismen und eine kontinuierliche Weiterentwicklung von KI-Systemen, damit diese allen Menschen gerecht werden und Diskriminierungen nicht verstärken.

Mit diesen Fragen beschäftigt sich auch das Forschungsfeld „Queering AI“. Es untersucht, wie Künstliche Intelligenz so gestaltet werden kann, dass sie queere Menschen angemessen repräsentiert, bestehende Vorurteile nicht reproduziert und gesellschaftliche Ungleichheiten im besten Fall sogar abbauen hilft.

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In diesem Beitrag wird das Angebot "Mann liebt Mann" von Leben mit Behinderung Hamburg (LmBHH) beschrieben.

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Mann liebt Mann

  • offene Gruppe für erwachsene queere Männer mit und ohne Behinderungen aus dem Großraum Hamburg
  • weitgehend am letzten Samstag mit Monat
  • 15 bis 18 Uhr im Südring 36 bei LmBHH, 22303 Hamburg-Winterhude

Kontakt:

Weitere Angebote von LmBHH:

  • Selbsthilfegruppe (vernetzt mit KISS Hamburg)
  • Bildung und Beratung
  • LmbHH lädt regelmäßig externe Berater*innen ein von AIDS-Hilfe Hamburg, Hein und Fiete Schwuler Checkpoint, Polizei LSBTI Hamburg, Psychosozialer Dienst Hamburg, Mitarbeitende von LmBHH beispielsweise zum Thema "Leichte Sprache" und auch aus der Politik und der Freien und Hansestadt Hamburg.
  • "Sexuelle Gesundheit" und "Vielfalt des Lebens" wird auch deshalb immer angesprochen.
  • Und es gibt auch ein kostenloses Kaffeetrinken zum Erfahrungsaustausch und Kennenlernen.

Karl-Ernst Schmidt, derzeitige Leiter der Gruppe, schreibt:

"Einige Teilnehmer begleite und unterstütze ich auch bei 'Behinderte Schwule treffen sich' in der Akademie Waldschlösschen.

Zudem bin ich selbst seit Anfang der 1990er Jahre ehrenamtlich in AIDS-Hilfen aktiv und war zuletzt Vorstandsmitglied der AIDS-Hilfe Sylt (von 2000 bis 2017)."

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Bereits 2024 erschien die Broschüre „Demenz und queer“ für Schleswig-Holstein. Das Modellprojekt stieß auf große Resonanz und machte deutlich, dass bundesweit Bedarf an Orientierung und Sensibilisierung für die Lebensrealitäten queerer Menschen mit Demenz besteht. Daraufhin schlossen sich das Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein und die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz zusammen, um eine bundesweit nutzbare Ausgabe zu veröffentlichen.

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Menschen mit Demenz verlieren nach und nach Erinnerungen und damit oft auch den Zugang zu wichtigen Teilen ihrer Biografie. Gleichzeitig können weit zurückliegende Erlebnisse wieder stärker in den Vordergrund treten. Für queere Menschen kann dies besondere Herausforderungen mit sich bringen. Diskriminierungserfahrungen, Ausgrenzung oder frühere Lebenssituationen können erneut präsent werden. Gerade ältere queere Menschen haben teilweise strafrechtliche Verfolgung erlebt oder waren gezwungen, ihre Identität zu verbergen und in gesellschaftlich erwarteten Rollen zu leben. Mit fortschreitender Demenz kann es zudem vorkommen, dass Hemmschwellen sinken und Menschen sich erstmals oder erneut gegenüber ihrem Umfeld outen.

Die Broschüre möchte diese Perspektiven sichtbar machen und Angehörigen, Fachkräften, Beratungsstellen sowie Einrichtungen Orientierung bieten. Sie verbindet fachliche Informationen mit praxisnahen Empfehlungen und soll dazu beitragen, Diskriminierung vorzubeugen sowie Unsicherheiten im Umgang mit queeren Menschen mit Demenz abzubauen.

In einer Pressemitteilung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft vom 8. Juni 2026 betont Anneke Wilken-Bober vom Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein die Bedeutung von Verbündeten, sogenannten Allies, die sich für die LSBTIQ* Community einsetzen:

„Menschen mit Demenz sind nicht nur hetero und weiß. Vielfalt lebt vom Mitmachen und es braucht viele Menschen, die sich positionieren. Jahrzehntelang haben beispielsweise Lesben, Schwule und auch Trans* Personen um Sichtbarkeit gekämpft. Sie brauchen sogenannte ‚Allies‘, Verbündete: Menschen, die sich in unserer immer noch stark heteronorm geprägten Gesellschaft für sie einsetzen, im Kleinen und im Großen.“

Menschen mit Demenz sind in besonderem Maße auf ein respektvolles und unterstützendes Umfeld angewiesen. Umso wichtiger ist es, dass Angehörige, Pflegekräfte und andere Bezugspersonen sensibel auf unterschiedliche Lebensrealitäten eingehen und Diskriminierung entgegenwirken.

Mit „Demenz und queer – Vielfalt denken, sehen, ermöglichen“ liegt nun eine überarbeitete bundesweite Ausgabe vor. Ergänzend wurde eine Hörversion veröffentlicht, um die Barrierefreiheit des Angebots zu verbessern. Neu hinzugekommen ist unter anderem ein zusätzliches Kapitel zu Begrifflichkeiten unter dem Titel „Miteinander sprechen“.

Die Broschüre kann im Shop der Deutschen Alzheimer Gesellschaft kostenlos als PDF heruntergeladen oder als Druckversion bestellt werden. Ergänzend steht ein Informationsplakat zur Verfügung.

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In den Jahren 1984 und 1985 kam es in Großbritannien zum langwierigen Bergarbeiterstreik (Miners’ Strike). Die Regierung unter Margaret Thatcher plante die Schließung zahlreicher als unrentabel eingestufter Zechen. Rund 20.000 Bergarbeiter hätten dadurch ihren Arbeitsplatz verloren. Die Gewerkschaften riefen deshalb zum Streik gegen die Schließungspläne auf. Im Zuge des Konflikts wurden den Streikenden jedoch wichtige finanzielle Unterstützungsstrukturen entzogen, sodass viele Bergarbeiter auf Hilfe von außen angewiesen waren.

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Sie wandten sich an kleinere lokale Gruppen und Initiativen. Auch die LSBTIQ* Community in London wurde auf ihre Situation aufmerksam. Schnell formierte sich die Gruppe LGSM („Lesbians and Gays Support the Miners“), die Spenden für die streikenden Bergarbeiter sammelte. Insgesamt kamen 22.500 Pfund zusammen – umgerechnet etwa 70.000 Pfund nach heutigem Wert. Die Gruppe zeigte sich solidarisch mit den Arbeitern und unterstützte sie nicht nur finanziell, sondern auch moralisch. Viele Mitglieder der LSBTIQ* Community sahen Parallelen zwischen der Situation der Bergarbeiter und ihren eigenen Erfahrungen mit Ausgrenzung und fehlender gesellschaftlicher Unterstützung.

Die Bergarbeiter zeigten sich für diese Solidarität dankbar und beteiligten sich in den folgenden Jahren zahlreich an Pride-Paraden. Zwischen beiden Gruppen entstand eine besondere Verbindung, die bis heute in Erinnerung geblieben ist.

Doch was hat diese Geschichte mit der LSBTIQ* Community im Jahr 2026 zu tun? Die Partei Reform UK errang bei den Kommunalwahlen 2025 in Durham die Mehrheit und strich als eine ihrer ersten Maßnahmen die öffentliche Förderung der lokalen Pride Parade für das Jahr 2026. Daraufhin startete die Durham Miners' Association (DMA) einen Spendenaufruf. Innerhalb kurzer Zeit kamen 25.000 Pfund zusammen – mehr Geld, als zuvor von öffentlicher Seite für die Veranstaltung bereitgestellt worden war.

Dank dieser Unterstützung kann Durham im Jahr 2026 die größte Pride-Parade seiner Geschichte ausrichten.

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Sommer 2003: Auf dem Land aufzuwachsen ist oft nicht leicht. Für queere Jugendliche kommen häufig zusätzliche Herausforderungen hinzu: fehlende Anlaufstellen, wenige Möglichkeiten, sich auszuprobieren, kaum sichtbare Vorbilder und das Gefühl, dass jeder jeden kennt. Oft scheint der eigene Lebensweg bereits festzustehen, bevor überhaupt die Möglichkeit besteht herauszufinden, welcher Weg wirklich der eigene ist.

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Genau damit kämpft Dominik, einer der Hauptcharaktere in Kea von Garniers Roman „Restsommer“. Der Zehntklässler wächst im fiktiven Dorf Schönacker auf und steht unter dem Einfluss seines Vaters, der das örtliche Bestattungsunternehmen führt. Für ihn ist selbstverständlich, dass sein Sohn den Familienbetrieb eines Tages übernehmen wird. Dominik selbst hat jedoch andere Wünsche. Er möchte die Welt kennenlernen, Erfahrungen sammeln und herausfinden, wer er eigentlich ist.

„Es ist nur so, dass ich, bevor ich mich den Rest meines Lebens nur noch mit Toten beschäftige, gern selbst richtig gelebt hätte. Und bisher, so fühlt sich das hier draußen an, habe ich nichts erlebt. Ich existiere bloß.“ (S. 33)

Mit solchen Passagen beschreibt Kea von Garnier eindrücklich das Gefühl des Stillstands, das Dominik mit seinem Leben im Dorf verbindet. Das Bestattungsinstitut wird dabei immer wieder zu einem Symbol für die Enge und die Erwartungen, die auf ihm lasten.

Veränderung bringt Biff in Dominiks Leben. Der neue Mitschüler stammt aus Berlin und hat selbst eine schwierige Vergangenheit. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft, die für Dominik schnell eine tiefere Bedeutung gewinnt. Gemeinsam unternehmen sie Ausflüge nach Berlin und eröffnen sich neue Perspektiven. Gleichzeitig beginnt Dominik zu erkennen, dass auch Schönacker Seiten hat, die ihm Halt und Verlässlichkeit geben.

Der Roman beschäftigt sich zudem mit internalisierter Homophobie und der Unsicherheit, die viele queere Jugendliche beim Entdecken ihrer Gefühle erleben. Dominik fühlt sich zu Biff hingezogen, kann diese Gefühle jedoch zunächst weder einordnen noch aussprechen. In einer Rezension von queer.de wird hervorgehoben, dass Kea von Garnier dafür „sanfte und unaufgeregte Worte findet, ohne sie zum großen Konflikt des Romans zu machen“.

Auf rund 400 Seiten erzählt „Restsommer“ eine feinfühlige queere Coming-of-Age-Geschichte über Selbstfindung, Familie, erste Liebe und das Aufwachsen in ländlichen Räumen. Der Roman zeigt queeres Leben nicht als Ausnahmezustand, sondern als selbstverständlichen Teil des Erwachsenwerdens. Gerade für queere Menschen, die selbst auf dem Land aufgewachsen sind, dürfte die Geschichte viele vertraute Erfahrungen und Gefühle aufgreifen.

Infos zum Buch:

Autorin: Kea von Garnier
Erscheinungsdatum: 18.03.2026
ISBN: 9783896677853

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Am 27. Juni findet in Quickborn im Kreis Pinneberg zum zweiten Mal ein antifaschistischer Christopher Street Day (CSD) statt. Bereits im Vorfeld sorgt die inhaltliche Ausrichtung der Veranstaltung für Diskussionen.

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Die Organisator*innen verstehen den CSD ausdrücklich als antifaschistisch. Sie begründen dies damit, dass queere Menschen zu den zentralen Feindbildern rechtsextremer Akteur*innen gehören. Zudem verweisen sie auf die historischen Wurzeln der CSD-Bewegung. Die Stonewall-Proteste von 1969 seien von Widerstand gegen Diskriminierung und staatliche Repression geprägt gewesen. Antifaschismus sei daher von Beginn an Teil queerer Emanzipationsbewegungen gewesen.

In diesem Jahr ist zudem das Werben für politische Parteien auf der Veranstaltung untersagt. Die Organisator*innen begründen dies damit, dass der Einsatz für Sichtbarkeit, Gleichberechtigung und gesellschaftliche Teilhabe nicht für parteipolitische Zwecke instrumentalisiert werden solle.

Kritik an dieser Positionierung kommt unter anderem vom schwulen SPD-Politiker Christian Bergmann. In einem Artikel des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (shz) wirft er den Organisator*innen vor, „Pinkwashing von extremen politischen Positionen“ zu betreiben. Bergmann nimmt nach eigenen Angaben bereits seit den 1990er Jahren an CSDs teil, möchte der Veranstaltung in Quickborn in diesem Jahr jedoch fernbleiben, da er sich nicht als „linksautonomen Steinewerfer“ sehe.

Die Gleichsetzung von Antifaschismus und Extremismus begleitet die Debatte um den Quickborner CSD bereits seit seiner Premiere im vergangenen Jahr. Damals äußerten CDU und FDP Kritik und erhoben unter anderem Vorwürfe über verbale Angriffe auf Polizist*innen und Politiker*innen. Die Organisator*innen wiesen diese Darstellung zurück und verweisen angesichts der aktuellen Kritik auf ihre Stellungnahme aus dem Vorjahr.

Der Konflikt verdeutlicht die unterschiedlichen Auffassungen über die politische Ausrichtung von CSD-Veranstaltungen. Während die zu starke politische Positionierung der Veranstaltung mancherseits kritisiert wird, verstehen die Organisator*innen Antifaschismus als notwendigen Bestandteil queerer Interessenvertretung.

Nach Angaben verschiedener Organisationen und Medienberichte waren im Jahr 2025 zahlreiche CSD-Veranstaltungen von rechtsextremen Gegenprotesten, Störaktionen oder Einschüchterungsversuchen betroffen. Vor diesem Hintergrund begründen die Veranstalter*innen ihre antifaschistische Ausrichtung mit dem Schutz queerer Menschen und dem Einsatz gegen queerfeindliche und rechtsextreme Bestrebungen.

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Der Bereich Interdisziplinäre Schmerz- und Palliativambulanz / Neurologische Schmerzforschung des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) führt derzeit eine Studie zu Geschlechtsaspekten in der Schmerzverarbeitung durch und sucht dafür noch trans* und nicht-binäre Teilnehmende.

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Die Proband*innen sollten mindestens 18 Jahre alt und gesund sein. Gut eingestellte psychische oder körperliche Erkrankungen stellen jedoch nicht zwingend ein Ausschlusskriterium dar. Nicht mehr gesucht werden cisgeschlechtliche Personen sowie trans Männer, die eine Hormontherapie erhalten.

Die Studienteilnehmenden nehmen an einer einmaligen Untersuchung am UKSH in Kiel teil. Diese dauert etwa eine Stunde und 45 Minuten und umfasst das Ausfüllen von Fragebögen, eine Blutentnahme sowie verschiedene Verfahren zur Schmerzmessung. „Eine queer- und trans*-freundliche Atmosphäre ist gegeben“, heißt es im Flyer zur Studie. Alle Proband*innen erhalten eine Aufwandsentschädigung von 30 Euro.

Die Anmeldung erfolgt online. Bei Fragen oder Unsicherheiten kann eine E-Mail an schmerz-studie@web.de gesendet werden.

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