Echte Vielfalt

Lebensbereiche

Ein Theaterprojekt an einer Schule in Sachsen hat zuletzt landesweit Aufmerksamkeit erregt. Das Projekt wurde von zwei Ehrenamtlichen des Berliner Landesverbands der Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken angeleitet. Zu Beginn der Projektwoche wurde Material zum Anfertigen von Collagen bereitgestellt; darunter soll sich auch ein queeres Magazin mit pornografischen Inhalten befunden haben. Das Projekt wurde daraufhin abgebrochen.

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Eltern der Schüler*innen erstatteten Anzeige bei der Polizei, die aktuell wegen des Verdachts der Verbreitung pornografischer Inhalte an Minderjährige gegen die zwei Projektleitenden ermittelt. Zudem prüft das sächsische Kultusministerium, ob ein Verstoß gegen Vorgaben des sächsischen Schulgesetzes vorliegt.

Laut der Bundesvorsitzenden der Falken habe es sich um ein Versehen gehandelt; die Verwendung des Magazins sei nicht Teil des ursprünglichen Konzepts gewesen. Die Finanzierung des Projekts durch die Amadeu-Antonio-Stiftung wurde gestoppt; die Bundesvorsitzende kündigte an, Materialien bei zukünftigen Projekten strenger zu prüfen.

Die AfD-Fraktion hat auf den Vorfall hin eine aktuelle Stunde im Bundestag zu beantragt. Ihr bildungspolitischer Sprecher Götz Frömming äußerte Zweifel an einem Versehen. Er sprach von einem vermeintlich zunehmenden Einfluss linker NGOs an Schulen und stellte einen Zusammenhang zwischen dem Projekt und der Sexualität der Projektleitenden her. Diese Zuschreibung verschiebt die Debatte weg von Fragen der pädagogischen Qualität und kann zur Stigmatisierung queerer Menschen beitragen.

Eine solche Instrumentalisierung birgt zudem die Gefahr, notwendige Bildungsarbeit im Bereich Vielfalt und Demokratie zu delegitimieren. Im Kontext der Debatte um eine mögliche Abschaffung, Kürzung und/oder Neuausrichtung des Bundesprogramms Demokratie leben! erhält der Vorfall daher zusätzliche politische Brisanz. Kritisch gesehen werden kann dabei insbesondere die Art und Weise, wie die AfD den Einzelfall nutzt, um grundsätzliche Zweifel an Programmen der Demokratieförderung im Bildungssystem zu schüren.

Der Vorfall wird derzeit noch aufgearbeitet. Er macht deutlich, wie sensibel Bildungsarbeit im Feld von Vielfalt, Aufklärung und Schutzräumen gestaltet werden muss und wirft die Frage auf, wie Schulen bei der Zusammenarbeit mit externen Partnern künftig die Qualität von Bildungsprojekten sicherstellen können. Zugleich zeigt sich, wie wichtig es ist, Einzelfälle differenziert zu betrachten, um langfristige Bildungsziele im Bereich Demokratie und Vielfalt nicht durch pauschale Kritik zu gefährden.

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Die katholische Kirche ist in der Frage der Segnung homosexueller Paare weiterhin uneins. Papst Leo XIV., das Oberhaupt der katholischen Kirche, hat sich jüngst dazu geäußert und dabei auf Entscheidungen deutscher Bischöfe reagiert.

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In Deutschland liegt es im Ermessen der einzelnen Bistümer, ob sie die Segnung homosexueller Paare erlauben. Um eine kirchenrechtliche Grauzone zu vermeiden, können sie einer Handreichung folgen, die die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) im Jahr 2025 veröffentlicht haben. Darin ist der Ablauf sogenannter Segensfeiern geregelt. Papst Franziskus hatte entsprechende Segnungen bereits 2023 ermöglicht, zugleich jedoch betont, dass diese in einem eher informellen und nicht rituell verfestigten Rahmen stattfinden sollten.

Papst Leo XIV. spricht sich insbesondere gegen eine weitergehende Formalisierung dieser Segnungen aus, die er im Vorgehen deutscher Bischöfe erkennt. Diese empfehlen zunehmend, sich an der Handreichung von 2025 zu orientieren. Der Vatikan sei damit „nicht einverstanden über das hinaus, was von Papst Franziskus erlaubt wurde“, so Leo XIV. Er warnt vor möglichen Spannungen innerhalb der Kirche. Georg Bätzing, Bischof von Limburg, widerspricht dieser Einschätzung. Er sieht in den Segensfeiern keine Gefährdung der kirchlichen Einheit, sondern einen Dienst am Menschen, und kündigt an, an der Handreichung festzuhalten. Ähnlich positioniert sich auch das ZdK.

Eine kirchliche Trauung bleibt weiterhin ausschließlich heterosexuellen Paaren vorbehalten. Die Debatte verdeutlicht erneut das Spannungsverhältnis, in dem sich gläubige queere Menschen innerhalb der Kirche befinden. Auch wenn Papst Leo XIV. das Vorgehen der deutschen Bistümer bislang nicht grundsätzlich untersagt, dürfte die Segnung homosexueller Paare ein umstrittenes Thema bleiben.

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Am 27. April starten die diesjährigen Rainbow Days unter dem Motto „Vielfalt ist unser Hafen“ in Flensburg. Dort gibt es diverse Angebote für die LSBTIQ*-Community, Angehörige und Allies, um sich zu vernetzen, zu informieren und zu feiern. Der Höhepunkt ist der CSD in Flensburg am 17. Mai, wobei bis zum 21. Mai weitere Veranstaltungen stattfinden.

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Die Rainbow Days finden seit 2018 jährlich in Flensburg statt. Sie gingen aus den zuvor stattfindenden CSDs und queeren Aktionswochen im Jahr 2017 hervor. Veranstalter ist der vielfalt.SH e.V., ein Verein mit Sitz in Flensburg. Vielfalt.SH fungiert als Trägerverein für verschiedene Organisationen, darunter die Aidshilfe Nordfriesland und das Landesnetzwerk SCHLAU Schleswig-Holstein. Mit Beratungsangeboten zur sexuellen Gesundheit und Selbstbestimmung unterstützt der Verein queere Menschen, insbesondere im Norden Deutschlands.
Die Veranstaltungsreihe startet mit dem Regenbogenempfang in der Bürger*innenhalle des Flensburger Rathauses, zu dem unter anderem Samson Grzybek eingeladen ist. Grzybek ist Gründer*in von Queermed Deutschland. Queermed unterstützt queere Menschen im Gesundheitssystem und setzt sich für ein diskriminierungsfreies Gesundheitswesen ein. Eröffnet wird der Empfang vom Oberbürgermeister Dr. Fabian Geyer gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten Marie Sprute.
Im Anschluss erwarten die Teilnehmenden vielfältige Veranstaltungen, die ein breites Publikum ansprechen. Dazu gehören Austauschtreffen für verschiedene Gruppen innerhalb der Community, unter anderem ein Lesbenstammtisch, sowie Kulturangebote, Workshops und Partys.
Der CSD in Flensburg ist Teil der Rainbow Days und findet am 17. Mai statt. Das Datum wurde bewusst gewählt: Am 17. Mai ist der IDAHOBIT – der internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (englisch: International Day Against Homo-, Bi-, Inter- and Trans*phobia). Am 17. Mai 1990 strich die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität aus der Liste psychischer Krankheiten, weshalb dieses Datum jährlich als Aktionstag begangen wird.

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Im US-Bundesstaat Kansas wurde Ende Februar ein Gesetz verabschiedet, das ausschließlich Ausweisdokumente als gültig anerkennt, in denen das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht angegeben ist. Ohne Übergangsfrist verloren Führerscheine und Geburtsurkunden von trans* Personen damit ihre Gültigkeit.

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Die Regelung betrifft über 1000 trans* Personen, die nun einen neuen Führerschein beantragen müssen, während ihre zuvor gültigen Dokumente unbrauchbar werden. Betroffene sind häufig auf ihre Autos angewiesen – insbesondere im ländlich geprägten Kansas mit eingeschränktem öffentlichen Nahverkehr – etwa, um zur Arbeit zu gelangen. Auch der Weg zur zuständigen Behörde darf nicht mehr mit dem Auto zurückgelegt werden. Das Fahren ohne Führerschein kann rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, darunter eine Geldstrafe in Höhe von 1000 Dollar oder eine sechsmonatige Haftstrafe.

Nach der Ausstellung neuer Dokumente berichten Betroffene von einem erhöhten Risiko für Diskriminierung. In der Vergangenheit hatten viele trans* Personen ihren Geschlechtseintrag anpassen lassen, um Diskrepanzen zwischen Eintrag und äußerem Erscheinungsbild zu vermeiden und so Diskriminierung, insbesondere bei Kontrollen, vorzubeugen. Dieser Schritt zur Selbstbestimmung wird nun rückgängig gemacht.

In anderen Bundesstaaten wurde es trans* Personen bereits untersagt, ihren Geschlechtseintrag anzupassen. Die neue Gesetzgebung in Kansas verschärft diese Entwicklung und erklärt auch rückwirkend Ausweisdokumente mit rechtmäßig geänderten Geschlechtseinträgen für ungültig.

Das Gesetz SB 244 betrifft nicht ausschließlich Ausweisdokumente mit geändertem Geschlechtseintrag, sondern reglementiert auch die Nutzung von Toiletten und Umkleiden in staatlichen Gebäuden. Diese sollen künftig nach dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht getrennt werden. Darüber hinaus dürfen Privatpersonen, die einen Verstoß gegen dieses Gesetz vermuten, Klage erheben und Schadensersatz in Höhe von 1000 Dollar fordern. Kritiker*innen sprechen hierbei von „Kopfgeldjägern“, die auf vermeintliche trans Personen angesetzt würden. Eine Zunahme von Fehlbeschuldigungen und zusätzliche Unsicherheiten für trans* Personen werden erwartet.

Gegen das Gesetz formiert sich Widerstand. Die Demokratische Gouverneurin Laura Kelly legte ein Veto ein, das jedoch von der Republikanischen Mehrheit im Parlament überstimmt wurde. Im Namen von zwei trans* Personen klagt die American Civil Liberties Union (ACLU) gemeinsam mit der Anwaltskanzlei Ballard Spahr LLP gegen das Gesetz. Die Organisationen argumentieren, dass es den in der Verfassung von Kansas verankerten Grundsätzen von Gleichheit vor dem Gesetz, Privatsphäre und Selbstbestimmung widerspreche.

Eine gerichtliche Anhörung ist für den 29. September 2026 angesetzt.

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Auch 2026 wurde mit dem Teddy Award im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin einer der bedeutendsten Preise für queeres Kino vergeben. Seit seiner Gründung 1987 steht der Teddy Award für die Würdigung von Filmen, die lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, inter* und nicht-binäre Lebensrealitäten sichtbar machen.

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Der Teddy Award gilt als Hinweis für gesellschaftliche Entwicklungen und politische Kämpfe innerhalb der queeren Community weltweit. Auch in diesem Jahr zeigte sich, dass queeres Kino vielfältig, widerständig und international vernetzt ist.

Viele der ausgezeichneten Filme greifen Themen auf, die über individuelle Geschichten hinausgehen: Sie zeigen Repressionen gegen queere Menschen in autoritären Staaten, Fragen von Identität und Zugehörigkeit, aber auch queere Lebensfreude, Solidarität und Selbstermächtigung. Gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung setzt der Teddy Award damit ein deutliches Zeichen für Sichtbarkeit und Menschenrechte.

Die Bandbreite der prämierten Filme spiegelt die Diversität queerer Lebensrealitäten wider. Dokumentar-, Spiel- und Kurzfilme eröffnen unterschiedliche Zugänge: von sehr persönlichen, intimen Geschichten bis hin zu politisch aufgeladenen Narrativen. Auffällig war in diesem Jahr erneut die starke Präsenz von trans* und nicht-binären Perspektiven sowie intersektionalen Erzählungen, in denen queere Identität mit Fragen von Herkunft, Rassismus oder sozialer Ungleichheit verwoben ist.

Auch wurde deutlich, wie unterschiedlich queeres Leben weltweit geprägt ist: Während in einigen Ländern Fortschritte bei Gleichstellung und Akzeptanz erzielt wurden, sehen sich queere Menschen andernorts massiver Diskriminierung oder sogar Verfolgung ausgesetzt. Die ausgezeichneten Filme geben diesen Realitäten ein Gesicht. Sie erzählen von Mut und Widerstand, aber auch von Verletzlichkeit. Sie schaffen Empathie und Verständnis über kulturelle und geografische Grenzen hinweg.

Auch fast vierzig Jahre nach seiner Einführung hat der Teddy Award nichts an Relevanz verloren. Im Gegenteil - in einer Zeit, in der queere Rechte in vielen Teilen der Welt erneut unter Druck geraten, ist kulturelle Sichtbarkeit ein zentraler Bestandteil politischer Teilhabe. Damit bleibt der Preis ein wichtiger Bestandteil der internationalen Filmkultur – und ein starkes Zeichen für eine offene, vielfältige Gesellschaft.

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Als der spanische Fußballprofi Borja Iglesias im März dieses Jahres erneut queerfeindlich beleidigt wurde und darauf mit den Worten reagierte, er sei „lieber schwul als homophob“, war das mehr als ein persönliches Statement. Es war ein Spiegel für ein System, das queere Identitäten im Männerfußball noch immer unsichtbar hält.

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Ein aktuelles Beispiel: Christian Dobrick

Ein wichtiges Signal setzte zuletzt der Trainer von FC St. Pauli, Christian Dobrick, der sich öffentlich als homosexuell geoutet hat. Sein Schritt wurde von vielen Seiten als mutig und richtungsweisend bewertet. Dobrick selbst betonte, dass er mit seinem Coming-out auch anderen im Fußball Mut machen wolle. Die Reaktionen aus Verein, Fanszene und Öffentlichkeit fielen überwiegend positiv aus. Dennoch zeigt gerade dieser Fall, wie außergewöhnlich ein solches Outing im Profifußball nach wie vor ist.

Deutschland: Fortschritt auf dem Papier, Stillstand auf dem Platz?

In Deutschland gibt es zahlreiche Initiativen für Vielfalt im Fußball. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) positioniert sich öffentlich gegen Diskriminierung, Vereine beteiligen sich an Kampagnen, Stadien zeigen Regenbogenflaggen. Dennoch gibt es keinen offen schwulen aktiven Spieler in der Bundesliga. Dahinter stehen die Angst vor den Reaktionen der Fans, die Sorge um Karrierechancen sowie Unsicherheiten im Umgang innerhalb von Teams.

Die Initiative Fußball für Vielfalt und auch Kampagnen wie #ihrkönntaufunszählen zeig(t)en zwar Wirkung im Diskurs, haben aber bislang nicht dazu geführt, dass sich Spieler sicher genug fühlen, offen zu leben.

Der ehemalige DDR-Nachwuchsspieler Marcus Urban beendete seine Karriere, weil er seine Homosexualität nicht offen leben konnte. Erst Jahre später machte er sie öffentlich und wurde zu einer der wichtigsten Stimmen für Vielfalt im Fußball. Seine Geschichte ist kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Beispiel: Talent allein reicht nicht, wenn das Umfeld nicht sicher ist. Urban selbst betont immer wieder, dass sich zwar die gesellschaftliche Debatte verändert habe, die Strukturen im Profifußball jedoch deutlich weniger.

Frauenfußball: Sichtbarer, aber nicht gleichgestellt

Während im Männerfußball Unsichtbarkeit vorherrscht, zeigt sich im deutschen Frauenfußball ein anderes Bild. Spielerinnen wie Almuth Schult oder internationale Stars, die auch in der Bundesliga spielen, gehen offen(er) mit queeren Identitäten um. Das wirkt zwar auf den ersten Blick progressiv, doch auch hier gilt: Sichtbarkeit bedeutet nicht automatisch Gleichberechtigung und die Medienaufmerksamkeit bleibt oft hinter der des Männerfußballs zurück. Die Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfußball machen deutlich, dass es nicht nur um Akzeptanz geht, sondern um gesellschaftliche Zuschreibungen.

Was sich ändern muss

Wenn der deutsche Fußball wirklich vielfältig sein will, braucht es mehr als Kampagnen. Notwendig sind beispielsweise verlässliche Schutzstrukturen für Spieler*innen, klare Sanktionen bei Diskriminierung im Stadion und online, verbindliche Diversity-Konzepte in Vereinen und Verbänden sowie sichtbare Unterstützung durch Führungspersonen im Sport. Vor allem aber braucht es ein Klima, in dem ein Coming-out nicht als Risiko, sondern als Selbstverständlichkeit gilt.

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Queere Geschichte ist oft unsichtbar, sie handelt vom Leben im Verborgenen, von Netzwerken, die sich hinter verschlossenen Türen bildeten und von Kämpfen um Anerkennung. Doch gerade in Norddeutschland haben sich zwischen Hafenstädten, Arbeiterbewegungen und Universitätsstädten vielfältige queere Kulturen entwickelt.

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Heute bemühen sich Initiativen, Archive und Community-Projekte darum, diese Geschichten sichtbar zu machen. Ein zentraler Bezugspunkt queerer Erinnerungskultur ist die Verfolgung während des Nationalsozialismus. Homosexuelle Männer wurden nach § 175 des Strafgesetzbuches verfolgt; rund 50.000 Männer wurden verurteilt, viele weitere inhaftiert oder in Konzentrationslager deportiert.

Verschiedene Projekte versuchen heute, diese oft vergessenen Geschichten sichtbar zu machen. Ausstellungen wie Gefährdet leben, die beispielsweise in Bremen gezeigt wurde und ab April in Goslar zu sehen sein wird, erzählen von Biografien queerer Menschen zwischen Anpassung, Widerstand und Überleben.

Hamburg spielt in der queeren Geschichte Norddeutschlands eine besondere Rolle. Schon früh entwickelte sich rund um den Stadtteil St. Georg eine sichtbare Community:  Bars, Treffpunkte und politische Initiativen machten das Viertel zu einem zentralen Ort queeren Lebens. Neben politischem Aktivismus wächst auch die Erinnerungskultur. Projekte wie der Queer History Month Hamburg laden jedes Jahr im Mai dazu ein, die Geschichte queerer Communities durch Stadtführungen, Lesungen und Ausstellungen neu zu entdecken.

Bei der Aufarbeitung queerer Geschichte spielt Kultur eine wichtige Rolle. Ein Beispiel ist der Hamburger Dokumentarfilm „Verzaubert – Lesben und Schwule erzählen Geschichte“ (1993, seit 2010 auf DVD). Der Film porträtiert ältere Hamburger Lesben und Schwule und ihre Erfahrungen während der NS-Zeit und der frühen Bundesrepublik – ein damals außergewöhnliches Projekt, weil viele Betroffene jahrzehntelang über ihre Lebensgeschichten geschwiegen hatten (hier geht’s zum Trailer).

Die Entwicklung einer queeren Erinnerungskultur ist eng mit politischem Engagement verbunden. Organisationen und Initiativen wie der LSVD+ Verband Queere Vielfalt haben jahrzehntelang dafür gekämpft, dass queere Opfer des Nationalsozialismus offiziell anerkannt werden und Teil der öffentlichen Gedenkkultur sind.

Queere Geschichte ist kein Randthema der Geschichtsschreibung. Sie erzählt von gesellschaftlichen Normen, Demokratiebewegungen und individuellen Lebenswegen, die lange übersehen wurden.

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Der bundesweite „Tag des Gesundheitsamtes“ am 19. März 2026 stand unter dem Motto „Vielfalt für Gesundheit“ und erwies sich somit insbesondere für die LSBTIQ*-Community als relevant: Denn queere Menschen stoßen noch immer auf strukturelle Hürden, Diskriminierung und Versorgungslücken.

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Der Aktionstag bot daher nicht nur Einblicke in die Arbeit der Gesundheitsämter, sondern auch eine wichtige Plattform, um auf bestehende Ungleichheiten aufmerksam und Lösungsansätze sichtbar zu machen.

Gesundheit ist nicht für alle gleich zugänglich

Gesundheitliche Chancengleichheit ist ein zentrales Ziel des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD). Doch für viele LSBTIQ*-Personen ist der Zugang zu angemessener Versorgung weiterhin erschwert. Studien (z.B. LSVD+, Timmermann et al.) zeigen eine häufig höhere psychische Belastung durch Diskriminierung und Minderheitenstress, erhöhte Risiken für Depressionen und Angststörungen sowie Barrieren beim Zugang zu sensibler und kompetenter Gesundheitsversorgung. Insbesondere trans*, inter* und nicht-binäre Menschen berichten häufig von fehlender Fachkenntnis im medizinischen System oder von Erfahrungen mit Stigmatisierung.

Der Tag des Gesundheitsamtes 2026 griff diese Herausforderungen auf und machte deutlich: Diversität im Gesundheitswesen bedeutet auch, sexuelle und geschlechtliche Vielfalt konsequent mitzudenken.

Gesundheitsämter als niedrigschwellige Anlaufstellen

Gerade Gesundheitsämter spielen für viele Menschen eine zentrale Rolle, unabhängig von Versicherungsstatus oder finanziellen Möglichkeiten. Auch für die LSBTIQ*-Community sind sie häufig erste Anlaufstellen, zum Beispiel bei anonymen HIV- und STI-Testangeboten, sexualpädagogischer Beratung, psychosozialer Unterstützung sowie Präventionsarbeit in Community-Kontexten.

Viele Gesundheitsämter haben ihre Angebote in den letzten Jahren gezielt weiterentwickelt, um queere Lebensrealitäten stärker zu berücksichtigen. Dazu gehören:

  • geschulte Fachkräfte zu LSBTIQ*-Themen
  • diversitätssensible Sprache und Kommunikation
  • Kooperationen mit queeren Beratungsstellen und Initiativen

Beispiele aus Kommunen wie Berlin oder Mannheim zeigen, dass solche Ansätze nicht nur die Inanspruchnahme erhöhen, sondern auch Vertrauen schaffen.

Sichtbarkeit schafft Vertrauen

Ein zentrales Thema des Aktionstages war die Frage, wie Gesundheitsangebote für LSBTIQ*-Menschen sichtbarer und zugänglicher gemacht werden können. Denn viele queere Menschen vermeiden medizinische Angebote, wenn sie Diskriminierung befürchten oder negative Erfahrungen gemacht haben. Sichtbarkeit kann konkret bedeuten, Regenbogen-Symbole oder klare Diversity-Statements in Einrichtungen zu zeigen oder Informationsmaterialien zu veröffentlichen, die verschiedene Lebensrealitäten abbilden. Auch kann gezielt mit queeren Netzwerken kooperiert werden.

Solche Maßnahmen sind nicht nur symbolisch, sondern signalisieren Zugehörigkeit und können entscheidend dazu beitragen, gesundheitliche Versorgung tatsächlich erreichbar zu machen.

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Queerfeindlichkeit ist kein Randphänomen. Sie ist zunehmend Teil politischer Mobilisierung, sichtbar im Netz, aber auch auf der Straße. Der Blick auf aktuelle Entwicklungen zeigt: Was lange als „Online-Hetze“ abgetan wurde, hat reale Konsequenzen. Vor diesem Hintergrund lädt die Bundeszentrale für politische Bildung zu einer wichtigen Veranstaltung ein, die genau diese Dynamiken in den Fokus rückt.

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„Queerfeindlichkeit: Rechtsextreme Mobilisierung zwischen Online-Hetze und Straßenpräsenz“
Online (Zoom)
17. April 2026, 10:00 – 14:00 Uhr
Teilnahme kostenfrei

Weitere Infos: Veranstaltung und Anmeldung

Der Online-Fachtag richtet sich an ein Fachpublikum aus Verwaltung, Sicherheitsbehörden, Bildung und Zivilgesellschaft und ist zugleich für alle relevant, die sich mit den aktuellen Entwicklungen rund um Queerfeindlichkeit auseinandersetzen wollen.

Vom Kommentar zur Gewalt: Wie Hass entsteht

Die Veranstaltung greift eine Entwicklung auf, die sich in den letzten Jahren deutlich verschärft hat: das Zusammenspiel von digitaler Radikalisierung und realweltlicher Gewalt. Rechtsextreme Akteur*innen nutzen gezielt soziale Medien und Online-Plattformen, popkulturelle Codes und jugendaffine Inhalte sowie einfache Feindbilder, darunter queere Menschen. Queerfeindlichkeit fungiert dabei als zentrales Bindeglied: Sie ist anschlussfähig, emotional aufgeladen und dient als Einstieg in weitergehende extremistische Ideologien, so die Veranstalter*innen der Tagung. Was online beginnt, endet nicht selten offline. Beleidigungen, Bedrohungen und Angriffe stehen häufig am Ende eines Prozesses, in dem menschenfeindliche Narrative über längere Zeit normalisiert wurden.

Angriffe auf Sichtbarkeit: CSDs im Fokus

Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung bei Veranstaltungen im Rahmen des Christopher Street Days. In den vergangenen Jahren kam es bundesweit zu organisierten Störaktionen, Einschüchterungsversuchen, körperlichen Angriffen und gezielten Gegenmobilisierungen. Was zunächst lokal wirkt, ist laut Analyse der bpb Teil eines bundesweiten Musters rechtsextremer Mobilisierung. CSDs werden dabei bewusst als Bühne genutzt: sichtbar, öffentlich, symbolisch – und damit besonders geeignet für Provokation und Eskalation.

Die Rolle digitaler Räume

Digitale Plattformen spielen eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung queerfeindlicher Inhalte. Studien zeigen, dass algorithmische Strukturen polarisierende Inhalte verstärken können und so zur Radikalisierung beitragen. Das bedeutet beispielsweise, dass Hass und Ablehnung sichtbarer werden, extreme Positionen normaler wirken und sich die Grenzen des Sagbaren verschieben. Diese Dynamiken betreffen nicht nur klassische rechtsextreme Szenen, sondern reichen bis in gesellschaftliche Debatten hinein.

Queerfeindlichkeit als politisches Instrument

Queerfeindlichkeit ist nicht nur Ausdruck von Vorurteilen. Sie wird auch strategisch eingesetzt und funktioniert als niedrigschwelliger Einstieg in extremistische Ideologien sowie als Mittel zur Abgrenzung gegenüber einer offenen Gesellschaft. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Unsicherheit gewinnen solche Narrative an Attraktivität.

Der Fachtag der Bundeszentrale für politische Bildung setzt genau hier an und fragt:

  • Wie verändern sich rechtsextreme Strategien?
  • Wie werden queerfeindliche Straftaten erfasst?
  • Welche Lücken gibt es in Prävention und Schutz?
  • Und was kann politische Bildung leisten?

Solche Räume sind entscheidend, um Wissen zu bündeln, Strategien zu entwickeln und Handlungsmöglichkeiten sichtbar zu machen.

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Das Projekt Queer Treasury verfolgt das Ziel, eine Datenbank für Literatur zum Thema Queer aufzubauen. Eine zentrale Anlaufstelle, wie Queer Treasury werden soll, existiert im deutschsprachigen Raum bislang nicht. Das erschwert das Suchen und Finden von fundierter Literatur zu diesem Thema.

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Ein Thesaurus ist ein wichtiger Bestandteil einer Datenbank, um die Suche zu erleichtern. Beispielsweise kann er für Schlagwortvergaben genutzt werden, sodass unter anderem Bücher besser gefunden werden. Doch auch ein solcher Thesaurus existiert im deutschsprachigen Raum für queere Begriffe bisher nicht.
Ioanna Danai Katsougiannopoulou und Ha Thao Suong Vu vom Landesverband AndersARTiG e. V. forschen im Bereich der Informationsaufbereitung, -zugänglichmachung und -vermittlung.
Mit der „Umfrage für die Erstellung eines deutschsprachigen Thesaurus zum Thema Queer“ möchten sie herausfinden, wie so ein Thesaurus aussehen könnte und diesen erstellen. Die Befragung richtet sich an Mitglieder von queeren Vereinen und Organisationen, Forschende und Fachkräfte.
Die Umfrage ist anonym. Es werden keine Daten erhoben, die Rückschlüsse auf die eigene Person möglich machen. Die Bearbeitungszeit liegt bei ca. 20 Minuten.
Die Umfrage kann bis zum 31. März 2026 beantwortet werden.
Hier ist der Link zur Umfragehttps://forms.office.com/e/0djZvFkgyB
Weitere Informationen zum Vorhaben sowie Kontaktangaben finden sich in diesem Poster, das auch gerne ausgedruckt und verteilt werden kann: Poster Queer Treasury