Am 25.08. starb Dolly Parton im Alter von 80 Jahren in ihrem Zuhause in Nashville. Auf ihren Tod reagierten zahlreiche prominente Persönlichkeiten, aber auch viele Menschen aus der queeren Community, für die Parton über Jahrzehnte zu einer wichtigen Ikone geworden war. Dabei gelang es ihr, sowohl ein konservativ geprägtes Country-Publikum zu erreichen als auch von queeren Menschen gefeiert zu werden.
Parton wurde im US-Bundesstaat Tennessee geboren. Mit weltbekannten Liedern wie „Jolene“ und „I Will Always Love You“ wurde sie zu einer der bekanntesten Country-Sänger*innen weltweit. Zu einem Bezugspunkt für die queere Community wurde sie dabei nicht gezielt. Parton selbst führte ihre akzeptierende Haltung gegenüber queeren Menschen unter anderem auf ihre religiöse Erziehung zurück. Die Verbindung von christlichem Glauben und öffentlicher Akzeptanz queerer Menschen war insbesondere in der US-amerikanischen Country-Szene der 1980er- und 1990er-Jahre keineswegs selbstverständlich.
Parton unterstützte Aidshilfen mit Spenden und solidarisierte sich öffentlich mit der queeren Community. Unter anderem setzte sie sich für trans* Menschen und die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare ein. 2005 schrieb Parton den Titelsong für den Film „Transamerica“. Bereits in ihrem Lied „Family“ von 1991 thematisierte sie die Akzeptanz schwuler Menschen. Als eine Frau im Freizeitpark Dollywood von einem Mitarbeiter aufgefordert wurde, ihr T-Shirt mit einer Aufschrift zur Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Ehen umzudrehen, reagierte Parton mit einem öffentlichen Statement. Darin entschuldigte sich die Sängerin und bekräftigte ihre Unterstützung für die queere Community.
Häufig hervorgehoben wird auch Partons Verbindung zur Drag-Community. Die Countrysängerin erzählte mehrfach von einem besonderen Erlebnis: Heimlich nahm sie an einem Dolly-Parton-Doppelgänger-Wettbewerb in einer Schwulenbar in West Hollywood teil. Den Wettbewerb gewann die Person, die den meisten Applaus vom Publikum erhielt. Parton selbst bekam nur wenig Applaus – eine Geschichte, die sie später immer wieder humorvoll erzählte.
Partons gesellschaftliches Engagement ging über ihren Einsatz für queere Menschen hinaus. Über die von ihr gegründete Imagination Library wurden Hunderte Millionen Bücher an Kinder verschenkt. Außerdem spendete Parton eine Million US-Dollar für die Corona-Forschung an der Vanderbilt University in Nashville und unterstützte damit Forschungsarbeiten, die zur Entwicklung des Moderna-Impfstoffs beitrugen.
Nach ihrem Tod würdigten zahlreiche Musiker*innen Partons Leben und Werk, darunter Taylor Swift, Miley Cyrus, Mick Jagger, Paul McCartney und Elton John. Auch die ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama und Bill Clinton äußerten sich zu ihrem Tod. US-Präsident Donald Trump ordnete an, die amerikanischen Flaggen im Land für eine Woche auf halbmast zu setzen. Für viele Menschen in der queeren Community bleibt Parton neben ihrem musikalischen Lebenswerk auch aufgrund ihrer jahrzehntelangen öffentlichen Unterstützung queerer Menschen in Erinnerung.
