Echte Vielfalt

22. September 2026

Bischof Stefan Oster: Vielfalt entspreche nicht dem biblischen Menschenbild und könne in die Diktatur führen

Im vergangenen Monat sorgte der Passauer Bischof Stefan Oster mit seiner Predigt zu Mariä Himmelfahrt erneut für Kritik. Darin sprach er unter anderem über CSD-Teilnehmende und stellte einen Zusammenhang zwischen zunehmendem Atheismus, gesellschaftlicher Vielfalt und einer möglichen Gefährdung der Demokratie her.

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CN: Homophobie, Transphobie, religiöser Kontext

Queere Menschen seien für ihn zwar Ausdruck der Freiheit, die eine Demokratie ermögliche. Die „geglaubte Nichtexistenz Gottes“ erweitere jedoch den gesellschaftlichen Kontext so stark, dass die entstehende Vielfalt nicht mehr dem biblischen Menschenbild entspreche. Durch eine größere Vielfalt würden die Menschen immer weiter auseinandergehen und das Gegeneinander verschiedener Interessen würde sich verstärken, so Oster. Dadurch könne der Wunsch nach einfachen Lösungen und einer starken Autorität an der Spitze wachsen und letztlich in eine Diktatur führen.

Oster hat sich bereits in der Vergangenheit wiederholt kritisch über queere Lebensweisen geäußert. So kritisierte er den ehemaligen Unionsfraktionschef Jens Spahn, nachdem dieser seine Familie mithilfe einer Leihmutter gegründet hatte. 2015 äußerte Oster die Ansicht, schwule und lesbische Menschen hätten eine unausgereifte Sexualität, und unterstellte einen vermeintlichen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie. 2021 vertrat Oster in einer Predigt weitere umstrittene Positionen zu queeren Menschen. Er verglich intersexuelle Körpermerkmale mit medizinischen Fehlbildungen, stellte geschlechtliche Transitionen grundsätzlich infrage und forderte von homosexuellen Menschen ein Leben ohne sexuelle Beziehungen. Als Alternative beschrieb er eine „geistliche Verbindung mit Christus“.

Kritik an Osters jüngsten Aussagen kommt unter anderem vom Katholischen LSBT+ Komitee und vom Passauer Bundestagsabgeordneten Luke Hoß (Die Linke). Das Komitee, in dem sich queere katholische Organisationen zusammengeschlossen haben, bezeichnete Osters Äußerungen als abwegig. Zudem kritisierte es den Zeitpunkt der Aussagen vor dem Hintergrund des Anschlags am Rande des Berliner CSD: „Dieser Angriff hätte eine klare Verurteilung und unmissverständliche Solidarität mit den Betroffenen erfordert“, heißt es in der Stellungnahme des Komitees.

Auch Hoß reagierte deutlich und legte Oster einen Rücktritt nahe. Er widersprach insbesondere der Darstellung queerer Vielfalt als Gefahr für die Demokratie und erklärte seinerseits, Menschen, die Queerness als unnormal betrachteten, seien eine Gefahr für die Demokratie. Die Kontroverse um Osters Predigt reiht sich damit in die anhaltende Auseinandersetzung innerhalb der katholischen Kirche über den Umgang mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt ein.

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