Kino als Ort der Sichtbarkeit: Jedes Jahr im Herbst versammeln sich queere Filmfans, Filmschaffende und Kulturinteressierte in Hamburg, wenn die Vielfalt queerer Lebensrealitäten in den Mittelpunkt rückt. Das Hamburg International Queer Film Festival (HiQFF) gilt heute als Deutschlands ältestes und größtes queeres Filmfestival und ist längst ein fester Bestandteil der Hamburger Kulturlandschaft.
Die Wurzeln des Festivals reichen bis in die späten 1980er-Jahre zurück. Entstanden ist die Idee aus einem Seminar an der Universität Hamburg zum damals noch wenig erforschten Thema „Homosexualität im Film“. Aus der Zusammenarbeit mit dem kommunalen Kino Metropolis gingen schließlich die ersten „Lesbisch Schwulen Filmtage Hamburg“ hervor, die im Sommer 1990 erstmals stattfanden. 1995 wurde der Verein Querbild e. V. gegründet, der bis heute als Veranstalter und Träger des Festivals fungiert.
Seit seinen Anfängen hat sich das Festival kontinuierlich weiterentwickelt. Aus einer vergleichsweise kleinen Veranstaltungsreihe wurde eines der wichtigsten queeren Kulturevents Deutschlands. Im Jahr 2021 erfolgte die Umbenennung von „Lesbisch Schwule Filmtage Hamburg“ in Hamburg International Queer Film Festival, um die Vielfalt queerer Identitäten und Erfahrungen auch im Namen sichtbar zu machen.
Heute lockt das Festival jedes Jahr rund 15.500 Besucher*innen in Hamburger Kinos und zu den begleitenden Veranstaltungen. Organisiert wird es weiterhin überwiegend ehrenamtlich und aus der Community heraus. Gerade diese enge Verbindung zur queeren Community macht einen wesentlichen Teil des Festivals aus.
Das Selbstverständnis des Festivals geht dabei weit über das reine Zeigen von Filmen hinaus. Es beschreibt sich als Ort für vielfältige internationale Filmkultur und für den gesellschaftlichen Austausch über queere Themen. Dort können auch das aktuelle Programm eingesehen und Tickets gekauft werden. Neben Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen gehören Gespräche mit Filmschaffenden, Workshops, Vorträge und Partys zum Programm. Das Festival schafft damit Räume für Begegnungen, Diskussionen und Vernetzung innerhalb der Community sowie mit einem breiten Publikum.
Besonderes Augenmerk liegt auf der internationalen Perspektive. Gezeigt werden Produktionen aus unterschiedlichen Ländern, die queere Lebensrealitäten sichtbar machen und gesellschaftliche Fragen aufgreifen. Die Filme erzählen von Liebe, Identität, Familie, Diskriminierung, politischem Widerstand und Selbstbestimmung. Damit trägt das Festival dazu bei, queere Geschichten auf die große Leinwand zu bringen und Stimmen zu stärken, die im Mainstream-Kino häufig unterrepräsentiert sind.
