Statt der Regenbogenflagge wird eine abgewandelte Form in Schwarz-Rot-Gold verwendet. Aus dem Pride Month wird der „Stolzmonat“. Dabei handelt es sich jedoch nicht einfach um eine deutsche Übersetzung. Vielmehr wird der Begriff in rechten Kreisen als Gegenentwurf zum Pride Month genutzt.
Anstelle von Sichtbarkeit und Vielfalt stehen Nationalstolz und die Abgrenzung von queeren Menschen im Mittelpunkt. Der „Stolzmonat“ gilt damit als rechte Gegenkampagne. Seine genaue Entstehung lässt sich nicht eindeutig zurückverfolgen. 2023 wurde der „Stolzmonat“ insbesondere über soziale Medien, vor allem auf TikTok, bekannt. Bereits 2021 veröffentlichte die Junge Alternative Sachsen-Anhalt auf Twitter einen Beitrag mit der abgewandelten Deutschlandflagge und dem Hashtag „#Pride2021“, verbunden mit einem Bekenntnis zum Nationalstolz. Zahlreiche Nutzer*innen änderten daraufhin den Hintergrund ihres Profilbildes in die Flagge des „Stolzmonats“. Zu den bekanntesten Unterstützern zählen neben Akteuren der sogenannten Neuen Rechten wie Martin Sellner auch die AfD-Politiker Björn Höcke und Maximilian Krah. Krah verloste unter anderem „Stolzmonat“-Trikots mit seiner Unterschrift, die optisch an das EM-Trikot der deutschen Nationalmannschaft angelehnt waren.
Nach Einschätzung der Politikwissenschaftlerin Natascha Strobl geht es der politischen Rechten darum, die Sichtbarkeit einer marginalisierten Gruppe als Angriff auf die Mehrheitsgesellschaft darzustellen. Dadurch inszeniere sie sich selbst als Opfer des Pride Month und der Menschen, die ihn unterstützen. An die Stelle queerer Sichtbarkeit trete Nationalstolz, gleichzeitig werde gezielt Stimmung gegen die LSBTIQ*-Community gemacht. Queere Menschen werden dabei häufig unter Schlagworten wie der angeblichen „Frühsexualisierung“ als Gefahr für Kinder dargestellt. Dass diese Rhetorik nicht folgenlos bleibt, zeigen die zunehmenden Angriffe und Bedrohungen von Pride-Veranstaltungen in den vergangenen Jahren.
Auch innerhalb der queeren Community regte sich Widerstand gegen den „Stolzmonat“. So ließ sich der Aktivist Fabian Grischkat 2024 den Begriff als Wortmarke eintragen und brachte eine gleichnamige Kollektion heraus. Die Gewinne werden nach eigenen Angaben vollständig an die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld gespendet. Der Anwalt und AfD-Politiker Sascha Schlösser legte gegen die Eintragung Widerspruch ein. Dieser wurde jedoch zurückgewiesen, sodass die Marke bestehen blieb.
