Am 27. Juni findet in Quickborn im Kreis Pinneberg zum zweiten Mal ein antifaschistischer Christopher Street Day (CSD) statt. Bereits im Vorfeld sorgt die inhaltliche Ausrichtung der Veranstaltung für Diskussionen.
Die Organisator*innen verstehen den CSD ausdrücklich als antifaschistisch. Sie begründen dies damit, dass queere Menschen zu den zentralen Feindbildern rechtsextremer Akteur*innen gehören. Zudem verweisen sie auf die historischen Wurzeln der CSD-Bewegung. Die Stonewall-Proteste von 1969 seien von Widerstand gegen Diskriminierung und staatliche Repression geprägt gewesen. Antifaschismus sei daher von Beginn an Teil queerer Emanzipationsbewegungen gewesen.
In diesem Jahr ist zudem das Werben für politische Parteien auf der Veranstaltung untersagt. Die Organisator*innen begründen dies damit, dass der Einsatz für Sichtbarkeit, Gleichberechtigung und gesellschaftliche Teilhabe nicht für parteipolitische Zwecke instrumentalisiert werden solle.
Kritik an dieser Positionierung kommt unter anderem vom schwulen SPD-Politiker Christian Bergmann. In einem Artikel des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (shz) wirft er den Organisator*innen vor, „Pinkwashing von extremen politischen Positionen“ zu betreiben. Bergmann nimmt nach eigenen Angaben bereits seit den 1990er Jahren an CSDs teil, möchte der Veranstaltung in Quickborn in diesem Jahr jedoch fernbleiben, da er sich nicht als „linksautonomen Steinewerfer“ sehe.
Die Gleichsetzung von Antifaschismus und Extremismus begleitet die Debatte um den Quickborner CSD bereits seit seiner Premiere im vergangenen Jahr. Damals äußerten CDU und FDP Kritik und erhoben unter anderem Vorwürfe über verbale Angriffe auf Polizist*innen und Politiker*innen. Die Organisator*innen wiesen diese Darstellung zurück und verweisen angesichts der aktuellen Kritik auf ihre Stellungnahme aus dem Vorjahr.
Der Konflikt verdeutlicht die unterschiedlichen Auffassungen über die politische Ausrichtung von CSD-Veranstaltungen. Während die zu starke politische Positionierung der Veranstaltung mancherseits kritisiert wird, verstehen die Organisator*innen Antifaschismus als notwendigen Bestandteil queerer Interessenvertretung.
Nach Angaben verschiedener Organisationen und Medienberichte waren im Jahr 2025 zahlreiche CSD-Veranstaltungen von rechtsextremen Gegenprotesten, Störaktionen oder Einschüchterungsversuchen betroffen. Vor diesem Hintergrund begründen die Veranstalter*innen ihre antifaschistische Ausrichtung mit dem Schutz queerer Menschen und dem Einsatz gegen queerfeindliche und rechtsextreme Bestrebungen.
