Echte Vielfalt

18. Juni 2026

Buchtipp: Restsommer

Sommer 2003: Auf dem Land aufzuwachsen ist oft nicht leicht. Für queere Jugendliche kommen häufig zusätzliche Herausforderungen hinzu: fehlende Anlaufstellen, wenige Möglichkeiten, sich auszuprobieren, kaum sichtbare Vorbilder und das Gefühl, dass jeder jeden kennt. Oft scheint der eigene Lebensweg bereits festzustehen, bevor überhaupt die Möglichkeit besteht herauszufinden, welcher Weg wirklich der eigene ist.

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Genau damit kämpft Dominik, einer der Hauptcharaktere in Kea von Garniers Roman „Restsommer“. Der Zehntklässler wächst im fiktiven Dorf Schönacker auf und steht unter dem Einfluss seines Vaters, der das örtliche Bestattungsunternehmen führt. Für ihn ist selbstverständlich, dass sein Sohn den Familienbetrieb eines Tages übernehmen wird. Dominik selbst hat jedoch andere Wünsche. Er möchte die Welt kennenlernen, Erfahrungen sammeln und herausfinden, wer er eigentlich ist.

„Es ist nur so, dass ich, bevor ich mich den Rest meines Lebens nur noch mit Toten beschäftige, gern selbst richtig gelebt hätte. Und bisher, so fühlt sich das hier draußen an, habe ich nichts erlebt. Ich existiere bloß.“ (S. 33)

Mit solchen Passagen beschreibt Kea von Garnier eindrücklich das Gefühl des Stillstands, das Dominik mit seinem Leben im Dorf verbindet. Das Bestattungsinstitut wird dabei immer wieder zu einem Symbol für die Enge und die Erwartungen, die auf ihm lasten.

Veränderung bringt Biff in Dominiks Leben. Der neue Mitschüler stammt aus Berlin und hat selbst eine schwierige Vergangenheit. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft, die für Dominik schnell eine tiefere Bedeutung gewinnt. Gemeinsam unternehmen sie Ausflüge nach Berlin und eröffnen sich neue Perspektiven. Gleichzeitig beginnt Dominik zu erkennen, dass auch Schönacker Seiten hat, die ihm Halt und Verlässlichkeit geben.

Der Roman beschäftigt sich zudem mit internalisierter Homophobie und der Unsicherheit, die viele queere Jugendliche beim Entdecken ihrer Gefühle erleben. Dominik fühlt sich zu Biff hingezogen, kann diese Gefühle jedoch zunächst weder einordnen noch aussprechen. In einer Rezension von queer.de wird hervorgehoben, dass Kea von Garnier dafür „sanfte und unaufgeregte Worte findet, ohne sie zum großen Konflikt des Romans zu machen“.

Auf rund 400 Seiten erzählt „Restsommer“ eine feinfühlige queere Coming-of-Age-Geschichte über Selbstfindung, Familie, erste Liebe und das Aufwachsen in ländlichen Räumen. Der Roman zeigt queeres Leben nicht als Ausnahmezustand, sondern als selbstverständlichen Teil des Erwachsenwerdens. Gerade für queere Menschen, die selbst auf dem Land aufgewachsen sind, dürfte die Geschichte viele vertraute Erfahrungen und Gefühle aufgreifen.

Infos zum Buch:

Autorin: Kea von Garnier
Erscheinungsdatum: 18.03.2026
ISBN: 9783896677853

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