Nach fast fünfzig Jahren wird die Zeitschrift „Emma“ eingestellt. Laut Herausgeberin und Geschäftsführerin Alice Schwarzer soll am 8. Dezember 2026 die letzte Ausgabe erscheinen. Der Grund dafür sei trotz sinkender Verkaufszahlen keineswegs wirtschaftlicher Natur. Stattdessen sei die Redaktion nach all den Jahren erschöpft.
Alice Schwarzer gründete das Magazin Anfang 1977 um einer Medienlandschaft, in der Frauen kaum zu Wort gekommen seien, entgegenzuwirken: „Es war die Frauenfeindlichkeit der von uns Feministinnen sogenannten ‚Männermedien‘, die mich zu dem Schluss kommen ließ, dass wir Journalistinnen ein eigenes Magazin, eine eigene Stimme haben müssten“, erinnert sie sich heute. In knapp 400 Ausgaben behandelte die „Emma“ ein breites Themenspektrum, von Gewalt gegen Frauen über sexuelle Selbstbestimmung bis hin zur Gleichberechtigung in Politik und Gesellschaft. Manche Themen habe das Blatt lange vor anderen Medien behandelt, etwa den sexuellen Missbrauch von Kindern oder die Genitalverstümmelung von Mädchen. Auch zur Einführung des flächendeckenden Brustkrebs-Screenings habe die Berichterstattung der „Emma“ beigetragen. Das Magazin hat feministische Debatten in Deutschland über Jahrzehnte mitgeprägt.
Mit der Gründerin sind auch das Ende des Magazins und dessen Bedeutung für den deutschen Feminismus Gegenstand kontroverser Diskussionen. Alice Schwarzer, die zu den bekanntesten Feministinnen Deutschlands zählt, stand in den vergangenen Jahren zunehmend in der Kritik. Diese richtet sich unter anderem gegen ihre Haltung gegenüber trans* Menschen, ihre stereotypisierenden Aussagen über migrantische und muslimische Männer sowie ihre Position zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Bereits 2023 hatten 33 Autor*innen und Künstler*innen die Absage einer Veranstaltung mit ihr in Leipzig gefordert, weil sie wiederholt durch „transfeindliche, rassistische und misogyne Aussagen und Publikationen“ aufgefallen sei.
Auch eine Übergabe der „Emma“ an die nächste Generation ist nicht gelungen. Als 2008 die Journalistin Lisa Ortgies die Chefredaktion übernahm, kam es rasch zum Zerwürfnis, woraufhin Schwarzer die Leitung des Magazins wieder selbst übernahm. Beobachter*innen sehen darin ein Muster: Die „Emma“ blieb über Jahrzehnte hinweg eng mit einer einzigen Person verbunden.
Die „Emma“ soll künftig als Online-Angebot für feministische Information und Kommunikation fortbestehen, während die insgesamt 389 Ausgaben in den Bestand des Deutschen Literaturarchivs Marbach übergehen sollen. Mit der Einstellung der Printausgabe verändert sich die feministische Medienlandschaft in Deutschland. Die taz-Kolumnistin Carolina Schwarz betont die Bedeutung eines Feminismus, der unterschiedliche Diskriminierungserfahrungen berücksichtigt: „Eine Befreiung für Frauen und Queers kann es nur dann sein, wenn es sich nicht in einem Personenkult verfängt und seinen Blick öffnet für die Diskriminierung aller im Patriarchat.“
