Echte Vielfalt

22. Oktober 2026

Gottfried Lorenz: Auszeichnung für Engagement zur Sichtbarmachung queerer Geschichte

Am 6. Oktober überreichte der Hamburger Kultursenator Carsten Brosda dem Historiker Gottfried Lorenz das Bundesverdienstkreuz. Lorenz beschäftigt sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich mit der Aufarbeitung der Verfolgung homosexueller Menschen im Nationalsozialismus. Mit der Auszeichnung wird nun sein Engagement für die Sichtbarmachung queerer Geschichte in Hamburg gewürdigt.

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Gottfried Lorenz wurde 1940 in Schlesien geboren. Nach einem Studium der Geschichte, Germanistik, Soziologie und Skandinavistik promovierte er im Fach Neuere Geschichte. Sein Berufsleben verbrachte er hauptsächlich als Lehrer an verschiedenen Schulen. Daneben veröffentlichte Lorenz mehrere Bücher. Dazu gehört eine gemeinsam mit Bernhard Rosenkranz und Ulf Bollmann verfasste Publikation über die Verfolgung homosexueller Menschen in Hamburg von 1919 bis 1969. Das Buch enthält Kurzbiografien homosexueller Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt und ermordet wurden. An einige dieser Menschen wird heute aufgrund von Lorenz’ Recherchen mit Stolpersteinen erinnert.

Anfang der 1970er-Jahre trat Lorenz der Internationalen Homophilen Weltorganisation (IHWO) bei und arbeitete in der neu gegründeten Hamburger Gruppe mit. Sein berufliches Umfeld beschreibt der ehemalige Lehrer rückblickend als wenig homosexuellenfreundlich. Auffällige Schüler seien, so Lorenz, von Kollegen durchaus als schwul bezeichnet worden.

Seine Ausstellung „Liberales Hamburg? Homosexuellenverfolgung durch Polizei und Justiz nach 1945“ wurde 2013 in der Grundbuchhalle und 2024 im Oberlandesgericht Hamburg gezeigt.

Eine von Lorenz mitgetragene Initiative setzt sich seit 2018 dafür ein, dass ein „Denk-Ort sexuelle und geschlechtliche Vielfalt“ in Hamburg errichtet wird. 2023 beschloss der Senat im Einvernehmen mit LSBTIQ*-Initiativen und den zuständigen Behörden, den Denkort am Neuen Jungfernstieg an der Lombardsbrücke zu errichten. 2024 folgte ein Kunstwettbewerb, aus dem der Entwurf „Pavillon der Stimmen“ als Sieger hervorging. Mit dem Baubeginn wird derzeit erst im Frühjahr 2027 gerechnet. Wann der Denkort eröffnet werden soll, ist noch nicht bekannt.

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