Die Organisation ILGA-Europe hat am 12. Mai die Rainbow Map für das Jahr 2026 veröffentlicht. In dem Ranking werden 49 europäische Länder anhand ihrer Gesetzgebung und politischen Maßnahmen im Bereich der LSBTIQ* Rechte bewertet. Nach zehn Jahren an der Spitze wird Malta erstmals von Spanien abgelöst. Deutschland belegt nun den siebten Platz und verbessert sich damit im Vergleich zum Vorjahr.
Die International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association (ILGA) ist ein unabhängiger Dachverband, der 1978 gegründet wurde. ILGA-Europe bildet den europäischen Regionalverband der Organisation und vereint mehr als 700 Mitgliedsorganisationen aus 54 Ländern.
Die Rainbow Map bewertet Staaten auf einer Skala von 0 bis 100 Prozent. Niedrige Werte stehen für starke Diskriminierung und Menschenrechtsverletzungen, hohe Werte hingegen für umfassende Gleichstellung und rechtlichen Schutz. Grundlage des Rankings sind 76 Kriterien, die sieben Kategorien zugeordnet werden:
- Gleichstellung und Nichtdiskriminierung
- Familie
- Hasskriminalität und Hassrede
- Rechtliche Anerkennung von Geschlecht
- Körperliche Unversehrtheit intergeschlechtlicher Menschen
- Handlungsspielraum der Zivilgesellschaft
- Asylrecht
Für jedes erfüllte Kriterium wird eine bestimmte Punktzahl vergeben.
Spanien erreicht in diesem Jahr mit 88,7 % den ersten Platz. ILGA-Europe führt dies unter anderem auf die umfassende und entpathologisierte Gesundheitsversorgung für trans* Personen, nationale Strategien zur Förderung von LSBTIQ* Rechten sowie die Einführung einer unabhängigen Behörde für Gleichbehandlung und Antidiskriminierung zurück. Gleichzeitig betont die Organisation, dass die Rainbow Map nicht die konkrete Lebensrealität queerer Menschen abbilde, sondern ausschließlich den rechtlichen und politischen Rahmen bewerte.
Besorgniserregende Entwicklungen beobachtet ILGA-Europe vor allem in mehreren niedrig platzierten Ländern. In Belarus verschärft ein neues Anti-LSBTIQ*-„Propagandagesetz“ die Situation queerer Menschen weiter. In der Slowakei wurde eine queerfeindliche Verfassungsänderung beschlossen. In Albanien könnte ein geplantes Referendum dazu führen, dass neue Gleichstellungsgesetze wieder aufgehoben werden.
Deutschland konnte sich im Vergleich zum Vorjahr um einen Prozentpunkt verbessern. Gleichzeitig kritisiert ILGA-Europe in einer Pressemitteilung, dass die Bundesregierung ihren Aktionsplan „Queer leben“ als abgeschlossen betrachte, obwohl weiterhin erhebliche Lücken bei der Umsetzung bestünden.
Positive Entwicklungen hebt die Organisation unter anderem in Tschechien und Lettland hervor. Dort können Geschlechtseinträge inzwischen ohne Zwangssterilisation geändert werden. In Österreich wurden zudem alternative Geschlechtseinträge für nicht-binäre Menschen eingeführt.
