Die SPD-Politikerin Sophie Koch hat Ende Mai 2025 ihr Amt als Queer-Beauftragte der Bundesregierung angetreten. In ihrem ersten Interview mit der Zeitung Schwulissimo macht sie deutlich, dass diese Aufgabe in eine politisch angespannte Zeit fällt. Queere Lebensrealitäten stünden wieder stärker unter Druck, nicht nur durch offene Anfeindungen, sondern auch durch politische Debatten, die Unsicherheit und Angst schürten.
Vermitteln, zuhören und sichtbar machen
Koch versteht sich in ihrem Amt als Bindeglied zwischen Politik und Gesellschaft. Einerseits will sie innerhalb der Bundesregierung dafür sorgen, dass queere Themen ernst genommen und mitgedacht werden, andererseits sieht sie den engen Austausch mit Verbänden, Initiativen und Betroffenen als unverzichtbar an. Ihr Ziel ist es, Vertrauen zu schaffen und queere Perspektiven dauerhaft in politische Entscheidungsprozesse einzubringen.
Fokus auf ländliche Räume
Besonders wichtig ist ihr der Blick über die großen Städte hinaus. Koch betont, dass queere Menschen im ländlichen Raum oft stärker von Ausgrenzung, Unsichtbarkeit und Angst betroffen seien. Eigene Erfahrungen mit Bedrohungen rund um CSDs und queere Veranstaltungen hätten ihr gezeigt, wie groß der Handlungsbedarf dort sei. Diese Perspektive möchte sie gezielt in ihre politische Arbeit einfließen lassen.
Rechtliche Gleichstellung als Kernaufgabe
Inhaltlich nennt Koch mehrere zentrale Baustellen. Ein Schwerpunkt ist die Verankerung queerer Rechte im Grundgesetz, um Diskriminierung klarer entgegenzutreten. Zudem will sie bestehende Ungleichbehandlungen im Abstammungsrecht beseitigen, die queere Familien und ihre Kinder benachteiligen. Auch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz soll aus ihrer Sicht reformiert werden, damit Betroffene ihre Rechte einfacher durchsetzen können.
Schutz vor Hass und Gewalt
Angesichts zunehmender Bedrohungen, insbesondere durch rechtsextreme Gruppen, misst Koch dem Thema Sicherheit große Bedeutung bei. Sie fordert, dass Polizei und Behörden queere Demonstrationen und Veranstaltungen konsequent schützen. Gleichzeitig betont sie, dass Repression allein nicht ausreiche: Politische Bildung, Demokratieförderung und Präventionsarbeit seien entscheidend, um langfristig Hass und Queerfeindlichkeit zurückzudrängen.
Kontinuität und klare Haltung
Abschließend macht Koch deutlich, dass sie an bestehende Initiativen anknüpfen will, insbesondere an den Nationalen Aktionsplan „Queer Leben“. Ihr Anspruch ist es, die begonnenen Projekte nicht nur fortzuführen, sondern weiterzuentwickeln. Akzeptanz, Gleichberechtigung und Sicherheit für queere Menschen sollen kein Nischenthema bleiben, sondern als selbstverständlicher Teil staatlicher Verantwortung verstanden werden.
