Echte Vielfalt

Lebensbereiche

Als der spanische Fußballprofi Borja Iglesias im März dieses Jahres erneut queerfeindlich beleidigt wurde und darauf mit den Worten reagierte, er sei „lieber schwul als homophob“, war das mehr als ein persönliches Statement. Es war ein Spiegel für ein System, das queere Identitäten im Männerfußball noch immer unsichtbar hält.

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Ein aktuelles Beispiel: Christian Dobrick

Ein wichtiges Signal setzte zuletzt der Trainer von FC St. Pauli, Christian Dobrick, der sich öffentlich als homosexuell geoutet hat. Sein Schritt wurde von vielen Seiten als mutig und richtungsweisend bewertet. Dobrick selbst betonte, dass er mit seinem Coming-out auch anderen im Fußball Mut machen wolle. Die Reaktionen aus Verein, Fanszene und Öffentlichkeit fielen überwiegend positiv aus. Dennoch zeigt gerade dieser Fall, wie außergewöhnlich ein solches Outing im Profifußball nach wie vor ist.

Deutschland: Fortschritt auf dem Papier, Stillstand auf dem Platz?

In Deutschland gibt es zahlreiche Initiativen für Vielfalt im Fußball. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) positioniert sich öffentlich gegen Diskriminierung, Vereine beteiligen sich an Kampagnen, Stadien zeigen Regenbogenflaggen. Dennoch gibt es keinen offen schwulen aktiven Spieler in der Bundesliga. Dahinter stehen die Angst vor den Reaktionen der Fans, die Sorge um Karrierechancen sowie Unsicherheiten im Umgang innerhalb von Teams.

Die Initiative Fußball für Vielfalt und auch Kampagnen wie #ihrkönntaufunszählen zeig(t)en zwar Wirkung im Diskurs, haben aber bislang nicht dazu geführt, dass sich Spieler sicher genug fühlen, offen zu leben.

Der ehemalige DDR-Nachwuchsspieler Marcus Urban beendete seine Karriere, weil er seine Homosexualität nicht offen leben konnte. Erst Jahre später machte er sie öffentlich und wurde zu einer der wichtigsten Stimmen für Vielfalt im Fußball. Seine Geschichte ist kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Beispiel: Talent allein reicht nicht, wenn das Umfeld nicht sicher ist. Urban selbst betont immer wieder, dass sich zwar die gesellschaftliche Debatte verändert habe, die Strukturen im Profifußball jedoch deutlich weniger.

Frauenfußball: Sichtbarer, aber nicht gleichgestellt

Während im Männerfußball Unsichtbarkeit vorherrscht, zeigt sich im deutschen Frauenfußball ein anderes Bild. Spielerinnen wie Almuth Schult oder internationale Stars, die auch in der Bundesliga spielen, gehen offen(er) mit queeren Identitäten um. Das wirkt zwar auf den ersten Blick progressiv, doch auch hier gilt: Sichtbarkeit bedeutet nicht automatisch Gleichberechtigung und die Medienaufmerksamkeit bleibt oft hinter der des Männerfußballs zurück. Die Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfußball machen deutlich, dass es nicht nur um Akzeptanz geht, sondern um gesellschaftliche Zuschreibungen.

Was sich ändern muss

Wenn der deutsche Fußball wirklich vielfältig sein will, braucht es mehr als Kampagnen. Notwendig sind beispielsweise verlässliche Schutzstrukturen für Spieler*innen, klare Sanktionen bei Diskriminierung im Stadion und online, verbindliche Diversity-Konzepte in Vereinen und Verbänden sowie sichtbare Unterstützung durch Führungspersonen im Sport. Vor allem aber braucht es ein Klima, in dem ein Coming-out nicht als Risiko, sondern als Selbstverständlichkeit gilt.

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Queere Geschichte ist oft unsichtbar, sie handelt vom Leben im Verborgenen, von Netzwerken, die sich hinter verschlossenen Türen bildeten und von Kämpfen um Anerkennung. Doch gerade in Norddeutschland haben sich zwischen Hafenstädten, Arbeiterbewegungen und Universitätsstädten vielfältige queere Kulturen entwickelt.

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Heute bemühen sich Initiativen, Archive und Community-Projekte darum, diese Geschichten sichtbar zu machen. Ein zentraler Bezugspunkt queerer Erinnerungskultur ist die Verfolgung während des Nationalsozialismus. Homosexuelle Männer wurden nach § 175 des Strafgesetzbuches verfolgt; rund 50.000 Männer wurden verurteilt, viele weitere inhaftiert oder in Konzentrationslager deportiert.

Verschiedene Projekte versuchen heute, diese oft vergessenen Geschichten sichtbar zu machen. Ausstellungen wie Gefährdet leben, die beispielsweise in Bremen gezeigt wurde und ab April in Goslar zu sehen sein wird, erzählen von Biografien queerer Menschen zwischen Anpassung, Widerstand und Überleben.

Hamburg spielt in der queeren Geschichte Norddeutschlands eine besondere Rolle. Schon früh entwickelte sich rund um den Stadtteil St. Georg eine sichtbare Community:  Bars, Treffpunkte und politische Initiativen machten das Viertel zu einem zentralen Ort queeren Lebens. Neben politischem Aktivismus wächst auch die Erinnerungskultur. Projekte wie der Queer History Month Hamburg laden jedes Jahr im Mai dazu ein, die Geschichte queerer Communities durch Stadtführungen, Lesungen und Ausstellungen neu zu entdecken.

Bei der Aufarbeitung queerer Geschichte spielt Kultur eine wichtige Rolle. Ein Beispiel ist der Hamburger Dokumentarfilm „Verzaubert – Lesben und Schwule erzählen Geschichte“ (1993, seit 2010 auf DVD). Der Film porträtiert ältere Hamburger Lesben und Schwule und ihre Erfahrungen während der NS-Zeit und der frühen Bundesrepublik – ein damals außergewöhnliches Projekt, weil viele Betroffene jahrzehntelang über ihre Lebensgeschichten geschwiegen hatten (hier geht’s zum Trailer).

Die Entwicklung einer queeren Erinnerungskultur ist eng mit politischem Engagement verbunden. Organisationen und Initiativen wie der LSVD+ Verband Queere Vielfalt haben jahrzehntelang dafür gekämpft, dass queere Opfer des Nationalsozialismus offiziell anerkannt werden und Teil der öffentlichen Gedenkkultur sind.

Queere Geschichte ist kein Randthema der Geschichtsschreibung. Sie erzählt von gesellschaftlichen Normen, Demokratiebewegungen und individuellen Lebenswegen, die lange übersehen wurden.

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Der bundesweite „Tag des Gesundheitsamtes“ am 19. März 2026 stand unter dem Motto „Vielfalt für Gesundheit“ und erwies sich somit insbesondere für die LSBTIQ*-Community als relevant: Denn queere Menschen stoßen noch immer auf strukturelle Hürden, Diskriminierung und Versorgungslücken.

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Der Aktionstag bot daher nicht nur Einblicke in die Arbeit der Gesundheitsämter, sondern auch eine wichtige Plattform, um auf bestehende Ungleichheiten aufmerksam und Lösungsansätze sichtbar zu machen.

Gesundheit ist nicht für alle gleich zugänglich

Gesundheitliche Chancengleichheit ist ein zentrales Ziel des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD). Doch für viele LSBTIQ*-Personen ist der Zugang zu angemessener Versorgung weiterhin erschwert. Studien (z.B. LSVD+, Timmermann et al.) zeigen eine häufig höhere psychische Belastung durch Diskriminierung und Minderheitenstress, erhöhte Risiken für Depressionen und Angststörungen sowie Barrieren beim Zugang zu sensibler und kompetenter Gesundheitsversorgung. Insbesondere trans*, inter* und nicht-binäre Menschen berichten häufig von fehlender Fachkenntnis im medizinischen System oder von Erfahrungen mit Stigmatisierung.

Der Tag des Gesundheitsamtes 2026 griff diese Herausforderungen auf und machte deutlich: Diversität im Gesundheitswesen bedeutet auch, sexuelle und geschlechtliche Vielfalt konsequent mitzudenken.

Gesundheitsämter als niedrigschwellige Anlaufstellen

Gerade Gesundheitsämter spielen für viele Menschen eine zentrale Rolle, unabhängig von Versicherungsstatus oder finanziellen Möglichkeiten. Auch für die LSBTIQ*-Community sind sie häufig erste Anlaufstellen, zum Beispiel bei anonymen HIV- und STI-Testangeboten, sexualpädagogischer Beratung, psychosozialer Unterstützung sowie Präventionsarbeit in Community-Kontexten.

Viele Gesundheitsämter haben ihre Angebote in den letzten Jahren gezielt weiterentwickelt, um queere Lebensrealitäten stärker zu berücksichtigen. Dazu gehören:

  • geschulte Fachkräfte zu LSBTIQ*-Themen
  • diversitätssensible Sprache und Kommunikation
  • Kooperationen mit queeren Beratungsstellen und Initiativen

Beispiele aus Kommunen wie Berlin oder Mannheim zeigen, dass solche Ansätze nicht nur die Inanspruchnahme erhöhen, sondern auch Vertrauen schaffen.

Sichtbarkeit schafft Vertrauen

Ein zentrales Thema des Aktionstages war die Frage, wie Gesundheitsangebote für LSBTIQ*-Menschen sichtbarer und zugänglicher gemacht werden können. Denn viele queere Menschen vermeiden medizinische Angebote, wenn sie Diskriminierung befürchten oder negative Erfahrungen gemacht haben. Sichtbarkeit kann konkret bedeuten, Regenbogen-Symbole oder klare Diversity-Statements in Einrichtungen zu zeigen oder Informationsmaterialien zu veröffentlichen, die verschiedene Lebensrealitäten abbilden. Auch kann gezielt mit queeren Netzwerken kooperiert werden.

Solche Maßnahmen sind nicht nur symbolisch, sondern signalisieren Zugehörigkeit und können entscheidend dazu beitragen, gesundheitliche Versorgung tatsächlich erreichbar zu machen.

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Queerfeindlichkeit ist kein Randphänomen. Sie ist zunehmend Teil politischer Mobilisierung, sichtbar im Netz, aber auch auf der Straße. Der Blick auf aktuelle Entwicklungen zeigt: Was lange als „Online-Hetze“ abgetan wurde, hat reale Konsequenzen. Vor diesem Hintergrund lädt die Bundeszentrale für politische Bildung zu einer wichtigen Veranstaltung ein, die genau diese Dynamiken in den Fokus rückt.

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„Queerfeindlichkeit: Rechtsextreme Mobilisierung zwischen Online-Hetze und Straßenpräsenz“
Online (Zoom)
17. April 2026, 10:00 – 14:00 Uhr
Teilnahme kostenfrei

Weitere Infos: Veranstaltung und Anmeldung

Der Online-Fachtag richtet sich an ein Fachpublikum aus Verwaltung, Sicherheitsbehörden, Bildung und Zivilgesellschaft und ist zugleich für alle relevant, die sich mit den aktuellen Entwicklungen rund um Queerfeindlichkeit auseinandersetzen wollen.

Vom Kommentar zur Gewalt: Wie Hass entsteht

Die Veranstaltung greift eine Entwicklung auf, die sich in den letzten Jahren deutlich verschärft hat: das Zusammenspiel von digitaler Radikalisierung und realweltlicher Gewalt. Rechtsextreme Akteur*innen nutzen gezielt soziale Medien und Online-Plattformen, popkulturelle Codes und jugendaffine Inhalte sowie einfache Feindbilder, darunter queere Menschen. Queerfeindlichkeit fungiert dabei als zentrales Bindeglied: Sie ist anschlussfähig, emotional aufgeladen und dient als Einstieg in weitergehende extremistische Ideologien, so die Veranstalter*innen der Tagung. Was online beginnt, endet nicht selten offline. Beleidigungen, Bedrohungen und Angriffe stehen häufig am Ende eines Prozesses, in dem menschenfeindliche Narrative über längere Zeit normalisiert wurden.

Angriffe auf Sichtbarkeit: CSDs im Fokus

Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung bei Veranstaltungen im Rahmen des Christopher Street Days. In den vergangenen Jahren kam es bundesweit zu organisierten Störaktionen, Einschüchterungsversuchen, körperlichen Angriffen und gezielten Gegenmobilisierungen. Was zunächst lokal wirkt, ist laut Analyse der bpb Teil eines bundesweiten Musters rechtsextremer Mobilisierung. CSDs werden dabei bewusst als Bühne genutzt: sichtbar, öffentlich, symbolisch – und damit besonders geeignet für Provokation und Eskalation.

Die Rolle digitaler Räume

Digitale Plattformen spielen eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung queerfeindlicher Inhalte. Studien zeigen, dass algorithmische Strukturen polarisierende Inhalte verstärken können und so zur Radikalisierung beitragen. Das bedeutet beispielsweise, dass Hass und Ablehnung sichtbarer werden, extreme Positionen normaler wirken und sich die Grenzen des Sagbaren verschieben. Diese Dynamiken betreffen nicht nur klassische rechtsextreme Szenen, sondern reichen bis in gesellschaftliche Debatten hinein.

Queerfeindlichkeit als politisches Instrument

Queerfeindlichkeit ist nicht nur Ausdruck von Vorurteilen. Sie wird auch strategisch eingesetzt und funktioniert als niedrigschwelliger Einstieg in extremistische Ideologien sowie als Mittel zur Abgrenzung gegenüber einer offenen Gesellschaft. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Unsicherheit gewinnen solche Narrative an Attraktivität.

Der Fachtag der Bundeszentrale für politische Bildung setzt genau hier an und fragt:

  • Wie verändern sich rechtsextreme Strategien?
  • Wie werden queerfeindliche Straftaten erfasst?
  • Welche Lücken gibt es in Prävention und Schutz?
  • Und was kann politische Bildung leisten?

Solche Räume sind entscheidend, um Wissen zu bündeln, Strategien zu entwickeln und Handlungsmöglichkeiten sichtbar zu machen.

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Das Projekt Queer Treasury verfolgt das Ziel, eine Datenbank für Literatur zum Thema Queer aufzubauen. Eine zentrale Anlaufstelle, wie Queer Treasury werden soll, existiert im deutschsprachigen Raum bislang nicht. Das erschwert das Suchen und Finden von fundierter Literatur zu diesem Thema.

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Ein Thesaurus ist ein wichtiger Bestandteil einer Datenbank, um die Suche zu erleichtern. Beispielsweise kann er für Schlagwortvergaben genutzt werden, sodass unter anderem Bücher besser gefunden werden. Doch auch ein solcher Thesaurus existiert im deutschsprachigen Raum für queere Begriffe bisher nicht.
Ioanna Danai Katsougiannopoulou und Ha Thao Suong Vu vom Landesverband AndersARTiG e. V. forschen im Bereich der Informationsaufbereitung, -zugänglichmachung und -vermittlung.
Mit der „Umfrage für die Erstellung eines deutschsprachigen Thesaurus zum Thema Queer“ möchten sie herausfinden, wie so ein Thesaurus aussehen könnte und diesen erstellen. Die Befragung richtet sich an Mitglieder von queeren Vereinen und Organisationen, Forschende und Fachkräfte.
Die Umfrage ist anonym. Es werden keine Daten erhoben, die Rückschlüsse auf die eigene Person möglich machen. Die Bearbeitungszeit liegt bei ca. 20 Minuten.
Die Umfrage kann bis zum 31. März 2026 beantwortet werden.
Hier ist der Link zur Umfragehttps://forms.office.com/e/0djZvFkgyB
Weitere Informationen zum Vorhaben sowie Kontaktangaben finden sich in diesem Poster, das auch gerne ausgedruckt und verteilt werden kann: Poster Queer Treasury


Die medizinische Versorgung von trans* und nichtbinären Jugendlichen steht seit einigen Jahren im Mittelpunkt intensiver Debatten. Nun sorgt eine neue Entwicklung aus Großbritannien für Aufmerksamkeit: Eine geplante klinische Studie zu pubertätshemmenden Medikamenten wurde vorerst gestoppt. Fachleute betonen jedoch, dass es sich nicht um ein endgültiges Aus für die Forschung handelt, sondern um einen Schritt, der zusätzliche Sicherheitsprüfungen ermöglichen soll.

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Die sogenannte PATHWAYS-Studie sollte untersuchen, welche Auswirkungen Pubertätsblocker auf Kinder und Jugendliche mit Geschlechtsinkongruenz haben. Geplant war, über mehrere Jahre rund 220 junge Menschen in die Studie aufzunehmen und medizinisch zu begleiten. Ziel war es, mehr wissenschaftliche Daten über Nutzen und Risiken der Behandlung zu gewinnen.

Pubertätsblocker sind Medikamente, die vorübergehend die körperlichen Veränderungen der Pubertät unterdrücken sollen. In der Behandlung von trans* Jugendlichen werden sie eingesetzt, um Zeit für diagnostische Abklärung und persönliche Entscheidungen zu gewinnen.

Bevor die Studie mit der Rekrutierung von Teilnehmenden beginnen konnte, griff jedoch die britische Arzneimittelbehörde MHRA ein. Sie äußerte neue Sicherheitsbedenken und empfahl, das Studienkonzept noch einmal zu prüfen. Konkret geht es unter anderem um mögliche langfristige biologische Risiken sowie um Fragen der Altersgrenze und des Einwilligungsprozesses.

Das britische Gesundheitsministerium erklärte, die Studie werde erst fortgesetzt, wenn geklärt sei, dass Sicherheit und Wohlbefinden der beteiligten Kinder und Jugendlichen ausreichend gewährleistet sind. Bis dahin sollen Forschende und Behörden gemeinsam Anpassungen am Studiendesign prüfen.

Die Entscheidung, die Studie zu pausieren, wird jedoch auch kritisch gesehen. Einige Fachleute und LSBTIQ*-Organisationen befürchten, dass politische Kontroversen die medizinische Forschung ausbremsen könnten.

Für junge Menschen, die bereits entsprechende Medikamente erhalten, gilt in Großbritannien weiterhin, dass ihre Behandlung individuell geprüft und fortgeführt werden kann. Gleichzeitig arbeiten Forschende daran, Studien so zu gestalten, dass sie sowohl ethisch vertretbar als auch wissenschaftlich aussagekräftig sind.

Die aktuelle Entwicklung zeigt vor allem, wie komplex die medizinische Versorgung von trans* Jugendlichen ist. Zwischen dem Schutz junger Menschen, der wissenschaftlichen Evidenz und dem Recht auf angemessene Gesundheitsversorgung müssen sorgfältige Entscheidungen getroffen werden, die nur auf Grundlage solider Forschung möglich sind.

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Die Europäische Union versteht sich als ein Raum mit offenen Grenzen, gemeinsamen Rechten und dem Versprechen, dass Menschen sich innerhalb der Mitgliedstaaten frei bewegen können. Doch für viele trans* Menschen war diese Freiheit bislang eingeschränkt. Ein aktuelles Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) könnte das nun grundlegend ändern: EU-Staaten müssen Ausweisdokumente an die gelebte Geschlechtsidentität von trans* Personen anpassen.

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Ausgangspunkt der Entscheidung war der Fall einer bulgarischen Staatsbürgerin, die bei der Geburt als männlich registriert wurde, inzwischen jedoch als Frau lebt. Sie hatte in Italien eine Hormontherapie begonnen und beantragte bei den bulgarischen Behörden, ihren Geschlechtseintrag, ihren Namen und ihre Identifikationsnummer in den offiziellen Dokumenten zu ändern. Bulgarien lehnte dies ab. Das nationale Recht definiert Geschlecht dort ausschließlich biologisch; Änderungen in Personenstandsregistern sind praktisch ausgeschlossen. Der Fall landete schließlich beim bulgarischen Obersten Kassationsgericht, das den EuGH um eine Auslegung des EU-Rechts bat. Der Europäische Gerichtshof entschied, dass eine solche Regelung mit dem europäischen Recht nicht vereinbar sei.

Der zentrale juristische Bezugspunkt des Urteils ist das Recht auf Freizügigkeit innerhalb der EU. Wenn die Geschlechtsidentität einer Person nicht mit den Angaben in ihren Ausweisdokumenten übereinstimmt, entstehen im Alltag zahlreiche Probleme, beispielsweise bei Grenzkontrollen, Identitätsprüfungen oder im Berufsleben.

Deshalb müssen Mitgliedstaaten künftig Verfahren bereitstellen, mit denen trans* Personen ihre Geschlechtsangaben in offiziellen Dokumenten ändern können.

Der EuGH betonte zugleich ein wichtiges Detail: Die Ausstellung von Ausweisdokumenten bleibt grundsätzlich Sache der Mitgliedstaaten. Doch diese Zuständigkeit endet dort, wo europäische Grundrechte betroffen sind. Wenn nationale Regelungen verhindern, dass Bürger*innen ihr EU-Recht auf Freizügigkeit effektiv nutzen können, müssen sie angepasst werden. Der Gerichtshof verweist dabei auch auf das Recht auf Achtung des Privatlebens (Art. 7 EU-Charta) – ein Schutz, der ausdrücklich auch die Geschlechtsidentität umfasst.

Besonders relevant ist das Urteil für Länder, in denen eine rechtliche Geschlechtsanerkennung bislang kaum möglich ist, wie zum Beispiel in Teilen Osteuropas. In einigen Staaten wurden entsprechende Verfahren zuletzt sogar eingeschränkt oder vollständig abgeschafft.

Das Urteil schafft hier erstmals einen unionsweiten Mindeststandard: EU-Staaten müssen klare, zugängliche und wirksame Verfahren zur rechtlichen Anerkennung der Geschlechtsidentität bereitstellen. Menschenrechtsorganisationen begrüßen die Entscheidung daher als wichtigen Schritt für Gleichberechtigung und Würde.

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Immer mehr Kinder wachsen heute in sogenannten Regenbogenfamilien auf: Familien, in denen mindestens ein Elternteil lesbisch, schwul, bisexuell, trans*, intergeschlechtlich oder nicht-binär ist. Was früher gesellschaftlich kaum sichtbar war, gehört inzwischen für viele Menschen selbstverständlich zum Familienalltag.

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Doch trotz wachsender Akzeptanz stehen Regenbogenfamilien noch immer vor besonderen Herausforderungen – rechtlich, gesellschaftlich und im Alltag. Gleichzeitig gibt es auch Fortschritte, etwa durch neue politische Initiativen oder regionale Unterstützungsangebote.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten 2024 in Deutschland 31.000 gleichgeschlechtliche Paare mit insgesamt rund 50.000 Kindern. Die meisten dieser Kinder wachsen bei lesbischen Paaren auf, doch auch schwule Väter, trans* Eltern oder Patchworkkonstellationen gehören zur Realität.

Trotz gesellschaftlicher Fortschritte gibt es im deutschen Familienrecht noch Lücken. Besonders deutlich wird das bei lesbischen Paaren mit Kindern: Während der biologische Vater eines Kindes automatisch rechtlicher Elternteil sein kann, gilt das für die zweite Mutter bislang nicht automatisch. In vielen Fällen muss sie ihr eigenes Kind erst durch eine Stiefkindadoption rechtlich anerkennen lassen. Queere Familienverbände fordern deshalb seit Jahren eine Reform des Abstammungsrechts, damit beide Elternteile von Beginn an rechtlich anerkannt werden (siehe auch unsere Artikel hier und hier).

Für viele Regenbogenfamilien ist der Alltag heute weitgehend selbstverständlich: Kita, Schule, Spielplatz – alles läuft ähnlich wie bei anderen Familien auch. Dennoch berichten Eltern immer wieder von Situationen, in denen sie erklären müssen, warum ein Kind zwei Mütter oder zwei Väter hat. Besonders in ländlicheren Regionen kann Sichtbarkeit noch mit Unsicherheiten verbunden sein.

Gleichzeitig hat sich viel verändert. Viele Kitas und Schulen arbeiten heute bewusst mit Konzepten zu Vielfalt und Familienformen, um unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar zu machen. Eine wichtige Rolle spielen Beratungsstellen und Community-Netzwerke, die Regenbogenfamilien begleiten und unterstützen. Beispielsweise bieten sie Austauschgruppen für Eltern, Beratung zur Familiengründung, Informationen zu rechtlichen Fragen und Treffen für Kinder aus Regenbogenfamilien. Diese Angebote helfen Familien, sich zu vernetzen und Erfahrungen zu teilen, besonders dort, wo queere Strukturen noch nicht stark sichtbar sind.

In Schleswig-Holstein wird das Thema Vielfalt in Familien zunehmend politisch und gesellschaftlich aufgegriffen. Das Land unterstützt Projekte zur Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, darunter auch Angebote für Regenbogenfamilien. Gerade in einem Flächenland mit vielen kleineren Städten und ländlichen Regionen ist diese Vernetzung wichtig. Sie schafft Räume, in denen Familien Unterstützung finden und Erfahrungen austauschen können.

In Kiel und Umgebung finden Regenbogenfamilien-Treffen organsiert von HAKI e.V. statt.

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Wer als queere Person eine Reise plant, stellt sich oft eine zusätzliche Frage: Bin ich dort wirklich willkommen? Eine wichtige Orientierung bietet seit Jahren der Spartacus Gay Travel Index, der weltweit untersucht, wie sicher und akzeptiert LSBTIQ* in verschiedenen Ländern leben und reisen können. Die Ausgabe für 2026 bringt einige überraschende Entwicklungen – allen voran den deutlichen Aufstieg Polens im Ranking.

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Der Gay Travel Index untersucht jährlich mehr als 200 Länder und Regionen und bewertet sie nach insgesamt 18 Kriterien. Dazu gehören unter anderem rechtliche Gleichstellung, Antidiskriminierungsgesetze, gesellschaftliche Akzeptanz, die Situation von trans* Personen sowie mögliche strafrechtliche Risiken bis hin zur Todesstrafe.

An der Spitze des Rankings steht 2026 Island, gefolgt von Malta und Spanien. Direkt dahinter platzieren sich Belgien, Kanada, Deutschland und Portugal. Diese Länder zeichnen sich durch eine vergleichsweise stabile rechtliche Gleichstellung sowie eine insgesamt offene gesellschaftliche Atmosphäre aus.

Für Aufmerksamkeit sorgt vor allem ein Land, das noch vor wenigen Jahren häufig wegen queerfeindlicher Politik in den Schlagzeilen stand: Polen. Es verbessert sich von Platz 118 auf Rang 59. Als Gründe nennen die Autor*innen des Index unter anderem Fortschritte bei den Rechten von trans* Menschen (MANNSCHAFT).

Neben Polen gehört auch Nepal zu den Gewinnern des Jahres. Das Land klettert um mehr als 20 Plätze auf Rang 32. Ausschlaggebend dafür sind unter anderem neue Self-ID-Regelungen für trans* Personen sowie eine zunehmende gesellschaftliche Toleranz gegenüber queeren Menschen (WirtschaftsWoche).

Der Index zeigt jedoch nicht nur Fortschritte. In mehreren Regionen der Welt verschlechtert sich die Situation für queere Menschen deutlich. Staaten wie Irak, Südsudan oder Turkmenistan sind im Ranking stark gefallen, weil staatliche Repression und Gewalt gegen LSBTIQ*-Personen zunehmen. Am Ende der Liste stehen weiterhin Länder, in denen Homosexualität strafbar ist oder sogar mit der Todesstrafe geahndet werden kann – darunter Afghanistan, Saudi-Arabien, Iran oder Jemen.

Gleichzeitig zeigt der Index auch eine andere Entwicklung: Selbst in liberalen Staaten mit fortschrittlicher Gesetzgebung kann die gesellschaftliche Akzeptanz zurückgehen. Besonders deutlich zeigt sich diese Ambivalenz in den USA. Im globalen Ranking landet das Land zwar im Mittelfeld, doch zwischen den einzelnen Bundesstaaten bestehen enorme Unterschiede. Während Staaten wie New York, Kalifornien oder Nevada LSBTIQ*-Rechte weiter stärken, verschärfen konservative Bundesstaaten ihre Gesetzgebung und schränken beispielsweise die medizinische Versorgung von trans* Personen ein (WirtschaftsWoche).

Der Gay Travel Index versteht sich nicht nur als Reisehilfe, sondern auch als politischer Indikator. Er zeigt, wie stark Rechte, gesellschaftliche Akzeptanz und Sicherheit für LSBTIQ*-Menschen weltweit schwanken und wie schnell sich Entwicklungen verändern können.

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Wenn von queerer Kultur in Schleswig-Holstein die Rede ist, denken viele zuerst an die Christopher Street Days im Sommer. Tatsächlich gehören die CSD-Demonstrationen in Städten wie Kiel, Lübeck, Flensburg oder Neumünster zu den sichtbarsten Ereignissen queeren Lebens im Land. Doch die kulturelle Realität ist komplexer: Queere Kultur findet ganzjährig statt – oft weniger spektakulär, dafür kontinuierlich und lokal verankert.

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Während der CSD-Saison entstehen häufig zusätzliche Kulturprogramme wie Filmabende, Podiumsdiskussionen oder Ausstellungen. Doch außerhalb der Sommermonate verlagert sich queere Kultur in andere Formate:

  • regelmäßige Stammtische und Community-Treffen
  • queere Sportgruppen
  • Jugendangebote
  • Lesekreise und Diskussionsrunden
  • kleinere Club- und Partyformate

Ein zentrales Beispiel für kontinuierliche Arbeit ist HAKI e.V. in Kiel. Der Verein organisiert ganzjährig Gruppenangebote, Selbsthilfeformate und kulturelle Begegnungsräume. Auch der Landesverband LSVD⁺ – Verband Queere Vielfalt Schleswig-Holstein wirkt über den Pride-Sommer hinaus in Bildungs-, Beratungs- und Vernetzungsprojekten.

Auch wenn größere Städte wie Kiel und Lübeck allein durch ihre strukturelle Infrastruktur, Szene-Lokale und ihr Hochschulumfeld profitieren, zeigt sich in Schleswig-Holstein eine bemerkenswerte regionale Streuung: Kleinere Städte wie Elmshorn, Pinneberg oder Rendsburg haben eigene CSD-Initiativen oder Community-Gruppen aufgebaut. An der Westküste, in Mittelstädten oder im ländlichen Raum entstehen zunehmend niedrigschwellige Angebote.

Allerdings bleibt die Herausforderung deutlich: Im ländlichen Raum sind queere Veranstaltungen oft projektbezogen und stark von Einzelengagement abhängig. Kontinuität ist hier schwerer zu sichern als in urbanen Zentren. Dazu kommt, dass queere Kultur in Schleswig-Holstein überwiegend ehrenamtlich organisiert ist: Vereine, Initiativen und lose Netzwerke stemmen Veranstaltungsplanung, Öffentlichkeitsarbeit, Fördermittelakquise und politische Interessenvertretung.

Trotz der insgesamt positiven Entwicklungen bleiben Fragen offen:

  • Wie kann queere Kultur im ländlichen Raum dauerhaft gefördert werden?
  • Wie lassen sich Ehrenamtliche langfristig entlasten?
  • Welche Rolle spielt kommunale Kulturförderung?
  • Wie können queere Perspektiven stärker in bestehende Kulturinstitutionen integriert werden?

Während CSD-Paraden inzwischen in vielen Städten etabliert sind, ist die strukturelle Absicherung ganzjähriger Kulturangebote noch ausbaufähig.

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