Echte Vielfalt

Lebensbereiche

Am 6. Oktober überreichte der Hamburger Kultursenator Carsten Brosda dem Historiker Gottfried Lorenz das Bundesverdienstkreuz. Lorenz beschäftigt sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich mit der Aufarbeitung der Verfolgung homosexueller Menschen im Nationalsozialismus. Mit der Auszeichnung wird nun sein Engagement für die Sichtbarmachung queerer Geschichte in Hamburg gewürdigt.

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Gottfried Lorenz wurde 1940 in Schlesien geboren. Nach einem Studium der Geschichte, Germanistik, Soziologie und Skandinavistik promovierte er im Fach Neuere Geschichte. Sein Berufsleben verbrachte er hauptsächlich als Lehrer an verschiedenen Schulen. Daneben veröffentlichte Lorenz mehrere Bücher. Dazu gehört eine gemeinsam mit Bernhard Rosenkranz und Ulf Bollmann verfasste Publikation über die Verfolgung homosexueller Menschen in Hamburg von 1919 bis 1969. Das Buch enthält Kurzbiografien homosexueller Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt und ermordet wurden. An einige dieser Menschen wird heute aufgrund von Lorenz’ Recherchen mit Stolpersteinen erinnert.

Anfang der 1970er-Jahre trat Lorenz der Internationalen Homophilen Weltorganisation (IHWO) bei und arbeitete in der neu gegründeten Hamburger Gruppe mit. Sein berufliches Umfeld beschreibt der ehemalige Lehrer rückblickend als wenig homosexuellenfreundlich. Auffällige Schüler seien, so Lorenz, von Kollegen durchaus als schwul bezeichnet worden.

Seine Ausstellung „Liberales Hamburg? Homosexuellenverfolgung durch Polizei und Justiz nach 1945“ wurde 2013 in der Grundbuchhalle und 2024 im Oberlandesgericht Hamburg gezeigt.

Eine von Lorenz mitgetragene Initiative setzt sich seit 2018 dafür ein, dass ein „Denk-Ort sexuelle und geschlechtliche Vielfalt“ in Hamburg errichtet wird. 2023 beschloss der Senat im Einvernehmen mit LSBTIQ*-Initiativen und den zuständigen Behörden, den Denkort am Neuen Jungfernstieg an der Lombardsbrücke zu errichten. 2024 folgte ein Kunstwettbewerb, aus dem der Entwurf „Pavillon der Stimmen“ als Sieger hervorging. Mit dem Baubeginn wird derzeit erst im Frühjahr 2027 gerechnet. Wann der Denkort eröffnet werden soll, ist noch nicht bekannt.

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Seit 1991 findet am 1. Oktober der Internationale Tag der älteren Menschen statt – ein Aktionstag, der das Älterwerden stärker ins gesellschaftliche Bewusstsein rücken soll. Der Dachverband Lesben und Alter nutzte diesen Tag als Anlass, um auf die Lebenssituation älterer Lesben aufmerksam zu machen.

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Der bundesweit aktive Verband, der die Lebensrealitäten dieser Personengruppe sichtbar machen und sich für ihre Interessen einsetzen will, hat dazu eine Reihe von Forderungen an Politik und Gesellschaft formuliert. Im Zentrum stehen dabei die Bereiche Wohnen, Rente, Pflege und Gesundheit. Mit Blick auf die aktuellen Haushaltsdebatten warnt der Verband zudem davor, dass Einsparungen die ohnehin schon prekäre Situation älterer Lesben weiter verschärfen könnten.

Der Verband verweist auf die Mehrfachbelastungen, denen viele ältere Lesben im Laufe ihres Lebens ausgesetzt waren. Dazu gehören Diskriminierungserfahrungen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und ihres Geschlechts sowie Erwerbsverläufe, die häufig von schlecht bezahlten Teilzeitstellen geprägt waren. Lebensleistungen wie etwa der ehrenamtliche Aufbau von Vereinen und Netzwerken, von denen auch die heutige Zivilgesellschaft profitiert, bleiben bei der Rentenberechnung unberücksichtigt.

„Das deutsche Rentensystem ist patriarchal und kam schon immer verheirateten Männern zugute“, kritisiert Reingard Wagner, Vorständin des Dachverbands. Das System sei auf verheiratete, zusammenlebende Paare ausgerichtet – eine Lebensrealität, die nicht auf alle Menschen zutreffe. Gleichgeschlechtliche Paare konnten erst seit 2001 eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen, die der Ehe zunächst rechtlich nicht vollständig gleichgestellt war. Erst im Oktober 2017 wurde die „Ehe für alle“ eingeführt. Wagner fordert deshalb, neben der Generationengerechtigkeit auch vergangene Lebensleistungen stärker zu berücksichtigen: „Unbezahlte Arbeit für die Gesellschaft muss berücksichtigt werden – egal, ob Kinder erzogen, Pflegebedürftige gepflegt oder eine feministische NGO aufgebaut wurde.“

Auch in den Bereichen Wohnen und Pflege fehlt es nach Einschätzung des Verbands häufig an Sensibilität. Es sei nicht hinnehmbar, dass Paare, die seit Jahrzehnten zusammenleben, in betreuten Wohneinrichtungen wie gute Freundinnen statt wie Partnerinnen behandelt werden.

Die Forderungen des Dachverbands stützen sich auf eine bundesweite Erhebung zur sozialen Lebenssituation von Lesben ab 55 Jahren sowie auf einen Bericht der europäischen Dachorganisation EL*C, der inzwischen in deutscher Sprache vorliegt.

Anknüpfend an frühere Appelle zielen die konkreten Forderungen vor allem auf Verbesserungen in drei Bereichen ab: Im Bereich Wohnen sollen lesbische und queere Wohnprojekte sowie gemeinschaftliche und generationenübergreifende Wohnformen gefördert und der soziale Wohnungsbau ausgebaut werden. Im Bereich der finanziellen Absicherung fordert der Verband ein nicht patriarchal geprägtes Rentensystem, fair bezahlte Vollzeitstellen, Schutz vor Altersdiskriminierung und die Anerkennung der Lebensleistungen älterer Lesben. In der Pflege und Altenhilfe werden verpflichtende Schulungen für Fachkräfte sowie zertifizierte Einrichtungen mit Diversitätskompetenz gefordert.

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Diskriminierung kann in unterschiedlichen Lebensbereichen stattfinden, z. B. in der Schule, im Verein oder an öffentlichen Orten. Für Betroffene können solche Erfahrungen das psychische Wohlbefinden beeinträchtigen. Eine Studie der Universität Bamberg untersucht deshalb, wie Diskriminierung im Alltag von Jugendlichen und jungen Erwachsenen erlebt wird und welche Zusammenhänge mit der aktuellen Stimmung und dem Wohlbefinden bestehen.

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Viele junge Menschen berichten von Benachteiligung, Ausgrenzung oder Diskriminierung. Besonders häufig betrifft dies Personen, die auch in anderen Bereichen strukturellen Benachteiligungen ausgesetzt sind. Forschungsergebnisse des Deutschen Jugendinstituts zeigen, dass Diskriminierungserfahrungen mit einer Beeinträchtigung des Wohlbefindens verbunden sein können. Zu den betroffenen Gruppen gehören unter anderem junge Menschen mit Behinderung, mit Migrationsgeschichte oder mit nicht-heterosexueller Orientierung.

Das Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Cedric Sachser verfolgt deshalb einen intersektionalen Ansatz. Um zu untersuchen, wann Diskriminierung erlebt wird und wie sich solche Situationen auf die aktuelle Stimmung und das psychische Wohlbefinden der Teilnehmenden auswirken, setzt das Projekt auf eine Tagebuchstudie. Mithilfe sogenannter Ecological-Momentary-Assessment-Befragungen werden die Teilnehmenden direkt in ihrem Alltag befragt.

Zu Beginn findet ein Einführungstermin statt. Dabei erhalten die Teilnehmenden Informationen zur Studie, füllen Fragebögen aus und beantworten Fragen in einem Interview. Anschließend folgt eine zehntägige Tagebuchphase. Während dieser Zeit sollen die Teilnehmenden mehrmals täglich kurze Fragen auf einem Smartphone beantworten. Dabei geht es unter anderem um ihre aktuelle Stimmung und mögliche Diskriminierungserfahrungen. Zum Abschluss findet ein weiterer Termin mit Fragebögen und einem Interview statt.

Die Kombination aus wiederholten Befragungen soll einen möglichst alltagsnahen Einblick ermöglichen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die Frage, ob eine Person grundsätzlich Diskriminierung erlebt, sondern auch, wie sich konkrete Situationen kurzfristig auf das Wohlbefinden auswirken können.

Gesucht werden Personen zwischen 15 und 25 Jahren, die Diskriminierung erleben oder erlebt haben und gut Deutsch oder Englisch sprechen. Die Einführungs- und Abschlusstermine können online über Zoom oder in den Räumen des Lehrstuhls für Kinder- und Jugendpsychologie in Bamberg stattfinden.

Für die Teilnahme kann eine Aufwandsentschädigung von bis zu 30 Euro gezahlt werden. Interessierte Personen können zunächst an einem kurzen Vor-Screening teilnehmen, in dem geprüft wird, ob sie für die Studie infrage kommen.

Die Studie soll dazu beitragen, den Zusammenhang zwischen Diskriminierungserfahrungen und psychischem Wohlbefinden besser zu verstehen. Die Ergebnisse können damit eine Grundlage für weitere Forschung sowie für passende Unterstützungs- und Präventionsangebote bilden.

Hier können alle Informationen noch einmal nachgelesen werden.

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Antidemokratische Akteur*innen treten längst nicht mehr nur am Rand der Gesellschaft auf. Sie suchen gezielt zivilgesellschaftliche Räume auf, bauen Vertrauen auf und versuchen, Einfluss zu gewinnen. Ihre Angriffe richten sich häufig auch gegen gesellschaftliche Vielfalt, insbesondere gegen queere Menschen und ihre Rechte. Wenn rechte Akteur*innen Einfluss in Vereinen, Initiativen oder sozialen Einrichtungen gewinnen, kann das auch Auswirkungen darauf haben, wie offen und sicher diese Räume für LSBTIQ*-Personen sind.

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Der Fachtag „Sie kommen nicht mit Fackeln“ beschäftigt sich mit den Strategien, mit denen rechte Akteur*innen versuchen, zivilgesellschaftliche Räume zu unterwandern, und mit den Folgen für die demokratische Arbeit vor Ort. Im Mittelpunkt stehen Fragen wie: Wie funktioniert rechte Unterwanderung? Woran lässt sie sich erkennen? Und wie können Haupt- und Ehrenamtliche angemessen darauf reagieren? Eingeladen sind Interessierte sowie Haupt- und Ehrenamtliche aus sozialen Einrichtungen, Wohlfahrtsverbänden, Vereinen und Initiativen in Schleswig-Holstein.

Zum Auftakt spricht David Begrich von der Arbeitsstelle Rechtsextremismus bei Miteinander e. V. über Strategien der Unterwanderung am Beispiel Sachsen-Anhalts. Anschließend gibt es Raum für Austausch und gemeinsame Diskussion.

Wyonne Ulrich, Kreisvertreterin des Paritätischen Schleswig-Holstein und Geschäftsführerin eines sozialen Trägers, berichtet anschließend über ihre Erfahrungen aus der Praxis im Umgang mit antidemokratischen Haltungen im kommunalen Raum. Dabei geht es unter anderem um politische Gremien und Ausschüsse sowie um die Herausforderungen, die sich daraus für die Soziale Arbeit ergeben.

Eine weitere Perspektive bringt Daniel Trepsdorf gemeinsam mit ehrenamtlichen Vertreter*innen des dörflichen Bündnisses für Demokratie und Vielfalt „Wage Mut!“ ein. Unter dem Titel „Unterwanderung im eigenen Dorf: Was tun, wenn der Nachbar Nazi ist?“ sprechen sie über Engagement und Demokratiearbeit vor Ort. Das Regionale Beratungsteam gegen Rechts stellt außerdem seine Arbeit vor und beschäftigt sich mit der Frage, wie viel politische Haltung möglich und wie viel politische Neutralität notwendig ist.

Ab 15:00 Uhr sind die Teilnehmenden eingeladen, die Themen der Referent*innen an Gruppentischen zu vertiefen und Erfahrungen auszutauschen. Der Fachtag findet am Dienstag, dem 17. November 2026, von 10:00 bis 16:00 Uhr beim PARITÄTISCHEN Schleswig-Holstein, Zum Brook 4, 24143 Kiel, statt. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Die Veranstaltung wird vom Team des Demokratieprojekts „zusammenWACHSEN“ im Paritätischen Schleswig-Holstein moderiert und im Rahmen des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“ angeboten. Eine Anmeldung ist bis zum 11. November 2026 möglich und kann hier erfolgen.

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Kino als Ort der Sichtbarkeit: Jedes Jahr im Herbst versammeln sich queere Filmfans, Filmschaffende und Kulturinteressierte in Hamburg, wenn die Vielfalt queerer Lebensrealitäten in den Mittelpunkt rückt. Das Hamburg International Queer Film Festival (HiQFF) gilt heute als Deutschlands ältestes und größtes queeres Filmfestival und ist längst ein fester Bestandteil der Hamburger Kulturlandschaft.

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Die Wurzeln des Festivals reichen bis in die späten 1980er-Jahre zurück. Entstanden ist die Idee aus einem Seminar an der Universität Hamburg zum damals noch wenig erforschten Thema „Homosexualität im Film“. Aus der Zusammenarbeit mit dem kommunalen Kino Metropolis gingen schließlich die ersten „Lesbisch Schwulen Filmtage Hamburg“ hervor, die im Sommer 1990 erstmals stattfanden. 1995 wurde der Verein Querbild e. V. gegründet, der bis heute als Veranstalter und Träger des Festivals fungiert.

Seit seinen Anfängen hat sich das Festival kontinuierlich weiterentwickelt. Aus einer vergleichsweise kleinen Veranstaltungsreihe wurde eines der wichtigsten queeren Kulturevents Deutschlands. Im Jahr 2021 erfolgte die Umbenennung von „Lesbisch Schwule Filmtage Hamburg“ in Hamburg International Queer Film Festival, um die Vielfalt queerer Identitäten und Erfahrungen auch im Namen sichtbar zu machen.

Heute lockt das Festival jedes Jahr rund 15.500 Besucher*innen in Hamburger Kinos und zu den begleitenden Veranstaltungen. Organisiert wird es weiterhin überwiegend ehrenamtlich und aus der Community heraus. Gerade diese enge Verbindung zur queeren Community macht einen wesentlichen Teil des Festivals aus.

Das Selbstverständnis des Festivals geht dabei weit über das reine Zeigen von Filmen hinaus. Es beschreibt sich als Ort für vielfältige internationale Filmkultur und für den gesellschaftlichen Austausch über queere Themen. Dort können auch das aktuelle Programm eingesehen und Tickets gekauft werden. Neben Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen gehören Gespräche mit Filmschaffenden, Workshops, Vorträge und Partys zum Programm. Das Festival schafft damit Räume für Begegnungen, Diskussionen und Vernetzung innerhalb der Community sowie mit einem breiten Publikum.

Besonderes Augenmerk liegt auf der internationalen Perspektive. Gezeigt werden Produktionen aus unterschiedlichen Ländern, die queere Lebensrealitäten sichtbar machen und gesellschaftliche Fragen aufgreifen. Die Filme erzählen von Liebe, Identität, Familie, Diskriminierung, politischem Widerstand und Selbstbestimmung. Damit trägt das Festival dazu bei, queere Geschichten auf die große Leinwand zu bringen und Stimmen zu stärken, die im Mainstream-Kino häufig unterrepräsentiert sind.

Link zum Programm

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Der Hamburger Fotograf Markus Heft widmet sein aktuelles Fotoprojekt „Für uns geträumt“ einer Gruppe, die in der öffentlichen Wahrnehmung häufig wenig sichtbar ist: queeren Menschen über 60 Jahren. Mit Porträts und persönlichen Geschichten rückt er eine Generation in den Mittelpunkt, die über Jahrzehnte für gesellschaftliche und rechtliche Anerkennung kämpfen musste und deren Erfahrungen heute oftmals wenig Beachtung finden.

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Heft betont, dass queere Menschen über 60 viel erlebt haben, aber selten gezeigt werden. Ihre Lebensrealitäten waren unter anderem von Kriminalisierung, Pathologisierung und geringer gesellschaftlicher Akzeptanz geprägt. Coming-outs konnten mit erheblichen Risiken verbunden sein und Beziehungen mussten teilweise versteckt werden. Queere Netzwerke boten vielen eine der wenigen Möglichkeiten, Gemeinschaft zu erleben. Heute hat sich die rechtliche und gesellschaftliche Situation zwar deutlich verändert, die Sichtbarkeit älterer queerer Menschen ist jedoch weiterhin gering. In Medien, Kultur und queeren Räumen stehen häufig jüngere Generationen im Mittelpunkt. Heft möchte dem etwas entgegensetzen. Sein Ziel ist es, Lebensgeschichten zu würdigen, Erfahrungen zu dokumentieren und queere Senior*innen als wichtigen Teil der Community sichtbar zu machen.

„Es ist die eine Sache, sich zu outen und sein authentisches Leben zu leben, aber sich damit vor eine Kamera zu stellen und in die Öffentlichkeit zu gehen, sich angreifbar zu machen und sich potenziell queer-feindlicher Gewalt auszusetzen – das braucht Überwindung“, so Heft in einem Beitrag des NDR.

Für sein Projekt besucht Heft die Porträtierten zu Hause oder an Orten, die für ihr Leben von Bedeutung sind. Begleitet werden die Bilder von kurzen Texten, in denen die Senior*innen über ihr Leben sprechen. Es geht darin unter anderem um erste Liebeserfahrungen, Diskriminierung, politische Kämpfe und das Älterwerden als queere Person.

Einige berichten, dass sie sich erst im Alter wirklich frei fühlen oder sich erst später im Leben getraut haben, sich zu outen. Andere erzählen von Einsamkeit, fehlenden Treffpunkten oder dem Verlust von Freund*innen durch HIV und Aids. Heft gibt diesen unterschiedlichen Erfahrungen Raum und macht damit die Vielfalt queeren Alterns sichtbar.

Das Projekt greift zugleich ein Thema auf, das zunehmend auch in Forschung, Pflege und Seniorenarbeit diskutiert wird: die Lebenssituation älterer queerer Menschen. Viele der heute über 60-Jährigen haben gesellschaftliche Veränderungen und die Kämpfe um die Rechte queerer Menschen über Jahrzehnte miterlebt oder selbst mitgestaltet. Mit seinem Projekt möchte Heft deshalb nicht nur ihre Geschichten dokumentieren, sondern auch für die Bedürfnisse queerer Senior*innen sensibilisieren.

Im Herbst/Winter 2026 soll das Projekt nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne als Buch erscheinen. Auf der Webseite des Fotografen können Interessierte bereits einen ersten Einblick in das Projekt erhalten.

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Inter* und trans* bezeichnen unterschiedliche Aspekte, sie können jedoch dieselbe Person betreffen. Manche inter* Personen identifizieren sich als trans* und wünschen sich medizinisch begleitete Transitionsschritte, andere streben körperliche Veränderungen an, ohne sich mit dem Begriff trans* zu identifizieren.

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Für inter* Personen, die eine medizinisch unterstützte Transition planen, kann die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung zu einer erheblichen Hürde werden. Über Anträge für transitionsbezogene Maßnahmen wie Operationen, Hilfsmittel oder Epilation entscheidet in Deutschland der Medizinische Dienst (MD). Die entsprechende Begutachtungsrichtlinie aus dem Jahr 2020 schließt inter* Personen von den dort geregelten Voraussetzungen für eine Kostenübernahme aus.

Dieser Ausschluss steht im Zusammenhang mit medizinischen Diagnose- und Klassifikationssystemen. Im DSM-IV und im ICD-10 wurde Intergeschlechtlichkeit als Ausschlusskriterium für die Diagnosen „Geschlechtsidentitätsstörung“ beziehungsweise „Transsexualismus“ verwendet. Diese Einordnung beruht auf der inzwischen überholten Annahme, dass inter* Personen mit dem Wunsch nach geschlechtsangleichenden Maßnahmen im Rahmen einer Transition grundsätzlich anders zu behandeln seien als endogeschlechtliche trans* Personen.

Neuere Entwicklungen gehen teilweise in eine andere Richtung. ICD-11 und DSM-5 verabschieden sich vom grundsätzlichen Ausschluss von inter* Personen im Zusammenhang mit geschlechtsangleichenden Maßnahmen. Auch die im Jahr 2018 veröffentlichte S3-Leitlinie zu Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit nennt Intergeschlechtlichkeit nicht mehr als Ausschlusskriterium für eine medizinische Transitionsbegleitung.

In der Praxis gelten diese selbstbestimmungsorientierten Ansätze jedoch nicht automatisch für die Bewilligung durch die gesetzliche Krankenversicherung. Da die Begutachtungsrichtlinie des MD weiterhin auf älteren Kriterien beruht, werden inter* Personen häufig als Einzelfälle behandelt. Ob eine Kostenübernahme erfolgt, kann dadurch von individuellen Einschätzungen der behandelnden Fachpersonen und der Gutachter*innen des MD abhängen.

Der Ausschluss betrifft damit nicht nur eine formale Regelung zur Kostenübernahme. Er kann den Zugang zu medizinischen Maßnahmen erschweren und dazu führen, dass inter Personen gewünschte Behandlungen selbst finanzieren oder auf eine Versorgung verzichten müssen. Die Fachstelle TIN des gemeinnützigen Vereins TransInterQueer e. V. sieht darin eine Einschränkung der Selbstbestimmung von inter* Personen sowie eine Fortführung bestehender Pathologisierung und Marginalisierung im Gesundheitssystem.

Aus Sicht der Fachstelle müsste eine inklusive Gesundheitsversorgung die individuellen Wünsche und Bedürfnisse der jeweiligen Person berücksichtigen. Dafür sei unter anderem eine Überarbeitung der Begutachtungsrichtlinie des MD erforderlich, die sich an neueren medizinischen Leitlinien und einer selbstbestimmungsorientierten Versorgung ausrichtet. Die Autor*innen von TransInterQueer e. V. sehen daraus Handlungsbedarf für Politik, Gesundheitswesen und Zivilgesellschaft.

Die Publikation zu dem Thema kann hier nachgelesen werden. Bei Beratungs- oder Fachberatungsbedarf zu dem Thema ist die Fachstelle unter inter@transinterqueer.org erreichbar.

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Queeres Leben ist in Schleswig-Holstein zunehmend sichtbar. In diesem Jahr finden 18 CSDs statt – so viele wie noch nie. Dennoch fehlt es insbesondere in ländlichen Räumen an festen und kontinuierlichen Anlaufstellen. Gerade für queere Jugendliche kann dies zum Problem werden, da ihre Mobilität häufig eingeschränkt ist.

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Während größere Städte wie Kiel, Lübeck oder Flensburg über Beratungsstellen, Jugendgruppen und Community-Orte verfügen, sieht die Situation im ländlichen Raum häufig anders aus. Jugendliche haben dort weniger Möglichkeiten, sich mit anderen queeren Menschen auszutauschen oder Unterstützung bei Fragen zur eigenen Identität zu erhalten. Zugleich sind sie teilweise auf ihre Eltern oder eine eingeschränkte Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Der Besuch queerer Jugendtreffs kann dadurch zur logistischen Herausforderung werden oder ganz unmöglich sein. „Wenn Treffpunkte und Beratung fehlen, bleiben queere Menschen mit Fragen oder Diskriminierungserfahrungen schneller allein“, so Danny Clausen-Holm vom Verband Queerer Vielfalt in Schleswig-Holstein.

Danny Glaß von lambda::nord kennt die Situation queerer Jugendlicher auf dem Land aus eigener Erfahrung. Seit seinem Outing mit 14 Jahren engagiert sich der Husumer für die Community. Sein Ziel ist es, queere Treffpunkte auch außerhalb der Städte zu etablieren, die über einzelne Veranstaltungen wie den CSD hinaus ganzjährig zur Verfügung stehen.

Neben neuen Angeboten wie dem „Hafen der Akzeptanz“ setzt Glaß auf die Zusammenarbeit mit lokalen Akteur*innen. Gemeinsam mit dem Kreisjugendring Nordfriesland werden bereits aktive Ehrenamtliche und Fachkräfte in Workshops für die Lebensrealitäten queerer Jugendlicher sensibilisiert. Dabei geht es unter anderem um queere Lebensrealitäten und Sprache sowie um die Frage, wie bestehende Angebote so gestaltet werden können, dass sich queere Jugendliche mitgedacht und angesprochen fühlen.

Vor dem Hintergrund einer steigenden Zahl registrierter Straftaten gegen queere Menschen in Schleswig-Holstein kommt sicheren Anlaufstellen zusätzliche Bedeutung zu. Zwar existieren bereits ehrenamtlich organisierte Gruppen, doch diese stoßen teilweise an Kapazitätsgrenzen oder sind wenig bekannt. Auf der Seite des NDR gibt es eine Karte, die einen Überblick über bereits bestehende queere Anlaufstellen in Schleswig-Holstein bietet.

Auch die langfristige Finanzierung entsprechender Angebote bleibt eine Herausforderung. Auf Landesebene werden queere Projekte gefördert, zugleich können Veränderungen bei Bundesprogrammen Auswirkungen auf die verfügbaren Mittel haben. Auch lambda::nord ist auf eine verlässliche Finanzierung seiner Angebote angewiesen. Neben einer stabilen Förderung wünscht sich Danny Glaß vor allem mehr gesellschaftliche Akzeptanz. Seine zentrale Botschaft formuliert er dabei bewusst einfach: „Queere Menschen sind Menschen. Queere Jugendliche sind Jugendliche.“

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Mehrere transgeführte Organisationen haben Ende Juli eine deutliche Reisewarnung für Großbritannien veröffentlicht. Das Trans Exile Network (TEN), das Trans Advocacy and Complaint Collective (TACC), Compton’s Café CIC und Transpilot Ltd fordern LSBTIQ*-Organisationen weltweit dazu auf, Menschen über die aus ihrer Sicht erheblich verschlechterte Lage von trans*, nichtbinären* und intergeschlechtlichen Personen im Vereinigten Königreich zu informieren.

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Im Zentrum der Warnung stehen rechtliche und politische Entwicklungen der vergangenen Jahre, insbesondere das Urteil des britischen Supreme Court vom April 2025 sowie darauf aufbauende staatliche Leitlinien. Die beteiligten Organisationen sehen darin einen tiefgreifenden Einschnitt in die Rechte von trans* Menschen und sprechen von einem zunehmend feindlichen Umfeld.

Dr. Victoria McCloud von TEN, die nach eigenen Angaben mittlerweile in Irland lebt, findet deutliche Worte: „Es ist ein trauriger Zustand, wenn unabhängige Organisationen die Freiheit und Sicherheit von trans* Personen schützen müssen, indem sie vor Reisen in ein demokratisches Land warnen“ (übersetzt aus dem Englischen).

Die von den Organisationen verbreitete Empfehlung listet Entwicklungen auf, die aus ihrer Sicht für Reisende relevant sein könnten. Dazu gehören neue Regelungen und Leitlinien zu geschlechtergetrennten Räumen wie Toiletten, Umkleiden und Krankenhausstationen sowie zu polizeilichen Durchsuchungen. Der Zugang zu geschlechtergetrennten Räumen soll demnach am bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht ausgerichtet werden. Die Organisationen kritisieren zudem, dass geänderte Geschlechtseinträge in Dokumenten wie Reisepässen oder Ausweisen dabei vielfach nicht als maßgeblicher Nachweis anerkannt würden.

Sorgen äußern die Initiator*innen auch hinsichtlich möglicher Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen im Alltag. Sie verweisen auf eine Zunahme transfeindlicher Berichterstattung in britischen Medien sowie auf weiterhin hohe Zahlen von Hasskriminalität gegen trans Menschen. Betroffen seien nicht nur trans* Personen selbst, sondern auch Menschen, deren Geschlechtsausdruck nicht gesellschaftlichen cisgeschlechtlichen Normvorstellungen entspricht und die deshalb als trans* gelesen werden.

Auch international wird die Entwicklung der Rechte von trans* Personen im Vereinigten Königreich kritisch beobachtet. In den vergangenen Jahren äußerten sowohl UN-Expert*innen als auch Menschenrechtsinstitutionen des Europarats Besorgnis über entsprechende Entwicklungen. Die britische Regierung wiederum vertritt die Position, dass die neuen Regelungen auf geltendem Recht und gerichtlichen Entscheidungen basieren und dem Schutz geschlechtergetrennter Räume dienen sollen.

Während Befürworter*innen der neuen Regelungen von rechtlicher Klarheit und dem Schutz von Frauen sprechen, sehen viele trans* Personen und ihre Verbündeten darin erhebliche Einschränkungen ihrer Teilhabe und Sicherheit.

Für Reisende aus Deutschland und anderen europäischen Ländern kann es daher sinnvoll sein, sich vor einem Aufenthalt im Vereinigten Königreich über die aktuelle Situation und die geltenden Regelungen etwa bei Institutionen, Veranstaltungen und Unterkünften zu informieren. Die Herausgebenden der Reisewarnung formulieren ihre eigene Empfehlung deutlich: „Stay Safe, Stay Away.“

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Im vergangenen Monat sorgte der Passauer Bischof Stefan Oster mit seiner Predigt zu Mariä Himmelfahrt erneut für Kritik. Darin sprach er unter anderem über CSD-Teilnehmende und stellte einen Zusammenhang zwischen zunehmendem Atheismus, gesellschaftlicher Vielfalt und einer möglichen Gefährdung der Demokratie her.

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CN: Homophobie, Transphobie, religiöser Kontext

Queere Menschen seien für ihn zwar Ausdruck der Freiheit, die eine Demokratie ermögliche. Die „geglaubte Nichtexistenz Gottes“ erweitere jedoch den gesellschaftlichen Kontext so stark, dass die entstehende Vielfalt nicht mehr dem biblischen Menschenbild entspreche. Durch eine größere Vielfalt würden die Menschen immer weiter auseinandergehen und das Gegeneinander verschiedener Interessen würde sich verstärken, so Oster. Dadurch könne der Wunsch nach einfachen Lösungen und einer starken Autorität an der Spitze wachsen und letztlich in eine Diktatur führen.

Oster hat sich bereits in der Vergangenheit wiederholt kritisch über queere Lebensweisen geäußert. So kritisierte er den ehemaligen Unionsfraktionschef Jens Spahn, nachdem dieser seine Familie mithilfe einer Leihmutter gegründet hatte. 2015 äußerte Oster die Ansicht, schwule und lesbische Menschen hätten eine unausgereifte Sexualität, und unterstellte einen vermeintlichen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie. 2021 vertrat Oster in einer Predigt weitere umstrittene Positionen zu queeren Menschen. Er verglich intersexuelle Körpermerkmale mit medizinischen Fehlbildungen, stellte geschlechtliche Transitionen grundsätzlich infrage und forderte von homosexuellen Menschen ein Leben ohne sexuelle Beziehungen. Als Alternative beschrieb er eine „geistliche Verbindung mit Christus“.

Kritik an Osters jüngsten Aussagen kommt unter anderem vom Katholischen LSBT+ Komitee und vom Passauer Bundestagsabgeordneten Luke Hoß (Die Linke). Das Komitee, in dem sich queere katholische Organisationen zusammengeschlossen haben, bezeichnete Osters Äußerungen als abwegig. Zudem kritisierte es den Zeitpunkt der Aussagen vor dem Hintergrund des Anschlags am Rande des Berliner CSD: „Dieser Angriff hätte eine klare Verurteilung und unmissverständliche Solidarität mit den Betroffenen erfordert“, heißt es in der Stellungnahme des Komitees.

Auch Hoß reagierte deutlich und legte Oster einen Rücktritt nahe. Er widersprach insbesondere der Darstellung queerer Vielfalt als Gefahr für die Demokratie und erklärte seinerseits, Menschen, die Queerness als unnormal betrachteten, seien eine Gefahr für die Demokratie. Die Kontroverse um Osters Predigt reiht sich damit in die anhaltende Auseinandersetzung innerhalb der katholischen Kirche über den Umgang mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt ein.

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Echte Vielfalt
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