Weiterlesen Während der CSD-Saison entstehen häufig zusätzliche Kulturprogramme wie Filmabende, Podiumsdiskussionen oder Ausstellungen. Doch außerhalb der Sommermonate verlagert sich queere Kultur in andere Formate: Ein zentrales Beispiel für kontinuierliche Arbeit ist HAKI e.V. in Kiel. Der Verein organisiert ganzjährig Gruppenangebote, Selbsthilfeformate und kulturelle Begegnungsräume. Auch der Landesverband LSVD⁺ – Verband Queere Vielfalt Schleswig-Holstein wirkt über den Pride-Sommer hinaus in Bildungs-, Beratungs- und Vernetzungsprojekten. Auch wenn größere Städte wie Kiel und Lübeck allein durch ihre strukturelle Infrastruktur, Szene-Lokale und ihr Hochschulumfeld profitieren, zeigt sich in Schleswig-Holstein eine bemerkenswerte regionale Streuung: Kleinere Städte wie Elmshorn, Pinneberg oder Rendsburg haben eigene CSD-Initiativen oder Community-Gruppen aufgebaut. An der Westküste, in Mittelstädten oder im ländlichen Raum entstehen zunehmend niedrigschwellige Angebote. Allerdings bleibt die Herausforderung deutlich: Im ländlichen Raum sind queere Veranstaltungen oft projektbezogen und stark von Einzelengagement abhängig. Kontinuität ist hier schwerer zu sichern als in urbanen Zentren. Dazu kommt, dass queere Kultur in Schleswig-Holstein überwiegend ehrenamtlich organisiert ist: Vereine, Initiativen und lose Netzwerke stemmen Veranstaltungsplanung, Öffentlichkeitsarbeit, Fördermittelakquise und politische Interessenvertretung. Trotz der insgesamt positiven Entwicklungen bleiben Fragen offen: Während CSD-Paraden inzwischen in vielen Städten etabliert sind, ist die strukturelle Absicherung ganzjähriger Kulturangebote noch ausbaufähig.
Allgemein
Queere Vielfalt in Schulen: Vom Anspruch zur gelebten Praxis
26. Februar 2026Weiterlesen Queere Schüler*innen erleben nach wie vor überdurchschnittlich häufig Diskriminierung, Ausgrenzung oder Mobbing. Studien (z.B. der European Union Agency for Fundamental Rights, 2024) zeigen, dass fehlende Sichtbarkeit und mangelnde Sensibilität im schulischen Umfeld negative Auswirkungen auf psychische Gesundheit, Lernmotivation und Bildungsbiografien haben können. Eine inklusive Schulkultur ist deshalb keine Zusatzaufgabe, sondern Teil professioneller Schulentwicklung. Vor diesem Hintergrund hat die SPD-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag einen Antrag in den Landtag eingebracht, der sich mit der Stärkung queerer Vielfalt und dem Schutz vor Diskriminierung im schulischen Kontext befasst. Im Kern geht es darum, bestehende Maßnahmen weiterzuentwickeln, Sensibilität strukturell zu verankern und Schulen in ihrer Verantwortung für ein diskriminierungsfreies Lernumfeld zu unterstützen. Der Antrag ist damit Ausdruck einer breiteren gesellschaftlichen Debatte – im Mittelpunkt steht jedoch das Thema selbst: Wie gelingt es, Vielfalt verbindlich in schulische Praxis zu übersetzen? Es gibt bereits bewährte Ansätze, auf die sich zurückgreifen lässt: 1. Verlässliche Ansprechpersonen und Schutzkonzepte: Schulen können feste Vertrauenslehrkräfte oder Diversity-Beauftragte benennen, die für Fragen rund um sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität qualifiziert sind. Ergänzend wirken klar formulierte Antidiskriminierungsleitlinien, die explizit LSBTIQ*-Feindlichkeit benennen. Solche Schutzkonzepte orientieren sich häufig an Empfehlungen der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, die betont, dass Diskriminierungsschutz institutionell verankert sein muss – nicht nur situativ reagierend. 2. Selbstgewählter Name und Pronomen im Schulalltag: Ein niedrigschwelliger, aber wirkungsvoller Schritt ist die konsequente Nutzung des selbstgewählten Namens und der gewünschten Pronomen. Auch wenn Personenstandsänderungen noch nicht abgeschlossen sind, signalisiert diese Praxis Anerkennung. Schulinterne Handreichungen können Lehrkräften Sicherheit im Umgang mit datenschutzrechtlichen Fragen geben und Missverständnisse vermeiden. 3. Unterrichtliche Verankerung: Queere Lebensrealitäten lassen sich in verschiedenen Fächern thematisieren: Im Deutschunterricht über Literatur, im Geschichtsunterricht über Emanzipationsbewegungen, im Biologieunterricht differenziert und wissenschaftlich fundiert. Wichtig ist dabei eine sachliche, altersangemessene und stereotypfreie Darstellung. Das Deutsches Jugendinstitut weist darauf hin, dass Sichtbarkeit im Lehrplan signifikant zur Reduktion von Vorurteilen beitragen kann. 4. Kooperation mit externen Trägern: Workshops mit queeren Bildungsinitiativen oder Projekttage zu Vielfalt und Demokratiebildung schaffen Raum für Fragen, die im regulären Unterricht oft zu kurz kommen. Hier profitieren Schulen von Kooperationen mit regionalen Netzwerken und Landesprogrammen. In Schleswig-Holstein unterstützt das Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein Programme zur Stärkung von Akzeptanz und Diversität im Bildungsbereich, z.B. SCHLAU Schleswig-Holstein, ein landesweite Netzwerk lokaler SCHLAU Gruppen mit einem breiten Angebot an Bildungs-, Aufklärungs- und Antidiskriminierungsworkshops zu geschlechtlicher, sexueller und romantischer Vielfalt für Schulen, Sportvereine, Jugendzentren und andere Jugendeinrichtungen. Queere Vielfalt in Schulen ist kein Randthema und keine ideologische Zusatzdebatte. Es geht um Bildungsqualität, Chancengerechtigkeit und den Schutz junger Menschen. Politische Initiativen wie der Antrag der SPD-Fraktion machen deutlich, dass dieses Thema auch auf Landesebene als strukturrelevant verstanden wird – entscheidend bleibt jedoch die konkrete Umsetzung im schulischen Alltag.
Zunahme von Gewalttaten im Zusammenhang mit queerem Dating – Was ist die Realität? Wie geht es Betroffenen? Und wie kann ich mich schützen?
24. Februar 2026Weiterlesen Wie das Magazin Schwulissimo bereits vor über einem Jahr berichtete, nutzen Täter*innen Dating-Apps systematisch, um queere Menschen in Hinterhalte zu locken und sie dann zu überfallen, zu verletzen und auszurauben. Der vermeintlich oder ehemals sichere community-nahe Raum verliert seinen geschützten Charakter. Die Taten folgen häufig einem ähnlichen Muster: Über Dating-Apps wird Kontakt aufgebaut, Sympathie erzeugt und ein Treffen vereinbart. Vor Ort kommt es dann zu Überfällen. Gerade schwule oder bisexuelle Männer* bewegen sich häufiger in anonymen öffentlichen Räumen, etwa in Parks oder Seitenstraßen, auch weil sie nicht geoutet sind oder Diskretion suchen. Diese Umstände werden von Tätergruppen gezielt ausgenutzt. Angriffe finden jedoch auch in den eigenen Wohnräumen der Opfer statt. Was zurückbleibt, sind Erfahrungen, die das Leben der Betroffenen tiefgreifend prägen. Viele entwickeln Ängste und Panik, ziehen sich zurück und beenden ihr offenes Dating- und Sexleben. Die gerade erlangte Freiheit, sich offen sexuell ausleben zu können, wird durch Gewalt und Angst erneut eingeschränkt. Hinzu kommt mangelndes Verständnis für die Opfer – innerhalb wie außerhalb der Community. Nicht selten kommt es zu Täter-Opfer-Umkehr, indem Betroffenen „Leichtsinn“ unterstellt wird. Plattformen wie Grindr, die auf geosozialer Interaktion basieren, können diese Dynamiken begünstigen. Profile werden auf Grundlage des geografischen Standorts angezeigt, spontane Begegnungen werden gefördert. Frühere Sicherheitslücken, bei denen sogar Personen ohne eigenes Profil auf Standortdaten zugreifen konnten, zeigen, wie solche Funktionen gezielte Angriffe erleichtern können. Konkrete Zahlen zu queerfeindlichen Taten sind schwer zu benennen, da viele Übergriffe nicht angezeigt werden. Gründe sind fehlendes Outing, Angst vor respektlosem Verhalten durch Behörden oder Scham, weil das Treffen als sexuelles Date geplant war. Zudem erschwert die häufige Anonymität der Profile die Ermittlungen. Gleichzeitig spiegeln sich steigende queerfeindliche Gewaltformen in den Zahlen politisch motivierter Kriminalität wider. Für 2024 wurden im Unterthemenfeld „sexuelle Orientierung“ 1.765 Straftaten (+18 %) registriert, im Bereich „geschlechtsbezogene Diversität“ 1.152 Fälle (+35 %). Eine Vielzahl dokumentierter Fälle aus verschiedenen Städten zeigt, dass sich Gewalttaten im Zusammenhang mit Dating-Apps häufen (der LSVD+ dokumentiert die Taten hier). Nur bei wenigen dieser Taten konnte innerhalb eines Strafprozesses Homophobie oder Queerfeindlichkeit als Tatmotiv festgestellt werden, was auch mit der schwierigen Identifizierung der Täter zusammenhängt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass viele dieser Übergriffe von queerfeindlichen Einstellungen begleitet werden. Gewalt im Kontext queeren Datings ist kein Randphänomen, sondern Ausdruck wachsender gesellschaftlicher und struktureller Queerfeindlichkeit. Sichere Räume – auch digitale – zu verteidigen, bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Zugleich braucht es einen Ausbau der Prävention, konsequente Strafverfolgung und solidarische Unterstützung für Betroffene. Wo und wie können Betroffene Hilfe suchen? Bei akuter Gefahr gilt: 112 oder 110. Präventionsmöglichkeiten Vor dem Date können Video-Calls oder Social-Media-Abgleiche zur Verifizierung beitragen. Freund:innen sollten über Ort und Zeit informiert werden.
Nach einem Vorfall sollten medizinische Versorgung gesichert, Beweise dokumentiert und – auch anonym möglich! – Anzeige erstattet werden. Auch Beratungsstellen bieten Unterstützung, zum Beispiel:
Beim Treffen empfiehlt sich ein öffentlicher Ort für das erste Date, eine eigenständige An- und Abreise sowie Aufmerksamkeit im Umgang mit Getränken.
Digital sollten Standortfreigaben eingeschränkt und sensible Daten nicht im Profil hinterlegt werden.
Weiterlesen Schwere Lage in Iran, Saudi-Arabien und Irak Amnesty International verzeichnete in diesem Frühjahr einen Höchststand bei Hinrichtungen, wobei die drei Länder mit den extremsten Strafen für queere Menschen (Iran, Saudi-Arabien und Irak) besonders auffallen. Im Irak hat ein neues homofeindliches Gesetz zu einer drastischen Verschärfung der Lage geführt: Behörden und politische Akteur*innen haben gezielte Hetzjagden auf queere Menschen gestartet, die oft ins Untergrund- oder Versteckleben gedrängt werden. Viele versuchen, das Land zu verlassen. Im Iran verschärft das Regime im Zuge seiner Repressionen gegen Protestbewegungen auch die Unterdrückung queerer Aktivist*innen. Tausende wurden verhaftet, viele gefoltert oder getötet. Einige, wie die queere Aktivistin Zahra Sedighi-Hamadani, konnten nur durch internationale Unterstützung ausreisen. In Saudi-Arabien hängt das Überleben queerer Menschen oft von finanziellen Mitteln ab: Wohlhabende können sich ein verstecktes Leben einrichten oder ausreisen, arme Menschen sind der Gefahr von Ausbeutung, Folter und Verhaftung ausgesetzt. Die Entscheidung, die Fußball-Weltmeisterschaft 2034 nach Saudi-Arabien zu vergeben, zeigt für Haag, wie Sportgroßveranstaltungen in Ländern mit gravierenden Menschenrechtsverletzungen politische Botschaften der Gleichgültigkeit senden. Ein globaler Trend zum Rückschritt Während einige Staaten homosexuelle Handlungen entkriminalisieren, verstärken andere die Kriminalisierung queeren Lebens. Nach Einschätzung von Amnesty gibt es global kaum noch positive Entwicklungen: In Ländern wie Ungarn, Bulgarien oder der Slowakei werden Rechte eingeschränkt, und auch in den USA haben politische Kräfte begonnen, frühere Fortschritte zurückzudrängen. Ein wesentlicher Faktor sei der strategische politische Aufbau queerfeindlicher Netzwerke, die darauf abzielten, erreichte Rechte systematisch wieder abzubauen. Afrika: Einfluss externer Bewegungen und neue Bedrohungen In Teilen Afrikas erschweren neue repressive Gesetze die Lage zusätzlich. In Uganda etwa führte langjährige Einflussnahme evangelikaler Gruppen aus dem Ausland zur Verabschiedung eines Anti-Homosexualitätsgesetzes mit Todesstrafe. Ähnliche Entwicklungen werden aktuell auch in Ghana und anderen ostafrikanischen Staaten beobachtet. Haag betont, dass europäische Regierungen Druck auf diese Parlamente ausüben und lokale, progressive Gemeinschaften stärken müssten, um diesem Trend entgegenzuwirken. Was nötig ist: Globale Solidarität und politische Kraft Angesichts dieser Entwicklungen ist laut Haag eine internationale Bündelung queerpolitischer Kräfte notwendig: Queere Lobbyarbeit, politische Einflussnahme und Kooperation zwischen NGOs und Staaten müsse stärker werden. Besonders wichtig sei es, staatliche Unterstützung für lokale Initiativen wieder auszuweiten, nachdem sie vielerorts zurückgefahren wurde. Deutschland im Blick Auch in Deutschland bestehen Herausforderungen. Die neue Bundesregierung wird kritisiert, weil im aktuellen Koalitionsvertrag wichtige Schutzmaßnahmen gegen Hassverbrechen fehlen. Zudem wurde ein Aufnahmeprogramm für gefährdete Menschen, darunter viele queere Geflüchtete, eingestellt, was ihre Situation weiter verschärft. Amnesty fordert daher, dass Deutschland und andere EU-Staaten mehr tun, um Schutz und Aufnahme zu gewährleisten. Gegen Rassismus und Queerfeindlichkeit Haag macht deutlich, dass Diskriminierung und Gewalt nicht gegeneinander ausgespielt werden dürften. Schutz vor Queerfeindlichkeit müsse Hand in Hand gehen mit Maßnahmen gegen Rassismus und andere Formen struktureller Diskriminierung. Gleichzeitig müsse klar signalisiert werden, dass Hasskriminalität streng verfolgt werde.
Vier queere Podcast-Empfehlungen
5. Februar 2026Weiterlesen Willkommen im Club – der queere Podcast von PULS Im queeren Podcast von PULS (BR) sind mittlerweile fast 200 Folgen erschienen, die Themen aus der LSBTIQ*-Community aufgreifen. Die Hosts Sophia und Dimi sprechen offen und zugänglich über queere Lebensrealitäten – von historischen Blickwinkeln über persönliche Erfahrungen bis hin zu aktuellen Fragen rund um Identität, Liebe und Gesellschaft. Between Dykes Dan und Margo sprechen im Podcast „Between Dykes“ über Themen rund um Queerness, Nicht-Binarität und Trans*sein. Sie diskutieren unter anderem Begriffe wie FLINTA* und tauschen sich über die Bedeutung queerer Communities und Allyship aus. Außerdem teilen sie ihre persönlichen Erfahrungen und Gedanken, etwa zum Lesbisch-Sein oder zu Mastektomien, und geben Einblicke in ihre Beziehung. Light On! Queere Kultur und Geschichte Im Rahmen eines Forschungsprojekts der Universität Regensburg wird im recht neuen Podcast „Light On! Queere Kultur und Geschichte“ über Geschichte von LSBTIQ*-Personen gesprochen, die oft unsichtbar geblieben sind. Wissenschaftler*innen sprechen in den einzelnen Folgen über diverse (kultur-)geschichtliche Themen im Kontext queerer Lebenswelten. Queer Voices Podcast Élie Chevillet lädt im „Queer Voices Podcast“ jede Folge eine Person aus der LSBTIQ* Community ein, um verschiedene Facetten von Queerness zu beleuchten. Durch die Verbindung von sozialen Themen mit persönlichen und biografischen Perspektiven eröffnet der Podcast eine intersektionale Sicht auf queere Lebensrealitäten. Dabei sollen Stimmen zu Wort kommen, die auch innerhalb der queeren Gemeinschaft häufig weniger Sichtbarkeit erfahren. Weitere Podcast-Empfehlungen haben wir in einem früheren Artikel zusammengestellt.
Petition zur Wiedereinführung des Aktionsplans „Queer Leben“
3. Februar 2026Weiterlesen Mit dem Aktionsplan „Queer Leben“ sollten die rechtliche Gleichstellung, die Sicherheit und Teilhabe queerer Menschen verbessert werden. Im Rahmen dessen wurden einige Maßnahmen umgesetzt, die als Erfolge für die LSBTIQ*-Gemeinschaft gedeutet wurden, darunter das Selbstbestimmungsgesetz sowie die Abschaffung des Blutspendeverbots für schwule und bisexuelle Männer. In Hinblick auf die Situation von Regenbogenfamilien, die mit dem Aktionsplan ebenfalls verbessert werden sollte, hat sich jedoch wenig getan. Obwohl der Aktionsplan und seine Umsetzung auch vonseiten queerer Initiativen in der Kritik standen, war er das bundesweit einzige Förderprojekt für queere Projekte, wie im Petitionstext hervorgehoben wird. In den meisten Bundesländern werden solche Maßnahmenpakete stetig weiterentwickelt, dies müsse auch auf Bundesebene geschehen. Die Initiator*innen richten sich mit ihrer Forderung, den Aktionsplan weiterzuführen, an die Bundesregierung, insbesondere Lars Klingbeil (Bundesfinanzminister), Alexander Dobrindt (Bundesinnenminister) und Karin Prien (Ministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend). Dabei wird betont, dass ein Auslaufen des Aktionsplans, mit dem Queerfeindlichkeit abgebaut werden sollte, in Zeiten „wachsender queerfeindlicher Hasskriminalität und dem Erstarken rechtsextremer Kräfte […] schlicht verantwortungslos“ sei. In einer Pressemitteilung zitiert Alexander Vogt vom Bundesvorstand des LSVD+ - Verband Queere Vielfalt den Bundeskanzler Friedrich Merz mit seinem Versprechen, queere Menschen zu schützen, und fordert, dass diesen Worten auch Taten folgen müssen: „Die Bundesregierung darf sich nicht ihrer Verantwortung entziehen, denn queeres Leben in Deutschland ist derzeit so bedroht wie schon lange nicht mehr“, so Vogt. Hier geht es zur Petition. Zu den Erstunterzeichner*innen gehören unter anderem der LSVD+, die Bundesprecher*innen der Linke queer, die Bundestagsabgeordneten Maik Brückner, Sven Lehmann und Nyke Slawik sowie Aktivist*innen. Initiiert wurde sie von Nadine Primo und Luna Möbius. Weitere Informationen finden sich auf der Webseite des LSVD+.
Weiterlesen Im Jahr 1999 gründete sich der Verein zunächst unter dem Namen „forum homosexualität münchen – Lesben und Schwule in Geschichte und Kultur e.V.“ und sammelt und forscht seitdem zur queeren Geschichte in München und Bayern. Zum 20. Jubiläum wurde der Name modernisiert und in „Forum Queeres Archiv München e.V. – LesBiSchwulTransInter* in Geschichte und Kultur“ umbenannt. Das Archiv versucht „die Lebenskultur von LGBTIQ* der vergangenen Jahrzehnte in München und der Region zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“. Darin enthalten sind zahlreiche Bücher, Poster und Filme, darunter auch Aufzeichnungen von Pride-Veranstaltungen und Demonstrationen. Ebenso beinhaltet das Archiv private Tagebücher und Fotoalben von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans* und inter* Personen, die der Verein als besonders relevant hervorhebt: Private Dokumente hätten „zu jeder Zeit außergewöhnliche Bedeutung und sind es wert, als Zeugnisse bewahrt zu werden“. Es werden regelmäßig Führungen durch das Archiv angeboten. Im digitalen queeren Archiv sind zudem einige ausgewählte Dokumente online verfügbar – zum Beispiel eine Zeitschrift für lesbische und trans Frauen in der Weimarer Republik Die Freundin. Zu den aktuellen Projekten des Archivs gehören unter anderem die Erforschung der lesbischen Kneipengeschichte in München, eine Forschungsgruppe zum Maler Paul Hoecker sowie die Vorstellung von bayerischen LGBTIQ* Persönlichkeiten in Steckbriefen. Besonders zu empfehlen ist auch die Münchner LGBTIQ*-Chronik, die „Landmarken der LGBTIQ*-Geschichte und -Emanzipation“ in München und darüber hinaus enthält. Diese reichen vom ersten Beleg für die Verfolgung Homosexueller im 14. Jahrhundert zur Gründung schwuler Clubs in den 1920ern, der Verfolgung von LGBTIQ*-Personen im Nationalsozialismus. Sie beinhaltet auch Daten emanzipatorischer Momente der Lesben- und Schwulenbewegung in der Nachkriegszeit sowie zeitgenössische Meilensteine der queeren Szene in der bayerischen Hauptstadt. Die Ergebnisse der Arbeit des Queeren Archiv München werden auch in diversen Publikationen bereitgestellt. Zudem veranstaltet der Verein regelmäßig Events zum Thema. Logo: Forum Queeres Archiv München
Weiterlesen Hintergrund ist das seit 2026 geltende neue Wehrpflicht-Modell: Alle jungen Männer müssen sich registrieren und Angaben zu ihrer Wehrdiensttauglichkeit machen, Frauen können freiwillig teilnehmen. Ziel ist es, die personelle Einsatzbereitschaft der Bundeswehr zu stärken, ohne sofort zu einer verpflichtenden Einberufung zurückzukehren. Eine tatsächliche Dienstpflicht soll erst greifen, wenn sich nicht ausreichend Freiwillige finden. Für queere Menschen ist diese Entwicklung eng mit der Frage verbunden, wie offen und diskriminierungsfrei die Bundeswehr heute tatsächlich ist. Im Interview mit queer.de betont QueerBw, dass Homosexualität und andere queere Identitäten in der Bundeswehr lange Zeit mit Benachteiligung verbunden waren. Noch bis ins Jahr 2000 galten homosexuelle Soldaten offiziell als Sicherheitsrisiko. Diese Vergangenheit wirke bis heute nach und müsse aktiv aufgearbeitet werden. Gleichzeitig sieht QueerBw deutliche Fortschritte. Queere Soldat*innen seien heute sichtbarer, Netzwerke und Ansprechstellen existierten, und die rechtliche Gleichstellung sei weitgehend erreicht. Dennoch bestehe weiterhin Handlungsbedarf: Gerade im Zuge einer möglichen Ausweitung der Wehrpflicht müsse sichergestellt werden, dass queere Menschen ohne Angst vor Ausgrenzung oder queerfeindlichen Übergriffen dienen können. Schutzkonzepte, Sensibilisierung und klare Ansprechpersonen seien dafür unverzichtbar. Die Diskussion um die neue Wehrpflicht betrifft queere Menschen damit nicht nur abstrakt, sondern ganz konkret in ihrer Lebensrealität. QueerBw macht deutlich, dass die Bereitschaft, für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzustehen, auch davon abhängt, ob diese Werte innerhalb der Bundeswehr selbst gelebt werden. Gleichberechtigung, Respekt und Sicherheit für homosexuelle und andere queere Soldat*innen seien keine Nebenthemen, sondern eine zentrale Voraussetzung für Akzeptanz und Engagement. Logo: QueerBw
Queeres Erinnern am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2026
22. Januar 2026Weiterlesen Warum das Gedenken wichtig ist? Queere Personen waren eine Gruppe verfolgter Menschen durch den Nationalsozialismus. Leben in sexueller und geschlechtlicher Vielfalt hatte Unterdrückung, Gefahr für das Leben und Gewalt zur Folge. Viele der Veranstaltungen wollen gedenken und erinnern, aber auch Zusammenhänge herstellen zu der Lebensrealität queerer Personen im heutigen Deutschland. Überörtlich Gedenkstunde im Deutschen Bundestag Datum & Uhrzeit: 28. Januar 2026 um 12.30 Uhr Ort: Deutscher Bundestag (Platz der Republik 1, 11011 Berlin) Veranstaltende: Deutscher Bundestag Weitere Infos: Pressemitteilungen Deutscher Bundestag, Möglichkeiten zum Fernseh- oder Hörfunk ZDFinfo Dokutag am 27. Januar 2026 Am Holocaust-Gedenktags 2026 zeigt ZDFinfo am Dienstag, 27. Januar 2026, ab 7.00 Uhr Filme über die Geschichte des Nationalsozialismus und das Gedenken an die Opfer Weitere Infos: ZDF-Presseportal Umfangreiches Programmangebot des ZDF anlässlich des Holocaustgedenktages 2026 abrufbar in der ZDF-Mediathek z.B. Doku „Verbotene Liebe – Queere Opfer in der NS-Diktatur“ von Sebastian Scherrer Lübeck Gedenken und Kranzniederlegung für homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus in Lübeck Datum & Uhrzeit: 23. Januar 2026 um 18.00 Uhr Ort: Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle (Parade 12, 23552 Lübeck) Veranstaltende: Lübecker CSD e.V. Weitere Infos: Lübeck Pride e.V., Erinnern Lübeck Bremen Ausstellung: gefährdet leben. Queere Menschen 1933–1945 Datum & Uhrzeit: Eröffnung: 25. Januar 2026 um 11.00 Uhr, Ausstellung: 26.01.-15.03.2026 Ort: Zentrum für Kunst (Hermann-Ritter-Straße 108, 28197 Bremen) Veranstaltende: Rat & Tat-Zentrum für queeres Leben e.V., Erinnern für die Zukunft e.V. & Landeszentrale für politische Bildung Bremen Weitere Infos: Ausstellung gefährdet leben, Gesamtprogramm Gedenken in Bremen Januar-April 2026 Gedenken des Senats an die Opfer des Nationalsozialismus 2026 (mit der Schwerpunktperspektive auf queere Opfer) Datum & Uhrzeit: 27. Januar 2026 um 19.00 Uhr Ort: Obere Halle, Bremer Rathaus (Am Markt 21, 28195 Bremen) Veranstaltende: breites Bündnis aus Vereinen, Initiativen und Kooperationspartnern, Koordination: Erinnern für die Zukunft e.V. & Landeszentrale für politische Bildung Weitere Infos: Landeszentrale für politische Bildung Bremen, Gesamtprogramm Gedenken in Bremen Januar-April 2026 Bremen before Stonewall – Queerhistorische Geschichte(n) Datum & Uhrzeit: 1. Februar 2026 um 15.00 Uhr Ort: Krankenhaus-Museum (Züricher Straße 40, 28325 Bremen) Veranstaltende: mit Elisabeth Schindler auf Spurensuche Weitere Infos: Kultur Ambulanz Bremen, Gesamtprogramm Gedenken in Bremen Januar-April 2026 Hamburg Rundgang anlässlich des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus Datum & Uhrzeit: 27. Januar 2026 um 13.00 Uhr Ort: denk.mal Hannoverscher Bahnhof (Lohseplatz, 20457 Hamburg) Veranstaltende: Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen Weitere Infos: Gedenkstätten Hamburg Berlin Gedenken des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas Datum & Uhrzeit: 28. Januar 2026 um 14.00 Uhr Ort: Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas (Simsonweg, 10557 Berlin) Veranstaltende: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma Weitere Infos: Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas Gedenken mit Kranzniederlegung an die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten LSBTIQ* Datum & Uhrzeit: 28. Januar 2026 um 15.00 Uhr Ort: am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen (Ebertstraße auf Höhe Hannah-Arendt-Straße, 10785 Berlin-Tiergarten) Veranstaltende: LSVD Verband Queere Vielfalt Berlin-Brandenburg e. V., LSVD⁺ – Verband Queere Vielfalt e.V. & Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas Weitere Infos: LSVD+ Köln Gedenken an die queeren Opfer der NS-Zeit 2026 Datum & Uhrzeit: 27. Januar 2026 um 17.00 Uhr Ort: am Mahnmal „totgeschlagen – totgeschwiegen“ (Trankgasse 20, 50667 Köln) Veranstaltenden: Queeres Netzwerk NRW, LSVD+ Landesverband NRW, Netzwerk geschlechtliche Vielfalt Trans NRW, Arcus Stiftung Weitere Infos: Queeres Netzwerk NRW Düsseldorf Stolperstein-Spaziergang Datum & Uhrzeit: 26. Januar 2026 um 17.30 Uhr Ort: Denkmal auf der Apollowiese (Mannesmannufer 1, 40213 Düsseldorf) Veranstaltende: Queere Geschichte(n) Düsseldorf e.V. Weitere Infos: Queere Geschichte(n) Düsseldorf e.V. Dokumentarfilm „Klänge des Verschweigens. Ein detektivischer Musikfilm“ von Klaus Stanjek über seinen schwulen Onkel in der NS-Zeit Datum & Uhrzeit: 27. Januar 2026 um 19.00 Uhr Ort: Bambi Filmstudio (Klosterstr. 78, 40211 Düsseldorf) Veranstaltende: Queere Geschichte(n) Düsseldorf e.V. Weitere Infos: Queere Geschichte(n) Düsseldorf e.V.
Gedenken und Kranzniederlegung für homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus in Lübeck
20. Januar 2026Weiterlesen Mit dabei sind die Mitglieder des Vereins, Menschen aus der Community und Unterstützer*innen. Es wird eine Gedenkminute geben und Kränze am Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle niedergelegt werden. Seit Januar 2016 gibt es am Ort des Hauses der Kulturen ein Denkmal für all die Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität während der NS-Zeit verfolgt, entrechtet oder ermordet wurden. Das Denkmal ist seitdem ein wichtiges Symbol gegen das Vergessen und die Würdigung der damaligen queeren Menschen und ihrer Lebensrealität. Am 23. Januar soll das Denkmal über seine Symbolkraft hinaus ein Ort des gemeinsamen Erinnerns sein. Hierzu lädt der Lübecker CSD e.V. herzlich ein. Im Anschluss an die Gedenkminute gibt es ein Treffen im Haus der Kulturen in Lübeck zu Kaffee, Kuchen und Gesprächen. Der Termin darf gerne in weiteren Netzwerken geteilt werden. Wer sich mit einem Kranz oder Gesteck beteiligen möchte, kann sich an die Gärtnerei Lohff wenden. Die Bestellungen werden dort gesammelt und am Veranstaltungstag direkt zum Denkmal geliefert (Kontakt s. unten). Ziel der Arbeit des Lübecker CSD e.V. ist es, nicht nur Geschichte zu dokumentieren, sondern aktiv zu erinnern, um die Namen und die Leben der Opfer zu würdigen und darüber hinaus die Vergangenheit mit den heutigen Kämpfen um Menschenrechte und Vielfalt zu verbinden. Datum & Uhrzeit: 23. Januar 2026 um 18 Uhr Ort: Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle (Parade 12, 23552 Lübeck) Kontakt Gärtnerei: Gärtnerei Lohff, Friedhofsallee 57, Lübeck, Telefon 0451 / 49 16 51. Weitere Infos: Lübeck Pride e.V., Erinnern Lübeck © Foto: Lübecker CSD e.V.







