Weiterlesen Vermitteln, zuhören und sichtbar machen Koch versteht sich in ihrem Amt als Bindeglied zwischen Politik und Gesellschaft. Einerseits will sie innerhalb der Bundesregierung dafür sorgen, dass queere Themen ernst genommen und mitgedacht werden, andererseits sieht sie den engen Austausch mit Verbänden, Initiativen und Betroffenen als unverzichtbar an. Ihr Ziel ist es, Vertrauen zu schaffen und queere Perspektiven dauerhaft in politische Entscheidungsprozesse einzubringen. Fokus auf ländliche Räume Besonders wichtig ist ihr der Blick über die großen Städte hinaus. Koch betont, dass queere Menschen im ländlichen Raum oft stärker von Ausgrenzung, Unsichtbarkeit und Angst betroffen seien. Eigene Erfahrungen mit Bedrohungen rund um CSDs und queere Veranstaltungen hätten ihr gezeigt, wie groß der Handlungsbedarf dort sei. Diese Perspektive möchte sie gezielt in ihre politische Arbeit einfließen lassen. Rechtliche Gleichstellung als Kernaufgabe Inhaltlich nennt Koch mehrere zentrale Baustellen. Ein Schwerpunkt ist die Verankerung queerer Rechte im Grundgesetz, um Diskriminierung klarer entgegenzutreten. Zudem will sie bestehende Ungleichbehandlungen im Abstammungsrecht beseitigen, die queere Familien und ihre Kinder benachteiligen. Auch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz soll aus ihrer Sicht reformiert werden, damit Betroffene ihre Rechte einfacher durchsetzen können. Schutz vor Hass und Gewalt Angesichts zunehmender Bedrohungen, insbesondere durch rechtsextreme Gruppen, misst Koch dem Thema Sicherheit große Bedeutung bei. Sie fordert, dass Polizei und Behörden queere Demonstrationen und Veranstaltungen konsequent schützen. Gleichzeitig betont sie, dass Repression allein nicht ausreiche: Politische Bildung, Demokratieförderung und Präventionsarbeit seien entscheidend, um langfristig Hass und Queerfeindlichkeit zurückzudrängen. Kontinuität und klare Haltung Abschließend macht Koch deutlich, dass sie an bestehende Initiativen anknüpfen will, insbesondere an den Nationalen Aktionsplan „Queer Leben“. Ihr Anspruch ist es, die begonnenen Projekte nicht nur fortzuführen, sondern weiterzuentwickeln. Akzeptanz, Gleichberechtigung und Sicherheit für queere Menschen sollen kein Nischenthema bleiben, sondern als selbstverständlicher Teil staatlicher Verantwortung verstanden werden.
Lebensbereiche
Petition gegen gesonderte Register zur Erfassung von trans* und nicht-binären Personen
6. Januar 2026Weiterlesen Was bisher geschah, kurz zusammengefasst: Im November 2024 wurden im Selbstbestimmungsgesetz die Rechte von trans*, intergeschlechtlichen und nicht-binären Personen erweitert. Geschlecht und Vornamen sind seitdem rechtlich gesehen leichter zu ändern. Im Juli 2025 legte das Bundesinnenministerium (BMI) dann Verordnungsentwürfe zu Änderungen im Meldewesen vor, die beabsichtigen, die früheren Angaben, z. B. zu Geschlecht und Namen, in einer Art „Lebensakte“ aufzuführen. Es wäre damit unmittelbar zu erkennen, wenn eine Person ihre Daten ändert, d.h. eine trans*, intergeschlechtliche oder nicht-binäre Identität wird ungeschützt und ohne Einverständnis der betroffenen Person sichtbar. Im Oktober sollten diese Änderungen zur Abstimmung kommen, die jedoch nicht stattfand, sondern vertagt wurde. Grund dafür könnten der Druck und die Kritik aus der queeren Community gewesen sein (LSVD+, taz). Bisher gibt es noch keine Neuigkeiten, wie und wann es mit der Abstimmung zu den geplanten Verordnungen weitergeht. Doch noch bis zum 13. Januar 2026 kannst du deine Stimme nutzen und die Petition „Keine Führung eigener Register zur Erfassung von trans* und nichtbinärer Personen“ mitzeichnen. Sie will erreichen, dass die Rechte auf informationelle Selbstbestimmung, Gleichbehandlung und Schutz vor Diskriminierung nicht eingeschränkt werden und dass jegliche Erfassung von Minderheiten in Sonderregistern verhindert wird. Die vollständige Begründung ist hier zu finden. Die Petition wurde am 14. Juli 2025 gestartet. Bisher haben 27.556 Personen mitgezeichnet, doch das Quorum ist noch nicht erreicht! Zum Unterzeichnen geht es hier.
Weiterlesen Provokante Botschaften, um Missstände sichtbar zu machen Die Kampagne nutzt queerfeindliche Stereotype als Spiegel der Realität, die viele LSBTIQ*-Menschen im Arbeitsleben weiterhin erleben müssen. In einem auffälligen Retro-Pop-Art-Look heißen die Visuals etwa: Doch der provokante Stil verfolgt einen klaren Zweck: Vorurteile und strukturelle Barrieren sichtbar machen, die queere Menschen im Berufsalltag häufig ausbremsen. Der Clou der Kampagne: Wer sich noch an diese Denkmuster klammert, ist ausdrücklich nicht die Zielgruppe, denn Queermentor will Unterstützer*innen, die bereit sind, Vielfalt zu fördern. Der Twist: Haltung statt Anbiederung Anstatt um Akzeptanz zu bitten, setzt Queermentor auf Werte und klare Positionierung. Die Botschaft lautet: Wer im „Vorgestern“ verharrt und Veränderung ablehnt, soll nicht spenden. Warum diese Kampagne notwendig ist Gründer Pavlo Stroblja erklärt, warum die Kampagne bewusst provoziert: „Als queere Person habe ich selbst erfahren, wie subtil und offen Vorbehalte im Berufsleben wirken können. Deshalb setzen wir bewusst auf Provokation, um vorherrschende Biases und Barrieren sichtbar zu machen.“ Queermentor nutzt die Kampagne damit als Aufklärung und als Aufruf, sich gegen Diskriminierung zu positionieren und nicht wegzuschauen. Wofür Queermentor steht: Empowerment, Chancen, Sicherheit Queermentor ist mehr als ein Mentoring-Programm. Die Organisation setzt sich aktiv für eine Arbeitswelt ein, in der queere Menschen gleiche Chancen erhalten, unabhängig von Herkunft, Einkommen oder sozialer Lage. Die Initiative bietet: Damit erfüllt Queermentor eine zentrale Mission: Queere Menschen stärken – persönlich, beruflich und gesellschaftlich. Spenden für eine sichere Zukunft der Programme Damit das kostenfreie Angebot auch 2026 fortgeführt werden kann, ist Queermentor auf Spenden angewiesen. Unterstützer*innen können jederzeit über die Website spenden.
Wer eine gerechte, vielfältige Arbeitswelt will, ist eingeladen zu unterstützen.
Damit wählt die Organisation bewusst einen Weg, der queere Selbstbestimmung und Stärke in den Mittelpunkt stellt – in einer Zeit, in der queeren Themen gesellschaftlich wie politisch verstärkt Gegenwind entgegenweht.
Weiterlesen Was der Pride Champion Index ist Der Pride Champion Index ist ein umfassendes Benchmarking- und Audit-Verfahren, das Organisationen danach bewertet, wie gut sie queere Mitarbeitende schützen, einbinden und sichtbar unterstützen. Teilnehmende Unternehmen durchlaufen einen detaillierten Fragenkatalog, der zentrale Handlungsfelder abfragt: Je nach erreichter Punktzahl werden Auszeichnungen wie Gold, Silber oder Bronze vergeben. Ziel ist es, Inklusion quantifizierbar zu machen und zugleich Anreize für strukturelle Verbesserungen zu schaffen. Rekordwerte trotz rückläufiger Teilnahme Während die Zahl der Teilnehmer*innen erneut gesunken ist – von 54 im Vorjahr auf nun 46 Organisationen und deutlich weniger als über 70 vor zwei Jahren –, ziehen die Macher*innen eine überraschend positive Bilanz: Das durchschnittliche Engagement liegt so hoch wie nie. Im Branchenvergleich führen Versicherungen mit rund 99 Prozent die Liste an, während die Rechtsbranche mit 72 Prozent das Schlusslicht bildet. Stuart Bruce Cameron, Gründer der Uhlala Group, betont die gesellschaftliche Bedeutung des diesjährigen Ergebnisses: „2025 ist das Jahr, in dem sichtbar wird, welche Organisationen ihre Werte nicht nur formulieren, sondern messbar machen. Die Teilnahme am Pride Champion Audit ist kein Imageprojekt, sondern eine bewusste Entscheidung für Verantwortung.“ Unternehmen mit voller Punktzahl Unter den diesjährigen Spitzenreitern mit 100 Prozent finden sich drei prominente Namen: Diese Unternehmen konnten in allen geprüften Kategorien überzeugen, von Governance über Personalprozesse bis hin zur sichtbaren Unterstützung queerer Mitarbeitender. Orientierungshilfe für queere Fachkräfte Der Pride Champion Index versteht sich als Kompass für queere Menschen, die nach Arbeitgebern suchen, die Diversity ernst nehmen und eine wertschätzende, diskriminierungsfreie Arbeitskultur fördern. Gleichzeitig zeigt das Ranking Organisationen, wo noch Handlungsspielräume bestehen und welche Maßnahmen ihre Inklusionsarbeit nachhaltig stärken können.
Weiterlesen Dabei steht vor allem die Diskriminierung im Alltag im Vordergrund. Diskriminierung kann in vielen Formen auftreten, doch bedeutet sie meist die unfaire Behandlung oder (strukturelle) Benachteiligung bestimmter Gruppen an Menschen aufgrund eines Merkmals oder einer Art und Weise ihr Leben zu führen. Solche Merkmale können das Geschlecht, die sexuelle Orientierung, die Sprache, das Alter, das Aussehen, die (soziale) Herkunft, die Religion oder Weltanschauung und eine Behinderung oder (chronische) Krankheiten sein. Und das betrifft, wie gesagt, nicht nur abstraktere politische Ebenen, sondern auch viele Situationen im Alltag, wie z.B. beim Einkaufen, bei der Wohnungs- und Arbeitssuche und Sicherheit im öffentlichen Raum (Antidiskriminierungsstelle des Bundes). Bei der Erstellung des Fragebogens sollen rund 400 Akteur*innen mitgewirkt haben, um ein ganzheitliches und intersektionales Forschungsinteresse vertreten zu können (Universität Mainz). Die Teilnahme ist für alle Personen ab 14 Jahren möglich, die schon einmal Diskriminierungserfahrungen gemacht haben. Alle Angaben werden anonym aufgenommen und vertraulich behandelt. Für das Ausfüllen des Fragebogens werden ca. 30 Minuten benötigt. Die Umfrage ist in Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch, Arabisch, Spanisch, Russisch, Polnisch, Ukrainisch und Deutscher Gebärdensprache möglich. Die Umfrage läuft vom 12.11.2025 bis zum 28.02.2026 und die Ergebnisse sollen im Frühsommer 2027 veröffentlicht werden Du kannst ganz einfach online oder unter diesem Link teilnehmen: zur Umfrage. Ist dir die Papierform lieber, kannst du ihn in deutscher und einfacher deutscher Sprache kostenlos bestellen und zurücksenden. Dort gibt es auch kostenlose Flyer, Postkarten und Poster zum Verteilen und Aufhängen im öffentlichen Raum. Ansonsten kann die Umfrage auch in Sozialen Netzwerken und den Medien geteilt werden (Antidiskriminierungsstelle des Bundes). Bisher haben schon ca. 13.000 Personen an der Umfrage teilgenommen (Stand: 17.12.2025, 10:00 Uhr). Warum ist es wichtig, an dieser Befragung teilzunehmen? Es ist eine Möglichkeit, queere Perspektiven zu äußern und die Diskriminierungen der Community sichtbar zu machen. Auch um Politiker*innen in Verantwortung zu ziehen, wenn die Umstände queeren Lebens bekannt werden. Gerade die Gewalt gegen Menschen aus der queeren Community ist stark angestiegen. Außerdem: Je mehr Menschen teilnehmen, desto verlässlicher und repräsentativer werden die Daten und können gezielter für politische Vorhaben genutzt werden (Antidiskriminierungsstelle des Bundes). Auf geht’s zur Umfrage! Vielleicht tut es auch gut, diese Umfrage gemeinsam mit Freund*innen oder vertrauten Menschen auszufüllen, dabei nicht allein zu sein oder bewusst danach etwas zu tun, was dir Freude bereitet oder Sicherheit gibt!
Queere Sicherheit im Fokus: Antrag der Linken im Bundestag
23. Dezember 2025Weiterlesen Forderungen der Linken Im Antrag verlangt die Fraktion, dass die Bundesregierung queerfeindliche Gewalt stärker in den Blick nimmt. Sie schlägt unter anderem vor, Position der Linken in der Debatte Maik Brückner, queerpolitischer Sprecher der Linken, eröffnete die Debatte mit dem Hinweis, dass sich viele queere Menschen in Deutschland nicht sicher fühlten. Er machte vor allem rechtsextreme Gruppen für Angriffe verantwortlich. Zudem kritisierte er konservative Politiker dafür, mit Polemik gegen queere Themen wie das Selbstbestimmungsgesetz oder die Regenbogenflagge den öffentlichen Diskurs weiter nach rechts zu verschieben. Reaktionen der Union CDU und CSU wiesen die Vorwürfe zurück und bezeichneten den Antrag der Linken als „Symbolpolitik“. Der CSU-Abgeordnete Siegfried Walch sprach von fundamentalistischen Einstellungen unter Teilen der Zugewanderten und betonte, dass in Deutschland „unsere Regeln und unser Wertesystem“ gälten, zu rechtsextremen Anschlägen äußerte er sich nicht. Kritik der Grünen Nyke Slawik, queerpolitische Sprecherin der Grünen, warf der Union vor, durch rechtspopulistische Ablenkungsdebatten gesellschaftliche Feindbilder zu schüren, statt reale Probleme anzugehen. Sie warnte vor der Verschiebung des Diskurses nach rechts, die durch Kampagnen gegen trans Personen oder Geflüchtete verstärkt werde. Laut Slawik wird dieser Trend von Rechtsextremen und der AfD aktiv befeuert. Positionen der AfD Die Redebeiträge der AfD waren geprägt von starker Abwertung queerer Menschen. Stellungnahmen der SPD SPD-Abgeordneter Helge Lindh kritisierte die AfD scharf dafür, CSDs bewusst als „hypersexualisierte Veranstaltungen“ zu diffamieren. Er warf der Partei vor, selbst die Sexualisierung zur Diskreditierung queerer Menschen zu betreiben. Weiteres Verfahren und aktuelle Entwicklungen Nach Abschluss der Debatte wurde der Antrag der Linken zur detaillierten Prüfung in den Innenausschuss überwiesen. Dort wird er weiter beraten, hat jedoch derzeit keine erkennbare Mehrheit im Bundestag. Der queere Dachverband LSVD⁺ begrüßte grundsätzlich, dass das Thema im Parlament behandelt wurde, sieht aber weiterhin erheblichen Handlungsbedarf. Bislang hat die Bundesregierung keine neue umfassende Sicherheitsstrategie für CSDs vorgelegt, jedoch betonen einzelne Regierungsvertreter, das Thema sei „auf dem Radar“.
Trotz der Kritik erklärten beide Unions-Politiker, dass queere Menschen selbstverständlich gleichberechtigt seien und offen leben und lieben können sollten.
Christopher Drößler nannte Dragqueens „oft pervers“ und sprach von einer „gesellschaftszersetzenden Agenda“. Beatrix von Storch machte vor allem „muslimische Gewalt“ für Übergriffe verantwortlich — eine Behauptung, die wissenschaftlich nicht gedeckt ist und sich in die rechtspopulistische Erzählung einfügt, Migration sei das Kernproblem.
Zudem wurde daran erinnert, dass Drößler selbst zuvor auf Social Media antisemitische und rechtsextreme Verschwörungstheorien über CSDs verbreitet hatte, etwa die Behauptung, Pride-Events seien von „globalistischen Kapitalkräften“ gesteuert.
Sein Parteikollege Hakan Demir betonte, dass der Staat ein verlässlicher Schutzmechanismus für Minderheiten sein müsse.
Demokratie braucht Verbündete – auch für queere Menschen
18. Dezember 2025Weiterlesen Bedrohliche Signale aus Europa Ein Blick über die deutschen Grenzen hinaus zeigt, wie schnell gesellschaftlicher Fortschritt ins Wanken geraten kann. Laut ILGA Europe hat sich die Lage für LGSBTIQ*-Menschen in mehreren EU-Staaten zuletzt deutlich verschlechtert. In Ländern wie Ungarn, Italien, Bulgarien oder Rumänien wurden neue Gesetze verabschiedet oder vorbereitet, die queere Menschen offen diskriminieren. Der politische Diskurs wird zunehmend von Desinformation, Hassrhetorik und dem Kampfbegriff der „queeren Propaganda“ geprägt. Besonders besorgniserregend: Gerichtsurteile europäischer Höchstgerichte zur Gleichstellung von LSBTIQ*-Familien werden in einigen Staaten weiterhin ignoriert. Gleichzeitig geraten Medienfreiheit, Zivilgesellschaft und Versammlungsrechte unter Druck. Hier zeigen sich Entwicklungen, die immer auch direkte Auswirkungen auf Minderheiten haben. Deutschland ist keine Insel Auch hierzulande ist die Situation weniger stabil, als sie lange schien. Zwar definieren sich inzwischen rund zwölf Prozent der Menschen in Deutschland als LSBTIQ*, in der Generation Z sogar mehr als jede*r Fünfte. Doch parallel dazu zeigen aktuelle Studien: Die gesellschaftliche Akzeptanz nimmt wieder ab. Hasskriminalität, Diskriminierung im Alltag und Unsicherheit im Berufsleben sind für viele queere Menschen weiterhin Realität. Gerade deshalb wird eine Gruppe immer wichtiger: Allys, also Menschen außerhalb der Community, die sich bewusst und aktiv an ihre Seite stellen. Was einen guten Ally ausmacht Ein Ally zu sein bedeutet mehr als wohlmeinende Likes in sozialen Netzwerken. Es beginnt mit Zuhören, mit dem Erkennen eigener Privilegien und mit der Bereitschaft, sich selbst zu hinterfragen. Wer nie Angst haben musste, sich Händchen haltend zu zeigen oder im Job offen über das eigene Privatleben zu sprechen, lebt in einer anderen Realität – und genau diese Differenz gilt es anzuerkennen. Gute Allys informieren sich, ohne Betroffene zu retraumatisieren. Sie greifen ein, wenn abfällige Witze gemacht werden oder Vorurteile unwidersprochen bleiben, ruhig, sachlich und ohne moralischen Zeigefinger. Oft reicht ein klarer Satz oder eine einfache Frage, um einen Perspektivwechsel anzustoßen. Sichtbarkeit und Solidarität im Alltag Solidarität darf sichtbar sein, muss aber nicht laut auftreten. Ein kleines Symbol, ein offenes Wort oder die Teilnahme an lokalen Initiativen können für queere Menschen ein starkes Signal sein: Du bist nicht allein. Gleichzeitig gilt: Unterstützung heißt nicht Bevormundung. Allys sollten Raum lassen, damit Betroffene selbst sprechen können, also Unterstützung auf Augenhöhe statt Rettungsfantasien. Verantwortung auf beiden Seiten Auch die Community selbst steht in der Verantwortung. Viele Menschen wissen wenig über queere Lebensrealitäten – nicht aus Bosheit, sondern aus Unwissen. Wer Allys gewinnen will, braucht Geduld, Offenheit und die Bereitschaft zum Dialog. Angst und Vorurteile lassen sich nicht mit Abwehr, sondern nur mit Argumenten und Begegnung abbauen. Am Ende profitieren vor allem LSBTIQ*-Menschen von starken Verbündeten. Deshalb gilt: Wer sich solidarisch zeigt, verdient Respekt und Dankbarkeit, nicht Misstrauen oder Abgrenzung. In Zeiten wachsender Unsicherheit ist eines klarer denn je: Gleichberechtigung lässt sich nur gemeinsam verteidigen.
Buchtipps (nicht nur) für queere Leser*innen
16. Dezember 2025Weiterlesen In diesem Roman erzählt Hengameh Yaghoobifarah von einer nichtbinären Hauptfigur, die sich zwischen familiären Erwartungen, queerer Community und der Suche nach einem eigenen Platz in der Welt bewegt. Mit klarer Sprache und gesellschaftlichem Blick verhandelt Schwindel Themen wie Zugehörigkeit, Migration, Körper und Begehren. Ein zeitgenössischer Roman, der queere und postmigrantische Erfahrungen selbstverständlich zusammendenkt und dabei sowohl politisch als auch persönlich bleibt. Der Autor von Ich bin Linus widmet sich in diesem Buch queeren Beziehungen, Nähe und emotionaler Offenheit. Zwischen Essay, persönlicher Reflexion und gesellschaftlicher Analyse geht es um Liebe jenseits heteronormativer Vorstellungen. Ein wichtiges Buch für queere Menschen, die sich mit Beziehungsmustern, Selbstakzeptanz und emotionaler Gesundheit auseinandersetzen möchten. Der Sammelband versammelt Texte verschiedener Autor*innen zu Rassismus, Queerness, Klassismus und gesellschaftlicher Ausgrenzung. Auch queere Perspektiven spielen eine zentrale Rolle und zeigen, wie eng Diskriminierungsformen miteinander verwoben sind. Kein klassischer Roman, sondern ein politisch-literarisches Werk, das strukturelle Ungleichheiten sichtbar macht und queere Stimmen in gesellschaftliche Debatten einordnet. Alicia Zett zählt zu den bekanntesten queeren Stimmen der jungen deutschsprachigen Literatur. In Not Your Type erzählt sie eine zeitgenössische queere Liebesgeschichte über Selbstfindung, Unsicherheiten und das Abweichen von Erwartungen – sensibel und nah an der Lebenswelt junger Erwachsener. Ein zugänglicher, emotionaler Roman, der insbesondere für junge queere Leser*innen Identifikationspotenzial bietet. Dieses Sachbuch beschäftigt sich mit queerer Liebe als politischer Praxis. Svenja Gräfen verbindet feministische, queere und gesellschaftskritische Perspektiven und zeigt, wie Fürsorge, Beziehungen und Solidarität jenseits normativer Vorstellungen gedacht werden können. Ein inspirierendes Buch für alle, die queere Beziehungen nicht nur privat, sondern auch gesellschaftlich reflektieren möchten. 1. Hengameh Yaghoobifarah: Schwindel (2024)
2. Linus Giese: Lieben und lieben lassen (2023/2024)
3. Deniz Ohde (Hrsg.): Eure Heimat ist unser Albtraum – Erweiterte Ausgabe (aktuell neu aufgelegt)
4. Alicia Zett: Not Your Type (2024)
5. Svenja Gräfen: Radikale Zärtlichkeit (2023, weiterhin hochaktuell)
Weiterlesen Trotz dieser Lage haben sich die EU-Innenminister*innen darauf verständigt, diese Länder in eine gemeinsame Liste sicherer Herkunftsstaaten aufzunehmen. Parallel dazu hat der Deutsche Bundestag am 5. Dezember 2025 eine Reform beschlossen, die es der Bundesregierung ermöglicht, Herkunftsstaaten künftig per Rechtsverordnung als „sicher“ zu deklarieren, auch ohne Zustimmung des Bundesrats. Damit sinken die Hürden erheblich, Staaten mit nachweislicher queerfeindlicher Gesetzgebung als sicher einzustufen. Für queere Geflüchtete bedeutet dies massiv eingeschränkte Zugangschancen zum Asylverfahren. Asylanträge aus solchen Staaten gelten in der Regel als „offensichtlich unbegründet“ und werden in beschleunigten Verfahren bearbeitet. Individuelle Verfolgungsgründe, etwa aufgrund sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität, haben es dann besonders schwer, überhaupt berücksichtigt zu werden. Dass ausgerechnet Länder, in denen queere Menschen Verhaftung, Gewalt oder Folter befürchten müssen, als sicher eingestuft werden können, erhöht das Risiko, dass Betroffene in lebensgefährliche Situationen zurückgeschoben werden. Verschärft wird die Lage durch eine weitere Entscheidung des Bundestags: Ebenfalls am 5. Dezember wurde die Pflicht abgeschafft, Menschen in Abschiebehaft automatisch anwaltlichen Beistand zu gewähren. Für eine ohnehin vulnerable Gruppe bedeutet das, noch weniger Möglichkeiten zu haben, ihre spezifischen Gefährdungen wirksam darzulegen und rechtlich gegen Abschiebungen vorzugehen. Diese Entwicklungen stehen zudem im deutlichen Widerspruch zu einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs, der erst vor wenigen Monaten festgehalten hat, dass ein Staat nur dann als sicher gelten darf, wenn auch homosexuelle Menschen dort geschützt sind. Dennoch treiben sowohl die EU-Minister*innen als auch die Bundesregierung Regelungen voran, die genau das Gegenteil zulassen. Menschenrechts- und LGBTIQ*-Organisationen warnen deshalb vor einer erheblichen Gefährdung queerer Schutzsuchender, deren Chancen auf ein faires Asylverfahren weiter schwinden und deren Risiko, in Verfolgung zurückgeschickt zu werden, deutlich steigt.
Aufruf für die Portraitserie: „Queere Lebensgeschichten über 60“
9. Dezember 2025Weiterlesen Schon seit 2022 erzählt das Fotoprojekt die Geschichten queerer Menschen in Deutschland, insbesondere von Menschen mit einem Mindestalter von 60 Jahren, die sich als lesbisch, schwul, bi, trans, inter, nicht-binär oder queer identifizieren. Das Projekt und Markus Heft wurden bereits mehrmals mit Preisen ausgezeichnet. Nun soll das Projekt erweitert und in einem Fotoband unter dem Titel „Für uns geträumt“ im nächsten Jahr veröffentlicht werden. Dafür werden weiterhin Menschen gesucht, die sich portraitieren lassen möchten und ihre queere Lebensgeschichte erzählen möchten. Markus Heft, 1998 geboren, setzt dieses Projekt um, weil er auf der Suche nach queeren Vorbildern ist, die ihm im Jugendalter gefehlt haben. Auch wenn vor allem eine aktuell ältere Generation porträtiert wird, soll das Projekt einen Austausch zwischen den Generationen anstoßen. Im Fokus stehen spannende Erlebnisse, Herausforderungen und Kämpfe, die vor Hefts eigener Generation stattfanden und eine queere Lebensgeschichte geprägt haben. Außerdem dreht es sich um die Bedeutung von Sexualität und Identität im Alter. Markus Heft: „Die Fotos entstehen in einem kollaborativen Prozess. Einzel- oder Paarportraits werden durch Detailaufnahmen von Gegenständen oder Orten, die von Bedeutung sind, ergänzt. Zusätzlich werde ich mit allen Teilnehmenden Interviews führen, um einen individuellen Fokus auf das Leben meiner Protagonist*innen zu legen.“ Momentan ist Markus Heft explizit auf der Suche nach trans, inter und nicht-binären Personen, sowie nach Menschen, die in der DDR lebten. In Alltagsgeschichten möchte er über Themen wie Beziehung, Familie, Einsamkeit, Stolz, erkämpfte Rechte, Berufe sowie Wohnen und Pflege im Alter sprechen. Dabei bleibt er offen für Themen, die die Portraitierten mitbringen. Markus Heft: „Das Fotoprojekt ist eine Einladung zur Zusammenarbeit: Es geht mir nicht darum, ein Projekt über Menschen zu machen, sondern gemeinsam mit ihnen ihre Geschichten zu erzählen.“ Eine Veröffentlichung für den Fotoband und Ausstellungen erfolgt nur nach vorheriger Absprache und Einverständnis. Wenn Du Interesse hast, Teil des Fotoprojekts zu werden oder Fragen dazu hast, melde dich per E-Mail unter info@markusheft.de. Weitere Infos und Quelle: Markus Heft





