Echte Vielfalt

Seite
Am 11. Oktober findet jedes Jahr der Coming Out Day statt – ein Aktionstag, der bereits 1988 in den USA ins Leben gerufen wurde, um queeren Menschen mehr Sichtbarkeit zu geben und auf die Herausforderungen eines Coming-outs aufmerksam zu machen.

Weiterlesen

Für viele ist es noch immer schwer, offen über ihre Identität zu sprechen – besonders, wenn in Familie oder Freundeskreis abwertende Sprache benutzt wird oder Angst vor Ablehnung besteht. Diese innere Belastung kann auf Dauer psychisch stark belasten und sogar zu Angststörungen oder Depressionen führen, wie die News-Plattform watson berichtet.

In Deutschland haben viele junge queere Menschen noch Angst, offen zu ihrer Identität zu stehen. Um dem entgegenzuwirken, hat der Verein „Coming Out Day“ ein neues bundesweites Beratungsprojekt gestartet: Coming Out und so. Das Angebot richtet sich an queere Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre, die Unterstützung bei Themen wie Coming-out, Transition, Liebeskummer, Diskriminierung oder familiären Problemen suchen. Über einen Videochat können sie anonym und kostenlos mit geschulten Peer-Berater*innen sprechen – also mit jungen queeren Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ vom Familienministerium gefördert und ist zunächst auf vier Jahre angelegt. Ziel ist es, durch digitale Kommunikation einen niedrigschwelligen, sicheren und flexiblen Zugang zu schaffen. Alle Berater*innen haben zuvor Schulungen durch Psycholog*innen und Sozialpädagog*innen absolviert.

Online lässt sich eine passende Person auswählen und ein Termin für Gespräche per Video-Beratung vereinbaren. Wahlweise ist eine Beratung auch über Mail oder Messenger möglich.
Das Motto: „Einfach mal über alles quatschen mit einer Person, die Dich nicht judged und selber ähnliche Erfahrungen gemacht hat wie du!“

Logo: Coming Out Day e.V.

Schließen


Nach den umstrittenen Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz über das „Stadtbild“ in Deutschland haben Tausende Menschen in mehreren Städten – darunter Berlin, Krefeld und München – demonstriert. Unter dem Motto „Wir sind das Stadtbild“ setzten sie ein Zeichen für Offenheit, Vielfalt und gegen Rassismus.

Weiterlesen

Trotz der Proteste erhielt Merz Rückendeckung, etwa vom offen schwulen CDU-Politiker Jens Spahn, der die Äußerungen verteidigte.
Für viele in der queeren Community war das ein weiterer Beleg dafür, dass auch innerhalb der Union queerfeindliche und rassistische Narrative zunehmend normalisiert werden.

Kritik: „Wenn Herr Merz über das Stadtbild spricht, dann meint er auch mich“

Auf der Berliner Kundgebung machte eine trans Frau deutlich, dass Merz’ Aussagen nicht nur Migrant*innen, sondern auch queere Menschen treffen würden:
„Wenn Herr Merz über das Stadtbild spricht, dann meint er nicht nur Menschen, die nicht weiß sind – dann meint er auch mich.“

Damit sprach sie vielen aus der Seele: Die Sorge wächst, dass queere Menschen – nach Migrant*innen und anderen Minderheiten – zum nächsten Feindbild politischer Stimmungsmache werden könnten. Die Teilnehmenden forderten eine klare Abkehr von rechtspopulistischer Sprache und ein Bekenntnis zu einer offenen, solidarischen Gesellschaft, in der Vielfalt sichtbar und geschützt ist.

„Stadtbild“ oder „Weltbild“?

Die Redner*innen warfen Merz vor, mit seinen Worten ein verengtes, normatives Weltbild zu transportieren. Wer nicht ins konservative Schema passe – ob queer, arm oder migrantisch – werde als „Problem“ wahrgenommen. Ein Demonstrationsbanner brachte es auf den Punkt: „Lieber Menschenrechte als rechte Menschen.“

Erinnerung an frühere queerfeindliche Äußerungen

Die Kritik an Merz knüpfte an frühere Aussagen an: Bereits im Juni hatte er in einer Talkshow mit Blick auf queere Menschen von einem „Zirkuszelt“ gesprochen. Viele Demonstrierende sahen darin eine wiederkehrende Abwertung queerer Lebensrealitäten und forderten eine klare Distanzierung der CDU von solchen Haltungen.

Queere Sicht: Solidarität statt Spaltung

Queere Aktivist*innen warnten, dass rechte und konservative Diskurse gezielt versuchten, gesellschaftliche Gruppen gegeneinander auszuspielen – etwa Migrant*innen gegen Queers.
Die Demonstrationen betonten dagegen Solidarität: Ein vielfältiges Stadtbild bedeute, dass alle dazugehören – unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sexueller Identität.

Schließen


Der Dachverband Lesben und Alter e.V. organisiert vom 14. bis 16. November 2025 in Frankfurt am Main eine Fachtagung zum Thema „Lesbisch & solidarisch: Vielfalt schützen gegen Antifeminismus und Rechtsruck“. Ziel der Tagung ist es, in Zeiten steigender Frauen- und Queerfeindlichkeit gemeinsam Strategien für Widerstand und Solidarität zu entwickeln. Sie richtet sich an Multiplikator*innen der Alters- und Gleichstellungsarbeit sowie an alle Interessierten.

Weiterlesen

Das dreitägige Programm beinhaltet diverse inhaltliche Vorträge und Panels zur Aktualität von Antifeminismus und Rechtsextremismus. Dafür wurden zahlreiche Expert*innen und weitere Gäst*innen eingeladen, darunter Sophie Koch, die Beauftragte der Bundesregierung für Akzeptant sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, die am Samstag an einem politischen Panel spricht. Abseits der Vorträge und Diskussionen steht am Sonntag ein Besuch ins LUQS - Lesbenarchiv und queere Sammlung Frankfurt auf dem Programm, einem selbstorganisierten Archiv, das Erinnerungsarbeit im Kontext lesbischer und queerer Geschichte leistet.

Weitere Informationen zum Programm und Anmeldung auf der Webseite des Dachverbandes Lesben und Alter e.V.

Der Verband versteht sich als Interessenvertretung für die spezifische Lebenssituation älterer und alter lesbisch lebender Frauen. Seine Arbeit wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Logo: © Dachverband Lesben und Alter e. V.

Schließen


Die Bundesregierung stellt fest, dass rechtsextreme Straftaten unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen stark zugenommen haben. Während 2020 rund 3.200 solcher Delikte registriert wurden, waren es 2024 bereits über 7.100 – mehr als doppelt so viele. Besonders häufig sind männliche Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren beteiligt.

Weiterlesen

Wie queer.de berichtet, sind laut Regierung lose rechtsextreme Gruppierungen, die sich über soziale Medien und Messenger organisieren, ein wesentlicher Treiber. Diese Gruppen – etwa „Jung & Stark“ oder „Deutsche Jugend Voran“ – mobilisieren schnell und treten unter anderem mit Störaktionen gegen CSDs (Christopher Street Days) auf. Die Bundesregierung nennt gezielte Hetze gegen die LSBTIQ*-Community als einen aktuellen Schwerpunkt der Szene. Über soziale Netzwerke rekrutieren rechtsextreme Akteure junge Menschen, oft unterstützt durch „extremistische Influencer“.

Auch Jugendorganisationen rechtsextremer Parteien wie „Die Heimat“ (ehemals NPD) oder „Der III. Weg“ wirken im Internet erfolgreich. Selbst die mittlerweile aufgelöste Junge Alternative der AfD wird als Beispiel genannt.

Grünen-Politikerinnen Schahina Gambir und Marlene Schönberger kritisieren, dass die Bundesregierung trotz der wachsenden Gefahr keinen klaren Handlungsplan habe und sogar bei Präventions- und Aussteigerprogrammen sparen wolle. So soll etwa der Etat der Bundeszentrale für politische Bildung gekürzt werden – obwohl der Haushalt des Innenministeriums insgesamt steigt. Grünen-Politikerin Marlene Schönberger warnte, rechtsextreme Jugendliche und junge Erwachsene stellten „eine massive Gefahr für unsere Demokratie“ (queer.de) dar.

Tatsächlich sieht der Haushaltsentwurf Einsparungen im Bereich der politischen Bildung vor: Der Etat der Bundeszentrale für politische Bildung soll bis 2026 laut Spiegel um mehr als zwei Millionen Euro sinken. Gleichzeitig wächst jedoch der Gesamthaushalt des Bundesinnenministeriums – um rund 841 Millionen Euro.

Schließen


Als eine der letzten CSD-Demonstrationen des Jahres fand am 27.09.2025 der Christopher Street Day in Oranienburg statt.

Weiterlesen

Die Demo, anlässlich des Gedenkens an den Aufstand von Homosexuellen im Jahr 1969 gegen polizeiliche Willkür in der Christopher Street in New York in den USA, wurde von der CSD Initiative Oberhavel organisiert. Sie fand unter dem Motto „Sicher leben – sichtbar lieben“ statt, denn die Veranstaltenden wollten weiterhin für mehr Sichtbarkeit und Rechte von queeren Menschen vor allem im ländlichen Raum demonstrieren. Unterstützt wurde die Veranstaltung von der Amadeu Antonio Stiftung und dem Kreisjugendring Oberhavel e.V.

Laut Veranstaltenden nahmen zwischen 700 und 800 Menschen am CSD in Oranienburg teil, um sich für queere Rechte einzusetzen. Begonnen hatte der Demozug um 13 Uhr am Bahnhof Oranienburg. Weiter ging es zum Schloss Oranienburg, wo bei gehissten Pride-Flaggen die Zwischenkundgebung stattfand. Um 16 Uhr endete die Demo dann am Oranienwerk.

Der CSD in Oranienburg ist der 16. von insgesamt 17 CSDs in Brandenburg dieses Jahr. Das sind so viele Demonstrationen für Vielfalt und queere Rechte wie noch nie. Zum ersten Mal fand auch ein CSD in Ludwigsfelde statt. Den CSD in Oranienburg gab es dieses Jahr schon zum dritten Mal. In Oranienburg lief der Protest ohne Gegendemonstrationen oder Zwischenfälle rechter Gewalt ab, was jedoch eher eine Ausnahme bedeutet. In vergleichbaren Orten, wie zum Beispiel in Bernau im Landkreis Barnim oder in Falkensee im Havelland, kam es zu Gegendemonstrationen vorrangig durch die Gruppe „Deutsche Jugend voran“. In Barnim trafen die 600 CSD-Teilnehmenden beispielsweise auf 40 Gegendemonstrierende, was friedlich blieb. In Oranienburg konnten die Teilnehmenden ungestört protestieren, da die rechte Jugendgruppe an diesem Tag zu einem CSD in Görlitz mobilisiert hatte. Zusätzlich sitzt Julian M., der zur Spitze der Gruppe gehört, seit Anfang September aufgrund mehrerer Gewaltdelikte in Haft.

Für Veranstalter Candy Boldt-Händel bleibt bei Teilnahme und Organisation von CSDs oft die Frage „Wie komme ich gut nach Hause?“. Die Angst vor rechter Gewalt ist verständlich, da zuletzt im Juni bei einem Fest der Initiative „Bad Freienwalde ist bunt“ Teilnehmende von einer Gruppe Vermummter mit Schlagwerkzeugen gewaltvoll angegriffen wurden (Tagesspiegel).

Die CSD-Saison in Brandenburg endet am 25.10.2025 mit einer Demonstration in Cottbus. Hoffentlich von vielen begleitet, unterstützt und ungestört.

Schließen


Zum 36. Mal veranstaltet der „Querbild e.V.“ das „Hamburg International Queer Film Festival“ (HiQFF)! Sechs Tage lang, vom 14.10.-19.10.2025, gibt es Filmvorführungen, Talks und viele weitere Veranstaltungen auf internationaler Ebene mit queerer Perspektive.

Weiterlesen

„Das Hamburg International Queer Film Festival ist Deutschlands ältestes, größtes und von Beginn an queeres Filmfestival.“ (HiQFF) Es werden über 10.000 Besuchende erwartet. Wie viele andere in diesen Tagen, wirft auch das HiQFF die Frage auf, wie ein solidarisches Filmfestival in Zeiten multipler Krisen und Kriege aussehen kann. Das Festival entscheidet sich für Entschlossenheit zu Widerstand, Wachsamkeit und Beharrlichkeit).

Eröffnet wird das Festival mit einer Gala auf Kampnagel und dem iranischen Film „The Crowd“ von Sahand Kabiri, der damit auch seine Deutschlandpremiere feiert. Musikalisch gestaltet wird die Gala von der lesbischen und feministischen Rapperin Ebow und moderiert von Amina Balajo und Lady Sasha. Die Gala wird in Deutsche Gebärdensprache gedolmetscht. Die Show von Ebow findet mit Taube*r Performer*in statt).

Teile des Programms wurden von anderen internationalen queeren Filmfestivals oder Gruppen kuratiert, darunter das „Pembe Hayat KuirFest“ (Türkei), das „Kaze Film Festival“ (Ruanda) und das „SAQMI – The Swedish Archive for Queer Moving Images“ (Schweden). Das „Pembe Hayat KuirFest“ aus Ankara hat ein Kurzfilmprogramm kuratiert, das dem Erschaffen von LSBTIQ*-Filmen in der Türkei Mut machen soll. Das Festival selbst ist in der Türkei seit 2024 verboten. Die gezeigten Kurzfilme handeln unter anderem von queerem Nachtleben, Trauer, der feministischen Bewegung und dem Leben von trans Personen in der Türkei. Das „Kaze Film Festival“ hat ebenfalls Programm gestaltet. Gegründet von der Kigali Pride Initiative thematisiert es mit einem Langfilm „I am Samuel“ und einem Kurzfilmprogramm „Fragements of us“ ruandische Geschichten über Zärtlichkeit und Widerstandsfähigkeit. Das „SAQMI – The Swedish Archive for Queer Moving Images“ zeigt ebenfalls ein Kurzfilmprogramm über sámische Queerness aus einer historischen und zeitgenössischen Perspektive).

Zusätzlich zu den Filmvorführungen finden viele verschiedene Talk-Formate statt oder es wird Raum zum Austausch in der „tagbar“ & „offbar“ geschaffen. Zum Feiern der Community und des Festivals können Menschen auf diversen Partys zusammenkommen. Am Donnerstag, den 16.10., findet der „Let’s Talk Queer Film Industry“ zur Stärkung der queeren Hamburger Filmcommunity statt. Die Veranstaltung „Let’s Talk Festivals“, eine Austauschmöglichkeit über Herausforderungen, Strategien und Zukunftsperspektiven zusammen mit den Gästen aus Ankara und Ruanda, findet am Samstag, den 18.10., statt. Am gleichen Tag gibt es auch eine Talkrunde zum Thema Queer Antifa, um Austausch und Vernetzung mit Gruppen aus Dresden und Hamburg zu antifaschistischer Arbeit, insbesondere zur Organisation und Selbstschutz von CSD-Demonstrationen, zu ermöglichen.

Alle weiteren Infos und das gesamte Programm sind unter Hamburg International Queer Film Festival zu finden. Beteiligt sind die Kinos 3001 Kino, B-Movie, Metropolis, Passage Kino und die Rineuto Lichtspiele sowie das Kunstlabor Kampnagel. Außerdem gibt es schon das achte Jahr in Folge ein extra HiQFF Schulprogramm für Hamburger Schulen, um altersgerecht Themen rund um sexuelle und geschlechtliche Vielfalt im Schulalltag über die Filmleinwand aufzugreifen.

Logo: Hamburg International Queer Film Festival

Schließen


Schutz vor Diskriminierung auf Basis von sexueller Identität ist bis heute nicht in der Verfassung verankert. Seit Langem fordert die queere Community, das Grundgesetz um diese Kategorie zu ergänzen. Nun plant der Bundesrat, dem Bundestag einen entsprechenden Entwurf vorzulegen.

Weiterlesen

In Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes steht derzeit, dass niemand „wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“ darf. Ebenso darf niemand „wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“.

Schon lange setzen sich queere Verbände und Initiativen wie „GRUNDGESETZ FÜR ALLE“ für eine Erweiterung dieses Artikels um die sexuelle und geschlechtliche Identität ein. Trotz langjähriger Bemühungen hat sich auf politischer Ebene bislang wenig getan.

Ende September stimmte jedoch der Bundesrat einem Antrag der Länder Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein zu, in dem die Ergänzung des Art 3 Abs 3 GG um die Kategorie „sexuelle Identität“ gefordert wird. Der Antrag soll dem Bundestag vorgelegt werden. Für eine Änderung des Grundgesetzes ist eine Zweidrittelmehrheit in beiden Instanzen (Bundestag und Bundesrat) erforderlich.

Wie queer.de erklärt, müsste demnach in der aktuellen parlamentarischen Zusammensetzung ein Großteil der Unionsabgeordneten einer solchen Erweiterung zustimmen. Alexander Vogt aus dem Bundesvorstand des LSVD+ Verband Queere Vielfalt fordert in einer Pressemitteilung ausdrücklich die Fraktionen von CDU und CSU auf und wünscht sich „einen offenen Austausch zu diesem Thema“. Vogt appelliert an „alle Demokrat*innen“, sich für Vielfalt einzusetzen: „Die Grundgesetzergänzung für LSBTIQ* ist kein Nischenthema, sie ist im Kern die Verteidigung unserer demokratischen Werte.“

Dabei weist er auch auf die Geschichte der politischen Verfolgung queerer Menschen in Deutschland hin. Wie der LSVD+ auf seiner Webseite erklärt, sei Absatz 3 im Artikel 3 des Grundgesetzes in Reaktion auf den Nationalsozialismus entstanden. Dass vor dem Hintergrund der Verbrechen des NS-Regimes auch sexuelle Vielfalt ausdrücklich geschützt werden müsse, werde bis heute in dem Artikel nicht abgebildet.

Die Rechte von LSBTIQ*-Personen waren jedoch noch lange nicht gesichert: Im Gesetzentwurf (Bundesrat Drucksache 313/25) wird auf die bis in die 1990er Jahre anhaltende Kriminalisierung von Homosexualität hingewiesen. Vor diesem Hintergrund sowie angesichts der zunehmenden politisch motivierten Kriminalität gegen LSBTIQ*-Personen wird betont, dass „erst ein ausdrücklich im Grundgesetz normiertes Verbot der Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität“ umfassenden rechtlichen Schutz bieten könne.

Trotz des Hoffnungsschimmers gibt es auch Kritik an der Bundesratsinitiative, darunter von der Deutschen Gesellschaft für Trans* und Inter*geschlechtlichkeit e.V. (dgti*). Denn die geschlechtliche Identität wurde in dem Gesetzentwurf zur Grundgesetzergänzung nicht aufgenommen. So würden trans*, inter und nicht-binäre Personen weiterhin im Grundgesetz unsichtbar bleiben (mehr zu dieser Debatte in einem Artikel von queer.de).

Schließen


Sexualität ist auch politisch. Von den Rechten für LSBTIQ*-Personen über Debatten um Ehe und Abtreibung bis hin zur Frage nach Transidentität – immer wieder kreuzen sich Intimität und gesellschaftliche Machtfragen. Sexualität wird so zu einem zentralen Verbindungselement zwischen Individuum und Politik.

Weiterlesen

Über dieses komplexe Verhältnis spricht Tilo Jung mit dem US-amerikanischen Autor und Kolumnisten Dan Savage. Die von Tilo Jung moderierte Interviewreihe „Jung & Naiv“ bietet regelmäßig tiefgehende Gespräche über Politik und Gesellschaft. Savage gilt als eine der bekanntesten Stimmen im internationalen Diskurs über Sexualität. Seit den 1990er-Jahren veröffentlicht er seine Kolumne Savage Love, in der er offen über Liebe, Sexualität und Beziehungen schreibt. Darüber hinaus engagiert er sich für LSBTIQ*-Rechte, bricht Tabus und wirbt für eine ehrliche, pragmatische Auseinandersetzung mit Sexualität.

Im Interview erklärt Savage, warum offene Kommunikation in Beziehungen entscheidend ist und welche Gefahren durch Tabuisierung, konservative Rückschritte und unrealistische Erwartungen entstehen können. Zugleich betont er, dass gesellschaftlicher Wandel möglich ist – ebenso wie persönliche Veränderung im Alltag. Deutlich wird dabei, dass Sexualität weit über die LSBTIQ*-Gemeinschaft hinaus untrennbar mit Politik verknüpft bleibt. Gesetze und Normen definieren, was als legitim gilt und was als „abweichend“ markiert wird. Sie bestimmen, wer sprechen darf und wessen Lebensweisen marginalisiert werden. Für Savage ist der Umgang mit Minderheiten – insbesondere mit deren Sexualität – dabei ein Indikator für die Qualität einer Demokratie.

Savage betont, dass Sexualität in Beziehungen ebenso wie in der Politik ein ständiger Aushandlungsprozess ist – zwischen Individuen, Partner*innen und gesellschaftlichen Normen. Alternative Beziehungsmodelle legitimierten sich durch Konsens, auch wenn sie Konventionen brechen. Entscheidend sind offene Gespräche über Wünsche und Grenzen, die Beziehungen stärken. Unterdrückte Sexualität dagegen schadet, wobei Savage klar unterscheidet zwischen selbstgewählter Kontrolle und fremder Unterdrückung.

Mit einem kritischen Blick in die USA unterstreicht das Interview, wie Tabus und Schweigen, Scham und Unwissenheit die Menschen verletzlich machen. Errungene Rechte können wieder zurückgenommen werden und konservative Kräfte nutzen Sexualität gezielt zur gesellschaftlichen Spaltung. Trotz der Schärfe seiner Analyse bleibt Savages Beobachtung jedoch nicht ohne Lichtblick. Er verweist darauf, wie „schnell“ sich Einstellungen in den vergangenen Jahrzehnten verändert haben – von der Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Ehen bis zur wachsenden Sichtbarkeit vielfältiger Lebensentwürfe. Besonders die jüngere Generation stehe für neue Offenheit und Normalität im Umgang mit Vielfalt. Das unterstreicht: Gesellschaftlicher Wandel ist möglich – aber er braucht aktive Gestaltung.

Wer verstehen will, wie eng Intimität, Politik und persönliche Freiheit miteinander verflochten sind, und zugleich lebenspraktische Denkanstöße erhalten möchte, sollte das Gespräch nicht verpassen.

 #783 - Dan Savage on Epstein, Trump, queer rights, fascism & monogamy. Politik für Desinteressierte -Jung & Naiv

Schließen

 

In der Hansestadt Hamburg bietet der Lesben*verein Intervention e.V. seit den 1980er Jahren Begleitung, Beratung sowie Räume für Austausch und Empowerment für junge und ältere Lesben*.

Weiterlesen

Der Verein wurde 1982 gegründet. In den späten 1980er Jahren richtete Intervention e.V. einen Lesbentreff im Hamburger Stadtteil St. Georg ein. Heute befinden sich die Räumlichkeiten des queeren Vereins im Karoviertel. Sie beherbergen eine lesben*- und queerspezifische Bibliothek und können für vielfältige Zwecke genutzt werden.

Nach eigenen Angaben verfolgt der Verein das Ziel, „SLINTA (sapphische, lesbische, intersex, nicht-binäre, trans*, agender Personen) unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichem Hintergrund zu begleiten. Zudem engagiert sich Intervention e.V. solidarisch in der Frauen-, Lesben* und Queerbewegung.“

Unter Intervention e.V. als Träger laufen mehrere wertvolle Projekte für Hamburger Lesben*:

  • Das JungLesben*Zentrum Hamburg organisiert unter anderem einen offenen Treff für Menschen unter 27 Jahren, die sich der lesbischen* Community zugehörig fühlen. Das Zentrum verfolgt einen lesbisch*-feministischen Ansatz in der Pädagogik und berät junge queere Menschen sowie ihre Angehörigen.
  • Mit Refugee* Sisters Hamburg wurde ein kostenloses und mehrsprachiges Beratungsangebot für Geflüchtete geschaffen, das sich speziell an queere Frauen sowie inter* und trans* Personen richtet, die von Zwangsvertreibung betroffen sind. Die Fachkräfte beraten zu Asylverfahren von LSBTIQ*-Personen und bieten psychologische und psychosoziale Unterstützung an.
  • Die Netzwerkstelle Lesben* in Hamburg setzt sich für die Sensibilisierung lesbischer* Bedarfe und Lebenswelten ein. Gemeinsam mit anderen Akteur*innen werden „Handlungsschritte für ein diskriminierungsfreieres Leben von LSBTIQ+“ entwickelt. Auch an der Planung der feministischen Demonstrationen am 8. März sowie des jährlichen Dyke* Marchs in Hamburg beteiligt sich die Netzwerkstelle.

Die hier benannten Projekte werden von der Stadt Hamburg finanziert, Interventionen e.V. als Träger ist auf Spenden und Mitgliedsbeiträge angewiesen. Weitere Informationen und Spendenkonto auf der Webseite des Lesben*verein Interventionen e.V.

Schließen


Die Forschung zu LSBTIQ*-Lebensrealitäten in Deutschland hat in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen. Neben Analysen zu Diskriminierung rücken zunehmend auch Erfahrungen im Alltag in den Blick. Doch trotz dieser Fortschritte bleiben viele sozialwissenschaftliche Studien weiterhin heteronormativ geprägt. Das hat zur Folge, dass LSBTIQ*-Personen in großen Teilen der Forschung unterrepräsentiert oder unsichtbar bleiben.

Weiterlesen

Genau hier setzt die Seite des LSVD+ „Aktuelle Umfragen zu LSBTIQ – Forschungsvorhaben und Studien an. Sie bietet einen laufend aktualisierten Überblick über Forschungsprojekte und Online-Befragungen, die gezielt LSBTIQ*-Lebenslagen erfassen. Damit ist sie nicht nur eine hilfreiche Sammlung, sondern auch eine Einladung: zur Beteiligung, zur Mitgestaltung und zur stärkeren Verankerung queerer Perspektiven in der Forschung.

Drei Beispiele der letzten Studien:

  • Queerfeindliche Gewalt in Berlin (September 2025):

Im Rahmen des Berliner Monitorings untersuchte Camino im Auftrag des Landes Berlin, wie sich queerfeindliche Gewalt auswirkt – mit dem Ziel, Präventions- und Unterstützungsangebote passgenauer zu entwickeln.

  • Erleben von Geburt und Elternschaft (August 2025):

Eine anonyme Online-Studie erforschte, wie Kindheitserfahrungen und andere Faktoren das Befinden nach der Geburt, die Elternschaft und die Bindung zum Kind beeinflussen. Eingeladen waren ausdrücklich Menschen aller Geschlechtsidentitäten und sexuellen Orientierungen.

  • Queere und andere Lebenswege (Juli 2025):

Die Universität Bremen analysierte in dieser Online-Befragung den Zusammenhang zwischen sozialen Erfahrungen, Selbstakzeptanz und Wohlbefinden queerer Menschen.

Die LSVD+-Seite knüpft dabei direkt an die Debatten an, die wir kürzlich in unserem Artikel Daten am Rand: LSBTIQ* in europäischen Forschungsarchiven aufgegriffen haben. Dort zeigte eine GESIS-Studie, wie fragmentiert und defizitorientiert LSBTIQ*-Lebensrealitäten in europäischen Datenarchiven dokumentiert sind. Während diese Analyse die strukturellen Defizite sichtbar macht, bietet die LSVD+-Seite einen sehr konkreten Ansatz: Sie öffnet den Zugang zu laufenden Studien in Deutschland – und trägt so aktiv dazu bei, bestehende Datenlücken zu schließen. Was die Studien dabei nicht so leicht lösen, sind die Lücken in den Europäischen Datenbanken.

Darüber hinaus ist die Seite mehr als nur eine Sammlung von Links: Sie erleichtert den Zugang zu Institutionen und Forschungsvorhaben, zeigt auch nach Abschluss von Befragungen noch relevante Anlaufstellen für wissenschaftlich interessierte Personen auf und sorgt so für langfristige Sichtbarkeit.

Die LSVD+-Seite schafft einen zentralen Zugang zu aktueller LSBTIQ*-Forschung und leistet damit einen wichtigen Beitrag, die Vielfalt gesellschaftlicher Lebenslagen sichtbarer zu machen. Wer sich informieren, beteiligen oder neue Forschungsideen entwickeln möchte, findet hier wertvolle Impulse.

Es lohnt sich, regelmäßig vorbeizuschauen, da kontinuierlich neue Befragungen veröffentlicht werden.

Schließen


Echte Vielfalt
Datenschutzübersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir Ihnen die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in Ihrem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Erkennen von Ihnen, wenn Sie zu unserer Website zurückkehren, und helfen unserem Team zu verstehen, welche Bereiche der Website für Sie am interessantesten und nützlichsten sind.

.moove-gdpr-branding-cnt,.moove-gdpr-company-logo-holder {display: none;} #moove_gdpr_cookie_info_bar p{text-shadow: none;}