Weiterlesen Dabei steht vor allem die Diskriminierung im Alltag im Vordergrund. Diskriminierung kann in vielen Formen auftreten, doch bedeutet sie meist die unfaire Behandlung oder (strukturelle) Benachteiligung bestimmter Gruppen an Menschen aufgrund eines Merkmals oder einer Art und Weise ihr Leben zu führen. Solche Merkmale können das Geschlecht, die sexuelle Orientierung, die Sprache, das Alter, das Aussehen, die (soziale) Herkunft, die Religion oder Weltanschauung und eine Behinderung oder (chronische) Krankheiten sein. Und das betrifft, wie gesagt, nicht nur abstraktere politische Ebenen, sondern auch viele Situationen im Alltag, wie z.B. beim Einkaufen, bei der Wohnungs- und Arbeitssuche und Sicherheit im öffentlichen Raum (Antidiskriminierungsstelle des Bundes). Bei der Erstellung des Fragebogens sollen rund 400 Akteur*innen mitgewirkt haben, um ein ganzheitliches und intersektionales Forschungsinteresse vertreten zu können (Universität Mainz). Die Teilnahme ist für alle Personen ab 14 Jahren möglich, die schon einmal Diskriminierungserfahrungen gemacht haben. Alle Angaben werden anonym aufgenommen und vertraulich behandelt. Für das Ausfüllen des Fragebogens werden ca. 30 Minuten benötigt. Die Umfrage ist in Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch, Arabisch, Spanisch, Russisch, Polnisch, Ukrainisch und Deutscher Gebärdensprache möglich. Die Umfrage läuft vom 12.11.2025 bis zum 28.02.2026 und die Ergebnisse sollen im Frühsommer 2027 veröffentlicht werden Du kannst ganz einfach online oder unter diesem Link teilnehmen: zur Umfrage. Ist dir die Papierform lieber, kannst du ihn in deutscher und einfacher deutscher Sprache kostenlos bestellen und zurücksenden. Dort gibt es auch kostenlose Flyer, Postkarten und Poster zum Verteilen und Aufhängen im öffentlichen Raum. Ansonsten kann die Umfrage auch in Sozialen Netzwerken und den Medien geteilt werden (Antidiskriminierungsstelle des Bundes). Bisher haben schon ca. 13.000 Personen an der Umfrage teilgenommen (Stand: 17.12.2025, 10:00 Uhr). Warum ist es wichtig, an dieser Befragung teilzunehmen? Es ist eine Möglichkeit, queere Perspektiven zu äußern und die Diskriminierungen der Community sichtbar zu machen. Auch um Politiker*innen in Verantwortung zu ziehen, wenn die Umstände queeren Lebens bekannt werden. Gerade die Gewalt gegen Menschen aus der queeren Community ist stark angestiegen. Außerdem: Je mehr Menschen teilnehmen, desto verlässlicher und repräsentativer werden die Daten und können gezielter für politische Vorhaben genutzt werden (Antidiskriminierungsstelle des Bundes). Auf geht’s zur Umfrage! Vielleicht tut es auch gut, diese Umfrage gemeinsam mit Freund*innen oder vertrauten Menschen auszufüllen, dabei nicht allein zu sein oder bewusst danach etwas zu tun, was dir Freude bereitet oder Sicherheit gibt!
Queere Sicherheit im Fokus: Antrag der Linken im Bundestag
23. Dezember 2025Weiterlesen Forderungen der Linken Im Antrag verlangt die Fraktion, dass die Bundesregierung queerfeindliche Gewalt stärker in den Blick nimmt. Sie schlägt unter anderem vor, Position der Linken in der Debatte Maik Brückner, queerpolitischer Sprecher der Linken, eröffnete die Debatte mit dem Hinweis, dass sich viele queere Menschen in Deutschland nicht sicher fühlten. Er machte vor allem rechtsextreme Gruppen für Angriffe verantwortlich. Zudem kritisierte er konservative Politiker dafür, mit Polemik gegen queere Themen wie das Selbstbestimmungsgesetz oder die Regenbogenflagge den öffentlichen Diskurs weiter nach rechts zu verschieben. Reaktionen der Union CDU und CSU wiesen die Vorwürfe zurück und bezeichneten den Antrag der Linken als „Symbolpolitik“. Der CSU-Abgeordnete Siegfried Walch sprach von fundamentalistischen Einstellungen unter Teilen der Zugewanderten und betonte, dass in Deutschland „unsere Regeln und unser Wertesystem“ gälten, zu rechtsextremen Anschlägen äußerte er sich nicht. Kritik der Grünen Nyke Slawik, queerpolitische Sprecherin der Grünen, warf der Union vor, durch rechtspopulistische Ablenkungsdebatten gesellschaftliche Feindbilder zu schüren, statt reale Probleme anzugehen. Sie warnte vor der Verschiebung des Diskurses nach rechts, die durch Kampagnen gegen trans Personen oder Geflüchtete verstärkt werde. Laut Slawik wird dieser Trend von Rechtsextremen und der AfD aktiv befeuert. Positionen der AfD Die Redebeiträge der AfD waren geprägt von starker Abwertung queerer Menschen. Stellungnahmen der SPD SPD-Abgeordneter Helge Lindh kritisierte die AfD scharf dafür, CSDs bewusst als „hypersexualisierte Veranstaltungen“ zu diffamieren. Er warf der Partei vor, selbst die Sexualisierung zur Diskreditierung queerer Menschen zu betreiben. Weiteres Verfahren und aktuelle Entwicklungen Nach Abschluss der Debatte wurde der Antrag der Linken zur detaillierten Prüfung in den Innenausschuss überwiesen. Dort wird er weiter beraten, hat jedoch derzeit keine erkennbare Mehrheit im Bundestag. Der queere Dachverband LSVD⁺ begrüßte grundsätzlich, dass das Thema im Parlament behandelt wurde, sieht aber weiterhin erheblichen Handlungsbedarf. Bislang hat die Bundesregierung keine neue umfassende Sicherheitsstrategie für CSDs vorgelegt, jedoch betonen einzelne Regierungsvertreter, das Thema sei „auf dem Radar“.
Trotz der Kritik erklärten beide Unions-Politiker, dass queere Menschen selbstverständlich gleichberechtigt seien und offen leben und lieben können sollten.
Christopher Drößler nannte Dragqueens „oft pervers“ und sprach von einer „gesellschaftszersetzenden Agenda“. Beatrix von Storch machte vor allem „muslimische Gewalt“ für Übergriffe verantwortlich — eine Behauptung, die wissenschaftlich nicht gedeckt ist und sich in die rechtspopulistische Erzählung einfügt, Migration sei das Kernproblem.
Zudem wurde daran erinnert, dass Drößler selbst zuvor auf Social Media antisemitische und rechtsextreme Verschwörungstheorien über CSDs verbreitet hatte, etwa die Behauptung, Pride-Events seien von „globalistischen Kapitalkräften“ gesteuert.
Sein Parteikollege Hakan Demir betonte, dass der Staat ein verlässlicher Schutzmechanismus für Minderheiten sein müsse.
Demokratie braucht Verbündete – auch für queere Menschen
18. Dezember 2025Weiterlesen Bedrohliche Signale aus Europa Ein Blick über die deutschen Grenzen hinaus zeigt, wie schnell gesellschaftlicher Fortschritt ins Wanken geraten kann. Laut ILGA Europe hat sich die Lage für LGSBTIQ*-Menschen in mehreren EU-Staaten zuletzt deutlich verschlechtert. In Ländern wie Ungarn, Italien, Bulgarien oder Rumänien wurden neue Gesetze verabschiedet oder vorbereitet, die queere Menschen offen diskriminieren. Der politische Diskurs wird zunehmend von Desinformation, Hassrhetorik und dem Kampfbegriff der „queeren Propaganda“ geprägt. Besonders besorgniserregend: Gerichtsurteile europäischer Höchstgerichte zur Gleichstellung von LSBTIQ*-Familien werden in einigen Staaten weiterhin ignoriert. Gleichzeitig geraten Medienfreiheit, Zivilgesellschaft und Versammlungsrechte unter Druck. Hier zeigen sich Entwicklungen, die immer auch direkte Auswirkungen auf Minderheiten haben. Deutschland ist keine Insel Auch hierzulande ist die Situation weniger stabil, als sie lange schien. Zwar definieren sich inzwischen rund zwölf Prozent der Menschen in Deutschland als LSBTIQ*, in der Generation Z sogar mehr als jede*r Fünfte. Doch parallel dazu zeigen aktuelle Studien: Die gesellschaftliche Akzeptanz nimmt wieder ab. Hasskriminalität, Diskriminierung im Alltag und Unsicherheit im Berufsleben sind für viele queere Menschen weiterhin Realität. Gerade deshalb wird eine Gruppe immer wichtiger: Allys, also Menschen außerhalb der Community, die sich bewusst und aktiv an ihre Seite stellen. Was einen guten Ally ausmacht Ein Ally zu sein bedeutet mehr als wohlmeinende Likes in sozialen Netzwerken. Es beginnt mit Zuhören, mit dem Erkennen eigener Privilegien und mit der Bereitschaft, sich selbst zu hinterfragen. Wer nie Angst haben musste, sich Händchen haltend zu zeigen oder im Job offen über das eigene Privatleben zu sprechen, lebt in einer anderen Realität – und genau diese Differenz gilt es anzuerkennen. Gute Allys informieren sich, ohne Betroffene zu retraumatisieren. Sie greifen ein, wenn abfällige Witze gemacht werden oder Vorurteile unwidersprochen bleiben, ruhig, sachlich und ohne moralischen Zeigefinger. Oft reicht ein klarer Satz oder eine einfache Frage, um einen Perspektivwechsel anzustoßen. Sichtbarkeit und Solidarität im Alltag Solidarität darf sichtbar sein, muss aber nicht laut auftreten. Ein kleines Symbol, ein offenes Wort oder die Teilnahme an lokalen Initiativen können für queere Menschen ein starkes Signal sein: Du bist nicht allein. Gleichzeitig gilt: Unterstützung heißt nicht Bevormundung. Allys sollten Raum lassen, damit Betroffene selbst sprechen können, also Unterstützung auf Augenhöhe statt Rettungsfantasien. Verantwortung auf beiden Seiten Auch die Community selbst steht in der Verantwortung. Viele Menschen wissen wenig über queere Lebensrealitäten – nicht aus Bosheit, sondern aus Unwissen. Wer Allys gewinnen will, braucht Geduld, Offenheit und die Bereitschaft zum Dialog. Angst und Vorurteile lassen sich nicht mit Abwehr, sondern nur mit Argumenten und Begegnung abbauen. Am Ende profitieren vor allem LSBTIQ*-Menschen von starken Verbündeten. Deshalb gilt: Wer sich solidarisch zeigt, verdient Respekt und Dankbarkeit, nicht Misstrauen oder Abgrenzung. In Zeiten wachsender Unsicherheit ist eines klarer denn je: Gleichberechtigung lässt sich nur gemeinsam verteidigen.
Buchtipps (nicht nur) für queere Leser*innen
16. Dezember 2025Weiterlesen In diesem Roman erzählt Hengameh Yaghoobifarah von einer nichtbinären Hauptfigur, die sich zwischen familiären Erwartungen, queerer Community und der Suche nach einem eigenen Platz in der Welt bewegt. Mit klarer Sprache und gesellschaftlichem Blick verhandelt Schwindel Themen wie Zugehörigkeit, Migration, Körper und Begehren. Ein zeitgenössischer Roman, der queere und postmigrantische Erfahrungen selbstverständlich zusammendenkt und dabei sowohl politisch als auch persönlich bleibt. Der Autor von Ich bin Linus widmet sich in diesem Buch queeren Beziehungen, Nähe und emotionaler Offenheit. Zwischen Essay, persönlicher Reflexion und gesellschaftlicher Analyse geht es um Liebe jenseits heteronormativer Vorstellungen. Ein wichtiges Buch für queere Menschen, die sich mit Beziehungsmustern, Selbstakzeptanz und emotionaler Gesundheit auseinandersetzen möchten. Der Sammelband versammelt Texte verschiedener Autor*innen zu Rassismus, Queerness, Klassismus und gesellschaftlicher Ausgrenzung. Auch queere Perspektiven spielen eine zentrale Rolle und zeigen, wie eng Diskriminierungsformen miteinander verwoben sind. Kein klassischer Roman, sondern ein politisch-literarisches Werk, das strukturelle Ungleichheiten sichtbar macht und queere Stimmen in gesellschaftliche Debatten einordnet. Alicia Zett zählt zu den bekanntesten queeren Stimmen der jungen deutschsprachigen Literatur. In Not Your Type erzählt sie eine zeitgenössische queere Liebesgeschichte über Selbstfindung, Unsicherheiten und das Abweichen von Erwartungen – sensibel und nah an der Lebenswelt junger Erwachsener. Ein zugänglicher, emotionaler Roman, der insbesondere für junge queere Leser*innen Identifikationspotenzial bietet. Dieses Sachbuch beschäftigt sich mit queerer Liebe als politischer Praxis. Svenja Gräfen verbindet feministische, queere und gesellschaftskritische Perspektiven und zeigt, wie Fürsorge, Beziehungen und Solidarität jenseits normativer Vorstellungen gedacht werden können. Ein inspirierendes Buch für alle, die queere Beziehungen nicht nur privat, sondern auch gesellschaftlich reflektieren möchten. 1. Hengameh Yaghoobifarah: Schwindel (2024)
2. Linus Giese: Lieben und lieben lassen (2023/2024)
3. Deniz Ohde (Hrsg.): Eure Heimat ist unser Albtraum – Erweiterte Ausgabe (aktuell neu aufgelegt)
4. Alicia Zett: Not Your Type (2024)
5. Svenja Gräfen: Radikale Zärtlichkeit (2023, weiterhin hochaktuell)
Weiterlesen Trotz dieser Lage haben sich die EU-Innenminister*innen darauf verständigt, diese Länder in eine gemeinsame Liste sicherer Herkunftsstaaten aufzunehmen. Parallel dazu hat der Deutsche Bundestag am 5. Dezember 2025 eine Reform beschlossen, die es der Bundesregierung ermöglicht, Herkunftsstaaten künftig per Rechtsverordnung als „sicher“ zu deklarieren, auch ohne Zustimmung des Bundesrats. Damit sinken die Hürden erheblich, Staaten mit nachweislicher queerfeindlicher Gesetzgebung als sicher einzustufen. Für queere Geflüchtete bedeutet dies massiv eingeschränkte Zugangschancen zum Asylverfahren. Asylanträge aus solchen Staaten gelten in der Regel als „offensichtlich unbegründet“ und werden in beschleunigten Verfahren bearbeitet. Individuelle Verfolgungsgründe, etwa aufgrund sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität, haben es dann besonders schwer, überhaupt berücksichtigt zu werden. Dass ausgerechnet Länder, in denen queere Menschen Verhaftung, Gewalt oder Folter befürchten müssen, als sicher eingestuft werden können, erhöht das Risiko, dass Betroffene in lebensgefährliche Situationen zurückgeschoben werden. Verschärft wird die Lage durch eine weitere Entscheidung des Bundestags: Ebenfalls am 5. Dezember wurde die Pflicht abgeschafft, Menschen in Abschiebehaft automatisch anwaltlichen Beistand zu gewähren. Für eine ohnehin vulnerable Gruppe bedeutet das, noch weniger Möglichkeiten zu haben, ihre spezifischen Gefährdungen wirksam darzulegen und rechtlich gegen Abschiebungen vorzugehen. Diese Entwicklungen stehen zudem im deutlichen Widerspruch zu einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs, der erst vor wenigen Monaten festgehalten hat, dass ein Staat nur dann als sicher gelten darf, wenn auch homosexuelle Menschen dort geschützt sind. Dennoch treiben sowohl die EU-Minister*innen als auch die Bundesregierung Regelungen voran, die genau das Gegenteil zulassen. Menschenrechts- und LGBTIQ*-Organisationen warnen deshalb vor einer erheblichen Gefährdung queerer Schutzsuchender, deren Chancen auf ein faires Asylverfahren weiter schwinden und deren Risiko, in Verfolgung zurückgeschickt zu werden, deutlich steigt.
Weiterlesen Morgane Llanque, Jahrgang 1994 und in Berlin geboren, ist studierte Historikerin, Politikwissenschaftlerin und Kulturjournalistin. Nach Stationen an der Katholischen Journalistenschule und ersten Veröffentlichungen in Medien wie Die Zeit, taz und dem Good Impact Magazin, arbeitet sie heute beim Institut für Auslandsbeziehungen. Geschichte jenseits der Machtperspektive Ihr Buch, das im November 2025 im Droemer Verlag erschienen ist, umfasst rund 300 Seiten und führt in acht Kapiteln durch verschiedene Epochen und Weltregionen. Llanques zentrale These: Die Menschheit war schon immer vielfältig – ethnisch, kulturell, geschlechtlich. Doch die überlieferte Geschichtsschreibung, meist von den Mächtigen geprägt, erzählte lange nur einen Ausschnitt dieser Realität. Von der Steinzeit bis zur Globalisierung: Vielfalt ist älter als gedacht Llanque beginnt ihre Reise in der Steinzeit – und räumt gleich mit einem weiteren beliebten Stereotyp auf. Die Frühgeschichte war keineswegs eine Welt männlicher Dominanz. Neue archäologische Funde deuten vielmehr auf gesellschaftliche Strukturen hin, in denen Frauen Macht hatten, Kriegerinnen existierten und Rollenbilder wesentlich flexibler waren als lange behauptet wurde. Auch Migration ist kein neuzeitliches Phänomen: Nach Llanques Darstellung zeigen aktuelle DNA-Analysen, dass anatolische Bevölkerungsgruppen bereits in der Frühgeschichte weitreichende Wanderungsbewegungen auslösten. Über Antike und Mittelalter führt sie schließlich in das 18. und 19. Jahrhundert – und zeigt dort, wie selbstverständlich gender-nonkonforme Menschen in vielen Kulturen lebten. Globalisierung, so betont sie, ist ebenfalls kein modernes Konzept: Schon im Mittelalter vernetzten sich Gesellschaften über Kontinente hinweg, ohne dass dies zwangsläufig mit Kolonialismus verbunden war. Menschen mit Behinderungen: sichtbar und doch unsichtbar Ein großes Kapitel widmet Llanque Menschen mit Behinderungen, die in der klassischen Geschichtsschreibung oft nur als Randfiguren auftauchen – oder gar nicht. Dabei prägten sie in vielen Fällen politische Entwicklungen, kulturelle Traditionen oder militärische Geschichte. Von einem einäugigen Samurai über den buckligen Staatsmann Salisbury bis zur blinden Pianistin oder Lord Byron mit Klumpfuß: Llanque zeigt, wie vielfältig und prägend diese Biografien waren. Gender-nonkonforme Geschichte: weltweit und seit Jahrhunderten Ebenso ausführlich beleuchtet die Autorin Kulturen, in denen gender-nonkonforme Menschen seit jeher selbstverständlicher Teil der Gesellschaft sind. Sie erzählt von den neapolitanischen Femminielli, den Female Husbands aus der angloamerikanischen Geschichte, den Hijras in Südasien sowie den Fa’afafine und Fa’atame in Samoa. Immer wieder wird sichtbar: Genderdiversität ist kein modernes Phänomen, sondern historisch tief verankert – und oft erst durch koloniale oder westliche Normen verdrängt worden. Ein populäres Buch mit Bildungsanspruch Auch wenn Llanque nicht den Anspruch erhebt, ein vollständiges Geschichtswerk zu liefern, bietet ihr Buch eine kompakte, gut lesbare Gesamtschau bisher übersehener Kapitel der Menschheitsgeschichte. Kritisch ließe sich anmerken, dass gerade das Berlin-Kapitel etwas blass bleibt. Doch für ein breites Publikum, das „die Geschichte hinter der Geschichte“ entdecken möchte, ist es ein zugänglicher und inspirierender Einstieg. Für die Geschichtswissenschaft wiederum könnte „Vielfalt“ ein Anstoß sein, stärker mit multiperspektivischen Methoden zu arbeiten – und die Menschheitsgeschichte als das zu begreifen, was sie immer war: ein Geflecht aus vielen Stimmen, Lebensformen und Identitäten.
Besonders deutlich wird das im Blick auf den sogenannten Westen. Llanque widerspricht der Vorstellung, die westlichen Gesellschaften seien historisch homogene Räume von Whiteness, Patriarchat und Heteronormativität gewesen. Dieser Mythos sei bequem, aber unhaltbar – und reiche bis in die Gegenwart, wo rechte und rückwärtsgewandte Bewegungen versuchen, gesellschaftliche Vielfalt zurückzudrängen.
Queere Wintermärkte in Deutschland
2. Dezember 2025Weiterlesen Christmas Avenue Berlin LGBTQIA* Winterdays Berlin startete mit den LGBTQIA* Winterdays schon vom 05.-22.11.2025 in die Zeit der Wintermärkte. Hier stehen verschiedene Organisationen und Vereine im Mittelpunkt, die ihre Arbeit vorstellen und zum Austausch queerpolitischer Themen einladen. Der größte queere Wintermarkt, die Christmas Avenue am Nollendorfplatz in Schöneberg, wurde dann am 24.11.2025 eröffnet. Neben Live-Musik und Drag-Shows gibt es Lesungen, Bingo, Karaoke, Schrottwichteln und altbekannte Wintermarktstände. Öffnungszeiten: Christmas Avenue vom 24.11.-23.12.2025: Mo-Do 16-22 Uhr, Fr-So 15-22 Uhr Ort: geschützt unter der Hochbahn am Nollendorfplatz, Berlin-Schöneberg Mehr Infos unter Christmas Avenue Berlin. Pink Christmas München Mitten Im Glockenbachviertel und ganz in Pink findet in diesem Jahr wieder der Pink Christmas Wintermarkt in München statt. Seit 2005 auf dem Stephansplatz zuhause feiert der Markt dieses Jahr sein 20. Jubiläum. Mit kleiner Showbühne, die täglich ab 18 Uhr durch DJ James Munich besetzt ist, Showsonntagen mit Travestiestar Gene Pascale ab 19 Uhr und vielen weiteren Auftritten ist für das richtige Rahmenprogramm gesorgt. Besondere Aufmerksamkeit bekommt der Welt-Aids-Tag am 01.12. zusammen mit Bürgermeisterin Verena Dietl & Schlagersänger Patrick Lindner. Der Pink Christmas Wintermarkt ist gut mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar. Öffnungszeiten: 24.11.-21.12.2025: Mo-Fr 16-22 Uhr, Sa & So 14-22 Uhr Ort: Stephansplatz, München Mehr Infos unter Pink Christmas München. Havenue Köln Nach mehrjähriger Pause kehrt dieses Jahr die Havenue in Köln zurück. Im Viertel rund um den Friesenplatz, mit den passenden Gay-Bars um die Ecke, sind schillernd, glitzernd und fantasievoll gestaltete Hütten und Glühweinbuden errichtet. Beim entspannten Bummeln entlang von Kerzen, winterlicher Deko und Wein und zwischen dem Duft von Flamm- und Reibekuchen findet ihr hier ebenfalls das Standardprogramm, wie Drag-Shows, DJ-Sets oder Konzerte. Auch der ein oder andere karnevalistische Auftritt stimmt ein auf die jecke Jahreszeit. Öffnungszeiten: 17.11.-23.12.2025: Mo-Do 12-22 Uhr, Fr 12-23 Uhr, Sa 11-23 Uhr, So 11-22 Uhr Ort: Friesenplatz, Köln Mehr Infos unter Havenue Köln. Winter Pride Markt Hamburg Nur wenige Meter vom Hamburger Hauptbahnhof im Viertel St. Georg zwischen Kirchenallee und der Langen Reihe findet ihr den größten queeren Wintermarkt in Norddeutschland. Vereine aus der Community stellen ihre Arbeit vor, während Glühwein genossen und norddeutsche Leckereien geschlemmt werden können. Wechselnd stehen verschiedene Organisationen am Zapfhahn für Gespräche und das Sammeln von Spenden, unter anderem die Aidshilfe Hamburg e.V. oder Mitglieder des Hamburg Pride e.V. Musikalisch begleitet wird der Markt von DJs aus der queeren Szene, die vor allem am Freitag und Samstag zum Feiern und Tanzen einladen. Öffnungszeiten: 15.11.-21.12.2025: So-Do 12-22 Uhr, Fr & Sa 12-24 Uhr Mehr Infos unter Winter Pride Hamburg. Rosa Weihnacht Frankfurt Generell wird in Frankfurt am Main die Wintermarkt-Tradition großgeschrieben. Klein, aber fein ergänzt die Rosa Weihnacht am Friedrich-Stoltze-Platz die Palette der Wintermärkte. Das bekannte Angebot von Glühwein, Leckereien, Geschenken und mehr gilt es auf dem rosa leuchtenden Wintermarkt zu genießen. Erlöse aus den Buden werden teilweise als Spenden an Organisationen aus der Community weitergegeben. Am besten erreicht ihr die Rosa Weihnacht mit dem öffentlichen Nahverkehr. Öffnungszeiten: 24.11.-22.12.2025: Mo-Sa 10-21 Uhr, So 11-21 Uhr Ort: Friedrich-Stoltze-Platz, Frankfurt am Main Mehr Infos unter Weihnachtsmärkte in Hessen. Nach all dem: Queere Wintermärkte sind der perfekte Ort für Treffen und Begegnungen der Community während der Winterzeit und einen Ausflug wert! Ist nicht das passende in eurer Nähe dabei, lässt sich auch der lokale Wintermarkt auschecken. Oft gibt es an bestimmten Wochentagen queere Events oder eine queere Hütte.
Ort: Ecke Lange Reihe/Kirchenallee, Hamburg-St. Georg
Jetzt online: Deutschlands vielfältigste Hilfe-Datenbank
27. November 2025Weiterlesen Die Organisation PINKSTINKS setzt in diesem Jahr bewusst einen Gegenakzent und präsentiert eine Ressource, die ganzjährig wirkt: eine umfangreiche, bundesweite Hilfe-Datenbank mit über 1.000 Anlaufstellen, die Menschen in unterschiedlichsten Situationen kompetente Unterstützung bietet. Wohin, wenn Unterstützung notwendig wird? Ob eine Krise, eine konkrete Gefahr oder der Wunsch nach Orientierung: Viele Situationen erfordern professionelle Beratung. Die neue Datenbank bündelt verlässliche Anlaufstellen und erleichtert damit den Zugang zu Hilfe erheblich. Die Themen, die abgedeckt werden, sind bewusst breit gefasst, denn Unterstützung wird in sehr unterschiedlichen Lebenslagen benötigt. Die Datenbank enthält Anlaufstellen zu: Damit entsteht ein vielfältiges Angebot, das von psychosozialen Beratungsstellen über Selbsthilfegruppen und medizinische Einrichtungen bis zu spezialisierten Fachorganisationen reicht. Besonderes Gewicht liegt auf der queeren Unterstützung: PINKSTINKS hat gezielt queere Beratungsstellen, medizinische Angebote und Community-Organisationen integriert. Damit setzt die Datenbank ein klares Zeichen für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt und für eine Hilfelandschaft, die den realen Bedürfnissen queerer Menschen gerecht wird – sensibel, kompetent und diskriminierungsfrei. Die Datenbank soll kontinuierlich wachsen – für ein stabiles, verlässliches Unterstützungsnetz, das niemanden zurücklässt. Ein einzigartiger Überblick über bundesweite Anlaufstellen Die Datenbank ist nach neun Themenfeldern und allen 16 Bundesländern sortiert und umfasst ein breites Spektrum an Organisationen, Initiativen und behördlichen Ansprechpersonen. Sie bietet Orientierung sowohl für Betroffene als auch für Angehörige, Fachkräfte und alle Personen, die auf der Suche nach passenden Beratungsstrukturen sind. Engagement sichtbar machen – und stärken Während der Aufbauphase wurde deutlich, wie viele Menschen und Organisationen bundesweit daran arbeiten, Betroffene zu unterstützen, oft unter schwierigen Bedingungen. PINKSTINKS macht dieses Engagement sichtbar und stärkt es durch eine strukturierte, zugängliche Plattform. Copyright Logo: Pinkstinks Germany e.V.
Jugendnetzwerk Lambda eröffnet bundesweit einzigartige Plattform für queere Jugendliche
25. November 2025Weiterlesen Der Hintergrund: Viele queere junge Menschen – besonders auf dem Land – haben nach wie vor kaum Zugang zu unterstützenden Angeboten. Gleichzeitig verbringen sie einen großen Teil ihrer Freizeit online. Doch auch dort fehlen bisher geschützte Räume. Lambda kritisiert, dass die meisten großen Online-Plattformen von profitgetriebenen Tech-Konzernen dominiert würden und sich zunehmend queerfeindliche Tendenzen zeigten. „lambda space“ sei daher eine Antwort auf diese Entwicklung – als sicherer Raum für queere Jugendliche ohne lokale Angebote und als gemeinnützige, bedürfnisorientierte Alternative zu kommerziellen Netzwerken. Die neue Plattform ermöglicht es Jugendlichen, sich in Foren auszutauschen, eigene Gruppenräume zu verschiedenen Themen zu gründen, über einen geschützten Messenger miteinander zu schreiben und andere queere junge Menschen in ihrer Umgebung kennenzulernen. Dabei steht Sicherheit im Vordergrund: Ein mehrstufiges Zugangssystem soll Schutz bieten, Beiträge werden durch geschulte Moderator*innen und KI in Echtzeit überwacht und das Projekt wird psychologisch begleitet. Außerdem gibt es einfache Möglichkeiten zur Beratung, falls jemand Unterstützung braucht. Schon 865 Jugendliche stehen auf der Warteliste für den Zugang. Die Lambda-Vorstandsmitglieder Emily Schunk und Oska Jacobs zeigen sich begeistert: „Jetzt beginnt die spannende Beta-Phase, in der wir nach und nach allen 865 Jugendlichen den Zugang eröffnen“, erklärten sie. In Feedbackrunden wollen sie gemeinsam mit den Jugendlichen herausfinden, wie sich die Plattform anfühlt, was gut läuft und wo es Verbesserungsbedarf gibt. Das Ziel ist klar: Junge queere Menschen sollen überall einen sicheren digitalen Raum haben – unabhängig davon, wo sie leben. Hier die wichtigsten Infos zu lambda space zusammengefasst: Was ist lambda space? Wichtige Funktionen/Features Beteiligung & Mitbestimmung
Website: lambdaspace.de
Hinweis: Social Media Camp 2025 für queere Jugendliche in Mözen
10. November 2025Weiterlesen Ziel des Wochenendes ist es, den Teilnehmenden einen geschützten Rahmen zu bieten, um den sicheren und reflektierten Umgang mit sozialen Medien zu erlernen, digitale Informationen kritisch zu bewerten und Strategien gegen Hate Speech zu entwickeln. Der Verein Social Media Camp e.V. besteht seit 2021 und wurde unter anderem mit dem Medienkompetenzpreis des Landes Schleswig-Holstein 2023 ausgezeichnet. Inhalte und Ablauf Das Camp bietet ein vielfältiges Programm mit Workshops und Austauschmöglichkeiten zu Themen rund um Medienkompetenz, digitale Sicherheit und gesellschaftliches Engagement im Netz. Die Anreise erfolgt am Freitag Nachmittag individuell bis zum Hauptbahnhof Lübeck, von wo aus die Gruppe gemeinsam zum Veranstaltungsort in Mözen fährt. Teilnahmebedingungen Die Teilnahmegebühr beträgt 50 Euro und beinhaltet Unterkunft und Verpflegung. Für Jugendliche mit finanziellen Einschränkungen stehen kostenlose Sozialtickets auf Anfrage zur Verfügung. Anmeldung und weitere Informationen Interessierte können sich per E-Mail an anmeldung@social-media-camp.eu wenden.
Neben den inhaltlichen Angeboten steht auch der persönliche Austausch mit anderen Teilnehmenden im Mittelpunkt.
Weitere Informationen zur Kooperation mit dem CSD Deutschland e.V. finden sich in der Pressemitteilung unter:
https://csd-deutschland.de/das-social-media-camp-x-csd-deutschland-2025/







