Echte Vielfalt

Der bundesweite „Tag des Gesundheitsamtes“ am 19. März 2026 stand unter dem Motto „Vielfalt für Gesundheit“ und erwies sich somit insbesondere für die LSBTIQ*-Community als relevant: Denn queere Menschen stoßen noch immer auf strukturelle Hürden, Diskriminierung und Versorgungslücken.

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Der Aktionstag bot daher nicht nur Einblicke in die Arbeit der Gesundheitsämter, sondern auch eine wichtige Plattform, um auf bestehende Ungleichheiten aufmerksam und Lösungsansätze sichtbar zu machen.

Gesundheit ist nicht für alle gleich zugänglich

Gesundheitliche Chancengleichheit ist ein zentrales Ziel des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD). Doch für viele LSBTIQ*-Personen ist der Zugang zu angemessener Versorgung weiterhin erschwert. Studien (z.B. LSVD+, Timmermann et al.) zeigen eine häufig höhere psychische Belastung durch Diskriminierung und Minderheitenstress, erhöhte Risiken für Depressionen und Angststörungen sowie Barrieren beim Zugang zu sensibler und kompetenter Gesundheitsversorgung. Insbesondere trans*, inter* und nicht-binäre Menschen berichten häufig von fehlender Fachkenntnis im medizinischen System oder von Erfahrungen mit Stigmatisierung.

Der Tag des Gesundheitsamtes 2026 griff diese Herausforderungen auf und machte deutlich: Diversität im Gesundheitswesen bedeutet auch, sexuelle und geschlechtliche Vielfalt konsequent mitzudenken.

Gesundheitsämter als niedrigschwellige Anlaufstellen

Gerade Gesundheitsämter spielen für viele Menschen eine zentrale Rolle, unabhängig von Versicherungsstatus oder finanziellen Möglichkeiten. Auch für die LSBTIQ*-Community sind sie häufig erste Anlaufstellen, zum Beispiel bei anonymen HIV- und STI-Testangeboten, sexualpädagogischer Beratung, psychosozialer Unterstützung sowie Präventionsarbeit in Community-Kontexten.

Viele Gesundheitsämter haben ihre Angebote in den letzten Jahren gezielt weiterentwickelt, um queere Lebensrealitäten stärker zu berücksichtigen. Dazu gehören:

  • geschulte Fachkräfte zu LSBTIQ*-Themen
  • diversitätssensible Sprache und Kommunikation
  • Kooperationen mit queeren Beratungsstellen und Initiativen

Beispiele aus Kommunen wie Berlin oder Mannheim zeigen, dass solche Ansätze nicht nur die Inanspruchnahme erhöhen, sondern auch Vertrauen schaffen.

Sichtbarkeit schafft Vertrauen

Ein zentrales Thema des Aktionstages war die Frage, wie Gesundheitsangebote für LSBTIQ*-Menschen sichtbarer und zugänglicher gemacht werden können. Denn viele queere Menschen vermeiden medizinische Angebote, wenn sie Diskriminierung befürchten oder negative Erfahrungen gemacht haben. Sichtbarkeit kann konkret bedeuten, Regenbogen-Symbole oder klare Diversity-Statements in Einrichtungen zu zeigen oder Informationsmaterialien zu veröffentlichen, die verschiedene Lebensrealitäten abbilden. Auch kann gezielt mit queeren Netzwerken kooperiert werden.

Solche Maßnahmen sind nicht nur symbolisch, sondern signalisieren Zugehörigkeit und können entscheidend dazu beitragen, gesundheitliche Versorgung tatsächlich erreichbar zu machen.

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Queerfeindlichkeit ist kein Randphänomen. Sie ist zunehmend Teil politischer Mobilisierung, sichtbar im Netz, aber auch auf der Straße. Der Blick auf aktuelle Entwicklungen zeigt: Was lange als „Online-Hetze“ abgetan wurde, hat reale Konsequenzen. Vor diesem Hintergrund lädt die Bundeszentrale für politische Bildung zu einer wichtigen Veranstaltung ein, die genau diese Dynamiken in den Fokus rückt.

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„Queerfeindlichkeit: Rechtsextreme Mobilisierung zwischen Online-Hetze und Straßenpräsenz“
Online (Zoom)
17. April 2026, 10:00 – 14:00 Uhr
Teilnahme kostenfrei

Weitere Infos: Veranstaltung und Anmeldung

Der Online-Fachtag richtet sich an ein Fachpublikum aus Verwaltung, Sicherheitsbehörden, Bildung und Zivilgesellschaft und ist zugleich für alle relevant, die sich mit den aktuellen Entwicklungen rund um Queerfeindlichkeit auseinandersetzen wollen.

Vom Kommentar zur Gewalt: Wie Hass entsteht

Die Veranstaltung greift eine Entwicklung auf, die sich in den letzten Jahren deutlich verschärft hat: das Zusammenspiel von digitaler Radikalisierung und realweltlicher Gewalt. Rechtsextreme Akteur*innen nutzen gezielt soziale Medien und Online-Plattformen, popkulturelle Codes und jugendaffine Inhalte sowie einfache Feindbilder, darunter queere Menschen. Queerfeindlichkeit fungiert dabei als zentrales Bindeglied: Sie ist anschlussfähig, emotional aufgeladen und dient als Einstieg in weitergehende extremistische Ideologien, so die Veranstalter*innen der Tagung. Was online beginnt, endet nicht selten offline. Beleidigungen, Bedrohungen und Angriffe stehen häufig am Ende eines Prozesses, in dem menschenfeindliche Narrative über längere Zeit normalisiert wurden.

Angriffe auf Sichtbarkeit: CSDs im Fokus

Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung bei Veranstaltungen im Rahmen des Christopher Street Days. In den vergangenen Jahren kam es bundesweit zu organisierten Störaktionen, Einschüchterungsversuchen, körperlichen Angriffen und gezielten Gegenmobilisierungen. Was zunächst lokal wirkt, ist laut Analyse der bpb Teil eines bundesweiten Musters rechtsextremer Mobilisierung. CSDs werden dabei bewusst als Bühne genutzt: sichtbar, öffentlich, symbolisch – und damit besonders geeignet für Provokation und Eskalation.

Die Rolle digitaler Räume

Digitale Plattformen spielen eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung queerfeindlicher Inhalte. Studien zeigen, dass algorithmische Strukturen polarisierende Inhalte verstärken können und so zur Radikalisierung beitragen. Das bedeutet beispielsweise, dass Hass und Ablehnung sichtbarer werden, extreme Positionen normaler wirken und sich die Grenzen des Sagbaren verschieben. Diese Dynamiken betreffen nicht nur klassische rechtsextreme Szenen, sondern reichen bis in gesellschaftliche Debatten hinein.

Queerfeindlichkeit als politisches Instrument

Queerfeindlichkeit ist nicht nur Ausdruck von Vorurteilen. Sie wird auch strategisch eingesetzt und funktioniert als niedrigschwelliger Einstieg in extremistische Ideologien sowie als Mittel zur Abgrenzung gegenüber einer offenen Gesellschaft. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Unsicherheit gewinnen solche Narrative an Attraktivität.

Der Fachtag der Bundeszentrale für politische Bildung setzt genau hier an und fragt:

  • Wie verändern sich rechtsextreme Strategien?
  • Wie werden queerfeindliche Straftaten erfasst?
  • Welche Lücken gibt es in Prävention und Schutz?
  • Und was kann politische Bildung leisten?

Solche Räume sind entscheidend, um Wissen zu bündeln, Strategien zu entwickeln und Handlungsmöglichkeiten sichtbar zu machen.

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Im Senegal drohen Menschen künftig bis zu zehn Jahre Gefängnis, wenn sie eine gleichgeschlechtliche Beziehung führen. Das westafrikanische Land verschärft damit ein ohnehin repressives Gesetz und sendet ein deutliches politisches Signal: Queere Identitäten sollen unsichtbar bleiben.

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Die Entscheidung sorgt weltweit für Kritik von Menschenrechtsorganisationen. Wie ZDFheute berichtet, beschloss das Parlament des Senegal im März dieses Jahres eine Gesetzesänderung, die die Strafen für gleichgeschlechtliche Beziehungen deutlich erhöht. Statt wie bisher ein bis fünf Jahre Gefängnis drohen künftig fünf bis zehn Jahre Haft. Auch Geldstrafen können drastisch steigen. Darüber hinaus stellt das Gesetz nicht nur Beziehungen zwischen Menschen gleichen Geschlechts unter Strafe. Auch die „Förderung“ oder Unterstützung von Homosexualität – beispielsweise durch Organisationen, Medien oder Aktivismus – kann künftig strafbar sein.

Die Reform wurde mit großer Mehrheit im Parlament angenommen und geht auf ein politisches Versprechen der Regierung zurück. Für viele Menschenrechtsgruppen ist klar, dass das Gesetz nicht nur auf bestimmte Handlungen, sondern auf die Sichtbarkeit einer ganzen Minderheit zielt.

Auch wenn gleichgeschlechtliche Beziehungen im Senegal bereits seit Jahrzehnten verboten sind, verschärfen die neuen Regelungen die Situation erheblich. Berichte von Menschenrechtsorganisationen wie der Human Dignity Trust zeigen, dass LSBTIQ*-Personen im Senegal häufig Diskriminierung, Gewalt und willkürlichen Festnahmen ausgesetzt seien. Viele Aktivist*innen arbeiteten deshalb aus Angst vor Repressionen oder sozialer Ausgrenzung im Verborgenen.

In den vergangenen Monaten spitzte sich die Situation weiter zu. Mehrere Menschen seien wegen angeblicher homosexueller Beziehungen festgenommen worden, begleitet von öffentlichen Kampagnen und massiver Stigmatisierung. Gleichzeitig berichteten internationale Medien von einer zunehmenden Feindseligkeit gegenüber queeren Menschen. Dies wiederum hat auch Folgen für andere gesellschaftliche Bereiche: Expert*innen warnen, dass Angst und Stigmatisierung die HIV-Prävention erschweren könnten, weil Betroffene medizinische Hilfe meiden. Für viele queere Menschen im Senegal bedeutet die neue Gesetzgebung vor allem ein Leben im Verborgenen. Aktivist*innen berichten von Menschen, die ihre Wohnungen oder sogar das Land verlassen und Kontakte abbrechen, um nicht ins Visier von Behörden oder Nachbarschaften zu geraten.

Menschenrechtsorganisationen erinnern deshalb daran, dass grundlegende Rechte, wie das Recht auf Privatleben, Würde und freie Entfaltung der Persönlichkeit, universell gelten sollten. Gerade deshalb ist internationale Aufmerksamkeit wichtig. Sie kann Druck auf Regierungen ausüben, Schutz für Betroffene schaffen und solidarische Netzwerke stärken.

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Das Projekt Queer Treasury verfolgt das Ziel, eine Datenbank für Literatur zum Thema Queer aufzubauen. Eine zentrale Anlaufstelle, wie Queer Treasury werden soll, existiert im deutschsprachigen Raum bislang nicht. Das erschwert das Suchen und Finden von fundierter Literatur zu diesem Thema.

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Ein Thesaurus ist ein wichtiger Bestandteil einer Datenbank, um die Suche zu erleichtern. Beispielsweise kann er für Schlagwortvergaben genutzt werden, sodass unter anderem Bücher besser gefunden werden. Doch auch ein solcher Thesaurus existiert im deutschsprachigen Raum für queere Begriffe bisher nicht.
Ioanna Danai Katsougiannopoulou und Ha Thao Suong Vu vom Landesverband AndersARTiG e. V. forschen im Bereich der Informationsaufbereitung, -zugänglichmachung und -vermittlung.
Mit der „Umfrage für die Erstellung eines deutschsprachigen Thesaurus zum Thema Queer“ möchten sie herausfinden, wie so ein Thesaurus aussehen könnte und diesen erstellen. Die Befragung richtet sich an Mitglieder von queeren Vereinen und Organisationen, Forschende und Fachkräfte.
Die Umfrage ist anonym. Es werden keine Daten erhoben, die Rückschlüsse auf die eigene Person möglich machen. Die Bearbeitungszeit liegt bei ca. 20 Minuten.
Die Umfrage kann bis zum 31. März 2026 beantwortet werden.
Hier ist der Link zur Umfragehttps://forms.office.com/e/0djZvFkgyB
Weitere Informationen zum Vorhaben sowie Kontaktangaben finden sich in diesem Poster, das auch gerne ausgedruckt und verteilt werden kann: Poster Queer Treasury


Die medizinische Versorgung von trans* und nichtbinären Jugendlichen steht seit einigen Jahren im Mittelpunkt intensiver Debatten. Nun sorgt eine neue Entwicklung aus Großbritannien für Aufmerksamkeit: Eine geplante klinische Studie zu pubertätshemmenden Medikamenten wurde vorerst gestoppt. Fachleute betonen jedoch, dass es sich nicht um ein endgültiges Aus für die Forschung handelt, sondern um einen Schritt, der zusätzliche Sicherheitsprüfungen ermöglichen soll.

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Die sogenannte PATHWAYS-Studie sollte untersuchen, welche Auswirkungen Pubertätsblocker auf Kinder und Jugendliche mit Geschlechtsinkongruenz haben. Geplant war, über mehrere Jahre rund 220 junge Menschen in die Studie aufzunehmen und medizinisch zu begleiten. Ziel war es, mehr wissenschaftliche Daten über Nutzen und Risiken der Behandlung zu gewinnen.

Pubertätsblocker sind Medikamente, die vorübergehend die körperlichen Veränderungen der Pubertät unterdrücken sollen. In der Behandlung von trans* Jugendlichen werden sie eingesetzt, um Zeit für diagnostische Abklärung und persönliche Entscheidungen zu gewinnen.

Bevor die Studie mit der Rekrutierung von Teilnehmenden beginnen konnte, griff jedoch die britische Arzneimittelbehörde MHRA ein. Sie äußerte neue Sicherheitsbedenken und empfahl, das Studienkonzept noch einmal zu prüfen. Konkret geht es unter anderem um mögliche langfristige biologische Risiken sowie um Fragen der Altersgrenze und des Einwilligungsprozesses.

Das britische Gesundheitsministerium erklärte, die Studie werde erst fortgesetzt, wenn geklärt sei, dass Sicherheit und Wohlbefinden der beteiligten Kinder und Jugendlichen ausreichend gewährleistet sind. Bis dahin sollen Forschende und Behörden gemeinsam Anpassungen am Studiendesign prüfen.

Die Entscheidung, die Studie zu pausieren, wird jedoch auch kritisch gesehen. Einige Fachleute und LSBTIQ*-Organisationen befürchten, dass politische Kontroversen die medizinische Forschung ausbremsen könnten.

Für junge Menschen, die bereits entsprechende Medikamente erhalten, gilt in Großbritannien weiterhin, dass ihre Behandlung individuell geprüft und fortgeführt werden kann. Gleichzeitig arbeiten Forschende daran, Studien so zu gestalten, dass sie sowohl ethisch vertretbar als auch wissenschaftlich aussagekräftig sind.

Die aktuelle Entwicklung zeigt vor allem, wie komplex die medizinische Versorgung von trans* Jugendlichen ist. Zwischen dem Schutz junger Menschen, der wissenschaftlichen Evidenz und dem Recht auf angemessene Gesundheitsversorgung müssen sorgfältige Entscheidungen getroffen werden, die nur auf Grundlage solider Forschung möglich sind.

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Die Europäische Union versteht sich als ein Raum mit offenen Grenzen, gemeinsamen Rechten und dem Versprechen, dass Menschen sich innerhalb der Mitgliedstaaten frei bewegen können. Doch für viele trans* Menschen war diese Freiheit bislang eingeschränkt. Ein aktuelles Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) könnte das nun grundlegend ändern: EU-Staaten müssen Ausweisdokumente an die gelebte Geschlechtsidentität von trans* Personen anpassen.

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Ausgangspunkt der Entscheidung war der Fall einer bulgarischen Staatsbürgerin, die bei der Geburt als männlich registriert wurde, inzwischen jedoch als Frau lebt. Sie hatte in Italien eine Hormontherapie begonnen und beantragte bei den bulgarischen Behörden, ihren Geschlechtseintrag, ihren Namen und ihre Identifikationsnummer in den offiziellen Dokumenten zu ändern. Bulgarien lehnte dies ab. Das nationale Recht definiert Geschlecht dort ausschließlich biologisch; Änderungen in Personenstandsregistern sind praktisch ausgeschlossen. Der Fall landete schließlich beim bulgarischen Obersten Kassationsgericht, das den EuGH um eine Auslegung des EU-Rechts bat. Der Europäische Gerichtshof entschied, dass eine solche Regelung mit dem europäischen Recht nicht vereinbar sei.

Der zentrale juristische Bezugspunkt des Urteils ist das Recht auf Freizügigkeit innerhalb der EU. Wenn die Geschlechtsidentität einer Person nicht mit den Angaben in ihren Ausweisdokumenten übereinstimmt, entstehen im Alltag zahlreiche Probleme, beispielsweise bei Grenzkontrollen, Identitätsprüfungen oder im Berufsleben.

Deshalb müssen Mitgliedstaaten künftig Verfahren bereitstellen, mit denen trans* Personen ihre Geschlechtsangaben in offiziellen Dokumenten ändern können.

Der EuGH betonte zugleich ein wichtiges Detail: Die Ausstellung von Ausweisdokumenten bleibt grundsätzlich Sache der Mitgliedstaaten. Doch diese Zuständigkeit endet dort, wo europäische Grundrechte betroffen sind. Wenn nationale Regelungen verhindern, dass Bürger*innen ihr EU-Recht auf Freizügigkeit effektiv nutzen können, müssen sie angepasst werden. Der Gerichtshof verweist dabei auch auf das Recht auf Achtung des Privatlebens (Art. 7 EU-Charta) – ein Schutz, der ausdrücklich auch die Geschlechtsidentität umfasst.

Besonders relevant ist das Urteil für Länder, in denen eine rechtliche Geschlechtsanerkennung bislang kaum möglich ist, wie zum Beispiel in Teilen Osteuropas. In einigen Staaten wurden entsprechende Verfahren zuletzt sogar eingeschränkt oder vollständig abgeschafft.

Das Urteil schafft hier erstmals einen unionsweiten Mindeststandard: EU-Staaten müssen klare, zugängliche und wirksame Verfahren zur rechtlichen Anerkennung der Geschlechtsidentität bereitstellen. Menschenrechtsorganisationen begrüßen die Entscheidung daher als wichtigen Schritt für Gleichberechtigung und Würde.

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Immer mehr Kinder wachsen heute in sogenannten Regenbogenfamilien auf: Familien, in denen mindestens ein Elternteil lesbisch, schwul, bisexuell, trans*, intergeschlechtlich oder nicht-binär ist. Was früher gesellschaftlich kaum sichtbar war, gehört inzwischen für viele Menschen selbstverständlich zum Familienalltag.

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Doch trotz wachsender Akzeptanz stehen Regenbogenfamilien noch immer vor besonderen Herausforderungen – rechtlich, gesellschaftlich und im Alltag. Gleichzeitig gibt es auch Fortschritte, etwa durch neue politische Initiativen oder regionale Unterstützungsangebote.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten 2024 in Deutschland 31.000 gleichgeschlechtliche Paare mit insgesamt rund 50.000 Kindern. Die meisten dieser Kinder wachsen bei lesbischen Paaren auf, doch auch schwule Väter, trans* Eltern oder Patchworkkonstellationen gehören zur Realität.

Trotz gesellschaftlicher Fortschritte gibt es im deutschen Familienrecht noch Lücken. Besonders deutlich wird das bei lesbischen Paaren mit Kindern: Während der biologische Vater eines Kindes automatisch rechtlicher Elternteil sein kann, gilt das für die zweite Mutter bislang nicht automatisch. In vielen Fällen muss sie ihr eigenes Kind erst durch eine Stiefkindadoption rechtlich anerkennen lassen. Queere Familienverbände fordern deshalb seit Jahren eine Reform des Abstammungsrechts, damit beide Elternteile von Beginn an rechtlich anerkannt werden (siehe auch unsere Artikel hier und hier).

Für viele Regenbogenfamilien ist der Alltag heute weitgehend selbstverständlich: Kita, Schule, Spielplatz – alles läuft ähnlich wie bei anderen Familien auch. Dennoch berichten Eltern immer wieder von Situationen, in denen sie erklären müssen, warum ein Kind zwei Mütter oder zwei Väter hat. Besonders in ländlicheren Regionen kann Sichtbarkeit noch mit Unsicherheiten verbunden sein.

Gleichzeitig hat sich viel verändert. Viele Kitas und Schulen arbeiten heute bewusst mit Konzepten zu Vielfalt und Familienformen, um unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar zu machen. Eine wichtige Rolle spielen Beratungsstellen und Community-Netzwerke, die Regenbogenfamilien begleiten und unterstützen. Beispielsweise bieten sie Austauschgruppen für Eltern, Beratung zur Familiengründung, Informationen zu rechtlichen Fragen und Treffen für Kinder aus Regenbogenfamilien. Diese Angebote helfen Familien, sich zu vernetzen und Erfahrungen zu teilen, besonders dort, wo queere Strukturen noch nicht stark sichtbar sind.

In Schleswig-Holstein wird das Thema Vielfalt in Familien zunehmend politisch und gesellschaftlich aufgegriffen. Das Land unterstützt Projekte zur Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, darunter auch Angebote für Regenbogenfamilien. Gerade in einem Flächenland mit vielen kleineren Städten und ländlichen Regionen ist diese Vernetzung wichtig. Sie schafft Räume, in denen Familien Unterstützung finden und Erfahrungen austauschen können.

In Kiel und Umgebung finden Regenbogenfamilien-Treffen organsiert von HAKI e.V. statt.

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Wer als queere Person eine Reise plant, stellt sich oft eine zusätzliche Frage: Bin ich dort wirklich willkommen? Eine wichtige Orientierung bietet seit Jahren der Spartacus Gay Travel Index, der weltweit untersucht, wie sicher und akzeptiert LSBTIQ* in verschiedenen Ländern leben und reisen können. Die Ausgabe für 2026 bringt einige überraschende Entwicklungen – allen voran den deutlichen Aufstieg Polens im Ranking.

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Der Gay Travel Index untersucht jährlich mehr als 200 Länder und Regionen und bewertet sie nach insgesamt 18 Kriterien. Dazu gehören unter anderem rechtliche Gleichstellung, Antidiskriminierungsgesetze, gesellschaftliche Akzeptanz, die Situation von trans* Personen sowie mögliche strafrechtliche Risiken bis hin zur Todesstrafe.

An der Spitze des Rankings steht 2026 Island, gefolgt von Malta und Spanien. Direkt dahinter platzieren sich Belgien, Kanada, Deutschland und Portugal. Diese Länder zeichnen sich durch eine vergleichsweise stabile rechtliche Gleichstellung sowie eine insgesamt offene gesellschaftliche Atmosphäre aus.

Für Aufmerksamkeit sorgt vor allem ein Land, das noch vor wenigen Jahren häufig wegen queerfeindlicher Politik in den Schlagzeilen stand: Polen. Es verbessert sich von Platz 118 auf Rang 59. Als Gründe nennen die Autor*innen des Index unter anderem Fortschritte bei den Rechten von trans* Menschen (MANNSCHAFT).

Neben Polen gehört auch Nepal zu den Gewinnern des Jahres. Das Land klettert um mehr als 20 Plätze auf Rang 32. Ausschlaggebend dafür sind unter anderem neue Self-ID-Regelungen für trans* Personen sowie eine zunehmende gesellschaftliche Toleranz gegenüber queeren Menschen (WirtschaftsWoche).

Der Index zeigt jedoch nicht nur Fortschritte. In mehreren Regionen der Welt verschlechtert sich die Situation für queere Menschen deutlich. Staaten wie Irak, Südsudan oder Turkmenistan sind im Ranking stark gefallen, weil staatliche Repression und Gewalt gegen LSBTIQ*-Personen zunehmen. Am Ende der Liste stehen weiterhin Länder, in denen Homosexualität strafbar ist oder sogar mit der Todesstrafe geahndet werden kann – darunter Afghanistan, Saudi-Arabien, Iran oder Jemen.

Gleichzeitig zeigt der Index auch eine andere Entwicklung: Selbst in liberalen Staaten mit fortschrittlicher Gesetzgebung kann die gesellschaftliche Akzeptanz zurückgehen. Besonders deutlich zeigt sich diese Ambivalenz in den USA. Im globalen Ranking landet das Land zwar im Mittelfeld, doch zwischen den einzelnen Bundesstaaten bestehen enorme Unterschiede. Während Staaten wie New York, Kalifornien oder Nevada LSBTIQ*-Rechte weiter stärken, verschärfen konservative Bundesstaaten ihre Gesetzgebung und schränken beispielsweise die medizinische Versorgung von trans* Personen ein (WirtschaftsWoche).

Der Gay Travel Index versteht sich nicht nur als Reisehilfe, sondern auch als politischer Indikator. Er zeigt, wie stark Rechte, gesellschaftliche Akzeptanz und Sicherheit für LSBTIQ*-Menschen weltweit schwanken und wie schnell sich Entwicklungen verändern können.

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Wenn von queerer Kultur in Schleswig-Holstein die Rede ist, denken viele zuerst an die Christopher Street Days im Sommer. Tatsächlich gehören die CSD-Demonstrationen in Städten wie Kiel, Lübeck, Flensburg oder Neumünster zu den sichtbarsten Ereignissen queeren Lebens im Land. Doch die kulturelle Realität ist komplexer: Queere Kultur findet ganzjährig statt – oft weniger spektakulär, dafür kontinuierlich und lokal verankert.

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Während der CSD-Saison entstehen häufig zusätzliche Kulturprogramme wie Filmabende, Podiumsdiskussionen oder Ausstellungen. Doch außerhalb der Sommermonate verlagert sich queere Kultur in andere Formate:

  • regelmäßige Stammtische und Community-Treffen
  • queere Sportgruppen
  • Jugendangebote
  • Lesekreise und Diskussionsrunden
  • kleinere Club- und Partyformate

Ein zentrales Beispiel für kontinuierliche Arbeit ist HAKI e.V. in Kiel. Der Verein organisiert ganzjährig Gruppenangebote, Selbsthilfeformate und kulturelle Begegnungsräume. Auch der Landesverband LSVD⁺ – Verband Queere Vielfalt Schleswig-Holstein wirkt über den Pride-Sommer hinaus in Bildungs-, Beratungs- und Vernetzungsprojekten.

Auch wenn größere Städte wie Kiel und Lübeck allein durch ihre strukturelle Infrastruktur, Szene-Lokale und ihr Hochschulumfeld profitieren, zeigt sich in Schleswig-Holstein eine bemerkenswerte regionale Streuung: Kleinere Städte wie Elmshorn, Pinneberg oder Rendsburg haben eigene CSD-Initiativen oder Community-Gruppen aufgebaut. An der Westküste, in Mittelstädten oder im ländlichen Raum entstehen zunehmend niedrigschwellige Angebote.

Allerdings bleibt die Herausforderung deutlich: Im ländlichen Raum sind queere Veranstaltungen oft projektbezogen und stark von Einzelengagement abhängig. Kontinuität ist hier schwerer zu sichern als in urbanen Zentren. Dazu kommt, dass queere Kultur in Schleswig-Holstein überwiegend ehrenamtlich organisiert ist: Vereine, Initiativen und lose Netzwerke stemmen Veranstaltungsplanung, Öffentlichkeitsarbeit, Fördermittelakquise und politische Interessenvertretung.

Trotz der insgesamt positiven Entwicklungen bleiben Fragen offen:

  • Wie kann queere Kultur im ländlichen Raum dauerhaft gefördert werden?
  • Wie lassen sich Ehrenamtliche langfristig entlasten?
  • Welche Rolle spielt kommunale Kulturförderung?
  • Wie können queere Perspektiven stärker in bestehende Kulturinstitutionen integriert werden?

Während CSD-Paraden inzwischen in vielen Städten etabliert sind, ist die strukturelle Absicherung ganzjähriger Kulturangebote noch ausbaufähig.

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Bereits im Herbst letzten Jahres setzte Lübeck ein deutliches Zeichen für Gleichstellung und Vielfalt: Die Bürgerschaft der Hansestadt beschloss am 25. September 2025 den 2. Lübecker Aktionsplan Gleichstellung | Queer 2025 – 2028. Er ist der direkte Beitrag der Stadt zur Umsetzung verbindlicher Gleichstellungsziele auf kommunaler Ebene und baut auf dem ersten Aktionsplan von 2022 – 2024 auf.

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Grundlage des neuen Aktionsplans ist die „Europäische Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene“, der sich die Stadt Lübeck angeschlossen hat. Diese Charta ist ein europaweit anerkanntes Rahmenwerk für kommunale Gleichstellungsarbeit und fordert, Gleichstellung umfassend zu denken und in allen Lebensbereichen wirkungsvoll zu verankern.

In ihrem aktualisierten Text bekräftigt die Charta unter anderem

  • die Verpflichtung zu konkreten Maßnahmen statt nur symbolischer Bekenntnisse,
  • die Notwendigkeit, Diskriminierungen aufgrund von Geschlecht, sexueller Orientierung und geschlechtlicher Vielfalt aktiv zu bekämpfen
  • sowie eine inklusive Perspektive, in der alle Menschen – unabhängig von Geschlechtsidentität oder Beziehungsform – gleichermaßen berücksichtigt werden.

Schwerpunkte des 2. Aktionsplans

Der Aktionsplan 2025 – 2028 fasst 63 Maßnahmen zusammen, die in sieben Handlungsfelder gegliedert sind. Eines davon ist das neue Handlungsfeld VII: „Queeres Lübeck“, das mit zwölf spezifischen Maßnahmen die Sichtbarkeit, Teilhabe und Unterstützung von queeren Menschen in der Stadtgesellschaft stärken soll.

Die weiteren Handlungsfelder umfassen Themen wie:

  • Parität und Beteiligung,
  • den Abbau von Geschlechterstereotypen,
  • existenzsichernde Arbeit,
  • die geschlechtergerechte Verteilung von Ressourcen,
  • und die Balance verschiedener Lebensbereiche sowie strukturelle Gleichstellungsfragen.

Stadtverwaltung, zivilgesellschaftliche Initiativen, Vereine und Einzelpersonen haben sich in breit angelegten Beteiligungsformaten eingebracht – ein Zeichen dafür, dass Gleichstellungsarbeit in Lübeck als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden wird.

Auftaktveranstaltung im März 2026

Ein weiterer wichtiger Schritt für die Umsetzung des neuen Plans ist die öffentliche Auftaktveranstaltung, zu der alle Interessierten eingeladen sind:

Mittwoch, 11. März 2026, 16:00 – 20:00 Uhr
Aula der Volkshochschule Lübeck, Falkenplatz 2

Bei dieser Veranstaltung stehen Information, Austausch und Vernetzung im Mittelpunkt. Sie bietet Raum für Gespräche zu den geplanten Maßnahmen des Aktionsplans und für die Frage, wie die gemeinsame Umsetzung aktiv gestaltet werden kann.

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