Weiterlesen IOC-Präsidentin Kirsty Coventry hatte sich bereits zuvor klar dafür ausgesprochen, die „Frauenkategorie zu schützen“ und trans Athletinnen von den Olympischen Spielen auszuschließen. Eine neue interne Studie, vorgestellt von IOC-Gesundheitschefin Jane Thornton, soll belegen, dass trans Frauen cis Frauen körperlich überlegen seien – genaue Details sind aber bislang nicht bekannt. Bisher durften die einzelnen Sportverbände selbst festlegen, wie sie mit trans Athlet*innen umgehen. Coventry betonte nun, dass der olympische Sport einen einheitlichen Ansatz brauche und der Schutz der Frauenkategorie im Vordergrund stehe. Laut internen Informationen soll das endgültige Verbot vor den Winterspielen 2026 in Italien offiziell verkündet werden, auch wenn die Entscheidung intern wohl schon gefallen sei. Scharfe Kritik von queeren Verbänden Die Pläne stoßen bei queeren Organisationen auf heftige Kritik. Verbände wie der LSVD+ und die dgti e.V. werfen dem IOC vor, durch solche Maßnahmen das Signal zu senden, dass trans Frauen und trans Männer keine „echten“ Frauen oder Männer seien. Sie sehen darin eine Diskriminierung und warnen davor, dass trans Menschen so erneut zu Bürger*innen zweiter Klasse gemacht würden. LGBTI-Organisationen bezweifeln die wissenschaftliche Grundlage der Entscheidung und vermuten politische Motive dahinter. Sie verweisen auf den Einfluss der US-Regierung unter Donald Trump, der trans Personen bereits mehrfach diskriminierende Maßnahmen auferlegt hat und für 2028 in Los Angeles die Einreise von trans Athletinnen untersagen will. Einfluss der US-Regierung US-Präsident Donald Trump hat im Februar eine Verordnung erlassen, die Transgender-Frauen vom Frauensport ausschließt. Daraufhin passte das US-Olympische und Paralympische Komitee (USOPC) seine Richtlinien an und kündigte an, in Übereinstimmung mit dem Präsidialdekret ein „faires und sicheres Umfeld für Frauen“ zu gewährleisten.
Trumps Erlass mit dem Titel „Keine Männer im Frauensport“ droht Schulen und Universitäten mit dem Entzug von Bundesgeldern, wenn sie trans Mädchen oder Frauen in Frauenteams aufnehmen. Außerdem fordert er das IOC auf, seine eigenen Regeln entsprechend zu ändern – was nun, einige Monate später, offenbar Anklang gefunden hat.
Weiterlesen Kontext und Probleme Das Jahr 2025 ist bisher von zahlreichen Herausforderungen für die trans Community geprägt. In den USA verfolgt die Regierung unter Donald Trump offen transfeindliche politische Maßnahmen, während in Deutschland große Unsicherheit herrscht. Hier steht die Evaluierung des Selbstbestimmungsgesetzes an, eine umstrittene Meldedatenverordnung für Personenstandsänderungen ist in Planung und wichtige queerpolitische Reformen – etwa zu Artikel 3 des Grundgesetzes, zum Abstammungsrecht und zum Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz – kommen nur schleppend voran. Zusätzlich belasten schwerfällige medizinische Verfahren, lange Wartezeiten und bürokratische Hürden den Zugang zu Gesundheitsleistungen, besonders für nichtbinäre Menschen, deren Versorgung weiterhin unzureichend bleibt. Parallel dazu nehmen Angriffe auf geschlechtsbejahende medizinische Versorgung zu, unter anderem durch Gruppen wie SEGM (Society for Evidence-Based Gender Medicine), die vom US-amerikanischen Southern Poverty Law Center als Hassorganisation eingestuft werden. Für besondere Irritation sorgte zudem, dass der Präsident der Bundesärztekammer ein SEGM-Event offiziell begrüßte – ein Vorfall, der in der Community als alarmierendes Signal wahrgenommen wurde. Bedeutung der WMA-Erklärung Die WMA, deren Mitglied auch die Bundesärztekammer ist, hat ein Papier veröffentlicht, das: Die WMA-Erklärung wird als ermutigendes Signal und als Leitlinie für medizinische und politische Verantwortung gesehen. Sie sei ein Aufruf zu Solidarität und aktivem Engagement gegen transfeindliche Strukturen — sowohl von Ärzt*innen als auch von Regierungen. Doch bis diese Prinzipien Realität werden, bleibt viel Arbeit, besonders in Deutschland, wo die Community zum Dialog und entschlossenem Handeln aufruft.
Hinweis: Social Media Camp 2025 für queere Jugendliche in Mözen
10. November 2025Weiterlesen Ziel des Wochenendes ist es, den Teilnehmenden einen geschützten Rahmen zu bieten, um den sicheren und reflektierten Umgang mit sozialen Medien zu erlernen, digitale Informationen kritisch zu bewerten und Strategien gegen Hate Speech zu entwickeln. Der Verein Social Media Camp e.V. besteht seit 2021 und wurde unter anderem mit dem Medienkompetenzpreis des Landes Schleswig-Holstein 2023 ausgezeichnet. Inhalte und Ablauf Das Camp bietet ein vielfältiges Programm mit Workshops und Austauschmöglichkeiten zu Themen rund um Medienkompetenz, digitale Sicherheit und gesellschaftliches Engagement im Netz. Die Anreise erfolgt am Freitag Nachmittag individuell bis zum Hauptbahnhof Lübeck, von wo aus die Gruppe gemeinsam zum Veranstaltungsort in Mözen fährt. Teilnahmebedingungen Die Teilnahmegebühr beträgt 50 Euro und beinhaltet Unterkunft und Verpflegung. Für Jugendliche mit finanziellen Einschränkungen stehen kostenlose Sozialtickets auf Anfrage zur Verfügung. Anmeldung und weitere Informationen Interessierte können sich per E-Mail an anmeldung@social-media-camp.eu wenden.
Neben den inhaltlichen Angeboten steht auch der persönliche Austausch mit anderen Teilnehmenden im Mittelpunkt.
Weitere Informationen zur Kooperation mit dem CSD Deutschland e.V. finden sich in der Pressemitteilung unter:
https://csd-deutschland.de/das-social-media-camp-x-csd-deutschland-2025/
Abstimmung über Speicherung von queeren Merkmalen im Melderegister vom Bundesrat vertagt
6. November 2025Weiterlesen Was ist konkret passiert? Konkret bedeutet dies: Für Personen mit Einsicht ins Melderegister (auch Steuerbehörden und Rentenversicherung) ist unmittelbar sichtbar, wenn eine trans*, intergeschlechtliche und nicht-binär Person ihre Daten geändert hat. Das betrifft einen früheren Geschlechtseintrag sowie Vornamen und das Datum der Änderung dieser Daten. Die Möglichkeit der Einsicht ist nicht zweckgebunden (LSVD+, taz). Die geplanten Änderungen bedeuteten, nach Ausführungen des LSVD+, einen unverhältnismäßigen Eingriff in Grundrechte von trans*, intergeschlechtlichen und nicht-binären Personen. Außerdem wecke die vorgeschlagene Meldestruktur die Erinnerung an „rosa Listen“ aus den Zeiten der Weimarer Republik, die es Nationalsozialist*innen erleichtert haben, LSBTIQ*-Personen zu identifizieren. Anfang September wurden die überarbeiteten Entwürfe vom BMI an den Bundesrat weitergegeben und sollten geplant am 17.10.2025 zur Abstimmung kommen. Die Überarbeitung enthielt lediglich die Änderung, dass eine gezielte Suche nach den Eintragungen zu trans*, intergeschlechtlichen und nicht-binären Merkmalen ausgeschlossen werden solle. Wie das konkret umgesetzt werden soll, ist nicht festgehalten (LSVD+). Doch zur Abstimmung im Bundesrat ist es nicht gekommen. Der Tagesordnungspunkt Nr. 57 wurde abgesetzt und damit die Abstimmung vertagt. Vermutlich, weil zuvor keine ausreichende Mehrheit in den Landesregierungen gefunden werden konnte. Das Meldewesen ist Ländersache. Außerdem sollte in Betracht gezogen werden, dass die Verantwortlichen dem Druck aus den Communitys und Kritiker*innen nachgegeben haben könnten. Unter anderem der Bundesratsausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hatte geraten, den Entwurf abzulehnen. Der Bundesverband Trans* und der LSVD+-Verband Queere Vielfalt kritisierten von Seiten der Community die ungeschützte Sichtbarkeit, die Sondermarkierung im Melderegister und ein unverhältnismäßiges Zwangs-Outing, da die Nachvollziehbarkeit einer Person durch das Geburtenregister bereits bestehe (LSVD+, taz). Außerdem sei es absurd, da durch das Transsexuellengesetz schon länger eine Änderung von Vornamen und Geschlecht möglich, aber die Identifizierbarkeit dabei keine Bedingung ist und diese Änderungen bisher immer mit einem Sperrvermerk gespeichert wurden (taz). Robin Ivy Osterkamp (Vorstand Bundverband Trans*): „Das Ziel des Selbstbestimmungsgesetzes war es, Menschenrechtsverletzungen und Diskriminierungen abzubauen. Wenn die geplanten Änderungen im Meldewesen umgesetzt werden, verletzen diese jedoch erneut die Grundrechte von trans*, intergeschlechtlichen und nicht-binären Personen.“ (LSVD+) Wie es mit den Entwürfen und Änderungen im Melderegister weitergeht ist noch unklar. Wir bleiben dran!
Der LSVD+ Verband Queere Vielfalt berichtet, dass das Bundesinnenministerium (BMI) im Juli Verordnungsentwürfe für mehrere Änderungen im Meldewesen vorlegte. Es sollen neue Datenblätter eingeführt werden, in denen „[…] die Angaben über den ehemaligen Geschlechtseintrag und die Änderung künftig zum persönlichen Datensatz einer Person gehören.“ (LSVD+).
Die Gender-Mediathek – eine Datenbank für feministische und geschlechterbezogene audiovisuelle Medien
4. November 2025Weiterlesen Die Datenbank lässt sich über verschiedene Wege durchsuchen: Neben einer Volltext- und Schlagwortsuche stehen unter anderem Filter wie „Doku“, „Zum Hören“ oder „Kurzfilm“ zur Verfügung. So können Nutzende gezielt, entsprechend ihren Fragestellungen und Wünschen, nach passenden Medien suchen. Der Eintrag zu einem Medium, genannt „Medienkarte“, liefert dann Informationen über Inhalt, Produktion/Anbietende, technische Angaben (z.B. Format und Länge), Quellen und Hinweise zum sinnvollen pädagogischen Einsatz der Medien. Regelmäßig widmet sich die Mediathek einem Schwerpunkt unter „Im Fokus“ aus dem Bereich feministischer und geschlechtspolitischer Themen. Bereits behandelte Schwerpunkte sind unter anderem Männlichkeit, trans* Leben, Schwarz sein und queere Kämpfe. Ein systematischer Prüfprozess mit beispielsweise einem klaren Qualitäts- und Kriterienkatalog ist derzeit nicht umsetzbar. Die Inhalte werden aktuell von der Redaktion und Mitarbeitenden des Stiftungsverbundes der Heinrich-Böll-Stiftung, basierend auf Erfahrungen aus der eigenen Bildungsarbeit und Rücksprache mit so vielen Kolleg*innen wie möglich ausgewählt. Das soll verhindern, dass verschiedene Perspektiven und Zugänge verloren gehen, dennoch bleibt die Auswahl subjektiv. Aufgrund dessen erhebt die Gender-Mediathek keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Daher ist für das Projekt die kollaborative Zusammenarbeit besonders wichtig. Leicht und zügig können Nutzende über das Formular „Medien empfehlen“ selbst Vorschläge für feministische und geschlechterpolitische Bildungsmedien bei der Redaktion einreichen und so aktiv zur Erweiterung der Sammlung beitragen. Die Gender-Mediathek ist ein gemeinsames Projekt des Gunda-Werner-Instituts, der Heinrich-Böll-Stiftung sowie deren 16 Landesstiftungen.
Weiterlesen Für viele ist es noch immer schwer, offen über ihre Identität zu sprechen – besonders, wenn in Familie oder Freundeskreis abwertende Sprache benutzt wird oder Angst vor Ablehnung besteht. Diese innere Belastung kann auf Dauer psychisch stark belasten und sogar zu Angststörungen oder Depressionen führen, wie die News-Plattform watson berichtet. In Deutschland haben viele junge queere Menschen noch Angst, offen zu ihrer Identität zu stehen. Um dem entgegenzuwirken, hat der Verein „Coming Out Day“ ein neues bundesweites Beratungsprojekt gestartet: Coming Out und so. Das Angebot richtet sich an queere Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre, die Unterstützung bei Themen wie Coming-out, Transition, Liebeskummer, Diskriminierung oder familiären Problemen suchen. Über einen Videochat können sie anonym und kostenlos mit geschulten Peer-Berater*innen sprechen – also mit jungen queeren Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ vom Familienministerium gefördert und ist zunächst auf vier Jahre angelegt. Ziel ist es, durch digitale Kommunikation einen niedrigschwelligen, sicheren und flexiblen Zugang zu schaffen. Alle Berater*innen haben zuvor Schulungen durch Psycholog*innen und Sozialpädagog*innen absolviert. Online lässt sich eine passende Person auswählen und ein Termin für Gespräche per Video-Beratung vereinbaren. Wahlweise ist eine Beratung auch über Mail oder Messenger möglich. Logo: Coming Out Day e.V.
Das Motto: „Einfach mal über alles quatschen mit einer Person, die Dich nicht judged und selber ähnliche Erfahrungen gemacht hat wie du!“
Demos gegen Merz-Aussage: Für Vielfalt und gegen Ausgrenzung
28. Oktober 2025Weiterlesen Trotz der Proteste erhielt Merz Rückendeckung, etwa vom offen schwulen CDU-Politiker Jens Spahn, der die Äußerungen verteidigte. Kritik: „Wenn Herr Merz über das Stadtbild spricht, dann meint er auch mich“ Auf der Berliner Kundgebung machte eine trans Frau deutlich, dass Merz’ Aussagen nicht nur Migrant*innen, sondern auch queere Menschen treffen würden: Damit sprach sie vielen aus der Seele: Die Sorge wächst, dass queere Menschen – nach Migrant*innen und anderen Minderheiten – zum nächsten Feindbild politischer Stimmungsmache werden könnten. Die Teilnehmenden forderten eine klare Abkehr von rechtspopulistischer Sprache und ein Bekenntnis zu einer offenen, solidarischen Gesellschaft, in der Vielfalt sichtbar und geschützt ist. „Stadtbild“ oder „Weltbild“? Die Redner*innen warfen Merz vor, mit seinen Worten ein verengtes, normatives Weltbild zu transportieren. Wer nicht ins konservative Schema passe – ob queer, arm oder migrantisch – werde als „Problem“ wahrgenommen. Ein Demonstrationsbanner brachte es auf den Punkt: „Lieber Menschenrechte als rechte Menschen.“ Erinnerung an frühere queerfeindliche Äußerungen Die Kritik an Merz knüpfte an frühere Aussagen an: Bereits im Juni hatte er in einer Talkshow mit Blick auf queere Menschen von einem „Zirkuszelt“ gesprochen. Viele Demonstrierende sahen darin eine wiederkehrende Abwertung queerer Lebensrealitäten und forderten eine klare Distanzierung der CDU von solchen Haltungen. Queere Sicht: Solidarität statt Spaltung Queere Aktivist*innen warnten, dass rechte und konservative Diskurse gezielt versuchten, gesellschaftliche Gruppen gegeneinander auszuspielen – etwa Migrant*innen gegen Queers.
Für viele in der queeren Community war das ein weiterer Beleg dafür, dass auch innerhalb der Union queerfeindliche und rassistische Narrative zunehmend normalisiert werden.
„Wenn Herr Merz über das Stadtbild spricht, dann meint er nicht nur Menschen, die nicht weiß sind – dann meint er auch mich.“
Die Demonstrationen betonten dagegen Solidarität: Ein vielfältiges Stadtbild bedeute, dass alle dazugehören – unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sexueller Identität.
Fachtagung vom 14.-16.11. (Frankfurt): Lesbisch & solidarisch: Vielfalt schützen gegen Antifeminismus und Rechtsruck
23. Oktober 2025Weiterlesen Das dreitägige Programm beinhaltet diverse inhaltliche Vorträge und Panels zur Aktualität von Antifeminismus und Rechtsextremismus. Dafür wurden zahlreiche Expert*innen und weitere Gäst*innen eingeladen, darunter Sophie Koch, die Beauftragte der Bundesregierung für Akzeptant sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, die am Samstag an einem politischen Panel spricht. Abseits der Vorträge und Diskussionen steht am Sonntag ein Besuch ins LUQS - Lesbenarchiv und queere Sammlung Frankfurt auf dem Programm, einem selbstorganisierten Archiv, das Erinnerungsarbeit im Kontext lesbischer und queerer Geschichte leistet. Weitere Informationen zum Programm und Anmeldung auf der Webseite des Dachverbandes Lesben und Alter e.V. Der Verband versteht sich als Interessenvertretung für die spezifische Lebenssituation älterer und alter lesbisch lebender Frauen. Seine Arbeit wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Logo: © Dachverband Lesben und Alter e. V.
Weiterlesen Wie queer.de berichtet, sind laut Regierung lose rechtsextreme Gruppierungen, die sich über soziale Medien und Messenger organisieren, ein wesentlicher Treiber. Diese Gruppen – etwa „Jung & Stark“ oder „Deutsche Jugend Voran“ – mobilisieren schnell und treten unter anderem mit Störaktionen gegen CSDs (Christopher Street Days) auf. Die Bundesregierung nennt gezielte Hetze gegen die LSBTIQ*-Community als einen aktuellen Schwerpunkt der Szene. Über soziale Netzwerke rekrutieren rechtsextreme Akteure junge Menschen, oft unterstützt durch „extremistische Influencer“. Auch Jugendorganisationen rechtsextremer Parteien wie „Die Heimat“ (ehemals NPD) oder „Der III. Weg“ wirken im Internet erfolgreich. Selbst die mittlerweile aufgelöste Junge Alternative der AfD wird als Beispiel genannt. Grünen-Politikerinnen Schahina Gambir und Marlene Schönberger kritisieren, dass die Bundesregierung trotz der wachsenden Gefahr keinen klaren Handlungsplan habe und sogar bei Präventions- und Aussteigerprogrammen sparen wolle. So soll etwa der Etat der Bundeszentrale für politische Bildung gekürzt werden – obwohl der Haushalt des Innenministeriums insgesamt steigt. Grünen-Politikerin Marlene Schönberger warnte, rechtsextreme Jugendliche und junge Erwachsene stellten „eine massive Gefahr für unsere Demokratie“ (queer.de) dar. Tatsächlich sieht der Haushaltsentwurf Einsparungen im Bereich der politischen Bildung vor: Der Etat der Bundeszentrale für politische Bildung soll bis 2026 laut Spiegel um mehr als zwei Millionen Euro sinken. Gleichzeitig wächst jedoch der Gesamthaushalt des Bundesinnenministeriums – um rund 841 Millionen Euro.
Weiterlesen Die Demo, anlässlich des Gedenkens an den Aufstand von Homosexuellen im Jahr 1969 gegen polizeiliche Willkür in der Christopher Street in New York in den USA, wurde von der CSD Initiative Oberhavel organisiert. Sie fand unter dem Motto „Sicher leben – sichtbar lieben“ statt, denn die Veranstaltenden wollten weiterhin für mehr Sichtbarkeit und Rechte von queeren Menschen vor allem im ländlichen Raum demonstrieren. Unterstützt wurde die Veranstaltung von der Amadeu Antonio Stiftung und dem Kreisjugendring Oberhavel e.V. Laut Veranstaltenden nahmen zwischen 700 und 800 Menschen am CSD in Oranienburg teil, um sich für queere Rechte einzusetzen. Begonnen hatte der Demozug um 13 Uhr am Bahnhof Oranienburg. Weiter ging es zum Schloss Oranienburg, wo bei gehissten Pride-Flaggen die Zwischenkundgebung stattfand. Um 16 Uhr endete die Demo dann am Oranienwerk. Der CSD in Oranienburg ist der 16. von insgesamt 17 CSDs in Brandenburg dieses Jahr. Das sind so viele Demonstrationen für Vielfalt und queere Rechte wie noch nie. Zum ersten Mal fand auch ein CSD in Ludwigsfelde statt. Den CSD in Oranienburg gab es dieses Jahr schon zum dritten Mal. In Oranienburg lief der Protest ohne Gegendemonstrationen oder Zwischenfälle rechter Gewalt ab, was jedoch eher eine Ausnahme bedeutet. In vergleichbaren Orten, wie zum Beispiel in Bernau im Landkreis Barnim oder in Falkensee im Havelland, kam es zu Gegendemonstrationen vorrangig durch die Gruppe „Deutsche Jugend voran“. In Barnim trafen die 600 CSD-Teilnehmenden beispielsweise auf 40 Gegendemonstrierende, was friedlich blieb. In Oranienburg konnten die Teilnehmenden ungestört protestieren, da die rechte Jugendgruppe an diesem Tag zu einem CSD in Görlitz mobilisiert hatte. Zusätzlich sitzt Julian M., der zur Spitze der Gruppe gehört, seit Anfang September aufgrund mehrerer Gewaltdelikte in Haft. Für Veranstalter Candy Boldt-Händel bleibt bei Teilnahme und Organisation von CSDs oft die Frage „Wie komme ich gut nach Hause?“. Die Angst vor rechter Gewalt ist verständlich, da zuletzt im Juni bei einem Fest der Initiative „Bad Freienwalde ist bunt“ Teilnehmende von einer Gruppe Vermummter mit Schlagwerkzeugen gewaltvoll angegriffen wurden (Tagesspiegel). Die CSD-Saison in Brandenburg endet am 25.10.2025 mit einer Demonstration in Cottbus. Hoffentlich von vielen begleitet, unterstützt und ungestört.








