Echte Vielfalt

Aufklärung und Bildung

Magnus Hirschfeld (1868-1935) war ein deutscher Arzt, Sexualforscher und Mitbegründer der ersten Homosexuellenbewegung. Hirschfeld engagierte sich auch politisch als Sozialreformer, und setzte sich für die Entkriminalisierung von Homosexualität ein. Ziel war die Abschaffung des Paragraphen 175 RStGB, der sexuelle Handlungen unter Männern unter Strafe stellte.

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1919 gründete er das Institut für Sexualwissenschaft in Berlin. Es fungierte zugleich als eine Art Beratungsstelle für Menschen, die Fragen zu ihrer Sexualität hatten. Das Institut organisiert 1921 die “Erste internationale Tagung für Sexualreform auf sexualwissenschaftlicher Grundlage”. Auf diesem internationalen Kongress waren namhafte Wissenschaftler*innen und Sexualreformer*innen vertreten.

Hirschfelds damalige Theorien zu Homosexualität muten heute sonderbar und an. So meinte er, körperliche Unterschiede zwischen homo- und heterosexuellen Männern feststellen zu können. Auch in der Handschrift würden sich Unterschiede zeigen.

Hirschfeld befasste sich auch wissenschaftlich mit (damals noch nicht unter diesen Begriffen bekannten) Phänomenen wie Trans- und Intergeschlechtlichkeit. Er und seine Institutsmitglieder setzten sich außerdem dafür ein, dass sog. "Transvestitenscheine" eingeführt und polizeilich anerkannt wurden. In diesen Bescheinigungen wurde festgehalten, dass die betreffende Frau als "Männerkleidung tragend" bzw. der betreffende Mann als "Frauenkleidung tragend" bekannt ist, was ansonsten nicht erlaubt war.

1933 wurden das Institut und seine Bibliothek inklusive Schriften Hirschfelds im Zuge der Bücherverbrennungen durch die Nationalsozialisten zerstört. Als Jude, Sozialist und schwuler Mann war Hirschfeld von nationalsozialistischer Verfolgung betroffen. Er flüchtet ins Exil nach Frankreich und verstirbt dort im Jahre 1935.

Heute die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft dafür ein, sein wissenschaftliches und kulturelles Erbe und seines Instituts für Sexualwissenschaft zu erforschen und zu bewahren. Eine Online-Ausstellung informiert mit zahlreichen Originaldokumenten über die Geschichte des Institutes.

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Eine nicht-queere Person, die sich für die Rechte von LSBTIQ* einsetzt, kann als „Ally“ bezeichnet werden, was sich aus dem Englischen als „Verbündete*r“ übersetzen lässt. Aber was heißt es in der Realität konkret, ein Ally zu sein?

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Für die LSBTIQ* Community ist ein Ally eine heterosexuelle und cisgeschlechtliche Person, die queere Menschen unterstützt und sich für ihre Rechte und Anliegen einsetzt. Hier gibt es jedoch kein allgemeingültiges Regelwerk: Ein Ally muss sich bilden, einsetzen, handeln, und aus Fehlern lernen können. Wie Expert*innen dem Oprah-Magazin mitteilten gibt es dabei jedoch Richtlinien, die dabei helfen können, ein guter Ally zu sein.

Das erste ist dabei die Anerkennung des eigenen Privilegs und dessen Einsatz zum Guten. Dieses äußert sich beispielsweise schon darin, dass eine cisgeschlechtliche Person keine Sorge haben muss, am Arbeitsplatz für ihre Geschlechtsidentität angegriffen zu werden – während das Nationale Zentrum für transgeschlechtliche Gerechtigkeit in den USA fand, dass dort über drei Viertel von trans Menschen Diskriminierung erfahren. In Deutschland erleben laut Antidiskriminierungsstelle des Bundes 67,4 Prozent – fast drei Viertel – soziale Herabwürdigung. Dagegen kann sich ein Ally einsetzen, indem sie/er Menschen korrigiert, wenn sie trans Kolleg*innen mit den falschen Pronomen ansprechen („misgendern“)  – auch, wenn die betroffene Person gar nicht da ist. Außerdem sollte sich ein Ally immer gegen Beleidigungen oder queer-feindliche Witze aussprechen. Nicht nur in konfrontativen Situationen jedoch kann Allyship (Engl.: „Verbundenheit“) geübt werden: Wer in ihrer/seiner E-Mail-Signatur Pronomen angibt, de-stigmatisiert auch die Pronomens-Angabe für trans oder nicht-binäre Personen.

Und wer sich dabei unsicher über die (Hinter-)Gründe dieser Themen ist, sollte sich als Ally selbst fortbilden, recherchieren, lesen, und zuhören, und erst dann informierte Fragen stellen – anstatt die Erwartung zu haben, alles von queeren Menschen erklärt zu bekommen. Umso offener man bei dem Stellen informierter Fragen ist, desto leichter wird es zu lernen und effektiv zu kommunizieren, so Menschenrechtsaktivistin Maybe Burke: „Lass Leute von Anfang an wissen, dass Du für Anleitung und Feedback offen bist“.

Wie der schwule Journalist Carlos Maza in seiner Anleitung schreibt: Als Ally sollte man den queeren Menschen im eigenen Umfeld zuhören, sie fragen, wie es ihnen geht, und sich dabei bewusst machen, dass sie potentiell Dinge durchgemacht haben (oder noch immer durchmachen), die für eine heterosexuelle und cisgeschlechtliche Person unvorstellbar sind – und dabei Unterstützung anbieten wo es geht, ohne sich in die Rolle des „Retters“ zu begeben.

Der Weg zur Gerechtigkeit muss gemeinsam gegangen werden, und nicht-queere Menschen tragen dabei die gleiche Verantwortung wie LSBTIQ* - nur wer dies spürt und sich über das eigene Handeln nicht profiliert kann ein wahrer Ally sein.

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Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Universität Bielefeld zur Gesundheit von lesbischen, schwulen, bisexuellen, Trans*-, queer und Inter*-Menschen ergab, dass diese im Vergleich zum Rest der Bevölkerung öfter erkranken. Diskriminierungserfahrungen sind dafür oft als Ursache anzusehen.

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LSBTIQ*-Menschen leider häufiger an psychischen und körperlichen Erkrankungen, so das Ergebnis der Studie. Bei ihnen wird zum Beispiel dreimal so häufig Depressionen oder Burnout diagnostiziert. Doppelt so viele von ihnen wie im Vergleich zur Mehrheitsgesellschaft, rund 10-15 Prozent, empfinden Einsamkeit, bei trans Menschen ist der Anteil sogar bei rund einem Drittel. Auch Schlafstörungen und allgemeine Niedergeschlagenheit sind unter LSBTIQ* überdurchschnittlich verbreitet.

Auch bei körperlichen Erkrankungen mit potenziell stressbedingten Auslösern lassen sich klare Unterschiede feststellen: LSBTIQ*-Menschen leiden im Schnitt doppelt so oft an Herzerkrankungen wie die restliche Bevölkerung, auch chronische Rückenschmerzen kommen deutlich häufiger vor.

Die Autor*innen der Studie sehen die psychischen Belastungen und körperlichen Symptome von LSBTIQ* in einem Zusammenhang mit Diskriminierung, da es erwiesen sei, wie Diskriminierungserfahrungen die psychische und auch die körperliche Gesundheit beeinträchtigen können. Weitere Studien belegen außerdem, dass LSBTIQ* -Menschen in vielen Lebenssituationen Ablehnung und Diskriminierung ausgesetzt sind.

„Die Gleichstellung von LGBTQI*-Menschen ist politisch seit Jahren auf der Agenda, der Fortschritt ist aber sehr zäh“, sagt Studienautorin Mirjam Fischer. „Unsere Studie offenbart, welche tiefgehenden psychischen und körperlichen Auswirkungen anhaltende Diskriminierungen haben können. Der Weg zu gleichen Chancen auf ein gesundes Leben ist steinig.“

Insbesondere in Zeiten der Corona-Pandemie geben die Studienergebnisse Anlass zur Sorge: „Die Ergebnisse sind bereits jetzt alarmierend“, so Studienautor David Kasprowski. „Wir müssen aber damit rechnen, dass depressive Symptome und Gefühle der Isolation unter LGBTQI*-Menschen während der Corona-Pandemie weiter zunehmen.

Die Forscher*innen formulierten auch Handlungsempfehlungen, die einen Beitrag zur Prävention leisten können. So bewerten die Wissenschaftler*innen die beschlossenen Gesetze zur Gleichstellung von LSBTIQ*-Menschen zwar positiv, sehen aber in vielen Bereichen Nachholbedarf. Zudem könnte die Resilienz von LSBTIQ*-Menschen zum Beispiel über mehr sogenannte „Safe Spaces“, also z.B. Vereine, Treffpunkte und kulturelle Angebote, gestärkt werden. Auch Initiativen zur Förderung gesellschaftlicher Akzeptanz von LSBTIQ*-Menschen könnten einen Beitrag leisten.

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Im Koalitionsvertrag von SPD und Grünen wurde es festgelegt: Hamburg soll ein Denkmal für sexuelle Vielfalt bekommen. „Wir realisieren gemeinsam mit den beteiligten Initiativen ein Denkmal für die sexuelle Vielfalt in Hamburg“ heißt es darin. Im Austausch mit der Community soll ein Ort geschaffen werden, der an alle Menschen erinnern soll, die aufgrund ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität verfolgt und ausgegrenzt wurden.

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Im September letzten Jahres lud daher die Kulturbehörde zu einem Workshop ins Museum für hamburgische Geschichte ein. Dort wurden Perspektiven für das Design und den Standort des Denkmals erörtert.

Bereits seit 2018 setzt sich eine private Initiative für die Errichtung eines solchen Denkmals ein. Ein Gründungsmitglied der Initiative, der Historiker Gottfried Lorenz, weist in diesem Zusammenhang auf die spezielle Geschichte der LSBTIQ*-Community in Hamburg hin. In der Hansestadt entstanden zwischen 1945 und 1994 Vereine und Orte der Community, während diese in anderen Städten polizeilich verhindert wurden.

Das Denkmal soll dabei nicht nur dem Erinnern dienen. Farid Müller, Sprecher für LSBTIQ*  der Bürgerschaftsfraktion der Grünen erläutert hierzu gegenüber der Taz: „Ein Denkmal geht in der Regel in die Vergangenheit. Den Initiator*innen soll es gelingen, dass das Denkmal in die Zukunft strahlt.“
Ein Gegenwartsbezug des Denkmals ist auch dringend notwendig, denn noch immer leben LSBTIQ* nicht gleichberechtigt mit der Mehrheitsgesellschaft zusammen. Initiator Lorenz weist daraufhin, dass auch gegenwärtig Menschen mit homosexuellen Orientierungen diskriminiert werden: „Nach wie vor ist das Händchenhalten oder Küssen zwischen Männern oder Frauen in der Öffentlichkeit etwas, was Anstoß erregen kann. Deshalb soll das Denkmal auch eine Aufforderung für Toleranz und Akzeptanz der verschiedenen Gruppierungen sein“

Im Gespräch für den Standort des Denkmals sind unter anderem St. Georg, die HafenCity und der Jungfernstieg.

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Seit 2019 berücksichtigt das deutsche Personenstandsrecht, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, das heißt mehr als nur Männer und Frauen. Unsere Alltagssprache, jedoch, berücksichtigt zum Teil auch heute noch nicht, dass es überhaupt mehr als nur ein Geschlecht gibt: Tatsächlich, eines der wohl meist konsumiertesten Formate im Deutschen Fernsehen, die Tagesschau, spricht regelmäßig nur von Teilnehmern, Demonstranten, Lehrern, und Schülern. Was vermittelt das den Zuschauenden?

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Spitz gesagt ließe sich argumentierten, dass dies allen Menschen, die nicht die Geschlechterkategorie „männlich“ passen, vermittelt, dass ihre sprachliche Repräsentation den vermeintlichen Mehraufwand des sogenannten „Gendern“ nicht wert sei. Gendern bedeutet in diesem Zusammenhang die Verwendung geschlechtsneutraler oder geschlechtsinklusiver Bezeichnungen: Oft unkompliziert einzusetzen durch Begriffe wie Teilnehmende, Demonstrierende, oder Lehrkräfte. In manchen Fällen – wie Schüler*innen, – jedoch, offenbart sich der „Mehraufwand“ darin, dass das Gender-Sternchen durch ein kurzes Innehalten im Redefluss gesprochen werden muss, oder in anderen Worten: Dass in der Sprache Platz geschaffen werden muss. Denn genau darum geht es beim Gendern: Um das sichtbar machen aller Geschlechter.

Wie bedeutend Sprache in diesem Zusammenhang ist, spiegelt sich in der Aufregung wider, mit der das Bundesinnenministerium auf einen Gesetzestext der Bundesjustizministerin Christine Lambrecht reagierte, weil sie ihn in weiblicher Form einreichte: Also zum Beispiel Geschäftsführerinnen statt, wie bisher üblich, Geschäftsführer. Dass ein Sprecher des Innenministeriums einräumte, dass das generische Femininum „zur Verwendung für weibliche und männliche Personen bislang sprachwissenschaftlich nicht anerkannt“ sei, und deswegen die Gefahr bestehe, dass das Gesetz nur für Frauen gelten könnte, mag rechts- und sprachwissenschaftlich gesehen wahr sein. Es zeigt jedoch auch, wie sich diese Machtstrukturen von der Wissenschaft, in die der Gesetzestexte, in die Medien, bis hin in unseren Alltag zieht: „Arzttermin“ ist deutlich üblicher als „Ärztinnentermin“.

Und ja, es ist auch kürzer, wie „Schüler“ auch unkomplizierter als „Schüler*innen“ ist. Dieses Argument könnte man insbesondere in Bezug auf das ältere Publikum des ARD anbringen, und sich sorgen, dass dieses den Anschluss verlieren könnte, wenn plötzlich gegendert würde. Dies wirft jedoch die größere Frage danach auf, inwieweit sich Sprache entwickeln sollte, um die Realität widerzuspiegeln: Während Bezeichnungen wie „Lehrer“ oder „Ärzte“ eine Zeit lang zutreffend waren, weil Frauen* von diesen Berufen ausgeschlossen waren – wie von vielen anderen Lebensbereichen auch – so ist die Realität heute schon lange deutlich vielfältiger. Die Antwort darauf, warum wir gendern sollten, liegt also genau hier, in der Abbildung echter Vielfalt in der echten Sprache: Im Alltag, in den Medien, in den Gesetzestexten.

Finden Sie hier ein geschicktes Gender-Wörterbuch.

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Bis 1977 wurden lesbische Verhältnisse in Deutschland rechtlich eindeutig als eine „schwere Eheverfehlung“ verstanden. Bis 1994 wurden homosexuelle Männer auf Basis des Paragrafen 175 des deutschen Strafgesetzbuches teils zu langen Haftstrafen verurteilt. Wie die Historikerin Kirsten Plötz berichtet, haben Gerichte sehr konservative Vorstellungen davon, wie sich Frauen und Männer zu verhalten haben, durchgesetzt: „Diejenigen, die abgewichen sind, haben das zu spüren bekommen.“

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Des Weiteren schildert Plötz, die im Rahmen einer Studie für das Institut für Zeitgeschichte und der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld Fälle von lesbischen Müttern in Westdeutschland aufgearbeitet hat, dass davon ausgegangen werden müsse, dass Tausende betroffen waren. Weil Gerichte eine „heterosexuelle Weltordnung“ durchsetzen wollten, wurde lesbischen Frauen Sorgerecht und Unterhalt genommen, sichtbar lesbisches Leben wurde unterdrückt. Viele Frauen hätten ihre Homosexualität aus Angst verschwiegen, weswegen auch nur wenig Statistiken und Quellen existieren, auf die sich die Studie stützen könne.

In diesem Zusammenhang äußerte sich auch LSVD-Bundesvorstandsmitglied Henny Engels. Wie Queer.de berichtet sei es insbesondere „unabdingbar, die Unsichtbarkeit der Verfolgung von Lesben zu thematisieren und darauf zu drängen, dass Forschung und Lehre den unbeantworteten Fragen zu Leben, Verfolgung und Ermordung lesbischer Frauen im Nationalsozialismus weiter nachgehen“.

Nicht nur bei der Verfolgung von Lesben, sondern auch bei der Situation von trans- und intergeschlechtlichen Menschen, homosexuellen Männern, und anderen queeren Menschen, jedoch, gäbe es noch Wissenslücken. Bisherige Forschung sei oft außerhalb des universitären Kontextes entstanden: In der Geschichtswissenschaft würden queere Schicksale „immer noch viel zu oft als Rand- und Fußnotenthema betrachtet“. Engels forderte deswegen im Namen des LSVD inklusive Ansätze zu verfolgen, wofür Bund, Länder, und Kommunen ausreichend Mittel stellen müssten.

Außerdem erinnerten die queeren Bundestagsabgeordneten Ulle Schauws, Sven Lehmann und Kai Gehring (alle Grüne) in einer gemeinsamen Erklärung am Holocaust-Gedenktag daran, dass LGBTI-Feindlichkeit bis heute nicht besiegt sei: „Bis heute bestehen Vorurteile und Ablehnung gegenüber queeren Menschen in weiten Teilen der Bevölkerung.“ Deswegen fordert auch die Linke.queer, dass man die „Aufklärung über den deutschen Faschismus und seine Folgen intensivieren müsse“.

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Gianni Jovanovic (42), ist Roma-Aktivist und schwul, und befasst sich seit langem mit dem Thema Mehrfachdiskriminierung.  Er war der erste schwule Rom in Deutschland, der sich geoutet hat und ist Gründer der Initiative „Queer Roma“, mit der er mehrfach am Christopher Street Day in Köln teilnahm. Seine Erfahrungen mit Ausgrenzung und Diskriminierung verarbeitet er außerdem als Comedian und Performer in einem Bühnenprogramm.

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Wie er in einem Interview erzählt,  war das Offenlegen seiner Identität „ein doppeltes Outing“. Viele queere Roma befürchteten, auf Verachtung in der eigenen Community zu stoßen. Hinzukomme dann noch die Verachtung durch die Mehrheitsgesellschaft: „Einerseits muss man sich hinstellen und sagen, Mama, Papa, ich bin schwul, lesbisch, trans ..., und auf der anderen Seite muss man sich öffentlich dazu bekennen, dass man Roma ist. Gegenüber dieser Gruppe herrschen viel Unwissen und Vorurteile.“

In einem weiteren Interview auf Deutschlandfunk Nova berichtet Gianni außerdem ausführlich über das Aufwachsen in einer konservativen Familie, seine Zwangsverheiratung und seinen langen Weg zum Coming-Out als schwuler Mann.

Giannis Anliegen ist es, um über Antiziganismus, also die Diskriminierung von Sinti und Roma, aufzuklären. Hierzu wird er auch von den Medien als Experte angefragt. Im Zuge der kürzlichen Rassismus-Debatte um die WDR-Talksendung „die letzte Instanz“ wurde er erneut um seine Einschätzungen gebeten. Auch ein Video einer Talkshow, die im Jahr 2020 ebenfalls im WDR lief, und in der Gianni zu Gast war, wurde in den sozialen Medien häufig geteilt. Hierin erklärt er, dass es sich beim Z-Wort um eine Fremdbezeichnung handele, die rassistische Vorurteile beinhalte. Außerdem wies er darauf hin, dass seinen im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Vorfahren der Buchstabe Z in die Haut tätowiert wurde:Deshalb muss man sich tatsächlich die Frage stellen, ob man heute in dieser aufgeklärten, modernen Welt das Wort überhaupt noch benutzen will", sagte Jovanovic in der Sendung.

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Trans Personen gehören zu den marginalisiertesten Gruppen in unserer Gesellschaft. Wie eine Studie in den USA fand liegt die Suizidversuchsrate unter trans Frauen bei 29,9 Prozent, unter trans Männern bei 50,8 Prozent. Gleichzeitig bezeichnet die AfD trans Anliegen als „Gender Gaga“. In diesem Artikel geht es darum, warum solche Bezeichnungen transfeindlich und unrecht sind, und warum wir trans Personen besser zuhören sollten.

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Zum Beispiel, wenn sie uns die Pronomen mitteilen, mit denen sie angesprochen werden wollen. Denn wie Mel, eine trans Frau, erklärt, ist es für trans Personen sehr verletzend, „misgendered“ zu werden, das heißt mit dem falschen Pronomen angesprochen zu werden: Jedes Mal, wenn man sie mit „Herr“ an- oder über sie als „er“ spreche, versetze sie das in eine starke Unsicherheit: „Ich weiß nicht was ich machen soll, wie ich mich verhalten soll, wie ich aussehen soll, um Frau zu sein“.

Dabei sollte das eigene Verständnis ihr Geschlechtsidentität und dessen Kommunikation nach außen eigentlich genug sein. Trotzdem versteht sie, dass es manchmal schwer sei, gerade für Familienmitglieder, die einen lange in einer anderen Geschlechterrolle erlebt haben. In diesen Fällen empfiehlt und bittet sie, sich bei Ausrutschern gerne selbst zu korrigieren, oder auch andere zu erinnern. Außerdem rät sie cis Personen, deren Pronomen zu den ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlechtern passen, nachzufragen, wenn man sich unsicher ist, wie eine Person angesprochen werden möchte: „Es gibt keine allgemeine Regel fürs Gendern: Jeder Mensch ist anders.“

So gibt es auch nicht-binäre Menschen, die das englische geschlechtsneutrale Pronomen „they“ nutzen, für das es im Deutschen keine Übersetzung gibt. Weil die Verwendung eines fremdsprachlichen Wortes natürlich erstmal ungewohnt ist, kann auch hier geübt werden, indem man für sich alleine Sätze sagt, in denen man „they“ oder den Vornamen der Person nutzt. Auch, wenn die jeweilige Person nicht anwesend ist, sollte man mit den korrekten Pronomen über sie zu sprechen, um sich umzugewöhnen, wie: „Alex war einkaufen. They (statt er/sie) möchte heute Abend Lasagne machen. Ich werde Alex (statt ihr/ihm) später helfen.“

Außerdem können cis Menschen beispielsweise in Sozialen Medien wie Facebook oder Instagram ihre Pronomen angeben, also eine cis Frau „sie“ bzw. „she/her“, und ein cis Mann „er“ bzw. „he/him“. Dies de-stigmatisiert Pronomen als etwas sichtbares und fremdbestimmtes, hin zu einer Angelegenheit, die eine Person selbst entscheiden kann – und die respektiert werden sollte.

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„Asexualität kennen die meisten ja noch, aber bei Aromantik hörts dann meistens auf. Weil es ist ja wirklich so extrem präsent in unserer Gesellschaft: Wie wir groß werden, bei Disney-Filme fängt das schon an, und in der Schule. Du musst heiraten, Kinder kriegen, Haus bauen. Das ist wichtig, und wenn du das nicht erreichst, dann hast du sozusagen versagt“ – Caro, die aromantisch ist und in mehreren queer-platonische Beziehungen lebt, erzählt in einem Interview, wie es ist, in einer solchen Gesellschaft keine romantische Beziehung zu wollen.

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Für sie sei es nie das richtige gewesen: Caro (25) habe tatsächlich viele klassische, romantische, und wie sie sagt, „einengende“ Beziehungen geführt, bis sie in der queeren Community in einem Tumblr-Post etwas über Aromantik las – „und dann hat es einfach Klick gemacht“: Sie ist auf dem sogenannten Ace/Aro-Spektrum, welches Personen einschließt, die asexuell und/oder aromantisch sind. Während Asexualität bedeutet kein oder wenig Verlangen nach Sexualität mit anderen Menschen zu haben, bezieht sich Aromantik darauf keine klassische, romantische Beziehung führen zu wollen. Dabei schließe das eine das andere jedoch nicht automatisch ein: Ein Menschen könne sowohl Ace als auch Aro sein, jedoch auch nur aromantisch und trotzdem mit dem Verlangen nach Sex, oder asexuell und trotzdem mit dem Wunsch nach einer romantischen Beziehung.

Caro bezeichnet sich als Ace/Aro und hat nur selten und unter bestimmten Umständen Lust auf Knutschen oder Sex, wie man es von klassischen romantischen Beziehungen erwarten würde. Sie fühle sich einfach nicht romantisch zu Menschen hingezogen – sondern platonisch. Im Ace/Aro-Spektrum gibt es für diese Art von Anziehung einen Begriff, der den romantischen „Crush“ (Schwarm) ersetzt: Man spricht davon einen „Squish“ zu haben. „Ein Squish ist ein super intensives Gefühl einer anderen Person gegenüber, das aber nicht von romantischer Natur ist.“ Das könne sich sogar ähnlich äußern wie verknallt sein, dass man einer Person sehr nah sein und viel Zeit mit ihr verbringen will – aber eben freundschaftlich. Als „mehr als eine normale Freundschaft, weniger als eine romantische Beziehung“ und „irgendwas zwischen Partner*In und Freund*In“ beschreibt Caro die queer-platonischen Beziehungen, die aus solchen Squishes entstehen können. Der Unterschied zu „normalen“ Freundschaften sei dabei, dass es in queer-platonischen Beziehungen schon eine „wesentlich tiefere emotionale Bindung“ gäbe. Dabei werde vorher „klipp und klar“ kommuniziert, was jeder will. Es gibt sogar einen queer-platonischen Beziehungsvertrag, bei dem man umkreisen und durchstreichen kann was man mag, und was nicht, wie „kleine Küsse“, „große Küsse“, „Sex“ und „Händchen halten“.

Caro findet, dass solche Absprachen in jeder Art von Beziehung gelten sollten – auch klassischen, hetero-romantischen – da es ein „vorgefertigtes Bild gibt von dem, was in einer romantischen Beziehung passieren soll oder darf, oder nicht, und darüber redet niemand, aber alle wissen es, und es ist irgendwie allgemeingültiges Gesetz – obwohl das eigentlich eine Sache ist, die total individuell ist. Jeder Mensch ist ja anders und jeder Mensch kann Nähe anders zulassen, an sich ranlassen, und zurückgeben“.

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Die Kampagne #NoHateMe ist eine Initiative des Vereins Liebe wen Du willst e.V. und setzt sich für ein Internet ohne Hass auf LSBTIQ-Menschen ein.

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„Hass im Netz existiert nicht losgelöst vom analogen Leben, sondern greift reale Macht- und Diskriminierungsstrukturen auf, aus denen er sich speist. Zusätzlich lässt sich im Internet eine Art Enthemmungseffekt beobachten. Meinungen, die im realen Leben oft nur von einer Minderheit offen vertreten werden, sind mit wenigen Klicks veröffentlicht und finden im Internet eine große Bühne.“ schreibt die Initiative auf ihrer Homepage.

Das wichtigste Ziel der Studierenden und jungen Menschen, die sich bei NoHateMe engagieren, ist die Präventionsarbeit gegen digitales Mobbing bzw. Cyber-Mobbing und Hate Speech. Dies soll unter anderem durch Förderung von Medienkompetenz, der Stärkung von Selbstvertrauen und der Vermittlung von sozialen und kommunikativen Fähigkeiten erreicht werden. Betroffene sollen informiert werden, welche Rechte sie im Internet haben, und wie man sich gegen Hass und Diskriminierung im Netz zur Wehr setzen kann.

Auch Bildungs- und Aufklärungsarbeit wird durch das Projekt geleistet, zum Beispiel durch Workshops in Schulen und Jugendzentren.

Über die Webseite von Liebe wen Du willst können außerdem Vorfälle gemeldet werden, und darüber beraten werden, ob eine strafrechtliche Verfolgung Sinn machen kann.

Erreichbar ist die Initiative auch über Facebook und Instagram.

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