Echte Vielfalt

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Am 24. Juni verkündete der Oberste Gerichtshof der USA seine Entscheidung, die das garantierte, landesweite Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch effektiv aufhebt. Lesen Sie in diesem Artikel, warum dieses Urteil nicht nur Cis-Hetero-US-Amerikanerinnen betrifft, sondern Menschen aller Geschlechter und Sexualitäten.

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In seinem Urteil stimmte das Gericht mit 5:3 Stimmen dafür, die früheren Entscheidungen des Gerichts im Fall Roe v. Wade aufzuheben, die das Recht auf Abtreibung auf Bundesebene garantiert hatten. Die offizielle Stellungnahme, die von Richter Samuel Alito verfasst wurde, scheint weitgehend identisch mit der Version zu sein, die im vergangenen Monat durchgesickert war. In dieser Stellungnahme vertritt Alito die streng originalistische Auffassung, dass die Verfassung, die ausschließlich von Menschen geschrieben wurde, die nie eine reproduktive Versorgung benötigten (=Cis-Männer), in Bezug auf die Abtreibung neutral ist und dass der Gerichtshof die zuvor festgelegten Schutzbestimmungen niemals hätte gewähren dürfen. "Die Verfassung gewährt kein Recht auf Abtreibung", schließt Alito in seiner Stellungnahme.

So kritisierte Alito das frühere Gericht für die "schädlichen Auswirkungen" von Roe v. Wade auf den politischen Diskurs in den USA. Tastsächlich wird der Schaden der aktuellen Entscheidung des Gerichts jedoch vermutlich von den Menschen getragen werden, die dringend Abtreibungen und die damit verbundene reproduktive Versorgung benötigen - nicht nur cis-hetero-Frauen, sondern auch queere Menschen, trans Männer und Leute aller Geschlechter, die einen Uterus haben: Ein schwuler trans Mann kann von seinem Cis Partner Schwanger werden, eine lesbische cis Frau kann von ihrer trans Partnerin Schwanger werden, eine pansexuelle nicht-binäre Person mit Uterus kann von einer anderen nicht-binären Person schwanger werden…

"Dieses Thema ist für unsere Gemeinschaft nicht nur eine philosophische Frage. Trans Personen bekommen Babys, brauchen allgemeinen Zugang zu reproduktiven medizinischen Dienstleistungen und nehmen Abtreibungen vor", sagte die Gründerin von TransLash Media, Imara Jones, im März der Teen Vogue. "Wir tun dies jedoch innerhalb eines Gesundheitssystems, das unserer Existenz oft feindlich gegenübersteht".

Aufgrund der Entscheidung des Gerichtshofs werde sich diese Feindseligkeit nur noch verstärken, da sichtbar queere Menschen versuchen werden, Zugang zu einer Versorgung zu erhalten, die jetzt nur durch ein freies Durcheinander der einzelnen Bundesstaaten möglich ist.

Doch leider werden die negativen Auswirkungen der Entscheidung nicht nur bei der Abtreibung zu spüren sein: Lesen Sie hier mehr über die Konsequenzen des Abtreibungsverbotes für wichtige Fragen der körperlichen Autonomie.

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San Francisco hat einen Plan zur Beendigung der Obdachlosigkeit von trans Personen bis 2027 vorgestellt und ist damit die erste amerikanische Stadt, die sich zu einem solchen Ziel verpflichtet.

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Der Plan sieht eine neue Unterkunft für trans und gendervariante (aus dem Englischen: gender-nonconforming) https://echte-vielfalt.de/lebensbereiche/lsbtiq/nicht-binaer-gendervariant-genderlos-weder-mann-noch-frau-oder-beides/ Jugendliche vor. So kündigte Bürgermeisterin London Breed am Dienstag an, dass die Stadt in ihrem Zwei-Jahres-Budget 6,5 Millionen Dollar speziell für eine Initiative zur Beendigung der Obdachlosigkeit von trans und gendervarianten Menschen bereitstellen werde, wie das queere Onlinemagazin them berichtete https://www.them.us/story/san-francisco-end-trans-homelesness-2027 .

Demzufolge beinhalte der Plan in der Anfangsphase die Bereitstellung von mindestens 150 langfristigen Wohnsubventionen für trans und gendervariante Personen und die Entwicklung einer neuen dauerhaften Wohnanlage für trans und gendervariante Jugendliche. Der Großteil der Mittel werde für kurzfristige Mietzuschüsse und flexible finanzielle Unterstützung für die Bewohner*innen sowie für die Unterstützung der beteiligten gemeinnützigen Organisationen verwendet werden. Fünfhunderttausend Dollar sollen für die Finanzierung von Gesundheitsdiensten für trans und gendervariante Bürger*innen verwendet werden.

Trans und gendervariante Personen sind überproportional häufig von Wohnungsunsicherheit betroffen und erleben, wenn sie Zugang zu einer Unterkunft haben, mit größerer Wahrscheinlichkeit Diskriminierung und Missbrauch. Laut der Bürgermeisterin seien trans und gendervariante San Franciscaner*innen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung 18-mal häufiger von Obdachlosigkeit betroffen, wobei die Rate bei BIPOC trans Menschen noch höher sei.

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Trans* Frauen müssen sich oft der Frage stellen, woran sie Weiblichkeit festmachen und was es für sie ausmacht, eine Frau zu sein. Dank des veralteten „Transsexuellengesetzes“ in Deutschland müssen sie (und trans* Männer natürlich auch) sich sogar psychologischen Gutachten unterziehen und diese Position verteidigen, um ihr gesetzliches Geschlecht ändern oder eine geschlechtsangleichende Operation vornehmen lassen zu können. Cis-Frauen dagegen müssen sich nicht dafür rechtfertigen eine Frau zu sein, um ihren gesetzlichen Eintrag als „weiblich“ behalten zu dürfen. Ist das fair?

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Die Autorin und Musikerin Iva Moor stellte kürzlich auf Twitter die folgende Frage: „Liebe Cis-Frauen in der Bubble: Woher wisst ihr, dass ihr cis seid? Ist Weiblichkeit/Frausein ein bestimmtes Gefühl für euch? Gerade, wenn ihr mit Rollen(erwartungen) clasht: Woran macht ihr euer Frausein fest?“. Dem trug sie nach: „Ich frage mich halt, ob es generell Leute gibt, die ein explizites Gefühl für ihr Geschlecht haben und es daher einfach wissen, und andere haben dieses Gefühl einfach nicht?“.

Die Antworten auf diese Fragen variierten stark, und die Lektüre des Twitter-Threads ist für Interessierte durchaus empfehlenswert. Wichtiger jedoch ist, dass Menschen sich diese Fragen selbst stellen, und sich bewusst machen, woher die Diversität in den Antworten kommt: Nämlich davon, dass Geschlecht ein gesellschaftliches Konstrukt ist, mit dem man sich auf viele Weisen verbunden, oder eben nicht verbunden, fühlen kann. Wie die Politikwissenschaftlerin Felicia Ewert in ihrem Buch „Trans.Frau.Sein“ schreibt, gilt dabei auch, dass Cisgeschlechtliche Menschen nicht „normal“ sind, sondern eben Cis. In diesem Kontext schreibt der Blogger Captain Cato: „Es gibt keine Tabelle, in der man uns einteilen kann und das ist vollkommen okay so. Wir müssen nicht auf einer Skala von Mann bis Frau existieren, damit es greifbarer für binäre Menschen ist“. Demnach muss man vielleicht auch nicht unbedingt wissen, was einen zu einer Cis-Person macht – genauso wenig müssen das aber eben auch trans* und nicht-binäre Personen.

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Der Bundesverband Trans* hat gemeinsam mit der Amadeu Antonio Stiftung die Broschüre „Was bringt Trans*feindlichkeit rechtsextremen Akteur*innen? Und: Was ist daran so gefährlich?“ herausgebracht. Darin werden die Zusammenhänge von rechtsextremer Ideologie und trans*feindlichen Argumenten dargestellt.

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In der Broschüre werden zunächst Merkmale von rechtsextremen Ideologien genannt, worunter neben rassistischen und migrationsfeindlichen Einstellungen auch die Ablehnung geschlechtlicher Vielfalt gezählt wird. Rechte Ideologien basieren meist auf der Idee, dass es nur zwei Geschlechter gebe. Diese haben klare Rollen in der Familie, der wiederum eine nationalistische bzw. völkische Bedeutung zugewiesen wird.

So ist die „Ungleichwertigkeit von Männlichkeit und Weiblichkeit […] eine Grundlage der gesellschaftlichen und politischen Ordnung in extrem rechten Ideologien.“ (S. 10) Rechte Akteur*innen benutzen biologistische Argumente, wobei sie wissenschaftliche Erkenntnisse, die eine Natürlichkeit geschlechtlicher Hierarchien widerlegen, außer Acht lassen.

Im Geschlechterverständnis sind auch Verschränkungen mit rassistischen Motiven zu finden: „Es wird ein direkter Bezug von der Familie als ‚Keimzelle der Nation‘ zu einer als homogen imaginierten ‚Volksgemeinschaft‘ hergestellt.“ (S. 13) Feministische Forderungen, zu denen auch geschlechtliche Vielfalt zählt, werden klar abgelehnt. So wird der Zusammenhang zu Trans*feindlichkeit geschaffen:

„Rechtsextreme Erzählungen zu den Themen körperliche Selbstbestimmung, Reproduktion, Geschlechter- und Familienbilder werden explizit mit trans*feindlichen Erzählungen verbunden. Dabei werden aktuelle gesellschaftliche, meist menschenfeindlich aufgeladene, Debatten aufgenommen oder es wird auf Argumentationsmuster und Konzepte zurückgegriffen, die bereits seit Jahrzehnten dazu dienen bzw. dienten, queeren Menschen ihr Recht auf körperliche und geschlechtliche Selbstbestimmung abzusprechen“ (S. 17)

In rechten Diskursen werden mit Begriffen wie „Gender-Ideologie“ oder „Gender-Wahn“ antifeministische und trans*feindliche Motive verschleiert. Zudem wird oft argumentiert, dass Kinder vor einer vermeintlichen „Frühsexualisierung“ geschützt werden müssen. In der Broschüre wird klargestellt, dass dies keine wissenschaftliche Basis hat und ähnliche Argumentationslinien bereits in der NS-Zeit zu finden sind.

Trans* und nichtbinäre Personen werden von Rechten diffamiert und zum Teil öffentlich angegriffen. Zur Frage, inwiefern Trans*feindlichkeit rechtsextremen Akteur*innen in die Hand spielt, liefert die Broschüre die Antwort, dass es als strategisches Mittel fungiert: Einerseits hätten „trans*feindliche Aussagen ein hohes Anknüpfungspotential an verschiedene Teile der Gesellschaft“, was für eine rechtsextreme Agenda ausgenutzt werden könne, um „im nächsten Schritt für weitere Elemente extrem rechter Ideologien zu mobilisieren“ (S. 37).

Zudem werden damit traditionelle antifeministische Diskurse, die heutzutage weniger Mobilisierungspotential haben, verschoben und die (weiße) cis-Frau als Schutzobjekt umgedeutet, das von Trans*geschlechtlichkeit gefährdet sei. Außerdem werden, beispielsweise mit den Argumenten zum Kinderschutz, Allianzen zwischen Rechtsextremen und anderen Gruppen, zum Beispiel religiösen und konservativen, innerhalb der Gesellschaft geschaffen.

In der Broschüre wird zuletzt auf Gegenstrategien eingegangen, die unter anderem eine kritische Auseinandersetzung mit Trans*feindlichkeit sowie der Zusammenarbeit mit Organisationen und Interessensverbänden von trans* Personen beinhalten. Außerdem müsse das Thema im größeren politischen Kontext betrachtet werden:

„Immer wieder wird davon gesprochen, es gehe beim Thema Trans*geschlechtlichkeit ‚nur‘ um eine kleine Personengruppe. Ganz im Gegenteil können wir aber beobachten, dass es bei Trans*feindlichkeit von der extremen Rechten um strategische politische Angriffe auf Menschenrechte und Selbstbestimmung geht. Es geht darum, rechtsextreme Ideologien und damit auch Antisemitismus, Rassismus, Ableismus und Klassismus zu normalisieren und eine vielfalts- und demokratiefeindliche Gesellschaft zu errichten.“ (S. 43)

Die Verschränkungen von Queerfeindlichkeit und Rechtsextremismus haben sich in den vergangenen Jahren anhand der zahlreichen Angriffe auf Christopher Street Day (CSD) Veranstaltungen gezeigt. Die Arbeit des Bundesverband Trans* und der Amadeu Antonio Stiftung hilft, diese Ereignisse im Kontext rechter Ideologien zu verstehen, um gezielt dagegen vorzugehen.

Der Bundesverband Trans* setzt sich für die Rechte von trans* Personen ein. Mit regelmäßigen Publikationen und Fortbildungen klärt der Verband über wichtige Themen im Kontext von geschlechtlicher Vielfalt auf.

Die Amadeu Antonio Stiftung setzt sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus ein. Die Stiftung betrachtet auch Antifeminismus und Queerfeindlichkeit im Kontext rechter Ideologien. Bei der Fachstelle Gender und Rechtsextremismus wird dieser Zusammenhang erforscht und dazu beraten.

Zur Publikation: „Was bringt Trans*- feindlichkeit rechtsextremen Akteur*innen? Und: Was ist daran so gefährlich?

Bild (Deckblatt der Broschüre): Bundesverband Trans*

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Laut der britischen Zeitung „The Times“ plant das Internationale Olympische Komitee (IOC), trans Frauen künftig grundsätzlich von Frauenwettbewerben auszuschließen. Grundlage dieser Entscheidung sei eine wissenschaftliche Studie, die darauf hinweist, dass Personen, die die männliche Pubertät durchlaufen haben, auch nach einer Hormonbehandlung dauerhafte körperliche Vorteile behielten.

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IOC-Präsidentin Kirsty Coventry hatte sich bereits zuvor klar dafür ausgesprochen, die „Frauenkategorie zu schützen“ und trans Athletinnen von den Olympischen Spielen auszuschließen. Eine neue interne Studie, vorgestellt von IOC-Gesundheitschefin Jane Thornton, soll belegen, dass trans Frauen cis Frauen körperlich überlegen seien – genaue Details sind aber bislang nicht bekannt.

Bisher durften die einzelnen Sportverbände selbst festlegen, wie sie mit trans Athlet*innen umgehen. Coventry betonte nun, dass der olympische Sport einen einheitlichen Ansatz brauche und der Schutz der Frauenkategorie im Vordergrund stehe. Laut internen Informationen soll das endgültige Verbot vor den Winterspielen 2026 in Italien offiziell verkündet werden, auch wenn die Entscheidung intern wohl schon gefallen sei.

Scharfe Kritik von queeren Verbänden

Die Pläne stoßen bei queeren Organisationen auf heftige Kritik. Verbände wie der LSVD+ und die dgti e.V. werfen dem IOC vor, durch solche Maßnahmen das Signal zu senden, dass trans Frauen und trans Männer keine „echten“ Frauen oder Männer seien. Sie sehen darin eine Diskriminierung und warnen davor, dass trans Menschen so erneut zu Bürger*innen zweiter Klasse gemacht würden.

LGBTI-Organisationen bezweifeln die wissenschaftliche Grundlage der Entscheidung und vermuten politische Motive dahinter. Sie verweisen auf den Einfluss der US-Regierung unter Donald Trump, der trans Personen bereits mehrfach diskriminierende Maßnahmen auferlegt hat und für 2028 in Los Angeles die Einreise von trans Athletinnen untersagen will.

Einfluss der US-Regierung

US-Präsident Donald Trump hat im Februar eine Verordnung erlassen, die Transgender-Frauen vom Frauensport ausschließt. Daraufhin passte das US-Olympische und Paralympische Komitee (USOPC) seine Richtlinien an und kündigte an, in Übereinstimmung mit dem Präsidialdekret ein „faires und sicheres Umfeld für Frauen“ zu gewährleisten.
Trumps Erlass mit dem Titel „Keine Männer im Frauensport“ droht Schulen und Universitäten mit dem Entzug von Bundesgeldern, wenn sie trans Mädchen oder Frauen in Frauenteams aufnehmen. Außerdem fordert er das IOC auf, seine eigenen Regeln entsprechend zu ändern – was nun, einige Monate später, offenbar Anklang gefunden hat.

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Sexualität ist auch politisch. Von den Rechten für LSBTIQ*-Personen über Debatten um Ehe und Abtreibung bis hin zur Frage nach Transidentität – immer wieder kreuzen sich Intimität und gesellschaftliche Machtfragen. Sexualität wird so zu einem zentralen Verbindungselement zwischen Individuum und Politik.

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Über dieses komplexe Verhältnis spricht Tilo Jung mit dem US-amerikanischen Autor und Kolumnisten Dan Savage. Die von Tilo Jung moderierte Interviewreihe „Jung & Naiv“ bietet regelmäßig tiefgehende Gespräche über Politik und Gesellschaft. Savage gilt als eine der bekanntesten Stimmen im internationalen Diskurs über Sexualität. Seit den 1990er-Jahren veröffentlicht er seine Kolumne Savage Love, in der er offen über Liebe, Sexualität und Beziehungen schreibt. Darüber hinaus engagiert er sich für LSBTIQ*-Rechte, bricht Tabus und wirbt für eine ehrliche, pragmatische Auseinandersetzung mit Sexualität.

Im Interview erklärt Savage, warum offene Kommunikation in Beziehungen entscheidend ist und welche Gefahren durch Tabuisierung, konservative Rückschritte und unrealistische Erwartungen entstehen können. Zugleich betont er, dass gesellschaftlicher Wandel möglich ist – ebenso wie persönliche Veränderung im Alltag. Deutlich wird dabei, dass Sexualität weit über die LSBTIQ*-Gemeinschaft hinaus untrennbar mit Politik verknüpft bleibt. Gesetze und Normen definieren, was als legitim gilt und was als „abweichend“ markiert wird. Sie bestimmen, wer sprechen darf und wessen Lebensweisen marginalisiert werden. Für Savage ist der Umgang mit Minderheiten – insbesondere mit deren Sexualität – dabei ein Indikator für die Qualität einer Demokratie.

Savage betont, dass Sexualität in Beziehungen ebenso wie in der Politik ein ständiger Aushandlungsprozess ist – zwischen Individuen, Partner*innen und gesellschaftlichen Normen. Alternative Beziehungsmodelle legitimierten sich durch Konsens, auch wenn sie Konventionen brechen. Entscheidend sind offene Gespräche über Wünsche und Grenzen, die Beziehungen stärken. Unterdrückte Sexualität dagegen schadet, wobei Savage klar unterscheidet zwischen selbstgewählter Kontrolle und fremder Unterdrückung.

Mit einem kritischen Blick in die USA unterstreicht das Interview, wie Tabus und Schweigen, Scham und Unwissenheit die Menschen verletzlich machen. Errungene Rechte können wieder zurückgenommen werden und konservative Kräfte nutzen Sexualität gezielt zur gesellschaftlichen Spaltung. Trotz der Schärfe seiner Analyse bleibt Savages Beobachtung jedoch nicht ohne Lichtblick. Er verweist darauf, wie „schnell“ sich Einstellungen in den vergangenen Jahrzehnten verändert haben – von der Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Ehen bis zur wachsenden Sichtbarkeit vielfältiger Lebensentwürfe. Besonders die jüngere Generation stehe für neue Offenheit und Normalität im Umgang mit Vielfalt. Das unterstreicht: Gesellschaftlicher Wandel ist möglich – aber er braucht aktive Gestaltung.

Wer verstehen will, wie eng Intimität, Politik und persönliche Freiheit miteinander verflochten sind, und zugleich lebenspraktische Denkanstöße erhalten möchte, sollte das Gespräch nicht verpassen.

 #783 - Dan Savage on Epstein, Trump, queer rights, fascism & monogamy. Politik für Desinteressierte -Jung & Naiv

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Im Juni kündigte die US-amerikanische Regierung unter Donald Trump an, die Finanzierung für die nationale Suizidpräventions-Hotline für LSBTIQ*-Jugendliche zu streichen. Nun gibt es parteiübergreifende Bemühungen, das Programm wieder einzuführen.

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Als Partner der nationalen Krisenhotline „988“ bietet The Trevor Project rund um die Uhr vertrauliche Beratung und Unterstützung per Telefon und Chat für junge LSBTIQ*-Personen, die unter psychischen Belastungen leiden oder suizidgefährdet sind. Wie dringend solche Angebote gebraucht werden, zeigt eine landesweite Befragung zur psychischen Gesundheit: Demnach gaben fast 40 Prozent der jungen LSBTIQ* in den USA an, im Jahr 2024 Suizidgedanken gehabt zu haben. Von jenen, die professionelle Hilfe suchten, erhielt die Hälfte jedoch keine Unterstützung. Bei Jugendlichen im Alter von 10 bis 14 Jahren ist Suizid die zweithäufigste Todesursache. Queere Jugendliche sind dabei laut The Trevor Project viermal häufiger betroffen als ihre cis- und heterosexuellen Altersgenossen.

Im Sommer kündigte die Trump-Regierung jedoch an, die Finanzierung für die Hotline einzustellen. Während die allgemeine Krisen- und Suizidhotline weitergeführt wird, soll es keine spezialisierten Angebote für junge LSBTIQ* mehr geben. Laut BBC erklärte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums der Vereinigten Staaten, dass das Angebot eine „radikale Genderideologie“ befördere.

In einer Pressemitteilung reagiert der CEO von The Trevor Projekt, Jaymes Black, mit scharfer Kritik: „Das Programm wurde mit überwältigender Unterstützung beider Parteien ins Leben gerufen, denn trotz unserer politischen Differenzen sollten wir uns alle einig sein, dass das Leben jedes jungen Menschen es wert ist, gerettet zu werden. Ich bin zutiefst betrübt darüber, dass diese Regierung laut und deutlich erklärt hat, dass sie glaubt, dass das Leben einiger junger Menschen es nicht wert ist, gerettet zu werden.“

Die Entscheidung der Trump-Regierung wird von vielen Seiten kritisiert, auch innerhalb der eigenen Partei. Von den Senatorinnen Tammy Baldwin (Demokraten) und Lisa Murkowski (Republikaner) wurde nun parteiübergreifend ein Gesetzesentwurf vorgestellt, der die Finanzierung der spezialisierten Hilfehotline für junge LSBTIQ* rechtlich absichern will. Der Vorstoß wird von vielen Seiten begrüßt.

So erklärt der Vizepräsident für Regierungsangelegenheiten bei Human Rights Campaign David Stacey: „Wir sind stolz darauf, dass führende Politiker*innen beider Parteien die Bedeutung von 988, wofür es steht und welche Leben es verändert, anerkennen. Ihre Unterstützung hilft uns dabei sicherzustellen, dass jeder Mensch die Chance hat, seinen amerikanischen Traum zu leben“.

Derzeit wird die Hotline mithilfe von Spenden weiterbetrieben. Zudem wurde eine Petition gestartet, die politischen Druck erzeugen soll, um das Angebot zu sichern. Eine Finanzierung dieser wichtigen Arbeit muss gewährleistet werden, um vulnerable Gruppen gerade in Zeiten wachsender Queerfeindlichkeit bei psychischen Belastungen und akuter Suizidgefahr zu unterstützen. Die Krisenhotline rette Leben, betont Stacey.

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Für queere Menschen bedeutet der Weg ins Krankenhaus oft Angst vor Diskriminierung. Dies gilt auch in der Schwangerschaft und bei Geburten. Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über Hürden und Entwicklungen für queere Menschen in der Geburtshilfe gegeben werden. Erste Studien und Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass Reformen dringend nötig sind. Aber es gibt auch ermutigende Entwicklungen.

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Dass queere Schwangere im Kontext von Geburtshilfe oft diskriminierende Erfahrungen machen, wurde in einer Studie von Ska Skalden und dem Netzwerk Queere Schwangerschaften aus dem Jahr 2022 offengelegt. Dies war die erste quantitative Studie in Deutschland zum Thema.

Die Hälfte der trans* und intergeschlechtlichen Befragten gab darin an, bei der Geburt ihrer Kinder in Kliniken Gewalt oder Diskriminierung erfahren zu haben (im Vergleich: Auch 20 Prozent der cis-geschlechtlichen Befragten berichten von solchen Erfahrungen). Ökonomisch bedingter Zeitdruck und Personalmangel prägen oft die Betreuung in Krankenhäusern. Allgemeine Reformen in der klinischen Geburtshilfe würden daher auch queeren Gebärenden zugutekommen, wie in dem auf der Studie aufbauenden Policy Paper betont wird.

Darüber hinaus berichtet die Hebamme Lucie Lowitz über strukturelle Probleme für queere Schwangere: „Die Bürokratie ist heteronormativ orientiert, zum Beispiel wird die gebärende Person immer als Mutter eingetragen. Da keine männlichen Personen als Mutter eingetragen werden, kommt es häufig zur Verwendung von Deadnames.“

Lowitz erklärt, dass aus Angst vor Diskriminierungserfahrungen im Gesundheitswesen manche Menschen nicht im Krankenhaus gebären wollen, sondern Hausgeburten oder Geburten mit Beleghebammen bevorzugen.

Bei queeren Paaren gibt es zudem weitere rechtliche Hürden: Bei lesbischen Paaren zum Beispiel wird die nicht gebärende Mutter, anders als bei verheirateten heterosexuellen Paaren, nicht automatisch als Elternteil eingetragen, sondern muss das Kind adoptieren. Queere Initiativen fordern seit langem eine Anpassung des Abstammungs- und Familienrechts. Eine entsprechende Reform wurde von der Ampelregierung zwar im Koalitionsvertrag festgelegt, jedoch nicht innerhalb ihrer Legislaturperiode durchgesetzt. Im Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung ist keine derartige Reform für Regenbogenfamilien geplant (für eine Übersicht der Forderungen und Entwicklungen siehe die Webseite des LSVD+).

Im Policy Paper werden verpflichtende Fort- und Weiterbildungsangebote für Personal in der Geburtshilfe zu sexueller und geschlechtlicher Diversität gefordert. Zudem sollen Forschungsvorhaben zu geburtshilflichen Themen, die für queere Menschen relevant sind, gefördert werden.

Im Gespräch hebt Lowitz positiv hervor, dass es erste queerfeministische Hebammenpraxen sowie zunehmend queere Geburtsvorbereitungskurse gebe. Das Fortbildungskollektiv Queer*Sensible Geburtshilfe aus Hebammen und Mediziner*innen beispielweise klärt über solche Themen auf und bietet Fortbildungen für verschiedene Fachgruppen in der Geburtshilfe an.

Eine Empfehlung zum Thema: In der WRD Doku „Der Schwangere Mann begleitet die Filmemacherin Jeanie Finlay den trans* Mann Freddy über den Prozess seiner Schwangerschaft. 

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Am Freitag, 1. August 2025, findet der zehnte Dyke* March in Hamburg statt. Ein Tag vor der großen CSD-Demonstration in der Hafenstadt soll mit dem Dyke* March lesbische* Sichtbarkeit gestärkt werden.

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Aufgerufen sind alle Personen, die sich dem lesbischen* Spektrum zuordnen, darunter inter, trans, cis, nicht-binäre und agender Lesben*. Auch Freund*innen und Allies sind eingeladen, an der Demonstration teilzunehmen.

Die Organisator*innen erklären die Notwendigkeit, als Gemeinschaft für eine offene, diverse und faire Gesellschaft einzutreten: “[A]ls Gruppe haben wir die Ressourcen und die Sprache(n), um uns zu helfen und zu unterstützen.” (Dyke* March Hamburg)

Um 18:30 Uhr startet die Demonstration auf dem Gänsemarkt in der Hamburger Innenstadt. Dort wird es einen Redebeitrag von Maryam Blumenthal, der Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung der Freien und Hansestadt Hamburg geben. Die Demo endet mit einer Abschlusskundgebung auf dem Spielbudenplatz in St. Pauli.

In Berlin fand der Dyke* March bereits vergangenes Wochenende statt. Rund 4.500 Menschen sind in der Hauptstadt für lesbische Sichtbarkeit auf die Straße gegangen (Tagesschau).

Zur Geschichte des Dyke* March

Der erste Dyke* March fand im Jahr 1993 in Washington, D.C. statt. Dabei haben sich verschiedene lesbische und queere Gruppierungen, darunter die “Lesbian Avengers” zusammengefunden, um am Abend vor dem “LGBT March” in Washington auf die Notwendigkeit lesbischer* Organisierung und Solidarität aufmerksam zu machen. Nach dem Erfolg des Protestzugs mit über 20.000 Teilnehmenden wurde im selben Jahr in weiteren US-amerikanischen Städten zum Dyke March aufgerufen (weitere Informationen zur Geschichte auf der Webseite des NYC Dyke March).

2013 wurde in Berlin erstmals ein Dyke* March innerhalb Deutschlands veranstaltet. Im Jahr 2016 trafen sich im Rahmen eines offenen Treffens des Lesbennetzwerks Personen in Hamburg, um einen solchen lesbischen* Protestzug in der Hansestadt zu organisieren. Dieses Jahr feiert der Dyke* March Hamburg Jubiläum, da er zum zehnten Mal stattfindet.

Was ist eigentlich Dyke*?

Der ursprünglich als Beleidigung verwendete Begriff “Dyke” wird im Rahmen solcher Veranstaltungen als Selbstbezeichnung genutzt. Damit wird er neu besetzt und soll lesbische* Personen empowern.

Die Organisator*innen des Dyke* March Hamburg wollen mit dem Sternchen deutlich machen, dass trans und inter Frauen sowie nicht binäre Lesben ausdrücklich mitgemeint sind.

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Vergangene Woche wurde der neue Papst gewählt: Der 69-jährige Kardinal Robert Francis Prevost wird am Sonntag, den 18. Mai, in sein neues Amt eingeführt und ab dann als Papst Leo XIV. das neue Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche sein. Während der verstorbene Papst Franziskus mit seiner progressiven Einstellung gegenüber LSBTIQ*-Rechten aufgefallen ist, stellt sich nun die Frage, ob Papst Leo diesen Weg weiterführen wird.

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Jedoch bereiten frühere Äußerungen des neuen Papstes queeren Gläubigen Sorgen hinsichtlich seiner Einstellung gegenüber LSBTIQ*. Nach Angaben von The Guardian kritisierte Robert Francis Prevost im Jahr 2012 die „westlichen Massenmedien“, die „Sympathien für unchristliche Lebensstile wecken“ würden. Darunter nennt er neben Abtreibung auch „homosexuelle Lebensstile“.

Im Vergleich dazu äußerte sich Papst Franziskus im Jahr 2013 öffentlich gegen Diskriminierung homosexueller Personen: „Wenn jemand schwul ist und den Herrn sucht und guten Willen hat, wer bin ich, dass ich darüber urteile?“ Auch später machte er deutlich, dass die Kriminalisierung von Homosexualität ungerecht sei, so das unabhängige Nachrichtenportal The 19th.

Ob der neue Papst seine Haltung zu Homosexualität inzwischen geändert hat, ist unklar. Das Online-Magazin Them erklärt, dass er noch keine klare Position für oder gegen die Segnung von homosexuellen Paaren eingenommen habe. Jedoch würde er generell eine inklusivere Kirche im Sinne von Papst Franziskus befürworten.

Katholische LSBTIQ*-Organisationen haben bereits ihre Enttäuschung zu den damaligen Aussagen von Roberto Francis Prevost geäußert. Francis DeBernado, Executive Director der US-amerikanischen Gruppe New Ways Ministry, erklärt in seinem Willkommensstatement für Papst Leo XIV., er hoffe, dass dieser den inklusiven Weg von Papst Franziskus weitergehen wird. Mit scharfen Worten kritisiert er die anhaltende Diskriminierung queerer Menschen in der katholischen Kirche: „Katholiken müssen von der tödlichen Homophobie und Transphobie befreit werden, die ihr persönliches und geistiges Wachstum hemmen.“

DeBernado zeigt sich jedoch optimistisch: „Wir glauben, dass der Heilige Geist Papst Leo XIV. in einer Weise leiten wird, die unserer Kirche und unserer Welt zugutekommen wird. Auch wenn der Weg nicht einfach sein mag, hoffen und beten wir, dass er zuhört und offen ist für alle - auch für LGBTQ+ Menschen -, damit Spaltungen und Schmerz geheilt werden können.“

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