Echte Vielfalt

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Mit einer gemeinsamen Erklärung zeigen 435 Verbände, Initiativen und Einrichtungen aus den Bereichen Behindertenhilfe und der Sozialen Psychiatrie Haltung gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Rechtspopulismus und die AFD. 

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Die Organisationen zeigen sich über ein zunehmendes von diesen Akteur*innen ausgehendes Klima von Hass und Gewalt besorgt, welches sich nicht nur gegen Menschen mit Behinderung und psychischer oder physischer Erkrankung richte. Es seien alle davon betroffen, die sich für eine offene und vielfältige Gesellschaft engagierten.

„Wir treten ein für Menschlichkeit und Vielfalt. Und wir sind nicht alleine: Wir stehen für Millionen Menschen in Deutschland, die das Auftreten und die Ziele von Parteien wie der Alternative für Deutschland und anderer rechter Bewegungen entschieden ablehnen“, heißt es in der Erklärung

Zu den Unterzeichnenden Organisationen gehören unter anderem die Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege sowie Selbsthilfe- und Inklusionsorganisationen. „Wir lassen nicht zu, dass in Deutschland eine Stimmung erzeugt wird, die unsere Gesellschaft spaltet schreiben sie in der Erklärung.

Auch der Lesben- und Schwulenverband Deutschlands (LSVD) hat die Erklärung mitunterzeichnet. Die Menschen- und Grundrechte seien Grundlage der Arbeit des LSVD, so Henny Engels aus dem Vorstand. „Zu den Grundrechten gehört auch das Recht auf Teilhabe und Schutz vor Diskriminierung. Das gilt auch für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen mit und ohne Behinderung oder psychischer Beeinträchtigung. Gemeinsam treten wir für Menschlichkeit, Vielfalt und Respekt ein“ kommentierte Engels zur Erklärung.

Die Erklärung wurde auch in Leichte Sprache übersetzt.

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Alljährlich wird der queere Filmpreis Teddy-Award auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin, der Berlinale, in den Kategorien Kurz-, Dokumentar- und Spielfilm vergeben. Sein Name bezieht sich auf den Namen des Filmpreises der Berlinale: Den goldenen Bären.

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Er gilt als der wichtigste queere Filmpreis der Welt und möchte queere Themen im Film sichtbar machen. „Er ist eine gesellschaftlich engagierte politische Auszeichnung, die Filmen und Personen zugutekommt, die queere Themen auf breiter Ebene kommunizieren und so einen Beitrag für mehr Toleranz, Akzeptanz, Solidarität und Gleichstellung in der Gesellschaft leisten“ schreiben die Organisator*innen über den Preis.

Der erste Teddy Award ging 1987 an Pedro Almodóvar für den Film „Das Gesetz der Begierde“. Auch Oscar-Preisträgerin Tilda Swinton gehört zu den Preisträger*innen.

In diesem Jahr muss das Programm der Berlinale und des Teddy-Awards auf Grund der Corona-Pandemie in veränderter Form stattfinden. In der ersten Märzwoche wurden online Interviews, Vorträge und Diskussionen rund um queere Themen in Film und Medien gezeigt.

Im Juni sollen dann auch Filmvorführungen unter  entsprechenden Hygienemaßnahmen stattfinden. Auch die 35. Teddy-Award Gala ist dann geplant.  

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Vor Kurzem berichtete Echte Vielfalt über die Initiative „Grundgesetz für alle“, die queeren Menschen rechtlichen Schutz im Grundgesetz zukommen lassen möchte. Das Merkmal „sexuelle Identität“ soll als verbotene Diskriminierung verfassungsrechtlich anerkannt werden.

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Nun äußerte sich der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) in einem Gespräch mit der LSU (Lesben und Schwule in der Union) zu der Frage. Am Saarland solle eine solche Grundgesetzveränderung nicht scheitern, so Hans. Andererseits dürfe man Parteifreund*innen mit der Änderung nicht überfordern. Er setze jedoch darauf, „dass wir mit den Argumenten überzeugen und am Ende auch eine breite Mehrheit haben“, sagte der Ministerpräsident. Gleichzeitig betonte er, dass eine Inklusion von LSBTIQ in die Verfassung keine reine Symbolpolitik sei, sondern sich auch auf das Zusammenleben der Menschen auswirken könne: „Wenn etwas Verfassungsrang hat, wenn etwas in die Verfassung geschrieben ist, hat das Auswirkungen auf die Art und Weise wie Menschen zusammenleben in einem Land. Die Verfassung ist ganz wichtig für unser Zusammenleben und hier im Saarland führt das ganz sicherlich auch dazu, dass man sich drei mal überlegt, wie man sich verhält, wenn man damit rechnen muss das so etwas dann auch Gegenstand eines Verfahrens vorm Verfassungsgericht werden kann.”

Bisher haben sich alle anderen demokratischen Parteien im Bundestag für eine entsprechende Änderung im Grundgesetz ausgesprochen, die AFD lehnt dies ab. Die CDU signalisierte, dies nicht mehr grundsätzlich abzulehnen.

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Der IDAHOBIT ist der internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (englisch International Day Against Homophobia, Biphobia, Interphobia and Transphobia). Seit 2005 wird er jedes Jahr am 17. Mai als Aktionstag begangen, um gegen die Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen auf Grund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität zu kämpfen.

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Der 17. Mai wurde als Tag gewählt, da am 17. Mai 1990 die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität aus der Liste der psychischen Krankheiten gestrichen hatte.

Weltweit demonstrieren an diesem Tag LSBTIQ-Aktivist*innen und ihre Allies. Es finden Veranstaltungen statt und werden Kampagnen initiiert. Das internationale IDAHOBIT-Komitee ruft jedes Jahr zu einem Motto auf und dokumentiert die stattgefundenen Aktionen.

Auch in Norddeutschland fanden natürlich bisher immer Aktionen statt, auch wenn die Möglichkeiten letztes Jahr durch die Corona-Pandemie begrenzter waren. So demonstrierte der LSVD Hamburg 2020 mit Abstand vor dem Rathaus. In Flensburg leuchteten die „Rainbow Lights“ und wurde unter anderem das gläserne Treppenhaus des Flensburger Rathauses in Regenbogenfarben beleuchtet.

Das Motto des diesjährigen internationalen Aktionstages lautet:  “Together: Resisting, Supporting, Healing!”. Über die Planungen in Norddeutschland für dieses Jahr wird echte-vielfalt natürlich berichten!

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Homofeindlichkeit nutzt mitunter das Argument, dass Homosexualität „unnatürlich“ sei. Auch wenn „die Natur“ generell nicht unbedingt als Maßstab dafür gelten sollte, wie wir uns als Menschen und als Gesellschaft verhalten, so ist das Argument der „Unnatürlichkeit“ durch einen Blick ins Tierreich leicht zu entkräften.

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Denn bei rund 1500 Spezies konnte bisher gleichgeschlechtliches Liebes- oder Sexualverhalten beobachtet werden, bei 500 davon ist dies sogar wissenschaftlich gut dokumentiert. Darunter finden sich Säugetiere wie Elefanten, Delfine aber auch Insektenarten oder Vögel. In einigen Arten kommt gleichgeschlechtlicher Sex häufiger vor als bei anderen.

So wird zum Beispiel bei japanischen Makaken lesbischer Sex immer wieder beobachtet. Ein weiteres bekanntes Beispiel sind die Bonobos. Diese haben nicht nur generell oft Sex ohne Fortpflanzungsabsicht und aus reinem Vergnügen, sondern sind auch oft bisexuell. Bonobos nutzen Sex, um soziale Bindungen zu festigen oder Spannungen abzubauen.

Viele der Tiere sind dabei aber nicht ausschließlich homosexuell, sondern genau genommen bisexuell, denn sie paaren sich mitunter auch mit einem gegengeschlechtlichen Partner, um Nachwuchs zu zeugen. Bei den amerikanischen Bisons paaren sich Männchen und Weibchen nur ein Mal im Jahr, in der restlichen Zeit haben die Männchen auch untereinander Sex. Es gibt auch immer wieder Fälle, in denen gleichgeschlechtliche Tierpaare stabile Bindungen miteinander eingehen und sogar gemeinsam Jungen aufgezogen haben. Immer wieder werden Geschichten über „schwule“ Pinguinpaare in Zoos erzählt.  So adoptierten im New Yorker Zoo zwei männliche Zügelpinguine, die seit sechs Jahren als ein Paar lebten, ein befruchtetes Ei und zogen das daraus entstehende Küken auf.

Trotz dieser zahlreichen Beispiele war gleichgeschlechtlicher Sex unter Tieren in der Verhaltensbiologie lange Zeit ein Tabu-Thema. Dieser wurde als Dominanz- oder Kampverhalten interpretiert oder mit Hormonstörungen oder Fehlprägungen in Verbindung gebracht. Oder homosexuelles Verhalten bei Tieren wurde einfach ignoriert.

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Ist es normal, kein Interesse an Sex zu haben? Ja! Asexuelle Menschen werden zunehmend sichtbarer und machen deutlich, dass es ihnen an nichts fehlt.

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Asexuelle Menschen haben kein oder wenig Verlangen nach Sexualität mit anderen Menschen. Sie empfinden keine oder wenig sexuelle Anziehung und haben kein oder nur seltenes Interesse an sexueller Interaktion mit anderen Menschen.

Asexualität ist keine bewusste Entscheidung nach Enthaltsamkeit, sondern eher eine sexuelle Orientierung. Sie ist kein Symptom einer psychischen Erkrankung. Asexualität tritt in verschiedenen Ausprägungen auf, was es für Betroffene nicht einfacher macht, sich als asexuell zu identifizieren. Zum Beispiel können asexuelle Personen andere Menschen durchaus attraktiv finden, oder auch das Bedürfnis nach körperlicher Zuneigung und Berührungen haben.

Für asexuelle Menschen stellt ihr geringes oder wenig vorhandenes sexuelle Interesse als solches keinen Leidensdruck dar, allerdings kann ein Problem entstehen, wenn es in einer Partnerschaft unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse gibt. Auch gesellschaftliche Vorurteile gegenüber asexuellen Menschen als „nicht normal“ oder „krank“ können asexuelle Menschen belasten. Da Sexualität in der Gesellschaft und den Medien allgegenwärtig ist, geraten Betroffene mitunter auch in Selbstzweifel, weil sie anders empfinden als es von der Gesellschaft als „normal“ dargestellt wird.

Clara, 26 und Studentin berichtet in einem Interview, was Asexualität für sie bedeutet: „Ich fühle mich zu niemandem sexuell hingezogen […] identifiziere ich mich aktuell als asexuell und Grey-panromantisch. Das heißt, ich fühle mich auch nur selten romantisch zu Menschen hingezogen. Und wenn das der Fall ist, dann ist mir das Geschlecht egal.“

Sie habe Schwierigkeit, sich Menschen gegenüber als asexuell zu outen, so Clara: „Die Leute wissen einfach nichts über Asexualität oder haben noch nie davon gehört. Mich hemmt das total, wenn ich davon erzählen möchte.“ Auch gegenüber ihren Eltern wäre es für sie einfacher gewesen zu sagen: "Hier Mama, Papa, das ist meine Freundin, ich bin lesbisch."

Auch Kati erzählt in einem Interview mit zeit-online, wie schwierig es gewesen sei zu akzeptieren, dass sie einfach kein Interesse an Sex habe und es anderen auch so geht.  Bereits in der Schule sei ihr klar gewesen, dass sie „irgendwie anders“ war als ihre Klassenkameradinnen. Diese hätten ständig geflirtet und sich mit 15 Jahren die Pille beim Frauenarzt verschreiben lassen. Kati vermisste nichts, denn „wenn man etwas nicht kennt, hat man auch nicht das Gefühl, etwas zu verpassen“, fühlte sich aber als Außenseiterin.

Kati wurde zur Mitbegründerin der deutschen AVEN-Webseite. AVEN, das Asexual Visibility and Education Network, ist ein internationaler Zusammenschluss von asexuellen Menschen. Das 2001 gegründete Netzwerk möchte über Asexualität aufklären und diese sichtbarmachen. Die Macher*innen der deutschen AVEN-Webseite betreiben außerdem ein Forum, in dem sich Asexuelle, und Menschen die sich unsicher sind, ob sie asexuell sind sowie ihre Partner*innen austauschen und vernetzen können. 

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Wie der Lesben- und Schwulenverbandes Deutschlands (LSVD) in einer Pressemitteilung berichtet, sieht der Entwurf für den neuen NDR-Staatsvertrag keinen Sitz für eine LSBTIQ-Vertretung im Rundfunkrat vor.

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Andere öffentlich-rechtliche Medien wie der MDR und der rbb sollen hingegen queere Kontrolleur*innen erhalten. Sender, die bereits von Personen aus LSBTIQ-Organisationen mit kontrolliert werden, sind das ZDF oder der WDR.

Alfonso Pantisano vom Vorstand des LSVD kritisierte die Landesregierungen der norddeutschen Bundesländer. Es sei nicht akzeptabel, dass LSBTIQ im Rundfunkrat nicht berücksichtigt würden und dadurch die positiven gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre ignoriert würden. Der LSVD forderte die Regierungsverantwortlichen der entsprechenden Bundesländer schriftlich auf, Nachbesserungen vorzunehmen und verweist dabei auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Das Gericht hatte darin angemahnt, dass die Zusammensetzung der Aufsichtsgremien der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten die gesellschaftliche Vielfalt widerspiegeln muss.

„Die heutige gesellschaftliche Vielfalt muss sich in den Gremien aller öffentlich-rechtlichen Medien und den entsprechenden Gremien der Landesmedienanstalten abbilden“ schreibt der LSVD in seinen Briefen an die entsprechenden Ministerpräsidenten*innen und den Hamburger Bürgermeistert. Auch dort müssten die vom Bundesverfassungsgericht formulierten Grundsätze zum Tragen kommen. Queere Menschen müssten in diesen Gremien überall angemessen vertreten sein, das gelte auch für den NDR.

Das Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in den Medien ist aktuell: Im Februar forderten queere Schauspieler*innen unter dem Stichwort #ActOut mehr mediale Sichtbarkeit für LSBTIQ und Sensibilität für die Diskriminierung queerer Menschen in der Film- und Fernsehbranche.

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Mit einer öffentlichen Erklärung haben 800 Fußballer*innen ihren Kolleg*innen im Profi-Fußball Mut zugesprochen, sich zu outen.

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Noch immer ist es im Profifußball der Männer ein Tabu, sich als schwul zu outen. Zurzeit gibt keinen einzige offen homosexuellen Fußballer im Profifußball der Männer. Deswegen haben Fußballer*innen aus ganz Deutschland nun eine Aktion ins Leben gerufen: Unter dem Hashtag #ihrkönntaufunszählen und einer Erklärung, die im Fußballmagazin 11 Freunde veröffentlicht wurde, sicherten sie homosexuellen Spieler*innen ihre Unterstützung zu.

„Wir werden euch unterstützen und ermutigen und, falls notwendig, auch gegen Anfeindungen verteidigen. Denn ihr tut das Richtige, und wir sind auf eurer Seite", heißt es in dem Solidaritätsschreiben.

Zu den Unterzeichner*innen des Aufrufes gehören unter anderen Profis wie Max Kruse (1. FC Union Berlin), Niklas Stark (Hertha BSC), Bakery Jatta (Hamburger SV), die Nationalspielerinnen Almuth Schult und Alexandra Popp (VfL Wolfsburg). Auch ganze Mannschaften wie zum Beispiel der 1. FC Köln haben den Appell unterschrieben.

Niemand solle zu einem Coming-out gedrängt werden, betonen die Unterzeichner*innen.  Dies sei die freie Entscheidung jedes Einzelnen.  Denjenigen, die sich dafür entscheiden würden, wollen die Unterzeichner*innen ihre Solidarität zusichern. Es gehöre zu den elementaren Freiheitsrechten jedes Menschen gehört, sich zu seiner sexuellen Orientierung bekennen zu können.

In den sozialen Medien wie Twitter wurde die Kampagne begeistert aufgenommen und verbreitet. Der DFB findet die Initiative eine „starke und wichtige Aktion“. Eine Userin kommentiert den Aufruf mit „Ob auf dem Platz, in der Fankurve oder in der Gesellschaft: was zählt ist Respekt, Akzeptanz & Vielfalt. Danke für diese wichtige Aktion @11Freunde_de die zeigt, wir dürfen nicht aufhören gegen Diskriminierung zu kämpfen und seid euch sicher #ihrkönntaufunszählen“.

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Der Gay Health Chat ist ein Kooperationsprojekt aus über 40 regionalen Aidshilfen und wird von der https://www.aidshilfe.de/Deutschen Aidshilfe e.V. geleitet. Das Angebot richtet sich an schwule Männer, sowie andere Männer, die Sex mit Männern haben.

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Die Berater des Peer-to-Peer Projektes sind haupt- oder ehrenamtlich bei einer der Mitgliedsorganisationen der Deutschen Aidshilfe aktiv und sind in Fragen zu sexueller Gesundheit, sexuell übertragbaren Infektionen und HIV/AIDS ausgebildet. Dabei sind sie für die Beratung im Internet geschult, kennen sich mit schwulen Lebenswelten aus und bieten die Beratung natürlich vertraulich und anonym an. Alle Chat-Nachrichten sind außerdem „Ende-zu-Ende-verschlüsselt“. Die Beratung findet täglich von 17-20 Uhr statt.

Das Angebot soll jedoch keine medizinische Beratung leisten oder eine Therapie ersetzen.

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Auch wenn es auf den ersten Blick scheint, als bezeichnen die Begriffe sexuelle Orientierung, sexuelles Verhalten und sexuelle Identität das Gleiche, so ist es bei genauerem Hinsehen nicht ganz so einfach.

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Die Autor*innen Göth und Kohn unterscheiden in ihrem Buch „sexuelle Orientierung“ zwischen sexuellem Verhalten, sexueller Orientierung und sexueller Identität. Denn es handelt sich hier um unterschiedliche Aspekte von Sexualität und Geschlechtlichkeit, die nicht immer kongruent sind.

Die sexuelle Orientierung verstehen sie als die „die Ausrichtung der sexuellen und emotionalen Bedürfnisse eines Menschen auf andere Menschen des gleichen oder des anderen Geschlechts oder auf beide Geschlechter“.

So können dann zum Beispiel sexuelles Verhalten und sexuelle Orientierung unterschieden werden. Manche Menschen machen im Laufe ihres Lebens Erfahrungen mit dem Geschlecht, welches sie in ihrer Orientierung eigentlich nicht bevorzugen, ohne dass sich diese dadurch ändert. Und Menschen sind natürlich auch dann zum Beispiel homo- oder heterosexuell, wenn sie gerade nicht sexuell aktiv sind.

Die sexuelle Identität schließlich ist ein umfassenderer Begriff, und bezieht das Leben als hetero-, homo- oder bisexueller Mensch mit ein, und welche Selbstbezeichnungen die Menschen dafür wählen. Also ob sie sich zum Beispiel als „queer“, „schwul“ oder „lesbisch“ verstehen und was dies für sie bedeutet. Die sexuelle Identität ist deswegen mehr als die sexuelle Orientierung. Die sexuelle Identität entwickelt sich zwar ausgehend von der sexuellen Orientierung, ist aber auch von dem jeweiligen kulturell-historischen Kontext und der eigenen gesellschaftlichen Situation bestimmt.

Noch differenzierter wird das ganze in der Sexualforschung betrachtet, also etwa wenn Menschen zur ihrer Sexualität in Studien befragt werden. So klassifiziert das `Klein Sexual Orientation Grid` Sexualität in sexuelle Anziehung, Sexualverhalten, sexuelle Fantasien, emotionale Vorliebe, soziale Vorliebe, Lebensstil und Selbstidentifikation. Je nachdem, um welche Dimension es sich handelt, werden unterschiedliche Fragen gestellt. Bei sexueller Anziehung ist das zum Beispiel: „Zu wem fühlst du dich sexuell hingezogen?“. Bei der emotionalen Vorliebe wird gefragt: „Liebst du und magst du nur Angehörige des gleichen Geschlechts, nur des anderen Geschlechts oder Angehörige beider Geschlechter?“

Nicht mit der sexuellen Orientierung oder auch der sexuellen Identität zu verwechseln sind Intersexualität oder Transsexualität, welche sich auf körperliche (Intersexualität bzw. Intergeschlechtlichkeit) oder geschlechtsidentitätsbezogene Aspekte (Transsexualität bzw. Transgeschlechtlichkeit) beziehen.

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