Weiterlesen Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD wurde zunächst nicht erwähnt, ob das Amt weitergeführt wird, was eine zentrale Forderung queerer Interessensverbände war. Dass nun also eine neue Queerbeauftragte ernannt wurde, erleichtert die queere Community. Seit 2024 ist Sophie Koch Mitglied des Sächsischen Landtags. Der LSVD+ begrüßt die Ernennung und bezeichnet die neue Queerbeauftrage als „engagierte junge Stimme aus Ostdeutschland“, die „nicht nur politische Erfahrung mit[bringt], sondern auch eine enge Verbindung zu verschiedensten Communities.“ Die Deutsche Gesellschaft für Trans* und Inter*geschlechtlichkeit (dgti) zeigt sich ebenfalls erfreut über die Benennung von Sophie Koch. In einer Pressemitteilung schreibt der dgti: „Queere Menschen, ihre Angehörigen und Freund*innen machen ungefähr ein Drittel der Bevölkerung Deutschlands aus. Diese Personen brauchen eine Repräsentanz und Ansprechperson in der Bundesregierung.“ Im gleichen Zuge fordert der Interessensverband, dass das Amt ausgebaut und der Aktionsplan Queer Leben weitergeführt wird. Ebenso sei ein Bundesförderprogramm zur Unterstützung von Beratungs- und Unterstützungsstrukturen von LSBTIQ* notwendig. Oft seien solche Stellen von Kürzungen und Finanzierungsproblemen betroffen. Trotz Lob an der Benennung Kochs betont Erik Jödicke vom Bundesvorstand des LSVD+ jedoch auch, dass es im Koalitionsvertrag von Union und SPD „massive queerpolitische Lücken“ gebe (eine Einordnung des Koalitionsvertrags aus queerpolitischer Sicht finden Sie hier). Das Amt dürfe „kein Feigenblatt für eine Bundesregierung sein, die queere Selbstbestimmungs- und Freiheitsrechte ignoriert oder gar bedroht“. Die reine Besetzung einer Queerbeauftragten scheint somit noch keine Absicherung für LSBTIQ* in den kommenden Jahren. Vor dem Hintergrund sinkender gesellschaftlicher Akzeptanz und steigender Hasskriminalität gegen LSBGTIQ* – auch in Schleswig Holstein, wie der NDR gerade berichtete – müssen rechtlich verbindliche Maßnahmen geschaffen werden, um ebensolchen negativen Tendenzen entgegenzuwirken. Herausfordernd für die neue Queerbeauftragte könnte auch der Umgang mit queerfeindlichen Tendenzen in den eigenen Reihen der Bundesregierung werden. Darunter womöglich der neue Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, der in seinem Buch „Das konservative Manifest“ (2018) LSBTIQ*-feindliche Aussagen traf (queer.de).
Dokumentation
Weiterlesen Bereits in unserem Artikel „LGBTIQ* und das Leben auf dem Land“ aus dem vergangenen Jahr haben wir dieses Thema beleuchtet. Trotz der Schwierigkeiten gibt es Hoffnung: Initiativen wie „Allgäu Pride“ aus Bayern oder „Queere Worte – Queere Orte“ aus Hessen setzen sich aktiv für mehr Sichtbarkeit und Vernetzung ein. In Fulda wurde die „Queere Stunde“ ins Leben gerufen, bei der Gleichgesinnte an wechselnden Orten zusammenkommen, um Kontakte zu knüpfen. Schleswig-Holstein bietet ebenfalls Stammtische, wobei diese vermehrt in städtischen Regionen zu finden sind. Zwar haben rechtliche Errungenschaften wie das Selbstbestimmungsgesetz Fortschritte gebracht, doch sie ändern nicht unmittelbar die Lebensrealität vieler queerer Menschen auf dem Land. Vorurteile bleiben bestehen, und strukturelle Herausforderungen erschweren die Akzeptanz. Projekte wie „Allgäu Pride“ versuchen, diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, doch es mangelt an politischer Unterstützung und finanziellen Mitteln. Besonders in wirtschaftlich schwächeren Regionen ist Engagement gefordert, damit queeres Leben sichtbarer und selbstverständlicher wird. Finanzielle Förderung spielt dabei eine Schlüsselrolle. Ohne Investitionen in soziale und infrastrukturelle Maßnahmen bleibt die Auseinandersetzung mit queerem Leben oft oberflächlich oder wird verdrängt – in manchen Fällen wird sie sogar mit Hass betrachtet. Es braucht ganzheitliche Konzepte, die alle Menschen in ländlichen Regionen einbeziehen und Vorurteile abbauen. Ein anekdotischen Einblick in die Realität queerer Menschen auf dem Land bietet die Dokumentation „Queer in der Provinz“ des MDR aus dem Mai 2025. Die Sendung begleitet vier Personen auf ihrem Weg zu mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz: Die Dokumentation verdeutlicht, dass gesellschaftlicher Wandel möglich ist – und dass die Provinz nicht nur als Gegensatz zur Großstadt existiert, sondern Raum für Vielfalt bieten kann. Ländliche Regionen dürfen nicht mit Ausgrenzung gleichgesetzt werden. Entscheidend ist daher eine Kombination aus politischem Druck für Investitionen in Infrastruktur und dem tatkräftigen Engagement der LGBTIQ*-Community. Vereine und Initiativen sowie all jene, die über genug Energie verfügen, um über die eigenen Interessen hinaus aktiv zu werden, tragen dazu bei, inklusive Räume zu schaffen, die allen Menschen offenstehen.
Weiterlesen Unter dem Vorwand von „Familienwerten“ und „religiöser Freiheit“ reisen prominente Vertreter*innen aus den USA, den Niederlanden und Polen an, um Einfluss auf die lokale Politik zu nehmen. Bereits im Januar hatten wir in unserem Artikel „Der Einfluss aus Amerika auf die ugandische Gesetzgebung“ die Verflechtungen zwischen ultrarechten und evangelikalen Gruppen aufgezeigt, die ihren Einfluss auf die Politik des Kontinents ausbauen wollen. Besonders im Fokus steht laut The Guardian die Pan-Afrikanische Konferenz zu Familienwerten, die vom 12. bis 17. Mai in Nairobi stattfindet. Mitorganisiert wird sie unter anderem von Gruppen wie dem Center for Family and Human Rights (C-Fam) und der Alliance Defending Freedom (ADF), die in den USA als Hassorganisationen gelten. Unterstützt wird die Bewegung auch von afrikanischen Politiker*innen und Aktivist*innen, die offen gegen LGBTIQ+-Rechte und Abtreibung eintreten. Menschenrechtsorganisationen warnen davor, dass diese Konferenzen zur Verabschiedung repressiver Gesetze führen könnten. Ein Beispiel ist der kenianische Family Protection Bill, der LGBTIQ*-Personen kriminalisiert und grundlegende Menschenrechte einschränkt. Auch in Sierra Leone droht durch eine ähnliche Konferenz das Scheitern eines Gesetzes zur Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. „Das ist kein afrikanisches Wertesystem, sondern ein Rückschritt in koloniale Denkweisen“, sagt Nelly Munyasia vom Reproductive Health Network Kenya laut The Guardian. Zivilgesellschaftliche Organisationen in Afrika und darüber hinaus reagieren mit verstärkter Vernetzung, Informationsarbeit und öffentlicher Positionierung auf den wachsenden Einfluss global vernetzter anti-reproduktiver und anti-queerer Bewegungen. Ein Beispiel dafür ist der für den 25. Mai geplante Report Until Everybody Is Free der Organisation Purposeful. Der Titel erinnert an die Aktivistin Fannie Lou Hamer, die 1971 in ihrer berühmten Rede beim National Women’s Political Caucus in Washington, D.C., die Notwendigkeit betonte, Unterschiede zwischen Frauen verschiedener sozialer und ethnischer Hintergründe ernst zu nehmen. Hamer kritisierte vereinfachende feministische Narrative und forderte, Differenzen nicht zu übergehen, sondern als Grundlage für ehrliche, solidarische Zusammenarbeit zu betrachten. Diese Perspektive ist auch heute relevant. Der Kampf für Gleichberechtigung und Menschenrechte in Afrika betrifft nicht nur Frauen- oder LGBTIQ*-Rechte isoliert. Vielmehr stehen Aktivist*innen vor der Herausforderung, Spannungen und Widersprüche zwischen verschiedenen marginalisierten Gruppen sichtbar zu machen, ohne sie sofort auflösen zu müssen – und dennoch gemeinsame Interessen zu erkennen. Entscheidend ist, Räume für gemeinsame Strategien zu schaffen, die sowohl der Komplexität gesellschaftlicher Realitäten gerecht werden als auch ultrarechten, populistischen und extremistischen Einflüssen, ob von außen oder innen, wirksam entgegentreten können. Diese Schlussfolgerung bleibt universell und kann in Deutschland ebenso Orientierung geben wie überall.
Weiterlesen Die Spekulationen darüber, wer gegen ihn gestimmt hat und warum bleiben – und sie führen zu einer potenziell geschwächten Position des Kanzlers, die auch in der kommenden Legislaturperiode spürbar sein könnte. Logischerweise beeinflussen die politischen Turbulenzen nicht nur das Kanzleramt. Sven Lehmann, nun ehemaliger Queerbeauftragter, äußerte sich angesichts der unvorhersehbaren Entwicklungen zunächst erleichtert darüber, dass er seine Entlassungsurkunde noch nicht erhalten habe, so das Magazin Queer mit Verweis auf die dpa. Noch während der Koalitionsverhandlungen stand der Posten des/der Queerbeauftragten unter Vorbehalt (Hier unser Artikel zum Vertrag). Erst jetzt hatte Queer mit Verweis auf Focus Online berichten können, dass „das Amt des Beauftragten der Bundesregierung für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt (Queerbeauftragter)“ offenbar erhalten bleiben soll. Für 25 weitere Beauftragte, Sonderbeauftragte und Koordinator*innen wird es jedoch keine neuen Ämter geben. Dass Behörden und Funktionspositionen neugestaltet und umstrukturiert werden, ist nichts Neues und nicht per se gut oder schlecht. Doch ein Blick in die USA zeigt, welche Bedeutung solche Umstrukturierungen haben können. Mit seinem Anschluss an „Project 2025“ zielt Trumps aktuelle Amtszeit genau auf solche behördlichen Strukturen. Wie der Deutschlandfunk zusammenfasst, versucht Trump durch Dekrete die Bundesverwaltung umfassend umzustrukturieren. Zudem setzte er Bundesbedienstete unter Druck, indem er ihnen eine Frist für eine freiwillige Kündigung gegen Abfindung setzte – eine Maßnahme, die 40.000 Beschäftigte nutzten, bevor sie durch einen Bundesrichter vorerst gestoppt wurde. Zusätzlich verhängte Trump einen Einstellungsstopp für Bundesbeamte, um die Verwaltung weiter zu verkleinern. Und auch Merz‘ Kabinett weist Besetzungen auf, die nicht auf eine offenere zukünftige Regierung hindeuten. Vor diesem Hintergrund ist der Erhalt des Amtes des/der Queerbeauftragten ein wichtiges Signal an die LGBTIQ*-Gemeinschaft und lässt hoffen, dass sich die zukünftige Regierung, trotz aller erwartbaren Kritik, eben nicht wie Trump im Porzellanladen aufführen wird. Dennoch bleibt abzuwarten, was am Ende geschieht und was nicht.
Sichtbarkeit und Solidarität – Eine Reflexion im Nachklang des „International Lesbian Visibility Day“
29. April 2025Weiterlesen In unserem Artikel vom 30. April 2024 zu diesem Thema schlossen wir mit der Forderung des Dachverbands Lesben und Alter nach mehr Angeboten für Lesben im Alter: Es braucht Zufluchtsorte. Dabei müssen solche „Orte“ oder „Räume“ nicht immer exklusive Angebote sein. Geht es allerdings um Diskriminierung, kann die Exklusivität helfen, Ungleichgewichte zumindest abzumildern. Eine Szene, die dabei durchaus attraktiv ist, da sie seit jeher einen Raum bietet, der immer wieder „auch“ – aber nicht überall – als Zuflucht genutzt wurde, ist die Clubszene. Während allerdings junge Frauen – häufig in sexualisierten Bildern – in der Außenpräsentation der Clubs zu finden sind, findet sich für Frauen in späteren Lebensphasen wenig Repräsentanz. Die Journalistin des SWR, Lydia Huckebrink, bemerkt in ihrem Artikel „DJ mit 70: Wie ältere Frauen die Clubszene aufmischen“ kritisch: Während männliche DJs wie Armin van Buuren oder David Guetta auch mit 50 oder 60 Jahren erfolgreich im Rampenlicht stehen, bleiben weibliche DJs ab ihren 40er Jahren nahezu unsichtbar. Dabei finden sich gerade in der Clubszene der Großstädte wie Berlin und Hamburg Möglichkeiten, Generationen zusammenzubringen. Und auch die Lesbenszene kennt ihre Clubs. Dennoch ist zu beobachten, dass Frauen gerade in körperlich-visuellen Bereichen wie den Clubs aus den allgemeinen Räumen gedrängt werden können. Nun ist nicht jede*r ein*e passionierte*r Clubgänger*in – und es braucht definitiv mehr und verschiedene Räume – dennoch liefert der Artikel eine Anekdote, die über die Szene hinausgeht. Vorgestellt wird der Workshop „Forever Fresh“, der Frauen über 70 einen Raum bietet, um alles rund um das DJing zu erlernen – vom Mixing über Social Media bis zur technischen Ausstattung (s. Foto oben). Dieses Empowerment-Projekt zeigt eindrucksvoll, wie ältere Frauen trotz gesellschaftlicher Vorurteile aktiv werden und neue Wege beschreiten können. Beim diesjährigen C/O-Pop-Festival in Köln werden die Teilnehmerinnen ihr Können zum ersten Mal vor Publikum zeigen. Allerdings hat der Workshop mit elf Plätzen nur begrenzte Kapazitäten und braucht zudem Zeit. Das Beispiel zeigt jedoch wunderbar, dass jede kleine Gruppe zählt. Wer also kann und es sich zutraut – das sind Voraussetzungen – steht vor der Frage des „Wie?“: An dieser Stelle wollen wir als Beispiel auf Haki e.V. verweisen, der zumindest bei der Suche nach Räumen helfen kann. Geht es allerdings um „Visibility“, dann findet sich in Huckebrinks Artikel noch eine weitere Anekdote: Porträtiert wird Cornelia Meißner, eine 62-jährige DJane. Meißner berichtet, dass die Jugend ihr zwar mit Unsicherheit begegne, sie Altersdiskriminierung allerdings eher aus der eigenen Generation erlebe. Sichtbarkeit bedeutet deshalb immer auch, auf sich und die eigene Gruppe zu blicken. Diese Selbstreflexion ist essenziell, um eine diskriminierungsfreie Gesellschaft voranzubringen. Zusätzlich bedarf es der Solidarität mit jenen, die möglicherweise nicht den Konventionen ihrer Gemeinschaft entsprechen. Und ebenso Solidarität mit denen, die aus der Gemeinschaft heraus diskriminieren. Denn vor allem innerhalb der eigenen Community kann es gelingen, nicht zu verurteilen, sondern zu unterstützen, die blinden Flecken zu erkennen und im Idealfall zu überwinden. Solidarität meint nicht, Diskriminierung zu akzeptieren, sondern sie wahrzunehmen, ohne selbst auszugrenzen. Gleichzeitig bleibt es essenziell, sich auf politischer Ebene klar gegen jede Form von Diskriminierung zu positionieren – das sollte nicht verwechselt werden. Sichtbarkeit und eine annehmende solidarische Haltung werden damit innerhalb der eigenen Gruppe zu zwei Seiten derselben Medaille. Wer weitere Artikel zum „International Lesbian Visibility Day“ lesen mag, findet unter folgendem Link unseren Artikel von Anfang April: Zum Thema „Warum Sichtbarkeit für die lesbische Gemeinschaft nach wie vor so wichtig ist“. Foto: Nikolai Meier Johann, c/o pop Festival
Die Wurzeln des Männlichen: Eine Programmempfehlung
22. April 2025Weiterlesen Dabei liefert sie einen Rundumschlag von der Antike bis in die heutige Zeit und schafft es, die „Uneindeutigkeit“ von Männlichkeit erkennbar werden zu lassen, an der sich bis heute nichts geändert hat. Durch den historischen Rückblick wird deutlich, dass Männlichkeit oft in einem Spannungsfeld zwischen unerreichbaren Idealen und gesellschaftlichen Erwartungen stand und steht, die von Krieg und Hierarchien geprägt sind. Die Doku hinterfragt, ob Männer wirklich stark, potent und unverwundbar sein müssen, und zeigt auf, wie diese Ideale oft zu einer Überforderung und einem Scheitern führen. Damit steht sie in einem deutlichen Gegensatz zum aktuellen öffentlichen und politischen Diskurs wie zum Beispiel um eine Reaktivierung der Wehrpflicht. Gleichzeitig wird deutlich, dass Männlichkeit keineswegs die „selbstbestimmte“ Machtposition ist, als die sie immer verkauft wurde. Männlichkeit wird stark von gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen „Codes“ sowie elterlichen Vorbildern und sozialen Medien geprägt. Diese Einflüsse bestimmen, wie Männer ihre Identität und ihr Verhalten formen. Dabei ist Männlichkeit keine individuelle Eigenschaft, sondern basiert immer auch auf routinierten und unhinterfragten Glaubenssätzen, die von der Kindheit bis ins Arbeitsleben verinnerlicht werden. Teilweise werden diese Rollenbilder dabei konkret abgewendet, um Männer dazu zu bringen, sich blind einer Sache zu opfern wie bspw. Krieg, an dessen Ende sie gebrochen oder tot herausfallen. Am Ende steht die Aufforderung: „Damit Männer ihren Blick auf Frauen ändern, müssen sie ihren Blick auf sich selbst ändern.“ Wer das kann, soll es tun. Diese Selbstermächtigung ist jedoch keine rein individuelle Angelegenheit, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es zeigt sich, dass Männlichkeit oft wie ein ideologisches Gefängnis wirkt, insbesondere für Männer außerhalb von Machtpositionen. Aktuell wird Männlichkeit weiterhin oft reaktionär gelebt, sei es in der Rolle des Soldaten oder des „toxischen“ Karrieresubjekts à la „Wolf of Wall Street“.
Um allerdings mit diesen Narrativen zu brechen, braucht es mehr als nur den Willen. Ein solcher Bruch gelingt nur, wenn gleichzeitig alternative positive Visionen von Männlichkeit angeboten werden. In der Doku finden sich hierzu einige Künstler*innen. Einen breiten Entwurf positiver Männlichkeitsbilder lässt sie allerdings offen. Eine absolute Empfehlung für alle, die sich mit den gesellschaftlichen und kulturellen Konstruktionen von Männlichkeit auseinandersetzen möchten.
Jugendnetzwerk lambda::nord e.V.
16. April 2025Weiterlesen Der Verein wird von einem ehrenamtlichen Vorstand geleitet und beschäftigt mehrere hauptamtliche Mitarbeiter*innen. Daneben unterstützen ehrenamtliche junge Menschen und Praktikant*innen das Team in verschiedenen Bereichen. Der Verein besteht aus den vier Bereichen Geschäftsführung, Bildungsarbeit, Queere Kinder- und Jugendarbeit und einer Informations- und Beratungsstelle. Durch diese Angebotsvielfalt setzt sich lambda::nord in den verschiedensten Bereichen für die Bedürfnisse und Interessen von heranwachsenden queeren Menschen ein. So schafft das Jugendnetzwerk Sichtbarkeit für die LSBTIQ*-Community und zeitgleich einen Safer Space für queere junge Menschen, um sich auszutauschen, sich zu engagieren, sich beraten zu lassen und gemeinsam Zeit zu verbringen.
Die offene Kinder- und Jugendarbeit findet in den Räumlichkeiten von lambda::nord statt. Jeden Mittwoch finden die beiden offenen Jugendgruppen statt. Der „Dinozug“, für Menschen von 12-16 Jahren, trifft sich von 16-18 Uhr. Die „Rosa Einhorn Brigade“, für Menschen von 17-27 Jahren, trifft sich von 18:30-21 Uhr. Im wöchentlichen Wechsel finden Koch-, Spiel-, Kreativ- und Themennachmittage statt. Des Weiteren wird derzeit dienstags und donnerstags ein offener Treff angeboten. Auf Instagram teilt @queere_jugendarbeit_hl das aktuelle Programm und weitere Informationen zu bspw. Gedenktagen regelmäßig mit.
Wer nach Vernetzung und konkreten queeren Jugendangeboten in Schleswig-Holstein sucht oder diese anleiten möchte, kann sich bei der Koordinationsstelle für queere Kinder- & Jugendarbeit und Ehrenamtsmanagement in Schleswig-Holstein melden.
Informationen und Beratung rund um Fragen und Problemlagen von jungen queeren Menschen finden in der Informations- und Beratungsstelle „NaSowas“, ebenfalls in den Räumlichkeiten von lambda::nord, statt. Hier können queere Menschen, Angehörige, Freund*innen und auch Fachkräfte Informationen sowie Unterstützung erhalten und ein offenes Ohr finden.
QU::ALLE und SCHLAU Lübeck sind als Bildungsangebot bei lambda::nord angebunden. Das Schlau Team besteht aus Ehrenamtlichen, die mit ihrer eigenen queeren Biografie Bildungsarbeit in Schulen leisten. Qu:alle richtet sich ebenfalls an Schüler*innen und gibt Workshops zu den Themen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt. Das Angebot richtet sich auch an Fachkräfte im schulischen Kontext, um zu den Themen aufzuklären und zu sensibilisieren.
Weiterlesen Im Jahr 1990 gründete sich der Verband in Leipzig als „Schwulenverband in der DDR“, neun Jahre später wurde er zum „Lesben- und Schwulenverband in Deutschland“. 2024 nannte er sich in „LSVD+ Verband Queere Vielfalt“ um. Damit soll deutlicher gemacht werden, dass der Verband für die gesamte queere Gemeinschaft einsteht. Die Geschichte des Verbands kann auf der Webseite nachgelesen werden. In seiner Rede bei der Jubiläumsfeier im Schloss Bellevue lobt der Bundespräsident den jahrzehntelangen Einsatz des LSVD+ für die queere Community und hebt das Motto seines Verbandstages hervor, das lautet: „Wir bleiben dran“. Denn die Situation für queere Menschen in Deutschland sei „sehr ambivalent“, so Steinmeier. Einerseits gebe es große Fortschritte in Hinblick auf Aufklärung und Toleranz, andererseits „die Gefahr eines gesellschaftlichen Rollback[s]“. Steinmeier geht auf queerfeindliche Angriffe von Neonazis bei Pride-Paraden, homo- und transfeindliche Hasskriminalität und Fake News ein. Dabei erwähnt er auch die Situation in den USA, in denen die Trump-Regierung immer mehr queerfeindliche Maßnahmen erlässt. Mit Blick auf solche reaktionären Tendenzen formuliert Steinmeier einen Appell: „Wir bleiben dran“ müsse auch für Politik und Gesellschaft gelten. Vonseiten des LSVD+ sprechen Alva Träbert und Alexander Vogt aus dem Bundesvorstand beim Empfang. Nachdem sie sich für Steinmeiers Unterstützung und Wertschätzung bedanken sowie seinen Einsatz für Vielfalt loben, weisen sie auch auf Missstände inner- und außerhalb Deutschlands hin. Träbert und Vogt wollen „den Finger in die Wunde legen“, so wie der Verband es die letzten 35 Jahre tat und worauf sein Erfolg beruhe. Konkret geht es um die Lage von LSBTIQ* im Ausland, darunter Afghanistan, Georgien, Iran und Russland. Insbesondere die Situation in Afghanistan besorgt die Redner*innen des LSVD+ sehr und sie kritisieren in Hinblick darauf den Umgang in Deutschland mit der Aufnahme afghanischer Geflüchteter: „Während deutsche Politik und deutsche Medien diskutieren, wer wirklich gefährdet ist und wer vermeintlich selbst eine Gefahr darstellt, sind queere und trans Personen in Afghanistan vor allem eins: allein. Bei einer unkoordinierten und überstürzten Beendigung des Bundesaufnahmeprogramms zahlen queere Menschen den höchsten Blutzoll.“ Der LSVD+ setzte sich in den letzten Jahren stets auch für den Schutz queerer Geflüchteter ein. Dabei wurde das geforderte Ende des Bundesaufnahmeprogramms Afghanistan wiederholt in den Blick genommen und kritisiert. Der Verband machte dahingehend immer wieder auf die Gewalt aufmerksam, die LSBTIQ* Personen unter der Taliban-Regierung fürchten müssen. In den vergangenen 35 Jahren hat der LSVD+ Verband Queere Vielfalt unermüdlich die Situation queerer Menschen beobachtet und sich für ihre Rechte eingesetzt. Mit klaren Forderungen an die Politik strebt der Verband danach, dass queere Menschen in Sicherheit leben können, die gleichen Rechte genießen und vor Diskriminierung geschützt sind. Der LSVD+ spielt eine entscheidende Rolle für die Interessen von LSBTIQ* in Deutschland. Wir gratulieren dem LSVD+ zu seinem 35. Jubiläum!
Weiterlesen Zu diesem spannenden Thema hatten wir bereits im Februar 2024 eine Programmempfehlung: In der Arte-Reihe „42 – Die Antwort auf fast alles“ befassten sich die Macher*innen mit der Frage „Sind wir alle bisexuell?“. Als Antwort zeigte die Doku, dass „Bi-Sein“ kein Entweder-Oder, sondern ein Spektrum ist, in dem Menschen bewusst oder unbewusst ihre Identität finden. Die Idee, dass sich Menschen zu allen Geschlechtern hingezogen fühlen können, eröffnet damit spannende Diskussionen über die biologische und soziologische Dimension menschlicher Sexualität. An dieser Stelle knüpft die Dokumentation „Queere Tiere – Mehr als Männchen und Weibchen“, ebenfalls von Arte, an. Sie greift auf, wie die Vielfalt der tierischen Sexualität und ihre Verhaltensweisen traditionelle Geschlechterbilder auch auf nichtmenschlicher Ebene infrage stellen. Beispiele wie homosexuelle Dickhornschafe, kuschelnde Löwenmännchen und Delfine veranschaulichen diese Buntheit auf humorvolle Weise und eröffnen neue Perspektiven auf die Schönheit und Komplexität des Lebens. Der Blick auf die Tierwelt macht deutlich, dass Vielfalt die Regel und nicht die Ausnahme ist.
Weiterlesen Laut Webseite kommt der TEDDY AWARD „Filmen und Personen zugute[…], die Themen zur gesellschaftlichen Vielfalt kommunizieren und einen Beitrag für mehr Toleranz, Akzeptanz, Solidarität und Gleichstellung in der Gesellschaft leisten.“ Bei der diesjährigen Preisverleihung an der Berliner Volksbühne wurde der australische Film „Lesbian Space Princess" von Leela Varghese und Emma Hough Hobbs in der Kategorie ‚Bester Spielfilm‘ gekürt. Der Film spielt in einem queeren Science-Fiction Universum, die Protagonistin „Princess Saira“ befindet sich auf einer „inter-gay-lactic“ Selbstfindungsreise. Den besten Dokumentarfilm gewann Rosa von Praunheim mit „Satanische Sau“. Der queere Regisseur, dessen Filme eine wichtige Rolle für die deutsche LGBTIQ*-Bewegung einnahmen, erklärt zu dem Film: „Die Sau bin ich, gespielt von meinem Alter Ego, dem genialen Schauspieler Armin Dallapiccola. Der Film ist ein Traum, eine Parodie, eine Farce meines Lebens. Poetische Assoziationen zu meinem Tod, zu meinem Sexleben, zu meiner Wiedergeburt.“ Seit diesem Jahr bedeutet die Auszeichnung in der Kategorie Dokumentarfilm noch eine weitere Ehre. Der Gewinnerfilm wird automatisch für einen Oscar in der Kategorie ‚Dokumentarfilm‘ qualifiziert. Der Film über den Künstler Lloyd Wong (Titel: Llyod Wong, Unfinished) von Lesley Loksi Chan wurde als bester Kurzfilm ausgezeichnet. Weitere Informationen zu den ausgezeichneten und nominierten Filmen sowie Interviews mit den Regisseur*innen finden sich auf dem Blog des TEDDY AWARD. Zudem findet sich auf der Webseite eine Übersicht über queere Filmfestivals auf der ganzen Welt. Den Hauptpreis der Berlinale, den Goldenen Bären, gewann im Übrigen auch ein LGBTIQ*-Film: „Dreams (Sex Love)“ vom norwegischen Regisseur Dag Johan Haugerud. Der queere Coming of Age Film handelt von einer 17-Jährigen, die sich in ihre Lehrerin verliebt. Nach Angaben von queer.de soll er im Mai 2025 in die deutschen Kinos kommen.







