Echte Vielfalt

Lebensbereiche

Eine Fotomontage eines Kusses des Amed Sherwan mit dem Aktivisten Mohamed Hisham in Mekka wurde auf Facebook und Instagram gelöscht und die Profile der beiden gesperrt. Im Hintergrund der sich küssenden Männer ist die Kaaba in Mekka sowie eine Regenbogenfahne zu sehen.

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Die beiden Geflüchteten engagieren sich in der Säkularen Flüchtlingshilfe. Die Organisation vermutet, dass das Bild dass das Bild "massenhaft von fundamentalistischen Muslimen aus der ganzen Welt gemeldet" wurde. Gegen Beleidigungen oder sogar Morddrohungen welche die beiden Aktivisten erhalten haben, ging Facebook jedoch nicht vor.

Der aus Kurdistan geflohene und selbst heterosexuelle Amed Sherwan erklärte, er habe das Bild als Zeichen der Solidarität mit LGBTIQ-Personen in muslimischen Communitys veröffentlicht. Mit Unterstützung der Giordano Bruno Stiftung wehrt er sich nun gerichtlich. Auch eine Petition wurde ins Leben gerufen.

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Mehr als einen Menschen lieben und sogar mehrere Beziehungen führen: Polyamore Menschen machen genau das. Echte-Vielfalt sprach mit Maria, die Polyamorie lebt. Maria ist Anfang 30, Psychologin, pansexuell und lebt in Bayern.

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Was verstehst Du unter Polyamorie?

Polyamorie bedeutet grundlegend, Beziehungen mit mehreren Menschen zu haben, so dass es hier keine Exklusivität gibt: Weder auf Sexualität bezogen noch auf emotionale Nähe. Es gibt natürlich auch Unterschiede, zum Beispiel Polyamorie-Konzepte, in der Beziehungen hierarchisiert werden, oder Konzepte, die das ablehnen. Ich nutze diese Begriffe mittlerweile auch gar nicht mehr so, sondern erkläre lieber direkt, wie es eigentlich bei mir ist.

Wie sieht denn das polyamore Beziehungsmodell derzeit bei Dir praktisch aus?

Ich sehe mich mittlerweile auch eher als „beziehungsanarchistisch“, da ich vorgefertigte Konzepte einfach nicht hilfreich finde. Bei mir ist es so, dass ich derzeit, je nachdem wie man fragt, um die fünf Beziehungen habe. Diese sind alle sehr unterschiedlich, wie auch die Menschen, mit denen ich diese Beziehungen habe. Am meisten Zeit verbringe ich mit Josef, wir wohnen auch im selben Ort, und er ist auch die Person, mit der ich Zukunftsträume habe. Josef hat vorher hauptsächlich Beziehungen mit Männern gehabt, seine bisherigen Beziehungen waren auch eher monogam. Josef möchte übrigens keine anderen Leute daten, aber das bedeutet bei uns nicht, dass ich nicht Beziehungen mit anderen Menschen ausleben darf.
Ich habe eine weitere Beziehung mit einer Person, die auch bei mir in der Nähe wohnt, welche total schön ist, auch wenn wir uns nicht so oft sehen. Dann habe ich außerdem noch Beziehungen zu drei Personen, die alle in der gleichen Stadt in Norddeutschland wohnen, und welche jeweils untereinander auch Beziehungen zueinander haben.

Wie hat es sich ergeben, dass Du dich für eine polyamore Lebensweise entschieden hast?

Ich war immer in monogamen Beziehungen, bis meine beste Freundin entschieden hat, ihre langjährige Beziehung zu öffnen. Ich dachte, das wäre nie etwas für mich, dann habe ich aber mitbekommen, wie das bei den beiden funktioniert und fand es total schön und wurde neugierig. Mir schien es dann auch irgendwann intuitiv sinnvoller und für mich passender als die Beziehungsformen, die ich bis dahin gelebt hatte. Es ist Teil meiner Identität geworden und wenn ich es Leuten erzähle, fühlt es sich auch ein bisschen wie ein Coming-out an, interessanterweise ist das bei meiner sexuellen Orientierung, die sich auf mehr als ein Geschlecht bezieht, anders.

Weiß denn Deine Familie davon?

Die weiß davon. Mein Bruder hat sehr interessiert reagiert. Meine Mutter hatte zunächst damit mehr Schwierigkeiten, da sie Angst hatte, dass ich keine ernsteren Beziehungen mehr habe, oder sie keine Enkelkinder bekommen wird.

Welche Herausforderungen ergeben sich bei diesem Beziehungskonzept?

Die größte Herausforderung ist das Zeitmanagement (lacht). Es gibt keine Begrenzung von Liebe, die man für Menschen empfinden kann, aber es gibt halt nur eine begrenzte Zeit, von der ich auch nicht mehr zu Verfügung habe als andere Leute. Das beschäftigt mich oft, also wie ich es schaffen kann, mit allen meinen Beziehungsmenschen Zeit zu verbringen, ohne dass sich jemand vernachlässigt fühlt, das beschäftigt mich aber genauso in meinen Freundschaften.

Andere denken oft, dass eine große Herausforderung die Eifersucht ist, was mich fasziniert, da Eifersucht erst mal nur ein Gefühl ist. Wenn man sich auf eine Beziehung einlässt, dann geht man das Risiko ein, dass man Dinge fühlt, und zwar nicht nur schöne Dinge, sondern auch unangenehme.
Ich merke auch, dass das, was mir über Eifersucht beigebracht wurde, oft einfach nicht stimmt. So läge ich ganz oft daneben vorherzusagen, wann zum Beispiel Josef eifersüchtig wird. Natürlich kommt das vor, das man eifersüchtig wird, aber dann spricht man darüber und dann legt sich das auch wieder ziemlich schnell.

Wie begegnen Dir Menschen aus der LSBTIQ-Community, wenn sie erfahren, dass Du poly bist?

Viele, die ich in einem solchen Umfeld kennen lerne, sind entweder selbst poly oder wissen, was damit gemeint ist. Ich treffe aber natürlich auch in meiner Blase eher Leute, die offen für sowas sind, deswegen ist das vielleicht auch nicht so verallgemeinerbar.

Was wünscht Du dir von der Gesellschaft?

Entspannung, was die Gestaltung des Liebes- und Sexlebens anderer Leute angeht. Hier kann ich nicht so verstehen, warum es so wichtig ist, wie ich lebe, da ich ja niemandem damit schade. Zum Beispiel: Nur weil man als anders und nicht der Norm entsprechend eingeordnet wird, ist es nicht in Ordnung, jemanden, obwohl man ihn nicht kennt, ganz persönliche und intime Dinge zu fragen. Ebenfalls stört mich, dass an meine Beziehungsform gerade im Fall von Konflikten zwischen Beziehungspartner*innen mitunter von außen andere Ansprüche gestellt werden als an andere Beziehungsmodelle. Wenn es also Schwierigkeiten gibt, führen einige das sofort auf die Beziehungsform zurück. Ich würde aber ja auch nicht Freund*innen, die in monogamen Beziehungen leben, im Falle von Beziehungsproblemen vorwerfen, dass sie das falsche Beziehungsmodell leben.

Ein weiterer Punkt ist das Thema Kinder, hier wünsche ich mir eine größere Offenheit dafür, dass Menschen, die in anderen Beziehungsmodellen leben, genauso Kinder großziehen können. Das ist ähnlich den Vorurteilen Regenbogenfamilien gegenüber.

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Seit 2017 gibt es für Opfer des ehemaligen §175 StGB die Möglichkeit einer Entschädigung. Bei der Beantragung oder den Voraussetzungen hilft die Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren (BISS e.V.) mit einer Beratungshotline. Der Paragraph 175 hatte Homosexualität lange unter Strafe gestellt.

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Vor drei Jahren hatte der Deutsche Bundestag entschieden, Opfer einer Strafverfolgung im Rahmen des ehemaligen §175 StGB zu entschädigen. 2019 ist der Entschädigungskreis noch einmal erweitert worden, zunächst hatten nur diejenigen einen Anspruch auf Entschädigungen, die tatsächlich richterlich verurteilt worden sind.

Um bei der Beantragung einer Entschädigung Unterstützung zu geben, bietet die Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren eine kostenlose Beratungshotline an. Unter der Nummer 0800 175 2017 können Beratungssuchende immer montags bis freitags zwischen 11 und 17 Uhr Hilfe erlangen.

Eindrücke zu dem Thema sind nun auch in einem Film verfügbar, der seit Dezember auf dem Youtube-Kanal der BISS-Geschäftsstelle abrufbar ist:

https://www.youtube.com/watch?v=2CBI1kjd5PM&feature=youtu.be

Darin wird sehr veranschaulichend dargestellt, was es mit den Entschädigungen auf sich hat und wie man vorgehen kann. Auch Zeitzeuge Klaus Schirdewahn erzählt in dem Film, wie es zu seiner Verurteilung aufgrund seiner Homosexualität gekommen war. Georg Roth, Vorstandsvorsitzender von BISS e.V. erklärt in dem Filmbeitrag die Hintergründe der Entschädigungskampagne: „Diese Schwulenbewegung hat auch dazu geführt, dass wir im Jahr 2015 die Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren gegründet haben (…). Eines unserer wichtigsten Ziele von Anfang an war die Aufhebung der Urteile aus der Zeit nach 1945.“

Durch den Paragraphen 175 wurden schwule Männer jahrzehntelang verfolgt. 1872 ist die Norm beschlossen worden, die dann im Faschismus weiter verschärft wurde. Es drohten bis zu fünf Jahre Haft. Selbst in der Bundesrepublik hielt man auch nach 1945 an der Fassung der Nazis fest – erst mit den Reformen 1969 ist die Rechtsnorm abgemildert worden. Ersatzlos gestrichen ist §175 erst seit 1994. Politische Verfolgung von Schwulen gab es auch in der DDR durch §151 StGB-DDR, allerdings war die Zahl der Verurteilten deutlich geringer als in der BRD.

Zur Internetseite der Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren gelangen Sie über diesen Link.

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Bis Ende 2020 sollte das Modellprojekt „Queer im Alter“ dazu beitragen, Einrichtungen der Altenhilfe für LSBTI*-Personen zu öffnen. Ergebnisse werden unter anderem auf der Abschlusstagung vorgestellt, die im Januar online stattfindet.

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Das Modellprojekt ist aus dem Bereich der Altenhilfe für LSBTI*  der AWO, ist eine Altenhilfe-Einrichtungen für Lesben-, Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuelle Menschen (kurz LSBTI*; das Sternchen soll jene Menschen ergänzend berücksichtigen, die sich keiner dieser Kategorien zuordnen) zu öffnen. „Viele ältere LSBTI* fürchten sich vor Ablehnung und Ausgrenzung, die ihr Leben mit geprägt haben und die sie in den letzten Jahren ihres Lebens nicht erneut erleben möchten“, heißt es im Flyer Queer im Alter (awo.org) der AWO zu den Hintergründen des Modellprojekts. „Altenhilfeeinrichtungen sollten daher eine Willkommenskultur nicht nur aber auch für LSBTI* entwickeln, damit diese spüren, hier bin ich erwünscht, hier kann ich leben und sein wie ich möchte.“

Mit dem Ende des Jahres 2020 endet auch das Projekt, welches durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert wurde. Am 28.01.2021 findet zwischen 12:00 und 15:30 Uhr die Abschlusstagung des Modellprojektes statt. Schwerpunkt der Tagung soll die Vorstellung eines neu erarbeiteten Praxishandbuches sein.

Situationsbedingt wird die Veranstaltung online stattfinden. Weitere Informationen zur Veranstaltung und zur Anmeldung finden Sie hier Modellprojekt „Queer im Alter“ | AWO Veranstaltungsservice .

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Marcel Danner (30) hat die seltene und begehrte Blutgruppe „0 negativ“, die für Universalspenden verwendet werden kann. Bis er 20 war ging er Blut spenden. Doch dann durfte er nicht mehr – weil er sich als schwul outete und mit Männern schlief. Dieses Verbot sei ungerecht.

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Danner, der den Titel „Mr. Gay Germany 2019“ hält, will die Social-Media-Aufmerksamkeit, die er genießt, zur Aufklärung über diese Thematik nutzen. In einem Interview mit dem Online-Netzwerk Funk erklärt er deshalb, warum es ungerecht sei, dass homosexuelle Männer durch das Transfusionsgesetz „über einen Kamm geschert“ würden. Demnach dürfen Schwule erst nach 12 Monaten der sexuellen Enthaltsamkeit Blut spenden. Zwar gäbe es beim Analsex das höchste Infektionsrisiko für sexuell übertragbare Krankheiten, Danner weist jedoch darauf hin, dass nicht alle Schwule das gleiche Sexverhalten hätten. Erstens könne man sich durch Kondome oder die Einnahme des Vorsorge-Medikaments PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe) vor einer HIV-Ansteckung schützen. Und zweitens bedeute Sex zwischen zwei Männern nicht immer gleich Analsex: „Sex ist vielfältig, wie jeder Mensch vielfältig ist“, so Danner. Deswegen rief er 2019 die Social-Media-Kampagne #Blutsbruder zur Unterstützung einer Online-Petition ins Leben, die darauf aufmerksam machen soll, dass es nicht um sexuelle Orientierung, sondern um das individuelle Sexualverhalten gehen sollte: „Denn wir Schwule sind mehr als eine Risikogruppe“. Solche Herangehensweisen gäbe es auch bereits in anderen Ländern wie Spanien und Portugal: Dort werde man nicht danach gefragt mit wem man Sex habe, sondern wie oft und unter welchen Umständen. Dies schaffe Bedingungen, unter denen mehr Menschen Blut spenden könnten. Bislang dürften in Deutschland nur 33% der Bevölkerung Blut spenden, nur 3-4% täten es tatsächlich. Die bestehenden Regelungen für Schwule würden dies nicht nur noch weiter einschränken, sondern auch das falsche Bild untermauern, dass HIV eine „Schwulen-Krankheit“ sei: Jede*r könne HIV bekommen. Aber jede*r sollte auch Blut spenden dürfen, sofern er*sie sich schützt.

Finden Sie hier einen Überblick über HIV/Aids Präventions- und Therapie-Maßnahmen und Möglichkeiten.

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Der Landesfrauenrat Hamburg (LFR), verleiht ein Mal jährlich die Hammonia, eine Auszeichnung mit dem Namen der Hamburger Stadtgöttin. Der Preis ehrt seit 2008 Frauen, „deren kompetentes und entschiedenes berufliches, ehrenamtliches oder politisches Engagement Frauen und ihre Gleichstellung fördert“, so der LFR.

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Dieses Jahr geht die Auszeichnung an Diakonin Eva Burgdorf für ihre Verdienste für die Gleichstellung lesbischer Frauen in der Kirche. Dazu Christiane Klappert, Vorsitzende des Landesfrauenrates: „Eva Burgdorf ist durch ihr langjähriges Engagement für die Sichtbarkeit lesbischer Frauen von uns ausgezeichnet worden. Ihr konsequenter Einsatz für deren Gleichstellung, gerade auch im kirchlichen Kontext, ist mutig, engagiert und notwendig.“

Die Verleihung des Preises fand digital statt. Neben einer Laudatio und mehreren kleinen Reden gab es auch eine Gratulation durch die Senatorin Katharina Fegebank per Video.

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Nach dem Erfolg von “Prince Charming“, einer mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten schwulen Dating-Show, soll im kommenden Jahr nun eine lesbische Version entstehen, wie der Sender RTL bekanntgab. Die Sendung wird auf der Streaming-Plattform der RTL-Sendergruppe, TVNow, laufen.

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Nachdem ursprünglich ein Format mit einer bisexuellen Frau geplant war, hatte sich der Sender nach Zuschriften von Zuschauer*innen und Bewerber*innen dafür entschieden, eine rein lesbische Show zur konzipieren. Derzeit werden noch Kandidat*innen gesucht, Interessierte können sich hier bewerben.

In der Show soll, ähnlich wie es bereits aus „Prince Charming“ oder den heterosexuellen Formaten „Bachelor“ und „Bachelorette“ bekannt ist, eine Protagonistin  ihre Traumpartnerin finden. Dabei kann sie zwischen verschiedenen Kandidat*innen wählen und mit ihnen gemeinsam oder einzeln Dates verbringen. Nach und nach müssen Kandidat*innen die Show verlassen, bis am Ende die am besten passende Partnerin von der „Princess“ ausgewählt wird.

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Der Lesben- und Schwulenverband Deutschlands (LSVD) kritisiert die Ausnahmen für Kontaktbeschränkungen über Weihnachten als heteronormativ

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Bis mindestens zum 10. Januar dauert der jetzige Lockdown noch an. Maximal fünf Personen aus zwei Haushalten dürfen sich treffen. Über die Weihnachtstage gibt es jedoch Lockerungen, die in einem Beschluss der Bundeskanzlerin mit den Ländern festgelegt wurden. Vier weitere über den eigenen Haushalt hinausgehende Personen darf man demnach vom 24. Bis zum 26. Dezember treffen, plus Kinder im Alter von bis zu 14 Jahren. Die Personen müssen jedoch aus dem engsten Familienkreis stammen. Dazu gehören Ehe- und Lebenspartner*innen sowie Verwandte.

Der LSVD kritisierte diesen Beschluss, der nur „leibliche“ Verwandte als wichtigste Bezugspersonen ansehe, und ein Weihnachten mit der Wahlfamilie verunmögliche: „Die Idee der heilen Familie ignoriert sowohl das massive Vorkommen von häuslicher Gewalt, als auch die mitunter gravierenden Diskriminierungserfahrungen, die Lesben, Schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen in ihren Herkunftsfamilien machen müssen und daher mit diesen gebrochen haben, so der LSVD. „Freundschaften als Wahl- und Ersatzfamilie sind daher für LSBTI essenziell und überlebenswichtig. Ihnen soll jetzt ein gemeinsames Weihnachten verboten werden. Das verstärkt die soziale Isolation von LSBTI. Das kann so nicht hingenommen werden.“

Kritik wurde auch von queeren Parteiorganisationen geäußert. Queer-Organisationen der Linken und der Grünen kritisierten die Beschlüsse und forderten, dass auch Nichtverwandte in kleiner Anzahl über Weihnachten zusammenkommen dürfen sollten: „Für Millionen von Menschen in der Bundesrepublik sind Wahlverwandtschaften und die Beziehung zu Freund*innen ihr engster Kreis, nicht Familienangehörige. Ein Rückfall in die muffigen 1950er Jahre stellt keinen Schutz vor Sars-CoV-2 dar“ so die Sprecher*innen von DIE LINKE.queer, Luca Renner und Frank Laubenburg.

Mittlerweile wurden die Ausnahmeregelungen der Kontaktbeschränkungen jedoch in einigen Bundesländern entsprechend angepasst, und haben nun den Stellenwert von Freundschaften als Wahl- und Ersatzfamilie hervor. Für die anderen Bundesländer fordert der LSVD Nachbesserungen. Eine Übersicht über den aktuellen Stand der Ausnahmeregelungen der Kontaktbeschränkungen über Weihnachten findet sich auf der Webseite des LSVD.

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Nadine ist 30 Jahre alt, lebt in Hamburg und ist bisexuell. Echte-Viefalt.de sprach mit ihr über ihre Erfahrungen als bisexuelle Frau.

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Was bedeutet der Begriff Bisexualität für Dich?

Bisexualität bedeutet für mich, dass man keine sexuelle Präferenz nur ausschließlich für Frauen oder Männer hat bzw. eben nur für ein Geschlecht. Trotzdem kann es natürlich sein, dass man auch als bisexuelle Person ein Geschlecht bevorzugt, und zum Beispiel eher Beziehungen und Dates mit Männern oder eher mit Frauen hat. Die eine Seite kann überwiegen, muss es aber nicht unbedingt.
Bei mir ist das zum Beispiel so, dass ich eher auf Frauen stehe und mich eher mit meiner ‚lesbischen Seite‘ identifizieren kann, allerdings hatte ich die meisten Beziehungen bisher eher mit Männern. Das hat sich einfach eher ergeben, da man  halt mehr Möglichkeiten im Alltag hat Männer kennen zu lernen, und wenn man Frauen kennen lernen möchte, die auf Frauen stehen, dann muss man eher in der queeren Community unterwegs sein und zum Beispiel auf Events gehen, ansonsten wird das eher schwierig.

Wie verlief Dein Coming-Out?

Bei meinen Freunden musste ich das nie wirklich ansprechen, das ist einfach im normalen Miteinander herausgekommen oder einfach ganz normal gewesen, darüber zu sprechen. Zumal viele Freunde auch selber zum Beispiel bi- oder pansexuell sind.

Bei meinen Eltern hatte ich ein richtiges Coming-Out. Ich habe sie besucht und ihnen davon erzählt. Ich hatte davor etwas Angst, da ich auch bei anderen Dingen schon immer etwas anders war. Es war aber alles ganz entspannt, und meine Eltern haben mich getröstet, als ich dann vor Erleichterung kurz geweint habe.

Mit welchen Vorurteilen oder Diskriminierungserfahrungen hast Du zu tun?

Vorurteile habe ich persönlich keine erlebt. Man hört ja öfter mal von Vorurteilen wie „die können sich ja nicht entscheiden“ oder so, aber das ist mir selber nicht passiert. Diskriminierung habe ich in meinen lesbischen Beziehungen dahingehend erfahren, dass wenn ich zum Beispiel mit meiner Freundin spazieren gegangen bin, wir fast immer angesprochen worden sind. Sowohl im ,positiven‘ wie im negativen Sinne. Uns wurde zum Beispiel gesagt, dass wir ja besonders süß seien, das würde einem Hetero-Pärchen nicht passieren. Auf Parties wurden wir oft von Männern angebaggert, die das offenbar geil fanden, dass wir halt zwei Frauen sind, die was miteinander haben.

In der queeren Community wird mitunter der Vorwurf von Bi-erasure laut. Was ist Deine Meinung dazu?

Ich persönlich habe das nicht erlebt, aber habe davon gelesen, dass speziell bei Bi-Frauen ihre Bisexualität nicht immer ernst genommen oder als ‚Ausprobierphase‘ wahrgenommen wird. Ich habe auch mitbekommen, dass einige Lesben Angst haben, etwas mit einer Bi-Frau anzufangen, da diese glauben, sie könnten dann für einen Typen verlassen werden.

An sich finde ich Definitionen und das Einteilen in Kategorien oft eher anstrengend und Bi-Menschen sollten natürlich in der queeren Szene nicht ausgeschlossen werden. Man sollte sich eher auf die Persönlichkeit eines Menschen konzentrieren.

Was wünscht Du Dir von der queeren Community?

Ich wünsche mir weniger Vorurteile, und es sollte weiterhin ok sein, bisexuell sein zu dürfen. Ich bekomme in letzter Zeit öfter mit, das man  fast schon dazu gedrängt wird, nicht mehr das Wort „bisexuell“ nutzen zu dürfen, sondern stattdessen pansexuell sagen, oder sein sollte. Es könnten sich sonst  Gruppen wie trans Personen oder Non-Binaries ausgeschlossen fühlen. Ich finde aber, man sollte Menschen nicht dazu drängen, sich als pansexuell zu definieren, wenn sie sich eben als bi verstehen, und niemand sollte einer anderen Person ihre Sexualität vorschreiben. Allgemein wünsche ich mir außerdem weniger Anfeindungen untereinander und weniger Zwang, einem bestimmten Bild mit bestimmten politischen Ansichten entsprechen zu müssen. Bevor man einen politischen Ansatz als den absolut richtigen hinstellt, sollte man außerdem darüber diskutieren dürfen.

Was wünscht Du Dir von der Mehrheitsgesellschaft?

In den Medien gibt es kaum bisexuelle Charaktere. In Filmen und Serien sind diese entweder homo- oder heterosexuell, aber eben kaum bi. Ich würde mir zudem auch wünschen, dass es gar nicht so sehr zur Sprache kommt, wie die Sexualität von Menschen ist, und das Dinge einfach passieren.

Homo- und Bisexualität und andere sexuelle Orientierungen sollten in der Gesellschaft nicht mehr als unnormal empfunden werden. Es sollte auch nicht immer wieder betont werden, dass jemand homo- oder bisexuell ist, sondern einfach normal und ok sein.

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Am 18. und 19. November organisierte das Bundesfamilienministerium in Berlin eine europäische (Online-)Konferenz zu lesbischer Sichtbarkeit. Die Konferenz ist die erste internationale Veranstaltung, welche die Interessen und Lebensrealitäten lesbischer Frauen und Regenbogenfamilien in der EU thematisiert hat.

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An beiden Tagen fanden verschiedene Online-Vortrags und Diskussionspanels in englische Sprache statt, so zum Beispiel zu lesbischen Perspektiven auf Flucht und Migration, der Sichtbarkeit von lesbischen Frauen in der wissenschaftlichen Forschung oder der rechtlichen Gleichstellung von Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern in der EU.

Angestrebtes Ziel der Konferenz ist die Umsetzung einer übergreifenden EU-Strategie für die Förderung von LSBTI*-Rechten sowie auch  die spezifischen Lebenssituationen lesbischer Frauen in politischen Maßnahmen der EU zu berücksichtigen. Das „L“ in LGBTI* werde meist nur mitgesprochen, so eine Sprecherin des Familienministeriums, während „Bedarfe lesbischer Frauen und der häufig weiblichen Regenbogenfamilien“ oft nicht betrachtet würden. In einem Panel diskutierte zum Beispiel Bundesfamilienministerin Franziska Giffey mit der EU-Kommissarin für Gleichstellung, Helena Dalli, und der Generalsekretärin des Europarats, Marija Pejčinović Burić, über eine neue EU-Strategie zu LSBTI*-Gleichstellungspolitik.

Zentraler Ansatz der Konferenz ist das Konzept der Intersektionalität. Mit diesem theoretischen Ansatz aus der Frauen- und Geschlechterforschung soll die Aufmerksamkeit auf die vielfältigen sich überlappenden und verstärkenden Diskriminierungserfahrungen, denen in diesen Fall lesbische Frauen ausgesetzt sind, gelenkt werden. Mehrfachdiskriminierungen zum Beispiel in Bezug auf Geschlecht, Alter, Migrationshintergrund, Religionszugehörigkeit, Behinderung und sozial-ökonomischen Status sollen auf diese Weise mitgedacht werden: „Eine schwarze lesbische Frau erlebt auch in Deutschland sehr wahrscheinlich andere Benachteiligungen als eine weiße lesbische oder auch eine weiße heterosexuelle Frau. Dieses Wissen ist der Schlüssel dazu, in den Ländern der Europäischen Union politische Maßnahmen zu ergreifen, die alle erreichen: die heterosexuellen, die lesbischen, die schwarzen Frauen und Frauen mit Behinderung“ schreibt das Bundesfamilienministerium dazu auf seiner Webseite.

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